Archiv der Kategorie: Sprache

Die Menschen werden immer lauter, die Vögel auch


Über dieses Thema habe ich ja schon einmal geschrieben:
https://autorenseite.wordpress.com/2019/07/27/die-menschen-werden-immer-lauter-die-voegel-auch/
Und die Duplizität der Ereignisse wollte es, dass wir gerade wieder zum Essen in die „Windbeutelgräfin“ gegangen sind, die oben und im verlinkten Beitrag abgebildet ist. Es war wie immer sehr voll und als wir uns an einen der wenigen freien Plätze gesetzt hatten, war es nicht zum Aushalten. In dem Raum saßen etliche Frauen, die sich in einer Lautstärke unterhielten, als wären sie Stadionsprecherinnen. Und als sie dann noch kreischend lachten, haben wir die Flucht ergriffen. Der Brauch, dass man sich am Tisch in dezenter Lautstärke unterhält, kommt immer mehr ab. Oft hat man den Eindruck, als wollten viele Menschen den anderen unbedint zeigen, wie gut sie drauf sind.
Und noch etwas fällt mir auf: Die Menschen sprechen immer schneller, als wenn sie unter Zeitdruck stünden. Ich betrachte das als Zeichen dafür, dass die Menschen heutzutage nervöser werden. Im Duktus ihrer Sprache fehlt immer öfter Ruhe, Gelassenheit und Persönlichkeit.
Wenn ich in B5 aktuell die Nachrichten höre, dann werden die nicht nur schnell, sondern auch monoton ohne Punkt und Komma herunter gelesen.
Da ist es dann erholsam, wenn man es mit Menschen zu tun hat, die eine schöne Sprache pflegen.
Übrigens hat sich nicht sich nicht nur die Sprechweise der Menschen geändert, sondern auch das, was sie wie sagen:
https://autorenseite.wordpress.com/2019/09/14/ein-trauriger-tag-der-tag-der-deutschen-sprache/

Ein trauriger Tag, der Tag der deutschen Sprache


https://autorenseite.wordpress.com/home/

 

