Eheratgeber

© P. Pöhl

Heirats- und Scheidungsratgeber
für Männer

Sie haben hier einen Ratgeber vor sich, der Sie vielleicht vor dem größten Fehler Ihres Lebens bewahren soll, nämlich eine Ehe einzugehen, die Sie hinterher bereuen. Haben Sie diesen Fehler aber schon gemacht, lässt Sie dieses Büchlein auch nicht im Stich. Sie erfahren, wie Sie ehebedingte Krisensituationen bewältigen können. So etwas ist eigentlich unbezahlbar.

Warnhinweis : Es sei hier nochmals ausdrücklich auf den Titel hingewiesen: Dies ist ein Ratgeber für Männer. Der Autor möchte daher in aller Bescheidenheit feststellen, dass sein Werk, bei dem er sich zwar alle erdenkbare Mühe gegeben hat, dennoch nicht den geistigen Ansprüchen genügt, die Frauen an ihre Lektüre zu stellen pflegen. Bekanntlich wollen die Damen mehr Tiefsinn, wie er in ihren beliebten Büchern zum Ausdruck kommt wie z.B.: „Das Moppel-Ich“ oder „Suche impotenten Mann fürs Leben“ und dergleichen.
Frauen haben im übrigen eine eigene Art der Weltsicht, die allerdings von uns Männern verschuldet wurde: Wir haben die Frauen so sehr mit Komplimenten verwöhnt, dass sie diese für die Wahrheit halten und daher die Ehrlichkeit nicht mehr vertragen können. So kommt es, dass manche dumme Gans sich für einen Engel hält, nur weil ein Geliebter sie einmal mit einem solchen verglichen hat – ein verzeihliches Versehen, denn immerhin haben ja beide Flügel.
Bei einem Ratgeber wie diesem müssen wir leider vergessen, dass wir eigentlich dazu erzogen wurden, Kavalier zu sein. Wir sind daher so, wie uns die meisten Frauen haben wollen: ehrlich. So lesen wir es jedenfalls in ihren Heirats- und Bekanntschaftsanzeigen. Allerdings meinen sie mit diesem Wort etwas ganz anderes als wir Männer, nämlich ungefähr dies: „Ehrlich schon, aber doch nicht so!“ Aber damit stehen wir schon mitten drin in den Problemen, die dieser Ratgeber behandelt.
Also, verehrte Leserin: Bis hierhin und nicht weiter! Gehen Sie also, wenn Sie ihre Illusionen behalten wollen, zur Startseite zurück, falls nicht, klicken Sie bitte
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Wir wissen allerdings seit Evas Sündenfall, dass ein so wohl gemeinter Rat bei Frauen nichts nützt, sondern eher ihre Neugier weckt. Deshalb noch eine letzte (sicherlich auch vergebliche) Warnung an die weibliche Leserschaft: Wenn Sie auch nur kurz Ihre reizende Nase in dieses Buch stecken, müssen Sie wie bei einem Medikament mit unangenehmen Nebenwirkungen rechnen: Dazu zählen bei minder schweren Fällen Stirnrunzeln, das Falten verursachen kann, und Kopfschütteln als Vorstufe zur Migräne. In Ausnahmefällen kann es aber auch zu Anfällen bis hin zu Schreikrämpfen kommen. Selbstverständlich lehnen sowohl der Autor wie auch der Verlag jede Haftung hierfür ab.
So, liebe Leser, jetzt sind wir unter uns Männern (hoffentlich!) und können offen miteinander reden.
Doch zunächst noch ein Hinweis: Wenn Sie dieses Buch gelesen haben, sind Sie nicht mehr derselbe wie vorher: Vielleicht geben Sie Ihre lange gehegten Eheträume auf; es kann aber auch sein, dass Ihre Partnerin auf einmal nicht mehr zu Ihnen passt. Nicht auszuschließen ist aber auch, dass Sie nun endlich wissen, was und wen Sie wollen. Und wenn Sie sich dann trotz aller mahnenden Hinweise dieses Buches entschließen sollten, doch den Schritt in die Ehe zu wagen, dann wird das sicherlich kein Fehltritt werden. Auch Martin Luther hat schließlich einmal gesagt: „Ich habe nur geheiratet, um des Teufels zu spotten.“ Was bekanntlich dabei heraus gekommen ist, war eine der wenigen guten Ehen.

Vorwort


Jetzt ist er endlich da, der ultimative Heirats- und Scheidungsratgeber, der keine Fragen offen lässt. Aus Kostenersparnisgründen wurden beide Ratgeber in einem Buch zusammen gefasst. „Geiz ist geil!“ ist die Devise, nach der die deutschen Bürger handeln, und diesem Trend soll natürlich auch dieses Büchlein folgen.
Bekanntlich scheitern ja in den deutschen Großstädten 50 % aller Ehen. So können Sie also dieses Buch mit hoher Wahrscheinlichkeit schon ein paar Jahre nach der Hochzeit wieder verwenden. Im übrigen soll man ja alles, was man tut, auch im Hinblick auf seine möglichen Auswirkungen sehen oder, wie die Kanzlerin Merkel zu sagen pflegte, vom Ende her denken. Das heißt also, dass Sie spätestens am Traualtar das positive Denken beenden und sich vorstellen sollten, wie Sie dastehen, wenn Sie wieder geschieden werden:
Vielleicht sind Sie dann nach einem Rosenkrieg verarmt und reif für die Klapsmühle, besonders wenn Ihre Frau vielleicht ein ganzes Heer von Anwälten auf sie los gelassen hat, wie es einigen Männern schon passiert ist. Oder Sie sind im Guten auseinandergegangen und haben zwar eine Ehegattin verloren, dafür aber eine Freundin gewonnen, wenn man den Interviews vieler Prominenter trauen darf. Von einer solchen blinden Vertrauensseligkeit wollen wir hier aber doch abraten, denn diese Leute sind ja meist mehr oder weniger gute Schauspieler bzw. Selbstdarsteller. Halten Sie sich also, wenn Sie auf „Freiersfüßen wandeln“, lieber an das, was der Bayer in solchen Fällen zu sagen pflegt: „Nix G’wiss’s woaß ma net!“ (was wohl auch jenseits des Weißwurstäquator verstanden wird.) Falls Sie sich also wirklich entschließen sollten zu heiraten, gehen Sie einer unsicheren Zukunft entgegen. Vergleichen Sie diese mit Ihrer jetzigen Lage: Lohnt sich das?
Wollen Sie Ihr ruhiges jetziges Leben, das in gesicherten, mindestens aber in gewohnten Bahnen verläuft, gegen ein Abenteuer eintauschen? Und wenn Sie ein Abenteurer sind: Muss es gerade dieses sein, das Sie suchen? Denken Sie einmal nach!
Schon Homer hat festgestellt: „Der Mann ist unter all den Kreaturen dieser Welt die armseligste.“ Wollen Sie mit Ihrer Heirat einen Beitrag zu dieser These leisten?

1. Warum heiraten?


„Viele, von denen man glaubt, sie seien gestorben, sind bloß verheiratet.“ findet Françoise Sagan. Möchten Sie zu dieser Art von „Untoten“ gehören?
„Wenn irgendwo auf der Welt ein Mann und eine Frau zusammensitzen und kein Wort miteinander reden, dann ist das ein Ehepaar“, sagt Stanley Donen. Sieht so das Leben aus, das Sie sich vorstellen?
Wir fügen hinzu: Wie schwierig eine Ehe ist, sieht man daran, dass es den meisten Ehepartnern nicht einmal gelingt, während einer Einladung anderen Gästen für wenige Stunden ein glückliches Paar vorzuspielen.
Warum überhaupt heiraten? Gute Frage! Man sollte sie sich eigentlich stellen, bevor man aufs Standesamt geht oder vor den Traualtar tritt. Meistens wird die Frage leider nur in der Vergangenheitsform aufgeworfen: „Warum habe ich nur…“ Und dann ist es leider zu spät.
Wenn man sich heute fragt, ob man heiraten soll oder nicht, geht es einem einerseits besser als den Generationen davor: Man kann ja jederzeit mit einem Partner seiner Wahl zusammen leben und trotzdem seine Freiheit behalten. So etwas war früher streng verboten. Andererseits hat diese neue Freiheit die Menschen nicht glücklicher gemacht und sogar die Scheidungsquote in die Höhe schnellen lassen, obwohl man doch meinen sollte, dass jetzt nur noch die Menschen heiraten, die sich in jeder Hinsicht sicher sind.
Aber die Unsicherheit scheint sich eher vergrößert zu haben. Daher können wir einen Trend feststellen, der weg von der Ehefrau hin zur Lebensgefährtin gegangen ist. Inzwischen ist diese aber auch nicht mehr aktuell, sondern wurde von der Lebensabschnittsbegleiterin abgelöst. Psychologen haben festgestellt, dass nach spätestens 12 Jahren „die Luft aus einer Ehe raus ist“. Der frühere Bundeskanzler Schröder und sein ehemaliger Außenminister Fischer gelten als Beleg für diese These. Aber die Zeit ist schnelllebig: Inzwischen hat Stoiber-Stürzerin Frau Pauli eine Ehe mit 7-Jähriger Dauer gefordert. Es scheint fast so ähnlich zu werden wie in der Tierwelt, wo sich die Paare im allgemeinen nur für die Aufzucht der Jungen zusammenfinden – wenn überhaupt.
Wie schon angedeutet, war die Freizügigkeit von heute früher verboten: Bis vor knapp 50 Jahren war es beispielsweise in Bayern strafbar, durch uneheliches Zusammenleben ein öffentliches Ärgernis zu erregen. Und die insoweit sehr wachsame Polizei nahm erst sehr gerne ein solches sündiges Verhältnis erst in Augenschein und nahm dann weiter anschließend mit Pflichtbewusstsein und mit (Schaden-)Freude „das im Gesetz vorgeschriebene öffentliche Ärgernis“. Wer einem unverheirateten Paar auch nur ein Zimmer zur Verfügung stellte, machte sich der Kuppelei schuldig, eines Vergehens also, das sogar mit einer Gefängnisstrafe bedroht war. Dies galt selbst bei Verlobten, wenn beispielsweise die Eltern ihre Tochter oder ihren Sohn mit deren Partnern übernachten ließen. Nur im Raum Dachau war es anders, weil bei der dortigen Justiz einmal der bayrische Dichter Ludwig Thoma gewirkt hatte. Und der hat eine Geschichte über die dort auf dem Lande herrschenden Bräuche geschrieben, die den bezeichnenden Titel „Die Probier“ trägt: Der Dichter schildert, wie zwei Bauernehepaare ihre Kinder – man muss schon sagen:  – verkuppeln, indem sie die notwendigen Vereinbarungen treffen. Das Ganze gipfelt dann darin, dass das junge Paar zur „Probier“ geschickt wird: Man will schauen, ob die junge Frau schwanger wird, also in der Lage ist, den notwendigen Hoferben zur Welt zu bringen.
An den alten Sitten hat das wackere Amtsgericht Dachau unter Berufung auf den bayrischen Heimatdichter immer festgehalten, doch hat unser oberster Sittenwächter, der Bundesgerichtshof, derartige Ansichten stets als moralisch verwerflich abgetan und damit den Dachauern ein vernichtendes Zeugnis ausgestellt. Rückschauend muss man den Dachauern aber zugestehen, dass sie halt ihrer Zeit weit voraus waren.
Den jungen Leuten blieb also früher nichts anderes übrig, als zu heiraten, wenn sie ein dem Gesetz entsprechendes geordnetes Sexualleben führen wollten. Mit diesem historischen Rückblick soll gezeigt werden, wie viel einfacher das Zusammenleben inzwischen geworden ist, denn heute sieht alles anders aus, sogar von ganz oben, also von der hohen Warte des Bundesgerichtshofs. Der Fortschritt hat auch nicht an den Grenzen Bayerns Halt gemacht: Klammheimlich hat man es auch im Lande des Laptops und der Lederhose aufgegeben, den letzten Sittenwächter zu spielen, und man hat aus Landesstraf- und Verordnungsrecht das „g’schlamperte Verhältnis“, wie die Bayern eine außereheliche Beziehung zu nennen pflegten, gestrichen.
Man „muss“ also heute nicht mehr heiraten. Trotzdem gibt es eine allerdings abnehmende Zahl von jungen Leuten, die sich (vielleicht in einer plötzlichen Gefühlsaufwallung oder masochistischen Anwandlung) für „immer“ binden wollen. Das „immer“ wurde jedoch inzwischen stark aufgeweicht: In den Scheidungsgesetzen wurde das Verschuldens- vom Zerrüttungsprinzip abgelöst. Man kann also jederzeit wieder auseinandergehen, wenn man, wie es vielen gerade in der heutigen Zeit nicht schwer fällt, die nötige Zerrüttung der Ehe herbeiführt.
Auch die kirchliche Trauung ist nicht mehr das, was sie einmal war: In der protestantischen Kirche hat die Ehe, wie ein Pfarrer im Fernsehen lehrte, nur so lange Bestand, wie die Liebe dauert, also nicht besonders lange, wie sein eigenes Beispiel zeigt. Es gibt sogar nach Presseberichten nun schon evangelische Pfarrer, die es auf mehrere Ehen gebracht haben.
Wir halten also fest: Die gesetzliche und protestantische Ehe lassen sich wieder auflösen.
Anders ist es mit der katholischen Ehe. Sie gilt derzeit grundsätzlich noch als unauflöslich, aber auch hier zeigte sich am Fall eines Theologieprofessors in Eichstätt, dass man es auf mehrere Ehen bringen kann, wenn man über die notwendigen Kenntnisse im Kirchenrecht verfügt. In Ausnahmefällen kann nämlich auch eine katholische Ehe geschieden werden: Wer beispielsweise in der Ehe von vornherein keine Kinder zeugen will, entheiligt aus kirchenrechtlicher Sicht das Sakrament der Ehe und kann daher geschieden werden. Die Kirche will nämlich Nachwuchs, sieht aber den Zweck der Ehe nicht darin, dass sich junge Paare am Sex erfreuen. Wer dies weiß und vorbaut, schickt von seiner Hochzeitsreise eine Postkarte nach Hause, in der er nicht nur sein Glück schildert, sondern auch erwähnt, dass er keine Kinder in diese schnöde Welt setzen will.
Allerdings wird auch die katholische Kirche ihren bisherigen strengen Standpunkt nicht mehr lange aufrecht erhalten können, denn sonst laufen ihr die Gläubigen noch mehr davon als jetzt schon. Schließlich will die Kirche ja auch kassieren, und da wird ihre strenge Moral schnell weich, wie der folgende Witz zeigt, der ein Körnchen Wahrheit enthält:
Ein Bischof stellt einen Pfarrer zur Rede, weil dieser einen Hund getauft hat. Der Pfarrer verteidigt sich damit, dass der Hundebesitzer neue Glocken für die Kirche gestiftet habe.
„Ja, wenn es so ist“, seufzt der Bischof, „dann habe ich noch eine Frage: Ist der Hund schon gefirmt?“
Entschuldigen Sie die kleine Abschweifung, aber ein wenig Auflockerung tut vielleicht gerade auch bei einem ernsten Thema gut.
Wir wollen uns nun aber nicht weiter damit aufhalten, wie man eventuell wieder aus einer Ehe aussteigen kann, sondern die wichtige Frage beantworten, warum man denn überhaupt in diesen schwierigen, und meist alles andere als heiligen Stand eintreten soll. Von echten Machos hört man diese Frage oft in eine etwas andere Form gekleidet: „Warum eine Kuh kaufen, wenn man nur ein bisschen Milch haben will?“

Heiraten wollen zunächst einmal die Naiven, die – man muss es leider deutlich aussprechen – gerade unter den Frauen zu finden sind. Wenn man etwas über die Frauen schreibt, muss man vorsichtig sein, sonst muss man das Schlimmste befürchten: Man hat Alice Schwarzer am Hals. Reden wir deshalb nicht von den „Naiven“, sondern lieber von den „romantischen Frauen“, die sagen: „Lieber einmal im Leben für einen Tag und ein paar Wochen richtig glücklich sein als gar nicht.“ Die eher nüchternen Männer dagegen stellen sich die Frage: Lohnt sich das? So haben wir je nach Geschlecht eine völlig unterschiedliche Sichtweise auf die Ehe. Die Frauen lieben die Romantik einer Hochzeit vom weißen Kleid, wobei sie dieser Farbe, die einmal die Unschuld verkörpern sollte, inzwischen einen völlig neuen Symbolwert zumessen. Der Gipfel der weiblichen Trauungsträume, der allerdings in der Regel unerfüllt bleibt, ist meist die weiße Hochzeitskutsche. Männer lassen diese Verwirklichung der Frauenträume meist geduldig über sich ergehen, denn sie wollen sich von vornherein als brauchbare Ehepartner erweisen. Sie kommen nämlich langsam zu der Erkenntnis, dass die Eroberung einer Frau heutzutage weniger mit Aktivität als mit Passivität oder besser gesagt: mit einem Sich-Hineinfügen zu tun hat. Meist kommt bei solchen romantischen Ehen auch das heraus, was die Partner erwartet haben: Sie verleben ein paar glückliche Monate; dann kehren sie auf den Boden der Realität zurück entsprechend der chinesischen Weisheit: „Willst du einen Tag glücklich sein, betrinke dich; willst du ein Jahr glücklich sein, heirate; willst du ein Leben lang glücklich sein, leg dir einen Garten an.“ Die Ehe ist also nach Ansicht dieser Weisen nur die zweitbeste Lösung bei der Suche nach dem Glück.

Nicht anders ist es aus christlicher Sicht. Es gibt ja immer noch genügend  junge Leute, die finden, dass ihre Verbindung den kirchlichen Segen erhalten  soll. Vielleicht ist es auch nur das ganze Drum und Dran einer kirchlichen  Trauung, das so attraktiv ist. Ein Standesamt ist halt nur eine mehr oder  weniger schlichte Behörde mit einer entsprechend nüchternen Atmosphäre,  aber eine Hochzeit in einer herrlichen Kirche, einem Dom oder einer Wallfahrtskapelle  – das hat schon was. Welcher werdenden Schwiegermutter treibt es nicht  die Tränen der Rührung in die Augen, wenn erst bei der Trauung die Orgel ertönt? Allerdings warnt schon der Heilige Paulus im ersten Korintherbrief (7,1): „Es ist besser für den Mann, sich mit dem Weibe nicht einzulassen.“ Weiter hinten wiederholt er seinen Rat: „Du bist ledig? Suche keine Frau!“ (7,27). Leider bleiben diese mahnenden Worte in der Regel genauso unbeachtet wie das oben zitierte chinesische Sprichwort. Ja, die Kirche fühlt sich nicht einmal verpflichtet, jeden, der das Aufgebot bestellt, auf die Warnung des Heiligen Paulus hinzuweisen. Während wir beispielsweise in Gebrauchsanleitungen seitenweise auf potenzielle Gefahren eines von uns erworbenen Geräts hingewiesen werden und auch die Zigaretten einen schockierenden Aufkleber tragen müssen, vermittelt die Kirche den Eindruck, als sei die Ehe eine reine Wohltat. Die Trauung zählt daher zu den Sakramenten. Die Kirche übersieht die Worte des Heiligen Paulus, weil sie ja darauf aus ist, die Zahl ihrer Gläubigen zu vermehren, und das geht halt am einfachsten durch die Ehe, denn für das Missionieren gibt es ja keine exotischen Eingeborenen mehr, die man bekehren könnte. Die Kirche wird diese These natürlich vehement bestreiten und auf ihren Katechismus verweisen. Dieses umfangreiche Werk, das kaum ein Katholik je gelesen hat, enthält tatsächlich Sätze wie den folgenden: „Wenn die Gatten Christus nachfolgen, sich selbst verleugnen und ihr Kreuz auf sich nehmen, werden sie den ursprünglichen Sinn der Ehe erfassen.“ Die Ehe wird also mit einer Kreuzigung gleichgesetzt, was zwar an Blasphemie grenzt, aber jedem Heiratswilligen doch zu denken geben sollte. Und Papst Benedikt XVI sagt: „Mir scheint, dass wir Priester auch von den Eheleuten lernen können, gerade von ihren Leiden und Opfern. Wir denken oft, nur der Zölibat sei ein Opfer. Aber wenn wir die Opfer der verheirateten Menschen kennen, müssen wir es von ihnen, von ihren Opfern, lernen, unsere Opfer zu bringen. Und miteinander müssen wir lernen, dass es schön ist, durch die Opfer zu reifen…“
Anscheinend ist diese Botschaft nicht bis zu Erzbischof Zollitsch, dem Vorsitzenden der deutschen Bischofskonferenz, vorgedrungen, denn er bezeichnete in einem Interview das (den) Zölibat als Geschenk.
Fürsorglich, wie die Kirche nun einmal ist, bewahrt sie daher ihre eigenen Priester vor dem harten Schicksal des Ehelebens. Dies hat eine alte Frau ganz richtig gesehen, die einen Diskussionsabend in ihrer Kirchengemeinde besuchte, in dem es um ein heißes Thema ging, über das ebenso heiß gestritten wurde: das Zölibat. Die alte Frau hatte sich ruhig verhalten, hatte ein wenig gestrickt und war schließlich eingeschlafen. Am Schluss wurde abgestimmt. Man fragte alle Teilnehmer, ob sie für das Zölibat seien oder dagegen. Die alte Frau wurde geweckt und auch befragt. Sie sagte: „Dagegen!“ Der Diskussionsleiter war sich nicht ganz sicher, ob die alte Frau verstanden hatte, um was es ging, und hakte nach: „Sie sind also dafür, dass Priester heiraten dürfen? Und warum?“ „Die sollen es auch nicht besser haben, als die anderen Männer!“
Fassen wir es noch einmal zusammen: Entsprechend der Warnung des Heiligen Paulus sollten wir beim Anblick einer Frau vor unserem inneren Auge immer ein Schild auf ihrer Stirn sehen mit der Aufschrift: „Vorsicht!“ Wenn Sie meinen, den Reizen einer Frau nicht widerstehen zu können, denken Sie daran, dass vielleicht schon nach wenigen Jahren etwas ganz anderes Sie an dieser Frau reizen könnte, und zwar bis zur Weißglut: nämlich jedes Wort. (Man sollte den letzteren Reiz im Zuge der neuen Rechtschreibung mit „tz“ schreiben, um ihn von seiner angenehmen Erscheinungsform unterscheiden zu können.)

Bei den Prominenten ist ein merkwürdiger Trend zu beobachten. Gehörte es noch früher beim Künstler zur Imagepflege, in – wie man früher so schön sagte – „wilder Ehe“ zusammen zu leben, so wird in den letzten Jahren brav geheiratet. Dies ist nicht darauf zurückzuführen, dass die Prominenten sich nun entschlossen haben, ein gut-bürgerliches Leben zu führen. Nein, sie vermarkten die Hochzeit. Sie verkaufen die Film- und Bildrechte an die Meistbietenden, und so verdienen sie an einem Fest, bei dem der normale Bürger viel Geld ausgeben muss. Deshalb heiraten die Prominenten auch gerne öfter, denn neben dem Geld bringt eine gut vermarktete Ehe auch Publicity.
Der Laie sieht dann in den Illustrierten und im Fernsehen die edlen und immer gleichen Bilder von den überglücklichen Paaren und denkt sich, dass er sich jedenfalls auch einmal in seinem Leben so fühlen möchte (Siehe oben unter „Naive“). Er weiß nicht, dass sich die „Promis“, die nur einen Buchstaben weit vom „Proli“ entfernt sind, natürlich gegen die Risiken eines solchen Unternehmens abgesichert haben: Sie haben selbstverständlich einen Ehevertrag geschlossen.

Auch der Wunsch nach Kindern ist für viele Menschen ein Grund für eine Heirat. Meist ist es aber nur der auch bei Tieren vorhandene Brutpflegetrieb, der sich hier auswirkt. Das kann man ganz einfach mit einem Experiment feststellen: Man wirft einen Blick in einen Kinderwagen: süß, was man da  sieht. Oder man schaut den Dreijährigen beim Spielen zu: wirklich allerliebst. Aber das ist nur ein kleiner Ausschnitt der Perspektive, die sich bei der Beobachtung von Kindern bietet, nämlich 3 Jahre von insgesamt etwa 18 bis 25, die einem bevorstehen. Bevor man sich zu einem Kind entschließt, sollte man vielleicht auch ein Auge auf den pubertierenden 14-jährigen werfen, der auf dem Heimweg von der Schule erst einmal eine Flasche Bier trinken muss, um die „Alten zu Hause“ ertragen zu können, die da „herum nerven“. Sie sind es, der mit solchen und ähnlichen Ausdrücken einmal später bedacht werden könnte, wenn Sie Pech haben. Und wenn Sie vielleicht nach vielen Jahren finden, dass der Sprössling auf eigenen Füßen stehen sollte, hockt er immer noch im „Hotel Mama“, weil es da so bequem und billig ist. Sieht so die Zukunft aus, die Sie sich vorstellen? Dann sind Sie wirklich reif fürs Standesamt. Sonst sollten Sie sich diesen Schritt überlegen.
Frauen, die gerne eigene Kinder haben wollen, haben es hier – wie auch sonst im Leben – übrigens leichter. Sie brauchen nicht unbedingt zu heiraten, sondern können auch eine künstliche Besamung in Betracht ziehen.
Übrigens muss in diesem Zusammenhang darauf hingewiesen werden, dass bei Frauen ein Symptom zu beobachten ist, das uns zu denken geben sollte: die postnatale Depression. Wir sehen hier, dass die Frauen oft nicht wissen, was sie wollen. Erst sind sie ganz wild auf ein Kind, und wenn es dann da ist, wären viele von ihnen froh, wenn sie es wieder zurückentwickeln und abtreiben könnten. Wir Männer sollten uns durch etwas mehr Weitblick auszeichnen: Bevor wir ein Kind zeugen, sollten wir bedenken, dass man es nicht einfach wie einen Hund im Tierheim wieder los werden kann. Auch ein Umtausch bei Nichtgefallen ist natürlich ausgeschlossen. Immerhin gibt es aber Kindertagesstätten, Ganztagsschulen, Internate und ähnliche Institutionen, wo man die häufig als nervend empfundenen Sprösslinge mindestens zeitweise los werden kann. Und weil davon so rege Gebrauch gemacht wird, sollte uns dies nachdenklicher stimmen als die finanziellen Angebote unserer Familienministerin. Nachdenklich sollte uns auch machen, dass Kinder nach den Ergebnissen der neueren Psychologie nicht glücklich machen, sondern nur ärmer. Eltern von Kindern sollten eigentlich deshalb gemeinsam in eine postnatale Depression verfallen, doch – oh Wunder – es  kommt ihnen so vor, als seien sie glücklich – so die Psychologen.

Die Ehe war auch einmal als eine Art von Beistandspakt gedacht: Man versprach sich, in guten wie in schlimmen Tage füreinander da zu sein. Diesen Beistand braucht man heute nicht mehr, denn es ist alles staatlich geregelt: Es gibt Behörden und Einrichtungen für Krankheit, Pflegebedürftigkeit, Alter und Tod. Eine Frau, die alleinstehend ist und ein nichteheliches Kind hat, kann dieses schon gleich nach der Geburt in einer Babyklappe abgeben oder es später ganztags in der Krippe, im Hort oder in der Ganztagsschule betreuen lassen. Wer unter seiner Einsamkeit leidet, kann in Vereine, Kurse oder in Therapie gehen. Der Staat bietet also einen  Allround-Service und macht dadurch die Fürsorge und die Hilfe des Ehepartners weitgehend überflüssig. Und er bleibt ein halbwegs zuverlässiger Partner ein Leben lang. „Halbwegs“ heißt, dass sich die Verhältnisse natürlich auch ändern können: Wenn es so weiter geht wie bisher, dann sind wir nicht mehr weit davon entfernt, dass wir uns diesen Service des Staates nicht mehr leisten können und dass wir dann vielleicht wieder konservativer über die Ehe denken müssten.

Es gäbe noch manchen anderen Grund, der junge Leute zum Traualtar treibt. Der einleuchtendste ist vielleicht doch das Geld. Eine Menge alternder Playboys, über die in den Illustrierten und im Fernsehen berichtet wird, bilden sich etwas ein auf ihren Sexappeal. Sie übersehen aber dabei, dass es in der Regel nicht ihre tolle Persönlichkeit ist, die Frauen schwach werden lässt, sondern es ist ihr Geld, das diese unheimliche Anziehungskraft hat. Für Frauen hat es sogar echten Sexappeal, der sie über körperliche Mängel hinwegsehen lässt, ja diese förmlich überstrahlt. Weil das so ist, sehen wir Models und Schönheitsköniginnen als Ehefrauen ältlicher Adliger, Showstars oder reicher Industriemagnaten. Mit diesen kann ein normaler junger Mann, auch wenn er noch so gut aussieht, einfach nicht mithalten. Denn Frauen wollen durch eine Ehe nicht nur ihre Zukunft sichern, sondern auch auf der gesellschaftlichen Karriereleiter ein Stück nach oben kommen. Wenn Frauen mit einer solchen Perspektive heiraten können, ist dies durchaus vernünftig, aber nicht unbedingt notwendig: Es genügt nämlich schon, wenn sie ein Kind von einem Prominenten bekommen. Dann haben sie ausgesorgt. Sie bekommen ein Haus und eine üppige Rente wie die Beispiele Boris Becker oder Prinz Albert von Monaco zeigen. Auch Franz Beckenbauer, der sich aus unerfindlichen Gründen vom Kaiser zur Lichtgestalt verwandelt hat, gehört in diese Kategorie. Die Chancen, über ein Kind zu Geld zu kommen, bieten sich allerdings in der Regel nur Frauen, während die Männer sich auf der Verliererseite befinden und bezahlen müssen.

Ein Grund zu heiraten, ist für manche auch, dass sie eine Familie gründen wollen. Sie übersehen dabei aber, dass dies schwieriger ist, als es den Anschein hat. Mit der Zeugung von Kindern ist es nämlich nicht getan. Ein älterer Herr gestand einmal, die Gründung einer Familie sei ihm missglückt, es sei nur eine Art Klub geworden. Was er damit sagen wollte ist dies: Es ist keine verschworene Gemeinschaft dabei herausgekommen, die rückhaltlos und friedlich zueinander hält. Heute ist die normale Familie vor allem ein Stressfaktor geworden. Wenn beide Eheleute arbeiten, müssen sie morgens die Kinder in den Kindergarten bringen, sie abends wieder abholen und dann auf dem Nachhause-Weg mit den müden, quengelnden Kleinen noch zum Einkaufen. Daheim vergehen die letzten Stunden des Tages mit Kochen, Saubermachen und Waschen. Zeit für eine idyllisches Familienleben bleibt da kaum noch, sondern der Abend klingt in der Regel damit aus, dass ein erschöpftes junges Paar in die Sessel vor dem Fernseher sinkt. Die Familie, die von den Parteien immer so schön als die „Keimzelle des Staates“ bezeichnet wird, ist heute für die meisten Menschen nicht mehr der „Hort der Geborgenheit“ mehr, den sie anstreben.

Ach ja, fast hätten wir noch einen Grund für eine Eheschließung vergessen: Es gibt ja auch noch die wahre Liebe. Doch Camus sagt: „Wahrlich ist eine wahre Liebe eine Seltenheit, die kaum 2- oder 3-mal in einem Jahrhundert vorkommen mag. Alles andere ist Eitelkeit und Langeweile.“ Anscheinend gibt es Millionen, die glauben, dass sie zu diesen Auserwählten gehören und deshalb unbedingt heiraten müssen. Es sind dieselben, die Woche für Woche Lotto spielen und hoffen, dass ausgerechnet sie den Hauptgewinn erzielen könnten, obwohl die Chance kleiner sein soll, als die Aussicht, von einem Tiger gefressen zu werden. Übrigens müssen wir hier doch Camus ein wenig widersprechen: Vermutlich ist nur die Hälfte der Ehen langweilig. Die andere Hälfte ist vielfach eher das Gegenteil: Streit und Unfrieden bestimmen den Tagesablauf. Das begann schon zu Beginn der Menschheit bei Adam und Lilith, wie Sie weiter unten erfahren, und setzte sich fort bis in die Antike, wo Sokrates mit seiner Xanthippe zu nennen wäre. Auch heutzutage geht es nicht anders zu, trotz aller angeblichen Fortschritte der Psychologie und aller Eheberatungsstellen: Wir lesen es in den Illustrierten.

Wenn man manche Ehe so anschaut, muss man an die folgende Geschichte denken: Eine Frau, die einen alten Krösus geheiratet hat und sich nun für etwas Besseres hielt, stellte eine Prostituierte zur Rede: „Wie kann man nur so unmoralisch sein und seinen Körper für Geld verkaufen!“ Darauf erwiderte diese: „Ich verkaufe ihn nicht, sondern vermiete ihn nur für ein paar Euro. Sie dagegen verkaufen ihren für das halbe Vermögen ihres Mannes. Jetzt frage ich Sie, was moralischer ist.“
Zusammenfassend kann man also feststellen, dass allenfalls Frauen unter gewissen Umständen einen Grund haben, eine Ehe einzugehen. Junge Frauen werden wohl gegen diese These energisch, aber scheinheilig protestieren; wenn sie aber mit älteren Müttern sprechen würden, würden sie die Dinge anders sehen. Diese Mütter sehen es nämlich völlig unterschiedlich, ob ein Sohn oder eine Tochter heiratet: Kommt eine Tochter unter die Haube, freuen sie sich darüber, dass deren Zukunft ein wenig sicherer aussieht. Beim Sohn allerdings finden die Mütter, dass der ja dumm wäre, wenn er bei den heutigen Gesetzen und Frauentypen heiraten würde. Mit anderen Worten: Es gibt so gesehen nur kluge Schwiegertöchter und dumme Schwiegersöhne. Wollen Sie sich als Mann in die Rolle fügen, die Ihnen in einer modernen Ehe zugedacht ist? Der Mann, der einmal der „Herr und Gebieter“ war – wenn auch Wachs in den Händen seiner Frau –  ist nun durch die Frauenpower zum bloßen Geldablieferer und Besamer geworden.
Viele Frauen, die keine beruflichen Chancen haben, betrachten eine Ehe als sinnvolle Lebensplanung, denn sie erhielten bisher, wenn sie nur ein Kind zur Welt brachten und es richtig anstellten, auf Lebenszeit, auch wenn sie schuldig geschieden wurden, das halbe Einkommen ihres Mannes; dabei hatten sie ein stressfreies Dasein ohne die Aufsicht eines strengen Arbeitgebers. Wollen Sie sich krumm arbeiten, um einer Frau ein solches Leben zu gönnen? Vertrauen Sie nicht zu sehr darauf, dass sich da doch inzwischen einiges geändert hat. Sie wissen nicht, wie die Rechtslage aussieht, wenn Sie an der Reihe sind. Wenn Sie sich fragen, ob Sie heiraten sollen oder nicht, müssen Sie sich über folgendes im Klaren sein und das sind Sie hoffentlich: Zwischen dem bloßen sexuellen Begehren und der wahren Liebe besteht ein großer Unterschied. Das Dilemma ist, dass sehr viele Menschen diesen Unterschied nicht sehen und deshalb mit ihrer Ehe scheitern müssen. Das, was die meisten für Liebe halten, ist nur eine Berauschung der Sinne durch die Hormone. Wissenschaftler stellten kürzlich fest, dass die Hormone das Gehirn mehr beeinträchtigen als ein Alkoholrausch. Dies lässt sich auch ganz einfach nachvollziehen: Gehen Sie einmal an einen Stammtisch mit lauter Betrunkenen und stellen die Frage, wer von diesen Leute gerne sofort ein Baby haben möchte. Man wird für diese Frage wohl nur verständnislose Blicke ernten. Anders ist es beim Rausch der Hormone: Wie viele Kinder wurden nicht schon gezeugt, nur weil ein Paar Sex haben wollte und nicht an die Konsequenzen bzw. an die Verhütung dachte?
Betrachtet man das Ganze durch die Brille des Gesetzes, so stößt man auf § 104 BGB. Der einschlägige Teil der Vorschrift lautet:
„Geschäftsunfähig ist, wer sich in einem die freie Willensbestimmung ausschließenden Zustande krankhafter Störung der Geistestätigkeit befindet, sofern nicht der Zustand seiner Natur nach ein vorübergehender ist.“ Wohlgemerkt: In dieser Vorschrift sind nicht etwa nur die Geisteskranken gemeint, sondern alle, deren Tätigkeit des Gehirns krankhaft beeinträchtigt ist, wie beispielsweise auch diejenigen, die übertrieben eifersüchtig sind. Man wird wohl ohne Übertreibung sagen können, dass diejenigen, die von triebauslösenden Hormonen beeinflusst sind, sicherlich am schlimmsten betroffen sind, wobei die Lage der Männer offenbar geradezu hoffnungslos ist, denn nach einer neueren psychologischen Studie denken sie alle 3 Sekunden an Sex. Es muss sich aber doch wohl um sehr unterschwellige Gedanken handeln, denn bekanntlich haben ja gerade Männer in der Regel etwas zu tun und dabei müssen sie ihr Gehirnschmalz einsetzen.
Wir sind also nach den Erkenntnissen der modernen Wissenschaft für einen großen Teil unseres Lebens geschäftsunfähig, jedenfalls insoweit, als es die Eheschließung betrifft. Ein Western-Song bringt es auf den Punkt: „Married in a fever.“ Nach § 1304 BGB ist die Ehe einer Person, die in diesem Zustand heiratet, nichtig. Es wird vielleicht für manchen tröstlich sein, wenn er hört, dass er also eigentlich sich im Zustand einer Nicht-Ehe befindet. Doch leider kann man häufig das, was dem Gesetz entsprechen würde, nicht durchsetzen, denn auf hoher See und vor Gericht ist man bekanntlich in Gottes Hand, und der Liebe Gott ist ja, wie uns die Kirche lehrt, gegen die Auflösbarkeit der Ehe. Auch unsere Rechtsprechung richtet sich nicht nur nach dem Gesetz, sondern auch nach dem Grundsatz: Da könnte ja jeder kommen…Die Justiz ist viel zu konservativ, um alle Ehen für nichtig erklären, auch wenn dies eine zwingende Konsequenz aus den modernen Forschungsergebnissen wäre, denn das würde ja auch bedeuten, dass die Richter selbst unter dem Einfluss von Hormonen zeitweise unzurechnungsfähig wären. Die Richter wären wohl überfordert, wenn sie zu einem solchen Ergebnis kommen müssten.
Sollten Sie unter dem Diktat Ihrer Hormone oder auch aus edlen Motiven wild entschlossen sein, eine Ehe einzugehen, haben Sie sich doch wohl hoffentlich so viel Nüchternheit bewahrt, um die Vor- und Nachteile dieses Schritts gegeneinander abzuwägen. Vielleicht machen Sie sich eine Tabelle und tragen dort ein, was aus Ihrer Sicht für und was gegen eine Heirat spricht. Am Schluss gewichten Sie die einzelnen Punkte und ziehen Bilanz. Das könnte etwa so aussehen:

 

 

Vorteile                                                                                         Nachteile      

Fester Partner Freiheit verloren
Jederzeit Sex Dauernd Sex
Nicht einsam Nie allein
Arbeitsersparnis: Gemeinsamer Haushalt Konflikte: Wer macht was?
Kostenersparnis durch gemeinsame Wohnung Verkleinerung des Freiraums
Versorgung bei Krankheit Pflicht, den anderen zu versorgen
Steuerersparnis Geld nur noch die Hälfte wert
Jemand zum Reden Es wird einem dauernd drein geredet
Nachwuchs macht Freude Nachwuchs zehrt an den Nerven
Man hat jemanden zum Ausgehen Man muss Ausgehen auch ohne Spaß daran
Sichere Bindung (Sicherheit ca. 50 %) Ausstieg schwierig und teuer
Frau im Haus Frau im Haus
Jemand interessiert sich für einen Kaum noch Privatleben

Summe der Punkte: Hier können Sie Ihre Bilanz eintragen!