Heute ist Internationaler Tag der Ruhe und auch noch der Tag der deutschen Sprache. Was wir aus diesem Anlass hören, stimmt allerdings traurig: Der Wortschatz der Kinder wird immer kleiner. Kein Wunder, denn die Anglizismen verdrängen die deutsche Sprache immer mehr:
Anscheinend ist sie vielen Werbemanagern nicht modern genug. Wo man hinschaut, stößt man auf Anglizismen: „Coffee-to-go“, „Sale“, „Handy“ (was es nicht einmal im Englischen gibt), „chill-out“, „sun-downer“ und dergleichen mehr.
Nicht nur der deutschen Sprache wird Gewalt angetan. Auch das Bayrische wird immer mehr verballhornt. Besonders schlimm sind oft die Speisekarten bayrischer Hotels und Gaststätten. Selbst hochklassige Hotels machen mit, indem sie sich gewaltsam bayrisch geben: „Ganserl im Safterl“. Wer bitte-schön redet denn so im schönen deutschen Süden? Noch schlimmer ist das, was beispielsweise auf einer Alm angeboten wird: „Wos Fischig‘s“ oder “wos Nudlig‘s“. Da kann einem als Bayer schon der Appetit vergehen. Die Würste sind das Gericht, das am meisten bajuwarisiert wird: „Würstln“, „Würscht“ oder „Würschtel“. Ob so etwas den preußischen Gästen wirklich besser schmeckt? Und was ist mit den Ausländern, die ohnehin oft schon genug Schwierigkeiten mit dem Hochdeutschen haben? Man sieht also: das Pseudo-Bayrisch zeigt an, dass man sich auf provinziellem Niveau bewegt.
Der „Aküfi“: Was ist das denn? So werden Sie fragen. Der Aküfi ist eine Krankheit, die immer mehr um sich greift. Neulich hat Minister Söder in Traunstein ein BayernLab eröffnet. Was bedeutet das? Dank des Aküfi wissen wir es nicht.
Aküfi bedeutet übrigens Abkürzungsfimmel und der begegnet uns überall. Kürzlich habe ich beim Zeitungslesen gedacht, dass ich vielleicht zu alt bin und bei den modernen Ausdrücken nicht mehr mitkomme. Und da habe ich in einem Café einen Test gemacht. Ich bin von Tisch zu Tisch gegangen und habe die Gäste gefragt, was Abkürzungen, die in der Zeitung standen und die ich nicht begriffen hatte, bedeuten würden. Kein Mensch kannte sich aus.
Die Sprache ändert sich ja ständig. Was mich aber daran stört, ist die Tatsache, dass diejenigen, die nicht richtig deutsch können, die Änderungen bestimmen. So wurde das Partizip „eingeschaltet“ geändert in „eingeschalten“. Das hört man sogar im Fernsehen so: „Danke, dass Sie wieder eingeschalten haben“. Da stellen sich bei mir sämtliche Haare auf, soweit noch vorhanden.
Und manche Modeworte setzen sich plötzlich durch. Man fragt sich: Wieso? Wahrscheinlich treffen sie den Zeitgeist. Gerade hörte ich in den Nachrichten, dass jemand als Bürgermeisterkandidat „gehandelt“ wird. Normalerweise hätte man bisher gesagt: „Am meisten Chancen hat….“ Wenn sich nun eine Redewendung mit „handeln“ eingeschlichen hat, so ist das wohl als Zeichen dafür zu werten, dass viele bei uns alles für käuflich halten und die Politik als Kuhhandel betrachten.
Die Bundeszentrale für politische Bildung gab bekannt: Auch in Deutschland soll der Begriff „Farbige“ vermieden werden. Ist die Hautfarbe relevant, sei es demnach besser, von „schwarz“ zu sprechen.
Das ist kein Witz, sondern eine echte behördliche Verlautbarung. Ach, was haben wir doch dauernd für Probleme! Und was sind wir doch für superkorrekte Gutmenschen. Jetzt haben wir uns schon den netten Neger („Negerkuss“) abgewöhnt, und jetzt dürfen wir auch nicht mehr „Farbige“ sagen. Was schreibt man nun, wenn man einen Oberbegriff für Gelbe, Rote und Schwarze benutzen will. Ich schlage vor: „Menschen mit nichtweißer Hautpigmentierung“. Oder wissen Sie was Besseres?
Im österreichischen Fernsehen sieht man „Previews“ von Filmen, die zur „Prime-Time“ gesendet wurde. Warum zum Teufel heißt die Einblendung nicht „Vorschau“? Und warum redet man dauernd von der „Prime-Time“? Anglizismen mögen ja angebracht sein, wenn das englische Wort eine moderne Erscheinung bezeichnet wie beispielsweise den „Nerd“. Würde man stattdessen „Computerfreak“ sagen, wäre das auch wieder englisch. Und „Sonderling“ passt auch überhaupt nicht.
Die Ausbreitung der Anglizismen ist in der Regel darauf zurück zu führen, dass sich die Leute modern vorkommen, wenn sie die englische Sprache benutzen. Deshalb ist schon ungefähr die Hälfte der Werbesprüche englisch und an den Läden liest man Worte wie „Outlet“, „Sale“, usw.
Eine Grenze ist jedoch für mich dort überschritten, wo selbst ich, der ich die englische Sprache beherrsche, nicht mehr mit komme. So las ich in einer deutschsprachigen Email gerade: „btw“. Keine Ahnung, was das bedeuten sollte, zumal ich ja nicht wusste, dass das eine englische Abkürzung für „by the way“ war. Warum schrieb der Absender nicht einfach: „nebenbei“ oder „übrigens“? Weil er offenbar ein Angeber ist und mir wohl zeigen wollte, wie viel mehr er auf der Höhe der Zeit ist als ich.
An Allerheiligen brachte das ZDF in den Nachrichten die Meldung, dass die Menschen zu diesem Tag ihre Gräber „pimpen“. Entsetzlich, wenn solche Worte in den Nachrichten gebracht werden, noch dazu aus solchem Anlass. Zwar hat es das Wort pimpen so weit gebracht, dass es im Duden steht, aber warum verteidigen wir nicht unsere deutsche Sprache, indem wir die herkömmlichen Wörter verwenden und also in den Nachrichten den Satz zu hören bekommen, dass an Allerheiligen die Gräber geschmückt werden. Im übrigen ist das Ausschmücken der Gräber eine alte Tradition und dazu passt so ein englisches Wort wie „pimpen“ überhaupt nicht. Haben die Leute beim ZDF denn kein Sprachgefühl? Und vergewissern sie sich nicht, woher das Wort „pimpen“ kommt? Es bedeutete eigentlich als Zuhälter tätig sein! Und es klingt fast wie „pimpern“, was so viel wie „vögeln“ heißt.
Früher ging man einkaufen, heute geht man shoppen. Manche Sprachwissenschaftler schimpfen darüber. Aber man muss schon sehen, dass die englischen Wörter vielfach etwas anderes bezeichnen als die deutschen: Backfische gibt es nicht mehr, sondern nur Teenager und die sind ganz etwas anderes. Auch unter „Kids“ stelle ich mir etwas anderes vor als unter dem Begriff „Kinder“. So gäbe es noch viele Beispiele.
Aber um auf das Einkaufen zurück zu kommen: Zu meiner Zeit ging man nur dann zum Einkaufen, wenn man etwas brauchte. Erst wenn beispielsweise ein Jackett zerschlissen war, kaufte man sich ein neues.
Heute geht man zum Shoppen, auch wenn man gar nichts Neues braucht. Das Herumschauen in den Geschäften ist zu einer Freizeitbeschäftigung geworden. Durch das Shoppen (und Fernsehen) merken viele Menschen, dass sie mit sich bzw. ihrem Leben nichts anzufangen wissen.
Ich bin wie gesagt von vorgestern. Das merke ich auch, wenn ich beispielsweise den „Spiegel“ lese und auf Ausdrücke stoße, von denen ich bisher dachte, dass sie zum Jargon meiner Enkel gehören, wenn sie mit Altersgenossen reden. Da lese ich beispielsweise „Smoothie“, Vollpfosten“ und ähnliche Ausdrücke, die das Rechtschreibprogramm meines PC noch als fehlerhaft rot unterringelt. Was ein Vollpfosten ist, kann ich mir schon vorstellen, aber ich vergewissere mich doch – gründlich wie ich nun einmal gerne sein möchte – über die genauere Bedeutung und frage mich, warum der Vollpfosten wohl den Vollidioten ersetzt haben mag.
Insgesamt ärgere ich mich, wenn ich auf einmal meine eigene Muttersprache nicht mehr ganz verstehe und nachschlagen muss, was genau gemeint ist. Ich erkläre mir solche Spiegelartikel mit den neumodischen Ausdrücken so, dass man gerne unheimlich modern sein möchte, um damit zu zeigen, dass man auf der Höhe der Zeit ist. Es scheint schlimm um den Spiegel zu stehen, wenn er so etwas nötig hat.