Oder machen Sie sich eine ähnliche Tabelle nach Ihren Präferenzen. Sicher fallen Ihnen auch noch andere Themen ein, die Sie berücksichtigen wollen. Dann tragen Sie in jede Zeile links und rechts Noten zwischen 1 und 10 ein, je nach dem, wie wichtig Ihnen der einzelne Punkt ist. Am Schluss zählen Sie zusammen. Haben Sie die größere Summe bei den Vorteilen oder überwiegt das Minus bei den Nachteilen? Und dann bleibt immer noch die Frage: Lohnt es sich zu heiraten, wenn sich bei der Rechnung vielleicht ein kleines Plus ergibt? Wir haben uns im obigen Beispiel versagt, Punkte zu vergeben, denn Sie sollen das selbst ohne jede Beeinflussung tun.
Ein guter Tipp wäre auch: Bevor Sie sich entschließen, vor den Traualtar zu treten, beobachten Sie doch einmal die vielen Paare, deren Liebesgeschichten in den Medien verbreitet werden. Oft lesen wir beim Friseur in einer Illustrierten vom unglaublichen Glück zweier Liebender und erfahren dann abends im aktuelleren Fernsehen, dass sich die beiden schon wieder getrennt haben. Da kann man nur sagen: Glück und Glas – wie leicht bricht das. Seien Sie also vorsichtig, wenn Sie glauben, ohne die Frau, die Sie gerade kennen gelernt haben, nicht mehr leben zu können. Es kann gerade auch die Frau sein, mit der Sie schon in naher Zukunft vielleicht nicht mehr zusammen leben können.
Hier noch ein Vorschlag. Schauen Sie sich die Oper „Die verkaufte Braut“ an. Sie beginnt mit einem Chor:

Freut euch alle, dass ihr jung seid,
Freut euch alle, dass ihr frei seid!
Tragt ihr erst mal Eheringe, ist’s zu Ende mit der Freiheit.
Ehe! Wehe!
Aus mit Saus und Braus!
Nichts als lauter Sorgen!
Kinderschreien, Streitereien!


Dies wird nun schon fast 150 Jahre lang gesungen – mit geringem Erfolg, womit nicht der musikalische gemeint ist, sondern es ist von diesen Ratschlägen die Rede, die völlig verpufft sind. Allerdings muss schon zugegeben werden, dass die Oper so endet, wie die meisten Liebesfilme: Diese haben ein Happyend oder enden in der Ehe. Nur selten trifft beides zusammen.
Auch Heinrich Heine dichtete schon vor noch längerer Zeit über seine Ehefrau:

Deine Nücken, deine Tücken
Hab ich freylich still ertragen.
Andre Leut‘ an meinem Platze
Hätten längst dich todt geschlagen.


Auch dieser schicksalsergebene Seufzer eines berühmten Dichters stieß bei vielen verliebten jungen Männern auf taube Ohren. Man hat manchmal den Eindruck, Männer sind wie balzende Auerhähne: Diese sehen nur die Henne, nicht aber das herannahende Auto. So werden im Frühjahr viele dieser schönen seltenen Tiere Opfer eines Schicksals, das sie einfach nicht sehen wollten.
Wollen Sie sich wirklich der Gefahr aussetzen, womöglich vom Schicksal platt gewalzt zu werden?
Lassen wir zum Abschluss dieses Kapitels noch einmal die Dichter sprechen:

Die Liebe
Die Liebe ist so wie ein Fass,
Woraus man trinkt ohn‘ Unterlass-
So schwärmt ein junger Ehemann,
Bis irgendwann sein Glück zerrann;
Denn eines Tages stellt er fest,
Dass sich am Fass nichts zapfen lässt.
Es fällt ihm die Erkenntnis schwer,
Ein Riesenfass wird auch mal leer.
Da ist nun guter Rat sehr teuer:
Wie kommt in alte Liebe Feuer?
Doch erloschen bleibt die Glut,
Wo einst Liebe, ist jetzt Wut.
Geschieden wird der junge Mann:
Er fängt noch mal von vorne an
Und so geht es immer weiter,
Denn er wird älter, doch nicht g’scheiter.

Zitiert aus dieser Seite. Oder anders ausgedrückt von einem bekannte Dichter, den zu zitieren aus Honorargründen gefährlich ist:

Als sie einander acht Jahr’ kannten
(und man darf sagen: sie kannten sich gut)
Kam ihre Liebe plötzlich abhanden
Wie anderen Leuten ein Stock und ein Hut.


An all diesen Versen kann man eines ablesen: Ob älter oder neuer, ob Oper oder Gedicht – es läuft alles im Ergebnis auf die gleiche Warnung hinaus, die allerdings meist ungehört verhallt.

2. Was Männer von der Ehe erwarten können


Greifen wir zunächst einmal auf die Bibel zurück nicht deshalb, weil dies eine fromme Lektüre werden soll, sondern weil die Heilige Schrift das Buch ist, in dem die Menschheit unseres Kulturkreises ihre Erfahrungen mit Gott und der Welt aufgeschrieben hat. Und da findet man natürlich auch Bedenkenswertes über Mann und Frau.
Sie wussten nicht, dass Adam mit Eva in mehr oder weniger harmonischer Zweitehe lebte? Adams erste Frau hieß Lilith und taucht jetzt nur noch in der altjüdischen Literatur auf. In der Bibel selbst erscheint sie auch, aber etwas versteckt als Nachtgeist, der in Edom endlich seine eigene Bettstatt findet (Jesaja 34,14). Damit wird auf ihre Geschichte angespielt:
Lilith war anders als Eva in gleicher Weise wie Adam von Gott aus Staub erschaffen worden und demnach also auch eine gleichberechtigte Partnerin. Das konnte natürlich allein schon aus diesem Grund nicht gut gehen: Weil die beiden nur ein Bett hatten und Lilith beim Sex oben liegen wollte, kam es zum Streit, denn Adam beanspruchte diese Position für sich. So kam es, dass Lilith ihn verließ. Hier setzt nun die Bibel ein (Genesis 2,18): „Und Gott sprach: ‚Nicht gut ist es, dass der Mensch allein sei; ich will ihm eine Gehilfin schaffen… ‘“ (Der Ehrlichkeit halber sei hier erwähnt, dass unklar ist, was Gott genau gesprochen hat: Während Eva in dem erwähnten Text als „Gehilfin“ bezeichnet wird, hat Gott sie nach einer anderen Version dem Adam als „Gespielin“ zugedacht. In der heutigen Einheitsfassung der Bibel ist Eva schlicht die Frau Adams. Man ist sozusagen wieder bei Lilith angekommen. Als Laie erschrickt man, wie die Kirche nach Bedarf am Wort Gottes herumdeutelt und damit also auch an der Rolle der Frau und am Wesen der Ehe.)
Doch zurück zur Schöpfungsgeschichte: Wie bekannt ist, nahm Gott eine Rippe von Adam und schuf daraus Eva. Die Frau ist also religionshistorisch betrachtet das Ergebnis eines Lernprozesses, den Gott durchgemacht hat: Er hatte mit dem Gleichberechtigungsmodell Schiffbruch erlitten und setzte nun seine Hoffnungen auf Eva. Auch sie hat ihn enttäuscht,  weil sie sich zum einen mit ihrer untergeordneten Rolle („Gehilfin“), die ihr zugedacht war, nicht zufrieden gab. Ja, sie gehorchte nicht einmal Gott, so dass die Menschheit heute nicht mehr im Paradies leben darf.
Die Geschichte vom Sündenfall ist insofern interessant und lehrreich, weil sie uns Männern so deutlich den Unterschied zwischen den Geschlechtern vor Augen führt: Stellen Sie sich vor, wir Männer würden heute im Paradies leben dürfen und das einzige, was wir zu beachten hätten, wäre, dass wir aus der Unmasse von Pflanzen, die uns zur Verfügung stünde, nur von einem Baum nichts essen dürften, um nicht aus diesem Garten Eden vertrieben zu werden. Was täten wir Männer wohl? Wir würden brav nach Gottes Gebot leben und würden halt statt von jenem Apfelbaum – nehmen wir an, es war ein Boskop – nichts pflücken, sondern statt dessen Cox-Orange oder Gala ernten. Ganz anders die Frauen: Sie reizt ausgerechnet nur die eine verbotene Frucht. Für uns Männer ist diese Denkweise nicht nachvollziehbar, wie wir uns auch heute schwer tun, uns in die Gedankenwelt der Frauen zu versetzen – von ein paar Frauenverstehern abgesehen. Und wenn die Frauen heutzutage ihre besondere Teamfähigkeit preisen: Schon in der ältesten Geschichte der Menschheit sehen wir, wer teamfähig ist: Gott und wir Männer, das wäre ein Team gewesen, so wie wir auch heute noch mit unseren Chefs zusammenarbeiten können, mögen sie auch ihre Macken haben.

Wenn Sie sich nun all diese biblischen Warnungen vor Augen führen und trotzdem heiraten wollen, so lassen Sie sich mit einem Wesen ein, mit dem sogar Gott selbst Schiffbruch erlitten hat. Das wird Ihnen sicherlich einmal beim Jüngsten Gericht als Wohltat angerechnet, wie die folgende Legende zeigt (oder ist es doch ein Witz?):

Eine Frau kommt in den Himmel. Als sie dort ihren Mann nicht vorfindet, fragt sie Petrus, wo er denn sein könnte.
Petrus weiß Rat: „Schauen wir halt einmal kurz hinunter ins Fegfeuer.“
Was, ins Fegfeuer?“ fragt die Frau erschrocken, um dann aber sofort zu erkennen, dass ihr Gatte doch nicht ganz fehlerfrei gewesen ist.
Im Fegfeuer ist der Mann auch nicht.
Nun, dann müssen wir eben in die Hölle schauen!“ meint Petrus trocken.
Das kann doch wohl nicht sein!“ protestiert die Frau. „Er war doch immer ziemlich brav die ganzen 50 Jahre lang, die ich mit ihm verheiratet war.“
Warum haben Sie das nicht gleich gesagt,  dass Sie 50 Jahre verheiratet waren“, erwidert Petrus. „Wenn  das so ist, ist Ihr Mann natürlich im Märtyrerhimmel.“

Wollen Sie sich also den Märtyrerhimmel verdienen? Wollen Sie sich über das hinwegsetzen, was die Kirche gelehrt hat?

Wenn du eine Frau siehst, denke, es sei der Teufel! Sie ist eine Art Hölle!
Papst Pius II., 1405-1464

Nun werden manche behaupten, das Christentum sei doch ein bisschen (oder sogar etwas mehr) frauenfeindlich. Wenden wir uns daher einem anderen Kulturkreis zu und schauen uns an, was an Weisheiten dort in Mythen überliefert wird: Die erste Frau bei den alten Griechen war Pandora. Sie war aus Lehm erschaffen worden und als Strafe dafür gedacht, dass Prometheus das Feuer vom Himmel geholt hatte. Eine Frau als Strafe – das wird so manchem leidgeprüftem Mann als sehr einleuchtend erscheinen. Pandora war mit Schönheit, List und Tücke ausgestattet, also das typische Modell, dem die Männer gerne auf den Leim gehen. Sie hatte eine Büchse dabei, in die sie nicht hinein schauen durfte. Darin waren die Übel der Welt enthalten. Neugierig wie Eva konnte sie nicht widerstehen, das Geheimnis zu lüften, und so öffnete sie die Dose. Daraufhin entwichen die Übel und breiteten sich überall aus. Nur etwas Hoffnung, die auch noch mit in der Büchse war, verblieb. Wir sehen also, dass auch die Mythen der alten Griechen uns in aller Deutlichkeit vor der Frau warnen. Immerhin lassen sie uns noch zum Trost die Hoffnung.

Nachdem wir nun Christentum und Mythologie durchforscht haben, wenden wir uns der Philosophie zu und schauen, was uns von tiefsinnigen Denkern zum Thema Frauen gesagt wurde. Alle kennen den Ausspruch Nietzsches:

Wenn du zum Weibe gehst, vergiss die Peitsche nicht. 

Wenn du zum Weibe gehst, vergiss die Peitsche nicht. 


Nun werden vielleicht manche glauben, dieser Philosoph sei ein krasser Weiberverächter gewesen. Aber wenn wir uns bei seinen Kollegen umschauen, klingt es auch nicht besser, was uns da zu Ohren kommt. Nehmen wir hier nur noch zur Abrundung des Themas ein weiteres Beispiel, nämlich Schopenhauer:

Was ist denn das Weib anderes als eine Vernichtung der Freundschaft, eine unentfliehbare Strafe, ein notwendiges Unglück, eine natürliche Versuchung ein begehrenswertes Unheil, eine häusliche Gefahr, ein reizvoller Schädling, kurz ein Weltübel, mit schöner Farbe bestrichen?


„Lasciate ogni speranza, voi ch’entrate!“ (Lasst alle Hoffnung fahren, die ihr hier eintretet.) Das steht zwar laut Dante am Tor zur Hölle, sollte aber auch in abgewandeltem Sinne als Mahnung vor dem Eintritt in den Ehestand in großen Lettern angebracht sein, vielleicht etwa so: „Erhoffe nichts und freue dich, wenn deine Erwartungen übertroffen werden.“
Sie meinen, Ehe habe eher etwas mit Himmel zu tun als mit Hölle? Sicherlich sieht es am Anfang so aus, aber der 7. Himmel scheint ein Loch zu haben, durch das man direkt in die Hölle fallen kann. Zur Untermauerung dieser These seien hier ein paar Aphorismen wiedergegeben, die solche Zusammenhänge untermauern:

Das Leben mit den Frauen ist die Hölle. Ohne sie auch.
Humphrey Bogart
Wenn ein Mann eine Frau nimmt, hört er auf, die Hölle zu fürchten.
(rumänisch)
Die Liebe ist eine Himmelsmacht, die manche allerdings in die Hölle versetzt.

Wie nah können doch Himmel und Hölle beieinander liegen: Das merkt ein Mann bei einer Nymphomanin.

Nichts straft Gott so sehr, wie die Wahl der falschen Frau.

(Dies sind einige der vielen Weisheiten aus „Nebenbei bemerkt – Aphorismen über Gott und die Welt“ s. „Home„)


So schlimm wird es schon nicht werden, sagen Sie sich vielleicht. Schließlich haben Sie sich ja einen Typ von Frau herausgesucht, den Sie mit „zartes Schmeichelkätzchen“ umschreiben würden, oder vielleicht auch ein kleines, besonders sensibles Wesen. Das bleibt nicht so. Kommen wir noch einmal auf die Oper „Die verkaufte Braut“ zurück, die wir in der heute gebräuchlichen Übersetzung zitiert haben. Die alte Fassung war schöner und instruktiver; sie enthielt etwa folgende Verse, die hier nur aus der weit zurück liegenden Erinnerung zitiert werden können:

Ach so manches Schätzchen
ist ein Schmeichelkätzchen,
das mit Sammetpfötchen dich umgibt.
Aber wie entsetzlich,
wenn man einmal plötzlich
Tigerkrallen spürt.“

Shakespeare sagt es kürzer: „Mädchen sind Frühling, solange sie Mädchen sind, aber der Himmel ändert sich, wenn sie Frauen sind.“ Wenn Sie also heiraten, sollten Sie wissen, eine unverheiratete Geliebte ist ein völlig anderer Mensch als eine Ehefrau, und die Veränderungen, die Sie dann vielleicht feststellen, sind womöglich nicht gerade solche, die Ihnen Freude machen.
Sie sollten auch bedenken, was schon die alten Römer gesagt haben: „Tempora mutant et nos mutamur in illis.“ (Die Zeiten ändern sich und wir uns in ihnen.) Allerdings sind es oft aber gar nicht Veränderungen der Persönlichkeit des Partners, die zu Eheproblemen führen, sondern es ist die Tatsache, dass man sich falsche Vorstellungen über gewisse Wesenszüge seines Ehegatten gemacht hat.
Wissen Sie, dass sich allein schon der Körper alle 7 Jahre völlig erneuert, so dass Sie biologisch gesehen immer wieder ein ganz anderer Mensch sind? Aber worauf es ankommt, ist das: Wir befinden uns also gleichsam auf einer Reise durch die Zeit, und das, was wir erleben, prägt uns und verändert unser Wesen. Ein typisches Beispiel soll das verdeutlichen: Sie heiraten und, weil Sie gut verdienen, vereinbaren Sie mit Ihrer Frau, dass sie den Haushalt führt. Kaum ist das erste Kind da, scheidet Ihre Frau aus dem Berufsleben aus und findet es zu Hause stinklangweilig. Sie will wieder zurück in ihrem Beruf und das kleine Kind in einer Krippe betreuen lassen. Das Ganze missfällt Ihnen. Nicht nur das Kind leidet, auch Sie sind nun arm dran. Obwohl Sie im Beruf an der Grenze Ihrer Leistungsfähigkeit arbeiten, sollen Sie nun auf einmal auch noch im Haushalt mitarbeiten, einkaufen und kochen. Sie fühlen sich um das Leben betrogen, das Sie sich vorgestellt haben: ein gemütliches, harmonisches Familienleben, in dem man Zeit füreinander und die Kinder hat. Pech gehabt! Wenn Frauen sich plötzlich auf diese Weise selbst verwirklichen wollen, können wir dem Mann nur unser Beileid aussprechen. Aber er hat noch Glück gehabt, denn es gibt noch schlimmere Trips, auf die sich Frauen auf der Suche nach sich selbst begeben können. Mancher Mann fragt sich da allerdings erstaunt, wieso man sich selbst denn überhaupt suchen muss. Aber Vorsicht: Stellen Sie solchen Fragen niemals Ihrer Frau! Da ernten Sie nur einen mitleidigen Blick.
Wohlgemerkt: Wir wollen den Frauen nicht das Recht absprechen, gewisse Freiheiten in Anspruch zu nehmen. Aber wir wollen doch Sie als Mann darauf aufmerksam machen, was Ihnen blühen kann. Vielleicht kommt Ihre Frau ja auch auf eine andere Ideen: In Frauenzeitschriften lesen wir Männer oft Artikel, die uns die Haare zu Berge stehen lassen – soweit vorhanden. So wird beispielsweise Ehefrauen empfohlen, gelegentlich eine Auszeit von der Ehe zu nehmen. Die Konsequenz sollte eigentlich lauten: Dann ist es eben aus mit der Ehe. Wir wollen hier nicht missverstanden werden: Natürlich braucht jeder in der Ehe seinen Freiraum und natürlich soll auch jeder einmal etwas allein unternehmen. Warum soll eine Ehefrau nicht einmal ein Wochenende auf einer Beauty-Farm verbringen? Aber all dies muss miteinander geplant werden. Jedenfalls ist die Ehefrau keine Arbeitnehmerin mit Anspruch auf Urlaub, den sie sich einfach in Form einer Auszeit nehmen kann.