Je älter ich werde, umso mehr merke ich, dass vieles, was heute Sprachgebrauch ist, mir gegen den Strich geht. Ich habe hier ja schon über die Anglizismen oder die ständig neuen Modeworte geschrieben, bei denen ich nachschlagen muss, was sie bedeuten. Aber am schlimmsten finde ich die Wörter, die sich aus dem Bereich Sex in die Alltagssprache eingeschlichen haben. Mir würde nie über die Lippen kommen, etwas geil zu finden, was in meinem alten Sprachgebrauch toll ist. Aber das ist heute Alltagssprache. Gerade wurde sogar die politische Sendung „Bericht aus Berlin“ mit dem Wort supergeil angepriesen. Was soll das? Wäre es nicht notwendig, dieser Sendung einen sachlichen Vorspann voran zu stellen?
Übler jedoch sind allgemein benutzte Redewendungen wie diese:
Der hat keine Eier!
Das geht mir auf den Sack (bzw.: die Nüsse)!
Völlig absurd klang in meine Ohren, als kürzlich in einer Talkshow sogar eine Frau fand, das ginge ihr auf den Sack.
Inzwischen heißt es: „Im Sommer diesen Jahres…“ Schrecklich hört sich das für mich an, was sich da immer mehr ausbreitet. Nirgendwo höre ich mehr das, was bisher gegolten hat, nämlich: „dieses Jahres“.
Am schlimmsten aber ist für mich die Tatsache, dass das Wort „brauchen“ abgeschafft und durch „gebrauchen“ ersetzt wird. So hörte ich gerade in den Nachrichten, dass „der Bund immer mehr Geld gebraucht“. Der Unterschied zwischen „brauchen“ im Sinne von benötigen und „gebrauchen“ im Sinne von benutzen geht verloren. Der Film „Vater braucht eine Frau“ würde also neudeutsch heißen: „Vater gebraucht eine Frau“. Und das erinnert mich an einen Spruch aus meiner Halbstarken-Zeit:
Nach dem Essen soll man rauchen
Oder eine Frau gebrauchen.
(Entschuldigung!)
Und noch etwas zu dem Thema: In der Schule haben wir einmal die Regel gelernt:
Wer brauchen nicht mit „zu“ gebraucht
Braucht brauchen gar nicht zu gebrauchen.
Aber auch diese Regel ist heute weitgehend unbekannt.
Nichts gegen eine lebendige Sprache, die sich ständig verändert! Aber es muss ja nicht gerade das falsche Deutsch sein, das sich durchsetzt.
Ich bin es ja gewohnt, dass ich als alter Mensch vieles von dem modernen Zeug nicht verstehe. Wenn ich gerade auf meinem Browser las, dass nach einer Phase des Planking nun eine Phase des Mamming folgt, dann muss ich erst einmal googeln, um zu wissen, um was es geht. So geht es mir fast jeden Tag. Mit immer mehr Anglizismen wollen Schreiberlinge zeigen, wie sehr sie auf der Höhe der Zeit sind.
Schrecklich ist für mich auch der aufgekommene Missbrauch des Wortes Kultur:
So sprach die Nachrichtensprecherin im Fernsehen von einer „Kultur des Schweigens“. Was ist denn das denn für eine Kultur?
Kein Wunder, dass es mit unserer Sprachkultur immer weiter abwärts geht, wenn diejenigen, die Vorbild sein sollten, so daher reden oder schreiben.
Hier noch ein bisschen „neudeutsch“: Wir haben uns hier schon oft damit befasst, wie sich unsere Sprache (meist zu ihrem Nachteil) verändert. Dem einem fällt etwas ein und alle anderen plappern es nach, weil es so toll klingt.
So werden heute Spiele nicht mehr gewonnen, sondern es werden „Siege eingefahren“. Soweit es um die Formel 1 geht, ist das in Ordnung. Wie aber fährt ein Fußballverein seinen Sieg ein?
Bevor man zu solchen Redewendungen greift, sollte man sich doch erst einmal überlegen, ob sie passen. Und wenn die anderen dann das nachschreiben, sollten sie sich fragen, ob sie damit die deutsche Sprache bereichern.
Schrecklich finde ich auch die Formel „in trockenen Tüchern“. Sie soll von Frauen stammen, die ihr Kind nach dem Bad in ein trockenes Tuch packen. Aber kann man deshalb einen völkerrechtlichen Vertrag „in trockenen Tüchern“ haben?

Verbalkäse

Lügenpresse

In den Papierkorb damit!

Wir erfahren demnächst wieder, was das Unwort des Jahres sein soll. Allerdings haben diejenigen, die über dieses Prädikat entscheiden, beim letzten Mal total daneben gegriffen:
https://autorenseite.wordpress.com/2016/08/04/das-neue-unwort-ist-unwort/
Mich wundert, dass um dieses Unwort, das ein – sich elitär fühlender – Kreis von 6 Personen auswählt, so viel Aufheben gemacht wird.
Wir sollten dem Unwort einen von einer breiten Basis gewählten Ausdruck entgegen stellen, den wir missbilligen. Und da kenne ich einige:

  • „Ankurbeln“ ist so ein Begriff, den ich nicht mehr hören kann. Normalerweise wurden ja früher die Fahrzeuge, die noch keinen Anlasser hatten, nur einmal mit der Hand angekurbelt. Aber dann mussten sie von alleine laufen. Bei der Wirtschaft sollte es genau so sein. Jedenfalls geht es nicht an, dass beispielsweise die Auto-Konzerne für die Elektro-Mobilität eine Milliarden-Subvention erhalten. Sie erzielen Milliarden-Gewinne und die sind auch dazu da, mal etwas neues zu planen und auf den Markt zu bringen. Die „Subventionitis“ hat sich in unserem Staat ausgebreitet wie ein Krebsgeschwür. Mit dem Wort „Ankurbeln“ vertuscht man, dass man das Geld der Steuerzahler nach dem Gießkannen-Prinzip verstreut, und die Menschen nehmen das hin, weil sie sich einreden lassen, dass damit die Arbeitsplätze gesichert werden müssen.
  • „Postfaktisch“ ist auch so ein Begriff, der offenbar erfunden wurde, um die AfD auszubremsen. Dabei haben wir schon seit Jahrzehnten postfaktische Zeiten. Sie brauchen nur einmal die Wahlplakate aller Parteien anzuschauen und sie werden feststellen, dass dort nur Personen und Schlagworte abgedruckt sind. Das Schlimmste dieser Art hat sich einmal die CSU geleistet. Sie warb überall mit einem Riesenplakat, auf dem das Ehepaar Stoiber abgebildet war und darunter war zu lesen: „Die Stoibers“, als wenn es sich um eine Monarchie handeln würde. Wenn das nicht schon postfaktisch war, also abgehoben von jeglichen Tatsachen…
  • „Populismus“: Auch dies ist ein Schlagwort, das darüber hinwegtäuschen soll, dass es nicht nur die AfD ist, die sich so verhält. Die etablierten Parteien handeln genauso populistisch.
    Beispiel: https://autorenseite.wordpress.com/2016/12/22/der-linkspopulismus/
  • „Spaltung des Volkes“: Es ist nur natürlich, dass es Menschen gibt, die die „Willkommenskultur“ für einen Fehler halten und meinen, man hätte lieber den Flüchtlingen vor Ort helfen sollen. Wenn hierüber verschiedene Ansichten vertreten werden, wie übrigens auch innerhalb der CDU/CSU, ist es Unsinn, von Spaltung zu reden. „Spalter“ sind im übrigen höchstens diejenigen, die ihre Widersacher als „Pack“ bezeichnen, wie es Herr Gabriel getan hat.
  • „Aufschwung“ ist auch so ein Wort, das ich auch nicht mehr hören kann. Der „Aufschwung“ sollte umbenannt werden in „wirtschaftliches Plus“, denn das Wort „Aufschwung“ täuscht über die negativen Seiten hinweg, nämlich darüber, dass die Schere zwischen arm und reich immer weiter auseinander geht, dass die prekären Arbeitsverhältnisse immer mehr werden, dass die Lebensarbeitszeit verlängert wird und dass in Zukunft jeder zweite Rentner nur noch Altersbezüge in Höhe der Grundsicherung bekommt.
    Was aber schlimmer am viel gelobten Aufschwung ist, ist etwas, was ich mit einem Beispiel verdeutlichen will. Wir befinden uns in einer Situation, die vergleichbar ist mit einem Rentner, der von seinen Ersparnissen lebt. Wenn der nun Jahr für Jahr mehr von seinem Konto abhebt und das Ende absehbar ist, würden wir ihn für verrückt halten, wenn er sein jährliches Plus bejubelt. Was für den Rentner die Ersparnisse sind, sind für uns die Ressourcen der Welt. Während wir früher nur so viel verbrauchten, wie sich regenerieren konnte, verbrauchen wir nun die Substanz. Wir bräuchten nun 1 1/2 Erden, um so weiter leben zu können:
    https://autorenseite.wordpress.com/2015/08/13/heute-welterschoepfungstag-20701835/
    Unser Aufschwung ist also so gesehen ein Abschwung. Hinzu kommt, dass jede Berechnung des Aufschwungs falsch ist, wenn sie die ökologischen Folgen und sonstigen Nachteile außer Betracht lässt: Wenn Gebäudeschäden, die durch sauren Regen verursacht werden, repariert werden müssen, oder wenn Menschen, die durch Luftverschmutzung krank werden, behandelt werden, so entstehen dadurch Umsätze, die als Plus in die Berechnung des Bruttosozialprodukts einfließen. Eigentlich müssten diese Kosten aber abgezogen werden.