Zum Stichwort „Frauenzeitschriften“ sei hier nur noch kurz bemerkt, dass ein Mann, der Heiratsabsichten hat, unbedingt öfter einmal einen Blick hinein werfen sollte, um sich in die Denkweise von Frauen hinein zu versetzen und eine Vorstellung davon zu bekommen, was ihn möglicherweise in der Ehe erwartet. Ein Beispiel gefällig? Die Emanzipationsbewegung begann damit, dass Frauen sich einfallen ließen, ihre Büstenhalter zu verbrennen, denn angeblich waren es ja wir Männer, die ihnen dieses einengende Kleidungsstück aufgezwungen haben – in unserer hemmungslosen Sexgier, die Frauen zu Objekten degradiert. So oder ähnlich lasen wir es einmal in den einschlägigen Blättern. Man brauchte aber nur zu warten, bis die Frauen sich wieder kritischer selbst betrachteten, und schon war der ganze Spuk wieder vorbei. Was uns Männer an solchen Vorkommnissen irritiert, ist die kompromisslose Absolutheit, mit der die Frauen erst einen Standpunkt vertreten, um dann festzustellen, dass sie sich auf dem Holzweg befinden. Mit derselben Gewissheit wissen Frauen auch bei einem Ehestreit, dass sie im Recht sind, bis sie nach der Scheidung merken, dass alles so seine zwei Seiten hat. Wir Männer sind da ganz anders: Von Selbstzweifeln geplagt fragen wir uns, was richtig ist. Goethe hat unsere innere Zerrissenheit im Faust mit den bekannten Worten zum Ausdruck gebracht: „Zwei Seelen wohnen, ach, in meiner Brust…“
Doch kommen wir darauf zurück, dass man sich in der Ehe auf Veränderungen seines Partners einstellen muss. Die einschneidendste ist oft die, dass bei manchen Frauen mit zunehmendem Alter die Lust am Sex schwindet, während beim Mann vielleicht die Potenz nachlassen mag, aber nicht der Spaß. Vielleicht hängt das Problem damit zusammen, dass viele Frauen sowieso keine rechte Freude am Sex haben. Der Präsident für psychologische Studien Dino Cafaro aus Italien bestätigt das, indem er feststellt, dass tatsächlich bei  40 % der Frauen kein Interesse daran besteht. Und Hans Meiser berichtete in einer Fernsehsendung einmal über das Ergebnis einer Umfrage, nach der 76 % der Frauen noch nie einen Orgasmus hatten. Weil wir Männer in dieser Beziehung erfreulicherweise anders sind, beneiden uns die Frauen und versuchen, uns unsere Lieblingssuppe zu versalzen: Sie entdecken an uns etwas, was es in Wirklichkeit nicht gibt: die Wechseljahre des Mannes. Natürlich gibt es auch zu diesem Thema wissenschaftliche Untersuchungen, aber was soll schon heraus kommen, wenn sich ein Team von Psychologinnen ein paar Jammerlappen vorknöpft und exploriert?
Sollten Sie nun aber das Glück haben, eine erotische Frau erwählt zu haben, so könnte es sein, dass Sie sich eines Tages mit einem Anspruchsdenken konfrontiert sehen, das sie nicht erfüllen können. Nehmen wir als Beispiel den Pensionierungstod bei Männern: Bisher glaubte man, das plötzliche Ableben der Männer stünde im Zusammenhang mit dem Ausscheiden aus dem Berufsleben. Die neuere Forschung hat aber ergeben, dass sexuelle Überforderung häufig die Todesursache ist: Die Frauen denken: Wenn ihr Mann schon zu Hause ist, könnte er sich vielleicht doch beim Liebesleben ein bisschen mehr anstrengen. Und so kommt es, dass Männer das tun, was sie vom Berufsleben her gewöhnt sind: Sie überfordern auch in dieser Beziehung ihre körperlichen Leistungsmöglichkeiten.
Wie sehen also, der Sex in der Ehe muss nicht unbedingt eine reine Quelle der Freude, sondern kann auch ein zusätzliches Feld für Konflikte sein.
Wenden wir uns vom Sex ab und wenden uns dem Gegenteil zu: der christlichen Ehe. Was können Sie wohl in einer solchen erwarten? Die Frage wäre an sich einfach zu beantworten, denn in der Bibel finden sich zahlreiche Hinweise darauf, wie eine Ehe funktionieren kann. Insbesondere hat der erste Papst, der Heilige Petrus sich schon mit diesem Thema befasst und geschrieben: „Desgleichen seid ihr Frauen den Männern untertan“ (1. Petrusbrief 3,1). Weil den jungen Leuten solche Weisheiten nicht mehr auf den schweren Weg in ihre gemeinsame Zukunft – gemeint ist die Ehe – mitgegeben werden, ist also schon die Katastrophe des Scheiterns vorprogrammiert. Die Kirche traut sich in der heutigen Zeit nämlich nicht mehr, diese in den Augen der Frauen unzeitgemäßen Lehren ihres ersten Papstes zu zitieren. Im übrigen haben die Frauen, wie die Geschichte von Eva und dem Apfel lehrt, nicht einmal dem Lieben Gott gehorchen wollen, umso weniger hören sie natürlich auf den Papst. Ein schlichter Ehemann steht also von vornherein auf verlorenem Posten.
Dem gemäß kommentiert die Operette Gasparone auch den Satz, den Gott zu Eva sprach, „Er soll dein Herr sein“ (Moses I, 3,16) mit folgendem weisen Spruch:

Wie stolz das klingt
Geltung hat’s leider nur bedingt!

Da bleibt also nur übrig, dass der Mann sich nach einer Weisheit richtet, die in dem französischen Sprichwort zum Ausdruck kommt: „Que femme veut, Dieu le veut.“ (Was die Frau will, das will Gott.) Also: Nachgeben, sprich: gehorchen.
Unabhängig von den Franzosen ist auch der Autor dieses Ratgebers zu der gleichen Erkenntnis gelangt und hat sie in einen Vers gefasst, den er bei Hochzeiten den jungen Paaren mit auf den gemeinsamen Lebensweg gibt:

Wie stolz das klingt
Geltung hat’s leider nur bedingt!

Da bleibt also nur übrig, dass der Mann sich nach einer Weisheit richtet, die in dem französischen Sprichwort zum Ausdruck kommt: „Que femme veut, Dieu le veut.“ (Was die Frau will, das will Gott.) Also: Nachgeben, sprich: gehorchen.
Unabhängig von den Franzosen ist auch der Autor dieses Ratgebers zu der gleichen Erkenntnis gelangt und hat sie in einen Vers gefasst, den er bei Hochzeiten den jungen Paaren mit auf den gemeinsamen Lebensweg gibt:

Beugt sich ein Mann dem Ehejoch,
Dann hat er eine Chance noch,
Er tut stets das, was ihm befohlen,
Sonst wird ihn gleich der Teufel holen.


Für die meisten Frauen ist die wichtigste Frage in der Ehe: Wie bringe ich meinem Mann bei, dass er zu gehorchen hat? Wir sehen hier also auch hier wieder, was die Frauen unter ihrer besonderen Teamfähigkeit verstehen, die sie heute so gerne ins Berufsleben einbringen wollen.
Manche Mütter wundern sich, was junge Ehefrauen in kurzer Zeit aus ihrem Sprössling gemacht haben. Eine Mutter drückte es so aus: „18 Jahre habe ich gebraucht, um ein richtiges Mannsbild aus ihm zu machen, und dieses Miststück von Ehefrau hat ihn in ein paar Wochen zum Trottel gemacht.“ Wie das geht? Der Amerikanerin Nancy Winters verdanken wir die These, dass Frauen ihre Männer ganz einfach wie Hunde erziehen – oder muss man sagen: dressieren – sollten. Aber Vorsicht! Wenn Frauen etwas erreicht haben, ist es ihnen nichts mehr wert:  Kaum haben sie ihren Mann zum Trottel gemacht, wollen sie einen richtigen Macho. Deshalb sind bei den weiblichen Hollywood-Stars neuerdings die Super-Machos gefragt, die auf die Gleichberechtigung pfeifen. Sandra Bullock sagte beispielsweise: „Endlich sagt mir mal ein Kerl, wo es langgeht! Ich hab diese Schoßhündchen satt, die nur nach meiner Pfeife tanzen.“ Es ist also völlig falsch, wenn Sie sich aus Liebe dazu entschließen sollten, ein Softie zu werden. Dann wird sich Ihre Partnerin auf einmal nach einer starken Schulter sehnen, bei der sie sich anlehnen kann. Ganz merkwürdig und für uns Männer völlig unverständlich ist, dass die Frauen in Wirklichkeit keinen stets lieben Partner wollen. So ist beispielsweise die Ehe von Paul McCartney und Heather Mills nach dem übereinstimmenden Urteil aller Bekannten daran gescheitert, dass er zu lieb zu ihr war. So unglaublich es klingt: Frauen empfinden das reine Lieb-Sein als unmännlich. Sie brauchen offenbar ein Wechselbad der Gefühle. Jede Frau ist da wahrscheinlich ein wenig anders. Vielleicht braucht die Ihre eine Mischung aus Zuwendung, Nichtbeachtung, Freundlichkeit und Kühle und was Ihnen sonst noch zu diesem Thema einfällt. Da müssen Sie sehr sensibel und wandlungsfähig sein.
Und nun befassen wir uns mit einem der schwierigsten Probleme der Ehe: Wer bestimmt was? Und wenn einmal die Frau bestimmt: Wann erwartet sie vom Mann Widerspruch und wann nicht?
Im Büro oder in der Firma ist alles ganz einfach: Da gibt es Referate, Zuständigkeiten und eine Hierarchie. Jeder weiß, was er zu tun hat, wem er zu gehorchen hat und wer ihm unterstellt ist. In der Ehe ist es wie bei einer Firmengründung: Es muss alles neu geregelt werden. Das geht natürlich nicht ohne Kämpfe – oder sagen wir besser: Streitigkeiten – ab.
Nehmen wir als Beispiel die Ehe, in der die Frau zu Hause ist und der Mann den Lebensunterhalt verdient. Bei diesem herkömmlichen Modell gibt es weniger Probleme, weil man sich auf eingefahrenen Geleisen bewegt. Man wird alles also wohl so machen, wie es der Brauch ist: Heim und Kinder sind das Ressort der Frau; der Mann darf dafür beruflich Karriere machen. Dabei tun die Frauen so, als ob sie sich für den Mann opfern. Tatsächlich aber machen sie sich oft ein schönes Leben auf Kosten des Mannes: Während er schuftet, gehen sie shoppen oder sitzen im Café. Und wenn er abends nach Hause kommt, betritt er nicht selten fremdes Territorium, denn die Frau betrachtet das Heim nun quasi als ihr Eigentum, mag auch der Mann im Grundbuch stehen. Für den Mann bleibt in der Ehe also alles beruflich alles beim Alten, aber sonst ist er, wenn er Pech hat zu einer Art von Heimatvertriebenen geworden. Jedenfalls finden viele Frauen, dass sie im Haus schalten und walten können, wie sie wollen. Das Wort Frau kommt übrigens vom germanischen „frouwe“ und bedeutet Herrin. Die Hausfrau ist also so gesehen die Herrin im Haus. Das ist zwar den meisten Männern egal oder sogar recht, aber gewarnt werden muss hier doch ausdrücklich vor den „kreativen“ Frauen. Das sind solche, die ständig etwas verändern wollen. Für uns Männer ist so etwas eine schwere Prüfung, denn wir haben ein gewisses Beharrungsvermögen und lieben es, wenn alles so bleibt, wie es ist: Da kennen wir uns aus und fühlen uns zu Hause. Es verunsichert uns zutiefst, wenn wir nach Hause kommen und unsere Wohnzimmermöbel plötzlich ganz anders aufgestellt sind. Wir fühlen uns fremd im eigenen Heim und fragen uns, wie eine kleine Frau, die nicht in der Lage ist, ihren Koffer zu tragen, es fertig gebracht hat, die schweren Möbel zu bewegen. Schließlich sind wir dann aber doch froh, dass es uns nicht so ergangen ist wie einem Kollegen. Während seiner Dienstreise hat seine Frau alle Möbel zartblau gestrichen, was nach seinen Aussagen der Beginn des „frigiden Zeitalters“ war – der Farbe entsprechend.
Noch eine Warnung: Frauen sind für Männer in verschiedener Hinsicht ein Gesundheitsrisiko. Wenn wir schon im vorangegangenen Teil gefordert haben, Männer sollten vor ihrem geistigen Auge immer ein Warnschild auf der Stirn einer Frau sehen, so müsste dieses ähnlich wie Zigaretten den Hinweis enthalten: „Vorsicht – Frauen schaden Ihrer Gesundheit!“ Wer einmal mit einer Frau beim Einkaufen war, weiß, wovon die Rede ist. Natürlich muss der Mann das ganze Zeug nach Hause tragen, denn er soll Gelegenheit haben zu zeigen, dass er ein ganzer Kerl und bestens bei Kräften ist. Dass mancher Muskelprotz sich dabei einen Bandscheibenvorfall holen kann, ist zwar unangenehm, aber nicht lebensgefährlich. Schlimmer ist, dass Männer beim Einkauf so sehr unter Stress stehen wie Bomberpiloten im Krieg: Sie leiden unter Herzrasen, Schweißausbrüchen und Bluthochdruck. Das sind nicht nur subjektive Empfindungen geplagter Einkaufsbegleiter, sondern das haben Messungen von Ärzten ergeben. Die Mediziner sagen uns auch, dass die von ihnen gemessenen Werte in einem lebensbedrohlichen Bereich liegen, den man zwar trainierten jungen Piloten im Ernstfall zumuten muss, aber nicht jeder Büromensch jenseits der 30 überlebt diesen Stress. So wundern wir uns nicht, weshalb die Männer eine viel kürzere Lebenserwartung haben als die Frauen. Wenige Männer haben das Glück, zu Hause bleiben zu dürfen, wenn ihre Frauen vom Einkaufsfieber gepackt werden. Viele Männer müssen allein schon deshalb mitgehen, um die Stimme der Vernunft zur Geltung zu bringen (wenn auch nur vorsichtig), also aufzuzeigen, wo die finanziellen Grenzen erreicht sind.
Fassen wir noch einmal zusammen, welche Frauen sich für eine Ehe nicht eignen:

a)    Frigide
b)    Nymphomaninnen
c)    Kaufsüchtige
d)    Herrschsüchtige
e)    Hysterische
f)    Xanthippen
g)    Ökoschlampen
h)    Emanzen
i)    Karrierefrauen
j)    Esssüchtige
k)    Magersüchtige
l)    Diätesserinnen
m)    Klatschbasen
n)    Glucken
o)    Frömmlerinnen
p)    Zicken
q)    Abonnentinnen von Frauenzeitschriften
r)    Blutsaugerinnen
s)    Faule
t)    Verschwenderinnen
u)    Geizige
v)    Pessimistinnen
w)    Rächerinnen
x)    Untreue
y)    wahrscheinlich auch die, die Sie sich gerade heraus gesucht haben, denn es bleiben kaum noch welche übrig.
z)    Wir sind mit dem Alphabet am Ende und überlassen es Ihrer Phantasie, die Liste zu ergänzen. Beispielsweise eignen sich auch Raucherinnen nicht für eine langfristige Beziehung – nicht deshalb, weil sie einem die Bude voll stinken, sondern weil sie einem zu früh wegsterben.

Mit den Frauen von heute verhält es sich so ähnlich wie mit den antiautoritär erzogenen Kindern der 60-er und 70-er Jahre. Diese galten eine Zeit lang als Erziehungsideal, erwiesen sich aber bald als berufs- und lebensuntauglich. Auch die Frauen von heute sind vielfach durch den Einfluss der Medien zu verbogenen Persönlichkeiten geworden, denen ihre Rechte wichtiger sind als die Pflichten, die Freiheit wichtiger als Verantwortung, das Geld wichtiger als immaterielle Werte, der Beruf wichtiger als die Familie. Ihnen sind nicht mehr die charakterlichen Eigenschaften anerzogen, die eine Ehefrau und Mutter haben sollte. So ist es kein Wunder, dass die Männer in den Ehestreik getreten sind, also nicht mehr heiraten und vor allem auch keine Kinder mehr in die Welt setzen wollen.
Wir Männer wissen natürlich, dass wir nicht fehlerfrei sind und dass man uns eine Liste von Typen entgegenhalten könnte, die der obigen entsprechen würde. Aber gerade weil wir demütig sind und uns zu unseren Schwächen bekennen, brauchen wir unbedingt eine umso perfektere Frau.
Nachdem Sie sich bis hierher durch dieses Buch hindurchgearbeitet haben, werden Sie sich vielleicht die Frage gestellt haben, wie ernst das Ganze wohl gemeint ist. Sagen wir mit einem Augenzwinkern: Auf jeden Fall ist das Buch gut gemeint – für Sie als Mann.
Wenn die Frauen dabei nicht so gut wegkommen, ist dies ein notwendiger Ausgleich dafür, dass die Männer dazu neigen, das weibliche Geschlecht zu verehren, ja oft geradezu anzubeten: Frauen werden nicht nur mit Engeln verglichen. Greta Garbo hat es sogar soweit gebracht, dass sie als „die Göttliche“ bezeichnet wurde, aber auch der Ausdruck „Diva“ bedeutet im Grunde genommen nichts anderes. Auch wenn sich der normale Mann nicht zu solchen Begriffen versteigt, denkt er doch unbewusst in solchen Kategorien. Deswegen ist es der Sinn und Zweck dieses Buches, den verliebten Mann auf den Boden der Tatsachen herunter zu holen.
Weil Frauen von Männern quasi selig gesprochen werden, sollte man sich vor Augen halten, wie eine solche Selig-Sprechung in der katholischen Kirche abläuft. Da tritt ein „advocatus diaboli“ auf, der alles zusammen trägt, was gegen eine solche Entscheidung spricht. In diesem Sinn soll auch dieses Buch wirken. Wenn trotzdem alle Argumente, die wir zu bedenken gegeben haben, an Ihnen abgeperlt sind wie Regen an einem imprägnierten Mantel, dann kann man Ihnen gratulieren: Dann sind Sie reif für die Ehe und haben die Richtige gefunden.
„Wer ist denn die Richtige?“ werden Sie fragen. Es ist die Frau, bei der Sie das Gefühl haben, zu Hause zu sein. Oder anders herum: eine der ganz normalen, aber seltenen Frauen, die den Sinn ihres Lebens darin sehen, Spuren der Liebe zu hinterlassen. Aber wer denkt heute noch über den Sinn seines Lebens nach…
Vielleicht noch ein Tipp: Denken Sie einmal darüber nach, was Sie glauben würden, wenn jemand Ihnen erzählen würde, er habe Ihre Freundin bei einem offensichtlich trauten Gespräch mit einem Mann in einem Café gesehen. Würden Sie misstrauisch? Oder würden Sie nur denken, sie habe sich nur harmlos mit jemandem unterhalten? Können Sie also Ihrer Freundin uneingeschränkt vertrauen? Das ist die Mindestvoraussetzung für eine Ehe, aber nicht die einzige: Sie brauchen nämlich unbedingt einen Ehevertrag, wenn Sie etwas besitzen. Sie sollten sich eines immer vor Augen halten: Eine Eheschließung ohne Vertrag ist wie ein Hochseilakt ohne Netz. Kein Artist käme auf die Idee, ohne Netz zu arbeiten, wenn die Absturzgefahr so hoch wäre wie die Scheidungsquote.
Oft verdeutlicht ein kurzer Witz etwas schneller als lange Ausführungen:

Der Lehrer fragt Fritzchen: „Wenn dein Vater 2000 Euro nach Hause bringt und deiner Mutter die Hälfte davon gibt: Was kriegt sie dann?“
Einen Wutanfall!“


Um die Gefahren einer Eheschließung ohne Vertrag zu verdeutlichen, nehmen wir an, Sie haben sich mit hartem Sparen und viel Eigenleistung ein Einfamilienhaus gebaut. Dieses Haus wird durch die Preissteigerungen und die Inflation immer wertvoller. Die Folge davon ist, dass Sie im Falle einer Scheidung Ihrer Geschiedenen die Hälfte der Wertsteigerung bezahlen müssen. Manch einer hat auf diese Weise sein Haus fast noch ein zweites Mal bezahlen müssen. Das Ungerechte an diesem gesetzlichen Güterstand der Zugewinnsgemeinschaft ist nämlich die Tatsache, dass Wertsteigerungen, die beim Grundbesitz eines Ehegatten eintreten, auch dem nicht besitzenden anderen Ehegatten zugute kommen. Himmelschreiendes Unrecht wie dieses ist ja auch mit eine der Ursachen dafür, dass nicht mehr so gern geheiratet wird, wenn aber doch, dann erscheint es natürlich auch vielen Verliebten nicht gerade als guter Start in die Ehe, wenn man gleich Regeln darüber vereinbart, was zu geschehen hat, wenn man sich scheiden lässt. Frauen pflegen diese Situation auszunutzen und sagen: „Wozu brauchen wir einen Ehevertrag? Liebst du mich denn nicht genug? Willst du mich später einmal wieder los werden, wenn ich alt werde?“ Man kann sich ausmalen, was ein Mann zu hören bekommt, wenn er sein Vermögen für den Fall einer Scheidung absichern will. Da muss er schon sehr behutsam vorgehen, wenn er einen Ehevertrag durchsetzen will. So kann er beispielsweise „zufällig“ eine Annonce aufschlagen, mit welcher der Deutsche Anwaltsverein wirbt. Darin heißt es: „Wir heiraten nur mit Ehevertrag. Schließlich muss man auch an später denken.“ Vielleicht kann man ja seine Partnerin soweit bringen, diesem Rat der Fachleute zu folgen. Wenn nicht, kann man es mit einem Sprichwort versuchen: „Hochmut kommt vor den Fall.“ Vielleicht leuchtet Ihrer Partnerin der Sinn dieser Lebensweisheit ein: Wer glaubt, dass seine Ehe niemals scheitern kann, findet sich wahrscheinlich eher vor dem Scheidungsrichter wieder, als ihm lieb ist.
Man kann aber auch mit Psychologie arbeiten. Man setzt sich mit seiner Partnerin zusammen und erklärt ihr, dass man bei allen größeren Unternehmungen „auf Nummer Sicher gehen“ soll, also auch bei einer Ehe Vorkehrungen für den Fall des Scheiterns treffen sollte, indem man einen Ehevertrag schließt. Freilich ist das Wort Ehevertrag für die Frauen, die durch ihren geschlechtsspezifischen Lesestoff verdorben wurden, wie ein rotes Tuch, doch kann man die Abneigung der Frauen mit dem Argument abbauen, dass nicht der Ehevertrag das Übel sein kann, sondern höchstens das, was darin steht. Und wenn man dann die einzelnen Klauseln bespricht, wird eine vernünftige Frau wohl durchaus einsehen, dass ein Mann das Haus, das er in die Ehe eingebracht hat, bei einer Scheidung wieder mitnehmen möchte, ohne dafür einen Zugewinnsausgleich bezahlen zu müssen. Sollte Ihre Partnerin nicht so viel Fairness besitzen, um dies zu begreifen, sollten Sie sich schon fragen, ob Sie „an der richtigen Adresse sind.“
Was sie nun im einzelnen vereinbaren sollten, können Sie der Spezialliteratur entnehmen. Meist bietet sie einen so guten Überblick, dass man damit als Laie seine Verhältnisse selbst regeln kann, ohne auf anwaltschaftliche Hilfe angewiesen zu sein, die bei einem größeren Vermögen sehr teuer werden kann und auch deshalb in der Regel überflüssig ist, weil man selbst wissen sollte, was man will, und weil man den Ehevertrag beim Notar beurkunden lassen muss, der dabei auch eine Beratungspflicht hat.
Wie vorsichtig Sie bei einem Schritt in ein Leben zu zweit sein sollten, sei mit zwei Beispielen belegt.
Kürzlich in einer Kleinstadt steckte eine alte Frau einem Straßenmusikanten einen größeren Geldschein zu. Auf die Frage, ob das nicht ein bisschen viel für die mäßige Musik gewesen sei, sagte sie: „Ach wissen Sie, das ist ein armer Kerl. Der hat einmal Häuser und Grundbesitz gehabt, aber die Frauen haben ihm alles weggenommen, weil er zu gutmütig und vertrauensselig war. Jetzt haust er in einem primitiven Zimmer, das ihm ein Freund kostenlos überlassen hat. Da fühlt man sich doch als Frau verpflichtet, auch ein wenig zu helfen.“
Oder: Ein bekannter deutscher IT-Unternehmer fand sich plötzlich in München unter den Brücken bei den Obdachlosen wieder. Auf die Frage, wie so etwas denn möglich sei, erklärte er: „Sie glauben gar nicht, wie schnell das geht: Scheidung, Wohnung weg, auf einmal werden dir die Konten durch die Anwälte deiner Ex gesperrt, und du weißt nicht einmal, warum…“ Man sieht an diesen zwei Beispielen, wie brandaktuell der Satz aus der Bibel ist: „Nichts geht über die Bosheit der Weiber!“ (Sirach 25, 13)
Wir wollen noch einmal das Stichwort Frauenzeitschriften aufgreifen, denn Sie sollten wissen, was dort den Frauen empfohlen wird: „Dokumente sichern!“ Das bedeutet also für Sie, dass Sie Ihre Dokumente einer solchen Sicherung entziehen sollten. Eigentlich sollte dies ja nicht notwendig sein, denn die Privatsphäre, die man sich auch in der Ehe erhalten sollte, sollte mindestens auch die eigenen Dokumente umfassen. Wir sprachen vom Vertrauen, das eine Grundvoraussetzung für die Ehe ist. Sie sollten sich also auch nur eine Partnerin wählen, bei der Sie sicher sind, dass sie trotz aller weiblichen Neugier niemals in Ihren privaten Unterlagen herumkramt, um sie zu sichten oder gar für den Fall der Scheidung zu fotokopieren.
Am Schluss noch eine Frage: Wissen Sie, woher das Wort „Gatte“ kommt? Es hat die gleiche Wurzel wie der Begriff „Gatter“. Wenn Sie sich also trotz aller Warnungen zur Heirat entschließen sollten, machen Sie sich sozusagen zum einem Gefangenen. All die Schlager die das Verliebtsein oder die Liebe als ein Gefühl von grenzenloser Freiheit besingen, stammen offensichtlich von Leuten, die entweder unter Drogen stehen oder überhaupt keine Ahnung haben.

3. Verheiratet – was nun?


Haben Sie dieses Buch zu spät gekauft und sind Sie schon verheiratet? Dann gehören Sie vielleicht zu denen, die, nachdem Sie alle Anstrengungen darauf verwandt haben, Ihren Traumpartner zu erobern, sich nun in gleicher Weise bemühen, ihn wieder los zu werden. Dann sind Sie auf dem falschen Weg. Es zeichnet uns Männer aus, dass wir Probleme lösen besonders, wenn wir sie uns selbst eingebrockt haben. Sie werden einwenden, dass Ihre Frau die alleinige Ursache Ihrer Probleme ist. Richtig! Aber wer hat sie denn ins Haus geholt? Na, sehen Sie!
Und haben Sie sich schon einmal die Frage gestellt, ob die Frau an Ihrer Seite genau die ist, die Sie verdienen? Vielleicht gehören Sie ja zu denjenigen, von denen es in der Bibel heißt: „Dem Übeltäter wird zur Strafe oft ein gottlos Weib gegeben.“ (Sirach 26, 23)
Sie sitzen also in einer Zwickmühle: Wenn Sie es zu Hause nicht mehr aushalten, weil Ihnen Ihre Frau das Leben zur Hölle macht, können Sie natürlich ausziehen, aber dann gelten Sie in den Augen Ihrer Mitmenschen als schäbiger Typ, der (wahrscheinlich wegen einer Jüngeren!) seine Familie im Stich gelassen hat. Zieht dagegen Ihre Frau aus, sind Sie der miese Typ, der sie zu diesem Schritt gezwungen hat. Männer und Frauen werden eben mit zweierlei Maß gemessen, wie sich auch beim Fremdgehen zeigt: Geht die Frau fremd, beobachtet man mit einer gewissen Schadensfreude, wie sie ihrem Mann die „Hörner aufsetzt“, während die betrogene Ehefrau des Mitleids ihrer Mitmenschen gewiss sein kann.
Wenn Sie glauben, dass Sie nun in diesem Heirats- und Scheidungsratgeber gleich Tipps für Ihre Scheidung bekommen, irren Sie sich. Im Gegenteil erhalten Sie zunächst einmal Anregungen, darüber nachzudenken, ob Sie sich nicht auf dem falschen Wege befinden. Haben Sie schon einmal von „Escalation of Commitment“ gehört? So nennt die Psychologie das Phänomen, dass Menschen und Gruppen an Fehlentscheidungen festhalten, auch wenn sich herausstellt, dass sie falsch waren. Ein Beispiel, das nichts mit der Ehe zu tun hat, soll das verdeutlichen: Eine deutsche Autofirma kauft ein ausländisches Pkw-Werk, was sich jedoch als Fehlinvestition erweist, weil laufend Verluste produziert werden; trotzdem stößt man das gekaufte Unternehmen nicht wieder ab. Man hält hartnäckig an der einmal getroffenen Fehlentscheidung fest und redet sie schön.
Warum gilt diese offenbar tief im menschlichen Wesen verwurzelte Angewohnheit nicht auch für die Ehe?  Bei der Eheschließung kann man ja wohl in den meisten Fällen sogar sagen, dass die Entscheidung, den Partner zu heiraten, wahrscheinlich ursprünglich richtig war. Man hat sich dann halt nur nicht gegenseitig anpassen wollen und hat so Probleme beim Zusammenleben bekommen. Was also ist zu tun? Der Dichter Theodor Storm hat uns folgenden weisen Spruch hinterlassen:

Die Liebe ist nur ein blauer Dunst,
Aber die Ehe, das ist die Kunst.

Das Wort „Kunst“ bedeutet in diesem Zusammenhang nicht allein, dass man etwas können muss, um der Aufgabe gewachsen zu sein. Es ist vielmehr auch gemeint, dass man so ähnlich, wie ein Künstler an sein Werk herangeht, auch die Ehe mit Phantasie, Sensibilität und Intuition gestalten muss, damit sie gelingt.
Man muss wissen, das die Ehe Phasen durchläuft, in denen sie sehr zerbrechlich ist, bevor sie stark und stabil wird. Ein sehr demonstratives Beispiel hat uns der amerikanische Schriftsteller James Thurber in der Geschichte „Die Winships trennen sich“ geliefert: Da schwärmt eine Ehefrau in den höchsten Tönen von Greta Garbo und erklärt ihrem Ehemann: „Für mich ist sie die Größte.“
Der Ehemann erwidert trocken, er finde Donald Duck besser und löst damit eine Diskussion aus, die das Ende der Ehe einleitet.
Wir sehen daran: Ein Ehemann muss wissen, dass Frauen eine andere Art von Humor haben und dass dieser sogar je nach Situation wechselt. Ein Witz, über den eine Frau in einer bestimmten Laune lachen kann, kann wie gesagt genauso wie bei den Winships in anderer Stimmung zur Scheidung führen. Das Eheleben ist also nicht einfach.
Man könnte natürlich einen Psychologen zu Rate ziehen, doch wissen diese Leute offenbar auch nicht besser Bescheid als unsereiner. Die Scheidungsrate dieser Fachleute weist nicht gerade aus, dass sie in der Lage sind, Partnerschaftsprobleme zu bewältigen.
Die Bibel hat auch hier wieder Ratschläge parat, die sicherlich bei Ihnen auf wenig Verständnis stoßen werden. So schreibt der Heilige Paulus im 1. Korintherbrief (7,29): „Dass doch Verheiratete künftighin so leben, als wären sie nicht verheiratet.“ Damit ist nicht gemeint, dass sie fortan in wilder Ehe zusammenleben sollen, sondern im Gegenteil: Es wird ein Eheleben ohne Sex empfohlen. Es handelt sich um die sogenannte Josefsehe, die mancher Frau sogar die Heiligsprechung eingebracht hat. Für Sie ist das sicher keine Lösung Ihrer Probleme.
Die Kirche hätte an sich einen einfachen Rat, mit dem sich alle Streitigkeiten vermeiden ließen:

„Eine Frau soll still zuhören und sich ganz unterordnen.“ (Papst Johannes Paul II.)