Sie sehen also: All die aufgeführten Begriffe sind sprachliche Missgriffe, die man als solche kenntlich machen sollte – etwa durch die Wahl eines „Verbalkäses“, um diese Irreführung anzuprangern.
Und schauen Sie sich doch einmal um im „Lexikon des politischen Sprachgebrauchs und des sonstigen Geschwafels

„Roboterisierung“ der Sprache

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Kürzlich kam im Radio ein Bericht darüber, wie viele Jobs in Zukunft dem Computer zum Opfer fallen werden. Es waren erschreckend viele und es fragt sich, was man mit den Massen ohne Job anfangen soll. Da bleibt am Schluss nur das Tittitainment.
Der Sprecher im Rundfunk, der den Bericht verlas, fürchtete auch um seinen Job und meinte, dass die Nachrichten wohl auch einmal von einem Roboter gesprochen werden. Das wird dann so ähnlich sein wie beim Navi: Man kann einstellen, ob man eine Männerstimmer hören will oder lieber eine Frau. Und um das Stichwort Tittitainment aufzugreifen: im Fernsehen wird man bei weiblichen Sprachrobotern einstellen können, wie die Frau aussehen soll, welche Haarfarbe sie haben soll oder welche Oberweite. Das sind Aussichten!
Anscheinend sollen wir jetzt schon auf die Zukunft eingestimmt werden. Ich höre morgens immer ARD-info. Da lesen alle Sprecher die Nachrichten ohne Punkt und Komma herunter. Normalerweise sollte es doch so sein, dass man am Satzende die Stimme absenkt und eine kurze Atempause einlegt, bevor man sich dem nächsten Thema zuwendet. All das ist vorbei. Nicht nur ein Sprecher macht das so, sondern fast alle bei der Info-Sendung. Das hört sich schrecklich an, dann lieber her mit dem Sprachroboter!

 

Anschlag von Berlin: „Voreilige Vorverdächtigung“?