Leider müssen wir aber feststellen, dass nicht einmal fromme Frauen auf ihren Papst hören wollen oder auf den Hl. Paulus, der schon 2000 Jahre zuvor dasselbe gesagt hat, nur noch etwas drastischer.
Wir sind also auf uns selbst gestellt, wenn wir ein Problem lösen wollen, an dem schon viele gescheitert sind. Sicherlich wäre es gut, wenn man in Streitfällen versucht, zu einem Kompromiss zu kommen, vielleicht so:
Er will im Urlaub nach Kanada, sie nach Norwegen. Man fährt in ein Land, das in etwa dazwischen liegt: nach Island. Oder man verbringt den einen Urlaub in Kanada und den nächsten in Norwegen. Kein Grund zum Streiten also, möchte man meinen.
Schwieriger aber wird es schon bei einfachen Alltagsproblemen: wenn der Mann beispielsweise an seiner Frau die langen Haare liebt, sie aber lieber eine praktische Kurzhaarfrisur hätte. „Mein Kopf gehört mir!“ wird die Frau vielleicht sagen und befindet sich damit schon auf dem Holzweg, denn Mann und Frau gehören einander oder sind, wie die Bibel es ausdrückt: ein Fleisch. In Michigan wäre der Streitfall ganz einfach mit dem Gesetz zu lösen: Dort ist die Rechtslage eindeutig, denn das Haar der Frau gehört dem Mann. Leider verfügen wir nicht über so weise Gesetze. Dennoch können wir so viel sagen: Falsch ist es, wenn die Frau versucht, ihren Querkopf (Bubikopf?) durchzusetzen, anstatt sich zu fragen: Was kann ich tun, um meinem Mann zu gefallen? Da sind die Mühen, die lange Haare machen, doch eine Kleinigkeit gegen das, was andere Frauen anstellen, um gut auszusehen: Lippen aufspritzen, Busen vergrößern, Facelifting, Fett absaugen, Botox-Injektion, Reiterhosen beseitigen usw., lauter Eingriffe, die die Leidensfähigkeit des Mannes weit übersteigen würden. Wenn ein Mann all diese gewichtigen und stichhaltigen Argumente ins Feld führt, kann es sein, dass er etwas Seltenes, ja geradezu Wunderbares erlebt: Seine Frau sieht ein, dass er recht hat und gesteht dies auch zu.
Um beim Streit zu bleiben. Er gehört ganz natürlicherweise zur Ehe, denn wenn zwei Menschen miteinander leben, prallen selbstverständlich auch unterschiedliche Meinungen oder gar Lebensauffassungen aufeinander. Freilich sollte es bei einem Streit sachlich zugehen, aber oft gehen halt die Emotionen mit den Menschen durch. Und dann redet man nicht mehr miteinander oder es passiert Schlimmeres. Da gibt es Ehepaare, die glauben, wenn ihnen so etwas passiert, sei es eben aus und vorbei mit der Liebe. Sie denken, dass es in der idealen Ehe immer friedlich und liebevoll zugeht.
Dass dies falsch ist, zeigte sich kürzlich, als man im Fernsehen Paare interviewte, die von sich sagten, sie hätten 50 glückliche Ehejahre hinter sich gebracht. Der Moderator fragte sie, ob sie vielleicht irgendwann an Scheidung gedacht hätten. Alle bejahten diese Frage, nur eine Frau verneinte sie. Der Moderator hakte nach und wollte wissen, warum es bei ihr anders sei. Sie antwortete: „…weil ich katholisch bin, kam eine Scheidung für mich nie in Frage. Ich habe immer nur an Mord gedacht.“ Und alle haben herzlich gelacht, denn sie hatten ihre Schwierigkeiten hinter sich und sich zusammen gerauft.
Vielleicht sollte man eine dauerhafte Beziehung mit einem Hausbau vergleichen: Genau so wenig wie man bei einem Hausbau immer wieder alles einreißen kann, um dann von vorne neu zu beginnen, kann man dies in einer Partnerschaft tun. Eine funktionierende Beziehung zeichnet sich also dadurch aus, dass beide an ihr arbeiten und damit auch über das, was sie bisher waren, hinauswachsen, denn sie arbeiten damit zwangsläufig auch an sich selbst. Wie dabei vorzugehen ist, wäre das Thema eines anderen Buches. Hier sei nur so viel gesagt: Stellen Sie sich vor, Sie gehen in ein Gasthaus und bekommen einen kaum genießbaren Fraß vorgesetzt. Werden Sie wieder kommen? Die Frage erübrigt sich wohl. Was hat das denn mit der Ehe zu tun, wollen Sie wissen. Nun, ganz einfach: negative gemeinsame Erlebnisse fördern die Trennungsabsichten, positive dagegen schweißen zusammen. Also muss das Bestreben der Eheleute dahin gehen, möglichst viel gemeinsam zu erleben, so dass man hinterher zufrieden nach Hause geht und Gesprächsstoff hat, denn die Ehe ist ja ein langes Gespräch, wie der Philosoph Schopenhauer sagte. Haben Sie schon einmal überlegt, was sie mit Ihrem Partner alles unternehmen können? Ob auf dem Fußballplatz, in der Oper, im Ballsaal oder im Gasthaus, im Konzertsaal oder in der Kirche, beim Wandern oder Schwimmen…überall kann man was erleben. Man weiß gar nicht, was man zuerst und zuletzt tun könnte. Nur sollte man halt etwas heraussuchen, was beiden Freude macht. Was die Freude angeht, darf natürlich keiner ein Spielverderber sein: Wenn ein Ehepartner gerne Tennis spielt, soll es der andere jedenfalls einmal probieren. Vielleicht erscheint einem dann das Hinterherlaufen hinter einem kleinen weißen Ball gar nicht mehr als sinnlos, sondern als Vergnügen. Sonst gäbe es ja auch noch so vieles andere. Was haben die Menschen nicht alles erfunden, um Depressionen oder Missstimmungen zu bekämpfen. Man braucht nur zuzugreifen. Auf einmal lösen sich die Verhärtungen oder gar Verdüsterungen in der Seele, und die Welt sieht ganz anders aus (und auch der Partner, besonders wenn er lacht).
Im Streitfall lassen uns natürlich auch die Psychologen nicht im Stich. Von Ihnen hört man manchmal den unsinnigen Rat, man solle seine Wut herausschreien, denn an aufgestauter Wut könne man erkranken. Wenn man auf diese Weise seine Beziehung kaputt macht, ist das aber auch nicht gerade gesundheitsfördernd. Also mahnen wir zur Vorsicht. Den Psychologen wollen wir hier doch entgegen halten, dass uns ihr Rat etwas merkwürdig vorkommt. Jeder, der im Berufsleben tätig ist, muss höflich sein, seinen Kunden und seinem Chef gegenüber. Hat nicht der Ehepartner Anspruch darauf, mindestens so behandelt zu werden, wie diese fremden Menschen?
Auch die Pfarrer geben ihren „Schäfchen“ wohlmeinende Ratschläge: Eine Frau, die bei ihrer Osterbeichte angab, sie sei manchmal sehr zornig auf ihren Mann, ging getröstet nach Hause, nachdem sie von ihrem Beichtvater den Rat erhielt, sie solle ihren Zorn abreagieren, indem sie eine Tasse auf den Boden werfe oder auch mehrere. Es fragt sich nur, wie groß der Zorn später ist, wenn das ganze Geschirr kaputt ist und man viel Geld für neues ausgeben muss.
Um aber bei der Beichte zu bleiben: Ein berühmter Psychiater hat einmal festgestellt, dass unter all seinen Patienten kein praktizierender Katholik gewesen sei. Es hat also etwas für sich, wenn man einmal mit einer Beichte all den Schutt von seiner Seele wegräumt, der ja oft mit Eheproblemen zusammen hängt. Plötzlich sieht die Welt besser aus, so als wenn man eine schmutzige Brille gereinigt hätte.
Einfach und richtig wäre es aber auch, eine vorbeugende Konfliktstrategie zu entwickeln. Wie so etwas aussieht, ist natürlich der individuellen Art der Beziehung anzupassen. Aber es sollen doch einige Beispiele aufgeführt werden, damit der Leser weiß, was gemeint ist.
So könnte man die Geburt eines Kindes zum Anlass nehmen, einmal sein Eheversprechen ganz individuell und intim erneuern. Das verbindet mehr als eine eingefahrene Zeremonie auf dem Standesamt oder in der Kirche. Nehmen Sie also Ihre Frau bei der Hand und treten an das Bett Ihres schlafenden Kindes. Machen Sie sich dort die Verantwortung bewusst, die Ihnen mit diesem kleinen, hilflosen Wesen auferlegt worden ist und versprechen Sie sich gegenseitig, alles zu tun, um diesem Kind eine intakte Familie und eine behütete, fröhliche Kindheit zu bieten. Das sind Sie ihm schuldig. Das Traurige ist leider, dass solche Selbstverständlichkeiten heute nicht mehr selbstverständlich sind.
Oder wie wäre es mit dieser Idee? Ein frommes altes Ehepaar, das seine goldene Hochzeit feierte, wurde gefragt, ob es vielleicht ein Geheimrezept besitze, um immer noch glücklich zusammen zu leben. Die beiden bejahten dies und sagten, ihr Prinzip sei ganz einfach; sie hätten sich nach der Bibel gerichtet, wo ja zu lesen ist, dass man die Sonne nicht untergehen lassen soll über seinem Zorn. So hätten sie sich beide feierlich versprochen, sich jeden Abend einen Gute-Nacht-Kuss zu geben, auch wenn sie vorher noch so sehr gestritten hatten. Wie man sieht, hat es funktioniert. Allerdings muss bei der Anwendung dieses Rezepts zur Vorsicht gemahnt werden. Ein Ehepaar, das diesem Rat gefolgt ist, hat sich etwas unwirsch geküsst, so dass die Frau dabei eine Ecke ihres Schneidezahns eingebüßt hat. Man sollte sich daher nach einem Streit vorsichtshalber nicht auf den Mund, sondern auf die Wange küssen, was ja auch als Versöhnungsgeste sicherlich angemessener ist.
Viele Paare reden nicht mehr miteinander, wenn sie Streit haben. Das mag dann gut sein, wenn man sich nur Bösartigkeiten an den Kopf wirft. Man sollte sich nur dessen bewusst sein, dass jeder Tag, den man unversöhnt verbringt, ein verlorener Tag ist. Auch sollte man sich immer fragen, was wäre, wenn dies der letzte Tag für den Partner wäre? Es kann ja so schnell etwas passieren…Wenn ein Ehepartner nach einem Streit mit dem Auto verunglückt, wird der andere seines Lebens nicht mehr froh. Abgesehen davon, dass er verwitwet ist, wird er sich immer Vorwürfe machen und sich fragen, ob der Streit nicht indirekt die Ursache für den Unfall war: Hat dadurch die Konzentrationsfähigkeit des verunglückten Ehegatten gelitten?
Das Schlimmste, was man bei einem Ehestreit tun kann, ist, dass man sich schriftliche Mitteilungen zukommen lässt, denn alles, was man schreibt, hat eine völlig andere Wirkung als das, was man sagt: „Worte sind nur Schall und Rauch“, heißt es zu Recht. Aber das, was man geschrieben hat, brennt sich häufig tief in die Seele des Empfängers ein. Gottfried August Bürger schildert die Folgen treffend:

Was tief und wahrhaft dich gekränkt,
Das bleibt auf ewig dir ins Herz gesenkt.


Bei jedem Streit muss man also darauf achten, dass man niemals irreparable seelische Wunden schlägt. Das ist nämlich so ähnlich wie bei einer Schlägerei: Da muss jeder Beteiligte auch schauen, dass sein Gegner nicht womöglich ein Auge einbüßt oder Schlimmeres.
Falsch ist auch eine Unsitte, die häufig auch in Filmen zu beobachten ist: Einer zieht beleidigt aus dem ehelichen Schlafzimmer aus. Gerade wenn man Streit hat, sollte man die „ehelichen Pflichten erfüllen“, und zwar gründlich und gewissenhaft, wenn auch vielleicht schweigsam. Dann hat man jedenfalls hinterher keinen Streit mehr. Und plötzlich ist man in der Lage, vielleicht sogar über das zu lachen, was einen gerade noch in maßlose Wut versetzt hat. Manche werden sagen, es gehe nicht, in einer Missstimmung miteinander zu schlafen. Ja, ein bisschen Mühe muss man sich natürlich schon geben.
Schon der alte griechische Philosoph Platon ist zu einem ähnlichen Ergebnis gekommen. Er untersuchte das Phänomen der Hysterie, das Männer bei Streitigkeiten an ihrer Frau zu beobachten glauben, wie es hier vorsichtig ausgedrückt werden soll. Platon meinte, im Inneren der Frau wohne eine Art von Tier, das dauernd geritten werden müsse, damit es zu keinen hysterischen Ausbrüchen komme. Leider gab es in der Antike keine Philosophin, die uns die wirkliche Sachlage aus der Sicht der Frau geschildert hätte. Immerhin ist wissenschaftlich erwiesen, dass Frauen erheblichen Stimmungsschwankungen unterliegen. Dies muss ein Mann wissen, damit er zum richtigen Zeitpunkt die richtigen Themen anschneidet, und auch weiß, wann er lieber nichts sagt. Wir verwiesen insoweit auf die umfangreiche Fachliteratur.
Nun gibt es freilich auch Menschen, die nicht leicht zufrieden zu stellen sind und meinen, sie könnten sich aus irgendwelchen Gründen auf unsere vielfältigen Problemlösungsvorschläge nicht einlassen. Vielleicht finden sie, sie hätten schließlich Charakter und könnten sich nicht „wegwerfen“. Diese Menschen sollten sich aber fragen, ob sie nicht Sturheit mit Charakter verwechseln, und weiter, was das für ein Charakter ist, der dem ehelichen Frieden im Wege steht.
Sei es, wie es sei: Man kann auch noch etwas ganz anderes probieren: Man vereinbart, dass man bei jedem Streit auf den Tennisplatz geht. Wenn man dann dem Partner, der nun zum Gegner geworden ist, auf dem Platz die ersten Tennisbälle um die Ohren gedroschen hat, fühlt man sich wieder ausgeglichen und zufrieden.
Man kann auch zum Tanzen gehen, wo es vielleicht anfangs etwas grimmig oder gar ruppig zugeht, aber das gibt sich. Prinzipiell denkende Menschen werden sagen: Aber was wird aus den Problemen, über die man gestritten hat? Die existieren dann auf einmal nicht mehr, denn plötzlich sagt einer zum anderen: „Wir könnten das auch so machen…“ Oder: „In Zukunft sollten wir in einem solchen Fall…“
Mit Problemen ist das überhaupt so eine Sache: Da gibt es einen nord- und einen süddeutschen Weg, sie zu lösen. In Norddeutschland setzt man sich zusammen, diskutiert je nach Temperament heftig oder tiefgründig und kommt zu keiner Lösung. In Süddeutschland geht man ins Gasthaus, trinkt Bier und vergisst, dass man Probleme hatte. Mit anderen Worten: Es bringt nichts, wenn man stundenlang streitet, besonders mit Frauen. Man gewinnt nicht selten den Eindruck, sie verstünden  unter Diskussion, dass man ihnen am Ende gerne recht gibt, denn sie wollen oft nicht begreifen, dass das, was sie für richtig halten, in den Augen ihres Partners ganz anders aussieht. Mit der Erkenntnis, dass die Dinge je nach Standpunkt, Geschlecht, Charakter und Herkunft unterschiedlich betrachtet werden können, ist schon viel gewonnen, um einen Schritt in die richtige Richtung zu machen, also weg von der Scheidung.
Ein anderer vernünftiger Schritt wäre, das Streiten zu üben. Man setzt sich gemütlich ins Wohnzimmer und fängt einfach an. Man knallt sich Schimpfworte an den Kopf und versucht, sich gegenseitig zu übertreffen. Die ganze Situation ist natürlich völlig absurd und lächerlich, und so wird einem schließlich auch ein Streit später irgendwann ebenso lächerlich vorkommen. Schade, dass es nicht so geht wie bei Kindern: Wenn die unerträglich streiten, sollte man ihnen die Szene genauso vorspielen, als wenn man selbst so zanken würde. Sie werden sich das anschauen, zu weinen beginnen und „Aufhören!“ rufen. Ein solcher Schock ist sehr heilsam für sie.
Übrigens hat jene Erscheinung, die man Emanzipation nennt, die Ehe auch nicht gerade erleichtert, wie die erschreckenden Scheidungszahlen beweisen. Es gab einmal Zeiten, da hatten es die Frauen im Gefühl, wann es besser ist zu schweigen. Diese vielleicht angeborene Weisheit ist den Frauen ausgeredet worden: „Sich nichts sagen lassen!“ „Nichts hinunterschlucken – das macht die Psyche kaputt!“ und dergleichen mehr, so lauten die Ratschläge der Psychologen von heute. (Morgen aber werden sie sicher wie bei der antiautoritären Erziehung sagen: „Was kümmert mich mein Geschwätz von gestern?“) Zur Instruktion sei hier in Gedichtform gezeigt, wie man früher gestritten hat und wie so etwas heute aussieht:

Ehekrach (Normalversion)

Es war ein junges Ehepaar
In seinem ersten Ehejahr:
Ganz plötzlich war es dann soweit –
Es kam der erste Ehestreit.
Die beiden waren jung und dumm
Und blieben dann zwei Wochen stumm,
Bis er sich schließlich doch erbarmt,
Indem er sie ganz zart umarmt
Und damit auch das Schweigen brach,
Indem er die zwei Sätze sprach:
In der Ehe gibt es Pflichten.
Die muss ein Ehepaar verrichten!“
Kaum hörte dies die junge Frau,
Da sagte sie zu ihm: „Genau –
Das habe ich mir auch gedacht.“
Dann haben beide laut gelacht.
Und was die beiden noch getrieben,
Das sei hier nicht aufgeschrieben.

Ehekrach (Version mit Emanzenfrau)

Es war ein junges Ehepaar
In seinem ersten Ehejahr:
Ganz plötzlich war es dann soweit –
Es kam der erste Ehestreit.
Es kam der erste Ehestreit.
Da hub sie an in kühlem Ton:
Der Streit bedarf der Diskussion
Über dich und dein Verhalten.
Es lässt die Zuneigung erkalten.
Wie konnte es nur so weit kommen,
Dass du dich so vorbei benommen!“
Er sagte drauf: „Ich denke immer:
Was du getan, das war viel schlimmer!“
Und weil sie sich nicht einig waren,
Ging’s ihnen so wie vielen Paaren:
Kurzum – es ließen sich die beiden
Schon nach dem ersten Jahre scheiden.


Um auf das Liebesleben zurück zu kommen: Manche Ehen scheitern, weil man zu sehr an Sex gedacht hat, andere aber deshalb, weil man ihm zu wenig Bedeutung beigemessen hat. Ein befriedigendes Sexualleben gehört selbstverständlich zu einer glücklichen Ehe. Nun ist es allerdings mit dem Sexualleben so eine Sache… Vielleicht kann man es am besten mit einem Witz erklären. Das Wort „Witz“ hat dieselben Wurzeln wie die „Weisheit“. Dem gemäß ist eigentlich ein „blöder Witz“ ein Widerspruch in sich. Aber was soll man lange theoretisieren? Ein Beispiel sagt mehr als viele Worte:

In der Karwoche erscheint ein Kapuzinermönch im Schloss, um dem Fürsten die alljährliche Osterbeichte abzunehmen. Dem Mönch wird seine Lieblingsspeise vorgesetzt: Gänsebrust. Der Mönch vergisst darüber das Fastengebot und langt kräftig zu. Der Fürst hat keine Zeit zum Beichten. Am nächsten Tag wiederholt sich das Ganze: Gänsebrust und keine Beichte. Als das eine Woche lang so geht, meint der Mönch, ob es nicht etwas anderes zu essen geben könnte; Gänsebraten sei ja ganz toll, aber jeden Tag…
Sehen Sie“, sagt der Fürst, „und damit sind wir bei der Osterbeichte und bei meinem Eheproblem…“

Sie können sich vorstellen, um was für ein Problem es sich handelt: um die Routine beim Sexualleben, die manche zum Seitensprung reizt. Böse Zungen behaupten, die Monogamie sei völlig unnatürlich und nur von Frauen erfunden worden, die sich für die Zukunft absichern wollten. Esther Vilar, sagt treffend, was ein Mann sich nie zu sagen trauen würde: „Die Ehe ist eine obszöne Einrichtung zur totalen kommerziellen Ausbeutung des Mannes.“ Wir wollen dieses Problem auf sich beruhen lassen, denn es wäre ein nutzloses Unterfangen, für die Bigamie oder Vielweiberei einzutreten. Man muss also das Beste aus der gegebenen Situation machen, der Monogamie. Auch da ist es keineswegs so, dass es jeden Tag „Gänsebraten“ geben muss. Es kann auch schon einmal schlichte, deftige Hausmannskost oder etwas Exotisches sein. Genauso, wie wir jeden Tag Hunger haben und gerne etwas essen, ohne dass uns dies als alltägliche Routine langweilig würde, könnte es auch beim Eheleben sein. Aber wie man zum Kochen gelegentlich ein Kochbuch zur Hand nehmen sollte, sollte man einmal einen Ratgeber für ein erfülltes Eheleben zu Rate ziehen. Eine Frau sollte zum Beispiel wissen, dass ihre Geschlechtsgenossinnen im alten Ägypten 8 Jahre Lehrzeit hinter sich bringen mussten, wenn sie dem damals angesehenen Beruf einer Prostituierten nachgehen wollten. Schon der römische Schriftsteller Ovid  hat festgestellt, dass die Liebe eine Kunst ist, und er hat darüber ein Buch geschrieben, das damals einen großen Skandal ausgelöst hat: „Ars amatoria“. Aber auch in unserer Zeit tut ein bisschen Lernen ganz gut, wie Sie der am Ende folgenden Geschichte „Der alte Quassler“ entnehmen können. Diese kleine Geschichte ist als Anregung gedacht, immer offen zu bleiben für etwas Neues. Das erhält uns jung, und die Liebe natürlich auch. Dabei ist freilich viel Phantasie gefragt, denn Jean Paul sagt: Eine Geliebte aufgeben bedeutet Mangel an Phantasie. Und was für die Geliebte gilt, sollte doch wohl erst recht für die Ehefrau gelten.
Phantasielos wäre es, das Kamasutra von vorn bis hinten durchzuprobieren. Nichts gegen dieses Buch, aber es Teil einer Philosophie. Ohne diese ist es nur eine leere Hülle. Schauen Sie sich einmal um, was dahinter steckt, und schon begeben Sie und Ihre Partnerin sich auf eine Reise in ein echtes Abenteuer. Gemeinsames Erleben solcher Überraschungen ist das, was die Paare zusammen schweißt, bis sie schließlich eine verschworene Gemeinschaft sind, die niemand auseinander bringt. Da kann es nicht vorkommen, dass irgend jemand daher kommt und den übelsten Diebstahl begeht, den es gibt: Die Rede ist vom Ehebruch.
Früher war die Ehe gesetzlich geschützt. Wer mit einem verheirateten Partner schlief, wurde bestraft. Aber die Zeiten haben sich geändert. Was ist das heute für eine Rechtsordnung, die den Diebstahl einer Tafel Schokolade im Supermarkt unnachsichtig verfolgt, die aber die Entwendung eines Ehegatten straflos lässt, obwohl die Folgen in der Regel schrecklich sind, besonders wenn Kinder vorhanden sind.
Deshalb arbeiten Sie an Ihrer Beziehung! Da darf es keinen Stillstand geben. Es muss voran gehen. Sie sollten jeden Tag so verleben, dass Sie ihn abends an sich vorüberziehen lassen können und sich sagen: Es war schön heute! Wir haben uns Freude gemacht. „Carpe diem!“ (Nutze den Tag) sagten die Römer und sprachen eine schlichte Wahrheit aus, die man sich eigentlich täglich ins Gedächtnis rufen sollte.
Haben Sie schon einmal meditiert? Wahrscheinlich werden Sie wie die meisten Menschen diese Frage verneinen, allerdings zu Unrecht. Meditation ist ja nicht nur das religiöse Sich-Versenken in fromme Gedanken, sondern auch grundsätzlich eine besinnende Betrachtung. Was die letztere angeht, kann man sagen, dass fast alle Menschen meditieren, wenn auch leider fast immer im negativen Sinn: Sie ärgern sich über irgendetwas und bringen diesen Ärger einfach nicht aus dem Kopf heraus. Wenn sie beispielsweise am Tag im Büro einen Streit mit dem Chef gehabt haben, fällt ihnen erst abends im Bett ein, was sie am besten auf eine fiese Bemerkung hätten erwidern sollen. Ist es nicht traurig, dass die meisten Menschen nur auf diese Weise negativ meditieren? Wie wäre es denn, wenn man sich vornimmt (und natürlich auch verwirklicht), dem Positiven im Leben den Vorrang zu geben? In diesem Sinne ist der Spruch „Think positiv!“ durchaus beherzigenswert. Um nun aber wieder auf die Ehe zurückzukommen: Gerade für Eheleute ist es unheimlich wichtig, jeden Ärger, den man miteinander gehabt hat, so schnell wie möglich wieder aus dem Gehirn zu löschen und dafür positive Erlebnisse einzugravieren. Wenn man das übt und schließlich auch kann, sieht eine Ehe ganz anders aus, als wenn sich jemand ständig wieder ärgert, auch wenn der letzte Ärger noch in seinen grauen Zellen gärt.
Wie sehr es auf die Betrachtungsweise ankommt, kann man mit einem Autokauf demonstrieren: Der eine ist ganz selig über sein neues Fahrzeug; ein anderer, der den gleichen Wagen gekauft hat, ärgert sich über irgendwelche Lappalien so sehr, dass er sich nicht überhaupt mehr freuen kann, und jedes Mal, wenn er einsteigt, kommt ihm der Ärger wieder von neuem hoch. Vielleicht ist es ja auch bei den Menschen so wie bei den Musikinstrumenten: Jedes ist anders gestimmt. Prüfen Sie immer wieder Ihre Grundstimmung! Ist sie von Natur aus positiv? Wie oft haben Sie heute schon „ja“ gesagt und wie oft „nein“?
Wenn sich eine Ehe in einer Krisensituation befindet, meinen Männer oft, sie könnten mit ihren Frauen verhandeln. Das geht nicht, wie hier lediglich mit einem Witz bewiesen werden soll:            