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Jetzt tauchte er wieder in den Medien auf, der Ausdruck aus dem Gutmenschensprech: „Voreilige Vorverdächtigung“.
Ich weiß schon: „Gutmensch“ ist das Unwort des letzten Jahres. Aber das war ein übler Missgriff:
https://autorenseite.wordpress.com/2016/08/04/das-neue-unwort-ist-unwort/
Anscheinend fühlten sich die Schönredner in der Regierung durch das Wort „Gutmensch“ verunglimpft und die „Unwort-Jury“ ist ihr beigesprungen. Nun sollte man aber dem Unwort, das von einem „elitären“ Zirkel ausgewählt wird, einen grausigen Ausdruck gegenüber stellen, der demokratisch ausgewählt wird. Nennen wir ihn „Grausdruck“. Da hätte ich gleich einen Vorschlag. „Voreilige Vorverdächtigung“. Nach dem Anschlag von Berlin geisterte er zunächst wieder durch die Medien. Er ist ja nicht neu:
http://www.focus.de/kultur/kino_tv/focus-fernsehclub/tv-kolumne-maischberger-sie-haben-ein-problem-mit-der-polizei-kuenast-im-kreuzverhoer-nach-wuerzburg-tweet_id_5749019.html
Immer wenn es um Vergewaltigungen oder Attentate geht, darf man bei uns nicht von einem Verdacht gegen einen Flüchtling sprechen, mögen auch Indizien dafür sprechen, denn dann kämen gleich wieder die Politiker mit ihrer Floskel: „Kein Generalverdacht!“
Das Wort „Vorverdächtigung“ ist eine unsinnige Wortschöpfung, die dem „Gutmenschensprech“ zu verdanken ist, denn der Verdacht selbst ist ja an sich schon eine vorläufige Vorwegwürdigung der bisher vorhandenen Indizien. Und wenn dann noch dem Begriff „Vorverdächtigung“ das Wort „voreilig“ zugesellt wird, dann ist ein Ausdruck entstanden, der das Prädikat „Grausdruck“ wirklich verdient hat. Was meinen Sie?

Die Verlotterung unserer Sprache

Ich habe ja hier schon darüber geschrieben, wie unsere Sprache immer mehr entertet, indem inzwischen auch Frauen etwas „auf den Sack geht“ und dass einige unter ihnen „keine Eier haben“.
https://autorenseite.wordpress.com/2014/11/01/fernsehen-schon-aufregen-19650609/
Nun ist zu beobachten, dass das Wort „Kultur“ immer öfter missbraucht wird. Man spricht beispielsweise von einer „Kultur des Wegschauens“. Welchen Kulturbanausen ist es wohl eingefallen, unsere Sprache so zu verhunzen. Gott sei Dank hat sich der Duden noch nicht auf diesen Missbrauch des Wortes „Kultur“ eingestellt.
Wie soll man denn definieren, was die Sprachverderber nun unter Kultur verstehen? Vielleicht: „Unsitte“?
Übrigens habe ich im Spruch zum Tag heute auch etwas über unsere Sprache geschrieben.

Die Fäkalisierung der Sprache

Es begann einmal vor einigen Jahrzehnten. Da wurde das damalige Tabu-Wort „geil“ aus dem erotischen-biologischen Bereich in die normale Sprache übernommen und ersetzte das bis dahin geltende Adjektiv „toll“. Aber nun auf einmal überbieten sich die Promis und Politiker damit, sich dadurch als modern zu geben, indem sie Worte benutzen, die eher den Halbstarken-Kreisen zuzuordnen wären. So geht ihnen manches nicht mehr auf die Nerven, sondern „auf den Sack“. Und wenn man jemandem vorwirft, nicht den nötigen Mut zu haben, hat der heutzutage „keine Eier“ mehr. Interessant fand ich, dass es sogar Frauen gibt, denen etwas „auf die Eier geht“. Ach so: Beinahe hätte ich vergessen, dass sie je auch welche haben: in den Eierstöcken.