Was ist der Unterschied zwischen einer Frau mit PMS (prämenstruelles Syndrom) und einem Terroristen? Mit einem Terroristen kann man verhandeln!


Also, Männer: Vorsicht, Vorsicht und nochmals Vorsicht! Wenn Männer über die Möglichkeit reden wollen, den ehelichen Frieden wiederherzustellen, reden Frauen über ganz etwas anderes, nämlich darüber, was der Partner alles falsch gemacht hat. Mit anderen Worten: Er blickt in die Zukunft, während sie die Vergangenheit aufarbeiten will. Da können Frauen sehr prinzipiell werden: Ohne bewältigte Vergangenheit gibt es mit ihnen keine Zukunft mit ihnen. Wir stoßen hier auf ein Grundproblem: Wir Männer sind einfach verträglicher als die Frauen. Das lässt sich ganz einfach mit Beispielen belegen:

a)    Wenn man Schwiegermütter und -väter vergleicht: Wer ist das Problem, sogar ein solches, dass eine Witzfigur daraus wurde? Doch nicht der Schwiegervater!
b)    Von wem gehen die meisten Scheidungsklagen aus? Richtig: Von den Frauen!
c)    Wer ist in der Mehrzahl der Fälle der gewalttätige Teil in der Ehe? Ganz klar die Frauen, auch wenn die eindeutige polizeiliche Statistik von Zeitschriften wie Emma nicht gern gesehen wird. So ist es nicht verwunderlich, dass die Berliner Sängerin Delia mit ihrer Single „Du W*chser“ einen Hit bei den Frauen gelandet hat, in dem sie u.a. von sich gibt: „…wie schön es wär’, dir auf die Fresse zu hau’n…du dumme, arrogante Sau!“
d)    Und noch ein letztes instruktives Beispiel: Bis vor wenigen Jahrzehnten gab es Wetterhäuschen, bei denen ein Mann mit einem Regenschirm schlechtes Wetter prophezeite, während bei schönem Wetter eine Frau erschien. Hat je ein Mann dagegen protestiert? Niemals! Als sich aber umgekehrt einbürgerte, im Wetterbericht den Tiefs weibliche und den Hochs männliche Namen zu geben, fühlten sich die Frauen sofort beleidigt, so dass diese Praxis geändert werden musste, leider, denn wenn nun von „Max“ die Rede ist, wissen wir nicht mehr sofort, ob es ein Hoch oder ein Tief ist.

Sie werden sagen: Was nützt es mir, wenn ich zwar verträglich bin, aber einem Eisklotz gegenüber sitze? Nun, da kommt Ihnen eine zweite Eigenschaft zugute, die wir Männer den Frauen voraus haben: Wir können uns gut in ihre Lage versetzen. Umgekehrt funktioniert das nicht. Auch dies werden die Frauen natürlich energisch bestreiten, doch lässt es sich auch wieder ganz einfach mit Beispielen belegen:

a)    Welche Frau wäre in der Lage, einen Mann so perfekt darzustellen, wie „Mary“ eine Frau verkörpert? Sie übertrifft mit ihrem betörenden Augenaufschlag und ihrem aufreizenden Gang bei weitem jedes Original.
b)    Warum gibt es so viele Frauenärzte, aber keine Männerärztinnen?

Wir Männer bilden es uns auch nicht nur ein: Es ist tatsächlich so. Wir sind auch viel geduldiger als die Frauen. Man sieht das daran, dass fast nur Männer angeln.
Vielleicht sollte hier noch einer der vielen Wesenszüge erwähnt werden, die Männer Frauen voraus haben: Sie haben mehr Phantasie. Deshalb sind die meisten bekannten Schriftsteller Männer.
Natürlich gibt es auch Eigenschaften, die wir Männer nicht haben und auch nicht haben wollen. Wir überlassen sie den Frauen. Die Rede ist von Hysterie, Stutenbissigkeit und Zickigkeit. Es reicht uns, dass wir darunter zu leiden haben. Wir müssen es einfach hinnehmen, dass die Frauen so sind, wie sie Dichter und Philosophen beschrieben haben:
„Nichts ist schrecklicher als der Zorn einer Frau“, fand schon Shakespeare, und dass es so ist, wurde uns in dem Film „Der Club der Teufelinnen“ vorgeführt. Ähnlich drückte es auch Nietzsche aus, indem er schrieb: „Im Zustande des Hasses sind Frauen gefährlicher als Männer, zuvörders weil sie durch keine Rücksicht gehemmt werden, sondern ihren ungestört ihren Hass bis zu den letzten Konsequenzen anwachsen lassen…“ Deshalb sind die Gottheiten der Rache in der Antike auch immer Frauen gewesen: Furien, Erinnyen, Eumeniden, Nemesis und was da sonst noch den Menschen das Leben schwer gemacht hat. Typisch ist in diesem Zusammenhang die Geschichte der germanischen Göttin Holda. Sie war ursprünglich – Nomen est omen – ein holdes Wesen, das sich zur schrecklichen Rächerin entwickelte.
Zum Thema Rache der Frauen sei hier noch ein Witz aufgeschrieben, über den wir ein wenig nachdenken sollten:

Zwei Freundinnen stellen fest, dass sie, ohne dass sie es bisher wussten, denselben Freund haben.
Die eine schimpft: „Dieses miese Subjekt hat uns beide betrogen. Dafür sollten wir ihn ganz furchtbar bestrafen!“
Ja“, stimmt die andere zu. „Ganz einfach: Ich heirate ihn!“


Die Ehe als Strafe für den Mann, das ist vielleicht ein Gedanke, der nur einer Frau kommen könnte.
Nicht von ungefähr gibt es übrigens unter den Frauen Xanthippen, Megären und  ähnliche Gestalten, denen kein vergleichbares männliches Pendant gegenübersteht.

Die Frage, ob Männer die besseren Menschen sind, wollen wir hier nicht klären. Dazu sind wir zu bescheiden. Die Frauen aber haben diese Frage jedenfalls schon für sich beantwortet: „Als Gott den Mann schuf, übte sie (!) nur.“ So und ähnlich lauten die Sprüche der Emanzen, die auch bei normalen Frauen Wirkung zeigen. Natürlich glauben die Frauen auch, trotz ihres kleineren Gehirns intelligenter zu sein als Männer, weil sie angeblich über etwas verfügen, was Männer in ihren Augen nicht oder kaum besitzen: emotionale Intelligenz. Wir Männer würden sagen: Der Hauptakzent liegt auf „emotional“. Aber es ist stiller geworden um diese emotionale Intelligenz, seit sich herausgestellt hat, dass die Frauen nicht, wie sie uns weis machen wollten, kraft dieser Eigenschaft beispielsweise die besseren Fondsmanagerinnen sind. Diejenigen, die das geglaubt haben, haben eine große Pleite erlebt.

Wenn wir nur die oben aufgeführten Vorzüge der Männer ausspielen, müsste es doch mit dem Teufel zugehen, wenn wir ein missgestimmtes Weib, das nicht von seinen Launen lassen will, nicht wieder hinkriegen würden.
Wenn Sie also einen Streit haben, lassen Sie Ihre Frau ihre Emotionen austoben und lassen Sie sie glauben, dass sie intelligenter ist. Oft ist es ein Zeichen von Intelligenz, wenn man sich dümmer stellt, als man ist, besonders wenn es dem häuslichen Frieden dient.
Da es Frauen gibt, die ihre Missstimmungen geradezu zelebrieren, vermuten wir Männer richtig, dass sie damit etwas erreichen wollen. Auch Tränen sind ein beliebtes Kampfmittel im ehelichen Streit, weil sie geeignet sind, ein Männerherz zu erweichen. Wieso eigentlich, wo wir Männer doch ohnehin die weicheren und großzügigeren Herzen haben? Die Juweliere und Pelzhändler leben davon. Merken Sie sich als Mann eine Grundwahrheit: Ein Mann weint, weil…Eine Frau dagegen weint, um zu…Aber lassen wir den Frauen die Eigenschaften, die wir sowieso niemals ändern können.
Das bedeutet, dass uns nichts anderes übrig bleibt, als diese Wesenszüge zu nehmen, wie sie sind. Wir können sie aber ganz einfach nutzen, um den ehelichen Frieden wieder herzustellen:
Wenn wir bei einem Streit die Frau beschenken, je nach Portemonnaie mit Schmuck oder Blumen, nimmt sie dies als unser stillschweigendes Schuldeingeständnis gerne an und ist, wenn man Glück hat, vielleicht versöhnt. Wir sehen auch hier, dass Frauen und Männer ganz verschieden denken: Der Mann will in dieser Situation nur auf einfache Weise seine Ruhe und seinen Frieden haben, denn der ist uns wichtiger als den Frauen das, was sie unter Prinzip verstehen.
Und wenn wir dann Frauen sehen, die über und über mit Schmuck behängt sind, fragen wir uns, was deren Männer wohl alles angestellt haben müssen.

4. Scheidung


Wenn Sie all die vielen Ratschläge der vorigen Teile befolgen, werden Sie diesen Teil des Ratgebers niemals brauchen. Deshalb wird er auch nur ganz kurz gefasst.
Zunächst einmal sollten Sie, bevor Sie sich zur Scheidung entschließen, etwas tun, was Ihnen sonst zuwider ist: die Promi-News in der Klatschpresse und im Fernsehen verfolgen. Aus den seelischen Nackttänzen, die da von manchen Stars aufgeführt werden, kann man nämlich unter Umständen etwas lernen. Nicht selten lesen wir nämlich zu unserem Erstaunen, dass die Leute ihren Verflossenen nachweinen und ihnen förmliche Liebeserklärungen machen. Es ist halt wohl so, dass man das, was man hat, oft erst schätzt und in seinem wahren Wert erkennt, wenn man es verloren hat. Man soll sich daher sehr gut überlegen, ob man sich wirklich scheiden lassen soll. Es darf auf keinen Fall passieren, dass man in diesem Zusammenhang einen schweren Fehler macht, den man vielleicht hinterher ein Leben lang bereut. Genauso, wie man probeweise zusammen leben kann, kann sich auch probeweise trennen. Das ist auf jeden Fall besser, als im ersten Zorn zum Scheidungsanwalt zu rennen.
Wenn Sie sich scheiden lassen oder vielleicht auch gegen Ihren Willen geschieden werden, sollten Sie dies keinesfalls als eine Katastrophe ansehen, durch die Sie völlig aus der Bahn werfen lassen, sondern sich sagen, dass Sie nun eben zu den anderen 50 % gehören, bei denen die Ehe nicht funktioniert hat. Eigentlich sind es ja über 80 %, denn zu den geschiedenen Ehen muss man ja diejenigen dazu rechnen, in denen die Partner sich zwar nicht mehr viel zu sagen haben, aber aus Gewohnheit zusammen bleiben. Und gar nicht selten sind die Fälle, in denen die Angst vor der Einsamkeit größer ist als das Leiden unter der Beziehung. Nicht geschieden zu sein, bedeutet also nicht ohne weiteres, dass die Ehe intakt ist.

Bei der Scheidung gibt es drei Konstellationen:
a)    Beide wollen auseinander gehen. Dann gibt es im allgemeinen kaum Probleme, außer dass dieser Schritt wohl durchdacht sein muss. Häufig denken nämlich die Partner nach der Trennung plötzlich ganz anders über den/die Verflossene(n). Und sie sehen, dass neue Partner auch so ihre Macken haben können, die allerdings den Nachteil haben, dass man sich noch nicht an sie gewöhnt hat. Deshalb sei hier nochmals der Rat wiederholt, der Scheidung auf alle Fälle eine Zeit der probeweisen Trennung vorausgehen zu lassen.
b)    Er will sie los werden. Dies ist im allgemeinen auch kein Problem, wenn man sich dieses Schrittes ganz sicher ist und keine Kinder vorhanden sind. Es gibt hierzu Spezialliteratur, z. B. das Buch von Michele Alexander und Jeannie Long: Der kleine Liebestöter – Wie du deine Lover garantiert in die Flucht schlägst. Mit etwas Phantasie benötigen Sie aber einen solchen Ratgeber nicht, sondern nur schlechte Laune.
c)     Sie will gehen, aber er will sie behalten: Nun, da wird es schwierig, wenn Sie alle Tipps aus dem vorigen Kapitel durchprobiert haben. Sie sollten dann einmal mit Ihrer Partnerin über das Altwerden reden. Das hören Frauen zwar nicht gerne, besonders wenn sie gemeint sind. Aber das muss man ihnen ja nicht gleich so deutlich sagen. Man muss nur von der Grundwahrheit ausgehen, dass das Altern im Kopf beginnt, und zwar damit, dass man sich weniger freuen kann. Schauen Sie sich einmal die Kinder an: Sie haben noch die Fähigkeit, sich an den kleinsten Dingen zu freuen. Und sie lachen daher auch viel mehr als Erwachsene. Die Fähigkeit, lachen und sich freuen zu können, muss man sich erhalten, wenn man jung bleiben will. Dementsprechend muss man Negatives aus seinem Leben fernhalten, also auch eine Trennung. Auf solchen verschlungenen Denkpfaden kann man vielleicht eine Frau so weit bringen, darüber nachzudenken, ob man es nicht doch noch einmal mit einem neuen Anfang versuchen sollte.
Dass man Frauen mit dem Argument Altwerden zu vernünftigem Verhalten bewegen kann, zeigte sich beim Rauchen. Alle Warnungen über die Gesundheitsgefahren des Zigarettenkonsums sind an den Frauen abgeperlt wie Regen am Ölzeug. Als man aber den Frauen sagte, dass Rauchen alt macht und Falten verursacht, setzte plötzlich ein Denkprozess beim weiblichen Geschlecht ein – und siehe da: ihr Zigarettenkonsum sank.
Dass man Frauen mit dem Argument Altwerden zu vernünftigem Verhalten bewegen kann, zeigte sich beim Rauchen. Alle Warnungen über die Gesundheitsgefahren des Zigarettenkonsums sind an den Frauen abgeperlt wie Regen am Ölzeug. Als man aber den Frauen sagte, dass Rauchen alt macht und Falten verursacht, setzte plötzlich ein Denkprozess beim weiblichen Geschlecht ein – und siehe da: ihr Zigarettenkonsum sank.
Genauso muss man den Frauen klar machen, dass es ein Zeichen von Alter ist, wenn sie plötzlich mit ihrem Partner nicht mehr zufrieden sind: Vorzeitig gealterte Menschen schauen halt nicht mehr so positiv in die Welt, sondern sehen alles negativer und grau in grau. Beim Stichwort „alt“ schrillen bei den Frauen die Alarmglocken, und sie beginnen, darüber nachzudenken, ob es nicht geht, der Seele eine rosarote Brille zu verpassen. Dann könnte es wieder aufwärts gehen.

Wenn aber alles nichts nützt, soll man sich jedenfalls auf den Ernstfall, nämlich die Scheidung, sorgfältig vorbereiten. Hier ein paar allgemeine Tipps zu diesem Thema: Gehen Sie niemals in ihrem ersten Zorn zum Anwalt. Denn dann bekommen Sie es mit einer Sorte von Menschen zu tun, die zu einem großen Teil vom Unglück anderer Leute leben, und das ganz ausgezeichnet. Eine einzige lukrative Scheidung kann genügen, um einem Anwalt ein Einkommen zu bescheren, für das der Normalbürger ein Jahr oder mehr arbeiten muss.
Es ist den Anwälten und ihrem Einfluss auf die Justiz zu verdanken, dass man zwar ganz einfach vor einem Standesbeamten heiraten kann, dass man sich dort aber nicht ebenso einfach wieder trennen kann. Neidvoll wird mancher in der Bibel lesen, wie formlos eine Scheidung nach alttestamentarischem Ritus ablief. Im Buch Deuteronomium (24,1) lesen wir: „Ein Mann nimmt ein Weib und heiratet sie. Sie findet aber nicht die Gunst in seinen Augen, weil er an ihr etwas Abstoßendes findet. So schreibt er ihr einen Scheidebrief.“
Sicher bedarf es nach unserem heutigen Verständnis gewisser Schutzmechanismen, damit bei der Scheidung nicht ein Ehegatte vom anderen über den Tisch gezogen wird. Könnte man nicht auch Standesbeamte so weit ausbilden, dass sie Ehe, die sie schließen dürfen, wieder abwickeln können? Wieso braucht man dafür ein Gericht und einen Anwalt? Und wer schützt die Eheleute davor, dass sie nicht von ihrem Anwalt über den Tisch gezogen werden? Wenn er scheinbar fürsorglich danach fragt, ob ein Ehepaar über Vermögen verfügt, denkt er an seine Gebührenordnung, die ihm bei der Teilung des ehelichen Besitzes einen erklecklichen Anteil daran verschafft. Zyniker behaupten, aus der Sicht des Anwalts seien alle Gesetze nur Nebengesetze der Bundesrechtsanwaltsgebührenordnung. Seien Sie also vorsichtig, wenn Sie sich scheiden lassen wollen und vergewissern Sie sich zunächst einmal über den billigsten Weg. Die Rechtsantragstelle der Gerichte wird Ihnen hierzu objektiver Auskunft erteilen, als dies ein Anwalt tut.