Perlen der deutschen Sprache

Ich schreibe ja gerne Bücher, falls Sie noch keines besitzen – hier sind Sie:
https://autorenseite.wordpress.com/
Aber ich muss doch anerkennen, dass andere Autoren Sätze geschrieben haben, die mir nie eingefallen wären. Diese waren von solcher Ausdruckskraft, dass sie mir bis heute im Gedächtnis geblieben sind:
„Die Schwiegermutter schwabbelte herein wie Götterspeise.“
„Sie war wie eine reife Frucht: Man musste sie pflücken.“
„Sie hatte eine Figur, als wären die wilden Wogen ihrer Gefühle zu Fleisch geworden.“
„Seine Verdauung funktionierte perfekt blubbernd wie die Kanalisation.“
„Sein stahlharter Männerblick zeichnete sich dadurch aus, dass er in der Lage war, bei den Frauen Make-up und Puder zu durchdringen, so dass sich die Frauen nackt und schutzlos vorkamen.“
„Sie wollte einmal in ihrem Leben etwas Gutes tun und stellte ihren Körper der Anatomie zur Verfügung.“
„Er war einer von denen, die ein Haar in der Suppe finden, bevor es hinein gefallen ist.“
Über das Oktoberfest: “ Da saufen’s, dass’s kaum no dapieseln könna.“
Ja, man muss schon viel lesen, um auf solche Perlen der deutschen Sprache zu stoßen.

Fernsehen: Da muss ich mich schon wieder aufregen:

Heute ist Allerheiligen und das ZDF brachte dazu in den Nachrichten die Meldung, dass die Menschen zu diesem Tag ihre Gräber „„pimpen““. Entsetzlich, wenn solche Worte in den Nachrichten gebracht werden. Zwar hat es das Wort „pimpen“ so weit gebracht, dass es im Duden steht, aber warum verteidigen wir nicht unsere deutsche Sprache, indem wir die herkömmlichen Wörter verwenden und also in den Nachrichten den Satz zu hören bekommen, dass an Allerheiligen die Gräber „geschmückt“ werden. Im übrigen ist das Ausschmücken der Gräber eine alte Tradition und dazu passt so ein „denglisches“ Wort wie „pimpen“ überhaupt nicht. Haben die Leute beim ZDF denn kein Sprachgefühl? Und vergewissern sie sich nicht, woher das Wort „pimpen“ kommt? Es bedeutete eigentlich „als Zuhälter tätig sein“! Und es klingt fast wie „pimpern“, was so viel wie „vögeln“ heißt.
Wenn wir schon bei solchen Worten sind: Politiker geben sich modern und reden davon, dass ihnen etwas „auf den Sack“ geht oder dass jemand „keine Eier“ hat. Schade, dass ich vergessen habe, welche Frau es war, der auch etwas „auf den Sack“ ging. Schön wäre es ja, wenn man diese Art von sich künstlich jung gebender Fäkalsprache ausbremsen würde. Frau Illner, wenn bei ihnen mal wieder jemandem etwas auf den Sack geht, stellen Sie sich doch mal dumm und sagen Sie, dass Sie das als Frau nicht verstehen und gerne wissen möchten, wie sich das äußert. Ich bin zwar ein Mann, kann Ihnen das aber nicht erklären, erst recht nicht, wie einer Frau etwas auf den Sack gehen kann.
Anscheinend will man mit solchen Worten „modern“ sein. Das ZDF steht ja im Ruf, ein Sender für die Alten zu sein. dagegen will man sich nun mit aller Gewalt wehren. Deshalb diskutiert man ja auch zur Zeit darüber, ob der Musikantenstadel abgeschafft oder stark eingeschränkt wird, denn dort ist das Durchschnittsalter der Zuschauer 68 Jahre. Na und? Warum lässt man denn den Alten nicht ihre Sendungen, wenn sie schon die Mehrheit des Publikums sind? Warum will man gewaltsam jung sein? Und warum redet man nicht in einer Sprache, bei der die Alten nicht im Internet nachschauen müssen, was die Worte bedeuten?