Und hier noch ein bisschen Lektüre zum Thema
(Ein Fundstück aus „Geschenk für Dich“ s. unter „Home„)

Der alte Quassler


Es gibt Menschen, die mit ihren Weisheiten unbedingt den Rest der Menschen beglücken müssen. Sie haben geradezu ein Sendungsbewusstsein, als wenn sie eine neue Religion erfunden hätten. Ich weiß nicht, was ich an mir habe, dass ich auf solche Leute eine besondere Anziehungskraft ausübe. Manchmal denke ich darüber nach, ob ich vielleicht etwas dumm oder naiv dreinschaue und dadurch den Eindruck erwecke, man müsse mir geistig ein wenig auf die Sprünge helfen.
Als ich kürzlich mit dem Zug von München nach Hamburg fahren musste, beschlich mich von vornherein ein ungutes Gefühl: Was würde mir wohl diesmal bevorstehen?
Ich vergrub mich hinter meiner Zeitung und schaute auch nicht über sie hinweg, als ich spürte, dass jemand gegenüber Platz nahm. Es war ein Mann, der sich da nieder ließ. Er begrüßte mich freundlich und fragte vorsichtshalber:
„Der Platz ist doch noch frei?“
Ich bejahte seine Frage und erwiderte seinen Gruß, indem ich nur kurz die Zeitung ein wenig senkte, um mich dann aber gleich wieder in meine Lektüre zu vertiefen. Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass der Mann auf der anderen Seite der Zeitung mitlas. Ich täuschte mich nicht, denn plötzlich räusperte er sich und sagte:
„Entschuldigen Sie bitte, mir sticht da gerade die Schlagzeile aus Ihrer Zeitung ins Auge: ‚Wer hat denn heute noch Lust auf Sex?‘ Das Thema würde mich interessieren, weil ich Sexualberater bin. Könnten Sie mir bitte die Zeitung kurz einmal leihen, wenn sie sie ausgelesen haben?“
„Gerne!“ antwortete ich. „Aber es wird noch eine Zeit dauern, denn ich habe ja gerade erst angefangen.“
„Haben Sie denn schon den Artikel über den Sex gelesen?“ wollte er wissen.
„Nein, ich fange – wie schon gesagt – gerade erst mit dem Lesen an.“
„Ach, an sich kann ich mir denken, was die da über den Sex schreiben: es ist ja meistens dasselbe“, meinte er.
Da machte ich den Fehler, leichthin zu sagen: „Na ja, vielleicht liegt das daran, dass es mit dem Sex immer das Gleiche ist.“
„Immer das Gleiche?“ schnaubte er. „…weil immer die gleichen Fehler gemacht werden. Manchmal habe ich den Eindruck, als würde nirgendwo so viel falsch gemacht wie beim Sex. Wissen Sie: die meisten Menschen haben ein Sexualleben auf dem Niveau von Hunden. Schlimm!“
Irgendwie amüsierten mich seine Ansichten, und ich forderte ihn indirekt auf, mehr davon zu verraten, indem ich sagte: „Ich glaube, in den Augen eines Sexualwissenschaftlers bin ich womöglich auch so eine Art von Hund, vielleicht sogar ein blöder.“
„Das lässt sich ganz einfach feststellen. Man kann die Menschen in drei Gruppen einteilen: Die Wissenden, die Unwissenden und dazwischen stehen die Interessierten. Wenn Sie zu den Wissenden auf dem Gebiet der Sexuellen gehören wollen, müssten Sie die Fragen wie diese beantworten können: Wie bringen es jüdische Männer auch noch in unserem reifen Alter – von sagen wir mal ca. sechzig Jahren – fertig, täglich mit ihren Frauen Sex zu haben, wie es Ihnen der Koran vorschreibt?“
„Ich dachte, der Koran sei die Bibel der Moslems“, warf ich vorsichtig ein.
„Natürlich! Ich habe mich versprochen, ich meinte die Thora; beide Worte haben ein ‚o‘ und ein ‚a‘, da kann so etwas schon passieren. Aber nehmen wir lieber ein anderes Thema, denn mit den Juden ist es immer etwas problematisch. Wussten Sie, dass die chinesischen Kaiser bis zu 999 Gespielinnen hatten und jeden Tag bis ins hohe Alter mit diesen verkehrten?“
„Beneidenswert!“ sagte ich, anstatt direkt zu antworten, denn langsam interessierte mich, was er unbedingt los werden wollte.
„Ich glaube, ich gehe recht in der Annahme, dass ich Sie zur Gruppe der Interessierten rechnen darf und dass Sie wissen wollen, wie die Chinesen das gemacht haben. Also: Dieses Volk hat uns unglaublich viel voraus – aus zwei Gründen: Zum einen hat seine kulturelle Entwicklung früher begonnen, zum anderen haben die Chinesen keine Kirche gehabt, die Menschen mit medizinischen Kenntnissen als Hexen auf dem Scheiterhaufen verbrannt hat. Bei ihnen gibt es also eine vieltausendjährige medizinische Tradition, während wir nur auf das Wissen von wenigen Jahrhunderten zurückgreifen können. Die Leibärzte der chinesischen Kaiser haben sich unheimlich anstrengen müssen, denn es ging ihnen nur solange gut, wie der Kaiser gesund war; erkrankte er hingegen, konnte sie das den Kopf kosten. Genauso war es natürlich auch beim Liebesleben der Kaiser: Sollte der Herrscher bei einer Gespielin versagen, konnte das durchaus das Ende für den Arzt bedeuten. Schließlich hatte ein Heilkundiger, dessen Mittel nichts taugten, in den Augen des Kaisers keine Daseinsberechtigung. Und so erfanden die chinesischen Weisen vieles, was bei uns nicht einmal ein Professor der Medizin weiß. Da bildet sich die westliche Medizin etwas auf Mittel wie Viagra ein, aber die Chinesen hatten schon vor mehr als tausend Jahren etwas viel Besseres, nämlich etwas ganz Natürliches – ich weiß nicht, ob Sie das interessiert?“
„Selbstverständlich!“
„Gut, dann will ich Ihnen das erklären: Die chinesischen Weisen beobachteten die Tierwelt und entdeckten, dass es da sexuell sehr rege und auch sehr träge Lebewesen gab, und sie fragten sich woher das kam. Sie beobachteten die Löwen, Hirsche und auch die Hasen mit ihrem scheinbar unersättlichen Sexualdrang. Sie studierten, was diese Tiere fraßen, wie und wie oft sie sich bewegten und welche Muskelpartien sie dabei beanspruchten. Aus all diesen Beobachtungen stellten sie ein spezielles Ernährungsprogramm und auch einen Plan für das Training bestimmter – für das Sexualleben wichtiger – Muskelgruppen zusammen. Und das Ganze funktionierte so gewaltig, dass die Gespielinnen ihren Kaiser mit Kosenamen wie ‚mein kleiner Löwe‘ oder ‚mein wilder Hirsch‘ bedachten.“
All diese Rezepte verriet er mir mit allen Details, und als unser Zug Göttingen hinter sich gelassen hatte, war ich beinahe auf gedanklich dem Weg, ein chinesischer Kaiser zu werden, jedenfalls in sexueller Hinsicht.
Als wir in Hamburg eintrafen, verließen wir gleichzeitig den Zug und gingen nebeneinander her. Plötzlich sagte er zu mir: „Ach, da vorn wartet meine Frau auf mich!“
Er winkte und rief: „Hallo, Liebling! Darf ich dir meinen Reisebegleiter vorstellen!“
„Guten Tag!“ begrüßte ich sie und dachte, es sei vielleicht angebracht, etwas Nettes hinzuzufügen: „Wie ich hörte, ist Ihr Mann Sexualberater. Da müssen Sie wohl eine beneidenswerte Frau sein.“
„Oh Gott!“ stöhnte sie und meinte vorwurfsvoll: „Ich kann mir schon denken, was er wieder so erzählt hat. Wissen Sie, ich bin höchstens eine Art von Versuchskaninchen!“ Sie lachte.
Nachdem wir uns verabschiedet hatten, war ich unsicher, was ich von dem halten sollte, was ich gehört hatte. War der Mann nur ein alter Quassler gewesen, der ein wenig angeben wollte? Hatte seine Frau nicht so eigenartig gelacht, als ich von ihm als Sexualwissenschaftler gesprochen hatte? Und hatte er nicht über die Juden Unsinn verbreitet und schnell das Thema gewechselt?
Andererseits klang das, was er über die chinesischen Kaiser erzählt hatte, plausibel. Ich hatte auch schon gelesen, dass sie eine ganze Menge von Gespielinnen hatten und hatte mich gefragt, wie das wohl funktioniert hatte.
Es konnte also etwas dran sein an dem, was er erzählt hatte. Und so entschloss ich mich, ein wenig von dem auszuprobieren, was er mir als Rezept offenbart hatte. Ich begann, auf meinen Spaziergängen im Stadtwald jene Art von Moos einzusammeln, die ungeahnte Energiereserven enthalten soll. Meine Frau bespöttelte meine neue Leidenschaft für „Gesundheitskräuter“ und meinte, ich sollte doch aufpassen, dass ich kein Hirsch würde. Wenn sie wüsste, wie nah sie meinem Geheimnis gekommen war.

——————-

Was die Bewältigung ehelicher Krisen angeht, gibt es eine auch noch ganz eine instruktive Geschichte, die wir der schon zitierten Internetseite entnehmen und die uns lehrt, dass man niemals aufgeben soll. Wenn Ihnen der eine oder andere Gedanke daraus bekannt vorkommt: Er stammt aus der folgenden Story und wurde im vorangegangenen Teil verwertet:

Der Eheberater


Nachdem Dr. Prell das Pensionsalter erreicht hatte, hatte er keine Lust, sich zur Ruhe zu setzen. Da er sich wegen der gesetzlichen Bestimmungen nicht als Rechtsanwalt niederlassen konnte, arbeitete er als Mediator. Er half also scheidungswilligen Paaren, ihre Angelegenheiten so billig wie möglich zu regeln. Wenn nämlich erst die Anwälte solche Sachen ihre Finger bekommen, wird es teuer: Die Aufteilung des ehelichen Vermögens ist für sie insbesondere dann eine ergiebige Geldquelle, wenn es um ein Haus oder andere größere Werte geht. Da kann ein Anwalt unter Umständen mit einer einzigen Scheidung so viel verdienen, wie ein normaler Arbeitnehmer in einem ganzen Jahr.
Kaum hatte Dr. Prell mit seiner neuen Tätigkeit begonnen, tat er etwas, was nur wenigen einfällt. Er dachte über den Sinn seines Handelns nach. Und er fragte sich, was mit diesen Paaren passiert sein musste, die erst total verliebt die Ehe geschlossen hatten und sich nun spinnefeind gegenüber standen. Es musste doch eine Möglichkeit geben, sozusagen das Rad des Lebens zurückzudrehen, um wieder weiter vorne anfangen zu können.
Da er psychologische Kenntnisse hatte, entwickelte er eine Methode die als Prell’sche Retrospektiv-Visualisierung allgemeine wissenschaftliche Anerkennung fand. Wer sich für solche Probleme interessiert, kann sich in der Literatur darüber informieren. Hier sei nur kurz auf diese Thesen eingegangen. Dr. Prell hatte ein schlichtes Phänomen beobachtet: In der Wirtschaft halten die verantwortlichen Personen an Fehlentscheidungen fest, auch wenn alles dadurch noch schlimmer wird. Man nennt dies heute „Escalation of Commitment“. Aber nicht dies war Dr. Prell wichtig, sondern er stellte sich die Frage, warum es bei Eheleuten häufig genau umgekehrt ist: Sie wollen an einer Entscheidung, nämlich der Heirat, nicht mehr festhalten, obwohl sie ursprünglich völlig richtig war. Und so entwickelte Dr. Prell eine Methode, in der die zerstrittenen Eheleute gemeinsam den Schutt wegräumten, der ihre Liebe erstickte.

Eines Tages kam ein junges Paar in das Büro von Dr. Prell, das ihm zutiefst unsympathisch war, genauer gesagt war es die Frau, die ihm geradezu als Antityp dessen erschien, was ihm normalerweise als weiblich erschien. Nicht, dass sie übel ausgesehen hätte – vom Haarschnitt abgesehen, der eher einer Soldatin angestanden hätte. Auch sonst schien die Mentalität einer Kämpferin zu haben. Dr. Prell schaute sie durchdringend an und murmelte etwas von völliger Überlastung: er wisse nicht, wie er ihren Fall noch in seinem Terminkalender unterbringen könne.
„Ach bitte, nehmen Sie uns doch dran“, bat der junge Mann. „Wir haben so große Hoffnungen in Sie gesetzt.“
„Du meinst: Du hast große Hoffnungen…“, verbesserte sie ihn.
Dr. Prells Ehrgeiz war geweckt. Er dachte an „Der Widerspenstigen Zähmung“ von Shakespeare: Wie war noch gleich diese Geschichte, in der eine „Kratzbürste“ in ein liebendes Wesen verwandelt wurde? Ihm wollte es nicht recht einfallen. Also musste er sich etwas anderes ausdenken. Das kostete Zeit, und so sagte er:
„Es könnte sein, dass im nächsten Monat ein Platz für Sie frei wird. Lassen Sie Ihre Telefon-Nummer hier, und ich rufe Sie dann zurück.“
Die beiden gaben ihm einen Zettel mit sechs Nummern, denn jeder hatte seinen privaten und beruflichen Anschluss sowie ein Handy.
Getrennt leben sie also, dachte Dr. Prell. Ob sie sich getrennt hatten oder niemals zusammen gezogen waren, wie es einem neuen Trend entsprach? Immer mehr Menschen waren ja nicht mehr bereit, die Freiheiten ihres Single-Daseins wegen einer Partnerschaft oder Ehe aufzugeben.
Eine Woche später bestellte Dr. Prell den jungen Mann allein in sein Büro. Er weihte ihn in seinen Plan ein, bei dem er selbst schon ein schlechtes Gewissen gehabt hatte. Auch der junge Mann hatte zuerst Bedenken, willigte dann aber doch ein:
„Ich kann ohne diese Frau nicht leben. Ich muss sie halten – egal wie.“

Dr. Prell verfasste einen Brief und schickte ihn an einen Jugendfreund, der nach Argentinien ausgewandert war. Er fügte ein kleines Begleitschreiben bei, in dem er am Ende schrieb:
„Wenn Du ein gutes Werk tun und eine Ehe retten willst, wirf doch bitte den anliegenden Brief ein. Bitte beklebe ihn mit möglichst vielen exotischen Briefmarken.“

Drei Wochen später erhielt unser junger Mann Post aus Argentinien. Wie ihm von Dr. Prell angeraten worden war, ließ er den Brief mit Couvert ostentativ auf seinem Wohnzimmertisch liegen. Als seine Frau ihn besuchte, um über die gemeinsamen Finanzen zu reden, fragte sie gleich neugierig, was es mit dem Brief auf sich habe.
„Ach, nicht der Rede wert“, erwiderte er und legte ihn in die Tischschublade. Er klebte unauffällig ein kleines Stück Tesafilm so hin, dass er sehen konnte, ob das Fach geöffnet worden war. Als sie sich kurz „zum Hände waschen“ aus dem Zimmer entfernte, löste er über sein Handy das Läuten seines eigenen Telefons aus. Und als seine Frau ins Zimmer zurück kam, täuschte er ein Ferngespräch vor, indem er sagte:
„Selbstverständlich, ich komme gleich!“
Seiner Frau erklärte er, eine liebenswerte alte Dame aus dem obersten Stockwerk habe ihn gebeten, eine Fernsehsendung in ihren Videorekorder einzuprogrammieren:
„Weißt du, sie kann das nicht selbst machen, weil sie – wie die meisten Leute – das Gerät nicht bedienen kann.“
„Und warum muss das gerade jetzt sein?“ fragte sie.
„Weil sie zum Arzt muss und gerade im Fernsehprogramm entdeckt hat, dass die Weltmeisterschaften im Tanzen übertragen werden. Sie war früher einmal selbst mit dabei. Du siehst: es ist ein echter Notfall. In drei Minuten bin ich wieder da.“
„… wenn die Frau wirklich so alt ist, wie du sagst“, kommentierte sie.
„Wir reden schon länger darüber, als es dauert“, sagte er und ging hinauf in seinen Speicher, um dort die drei Minuten abzuwarten.

Inzwischen öffnete sie die Schublade und las:

Sehr geehrter Herr Hoffmann,
wir sind beauftragt worden, die Erben der am 17.7.02 verstorbenen Christina Dimarez ausfindig zu machen. Nach umfangreichen Recherchen haben wir Grund zu der Annahme, dass Sie ein Neffe der Verstorbenen sind und damit der einzige Erbe des Millionen-Vermögens wären.
Zur Aufklärung der Angelegenheit wären wir Ihnen dankbar, wenn Sie folgende Fragen beantworten würden und mit einem Auszug aus dem Personenstandsregister belegen würden:… “

Es folgte ein Katalog von Fragen, den sie kurz überflog, bevor sie das Schreiben in die Schublade zurück legte.
Kurz darauf hörte sie, dass er die Tür öffnete. Er trat ein und fragte:
„Na, was sagst du zu meiner neuen Rekordzeit?“
„Beachtlich!“
Er erzählte ihr noch, dass im Haus mehrere ältere Frauen wohnen und dass der Hausmeister ihm gesagt habe, er sei der „Liebling der alten Damen“. Dann fügte er hinzu:
„Nur mit den jüngeren will das anscheinend nicht so klappen“, und er sah sie dabei bedeutungsvoll an.
Er kam nun auf ihre finanziellen Angelegenheiten zu sprechen, die ihr auf einmal nicht mehr so eilig waren. Sie meinte hinhaltend:
„Vielleicht sollten wir doch einmal abwarten, was Dr. Prell mit uns vorhat.“
Als sie gegangen war, wusste er, was der Tesafilm an der Schublade anzeigen würde: Sie hatte den Brief gelesen.

Sie brannte darauf, diese Neuigkeit ihrer besten Freundin mitzuteilen und rief gleich bei ihr an. Diese gratulierte ihr gleich zu ihrem Erbe.
„Na, nun lass doch die Kirche beim Dorf. Nicht ich erbe, sondern Klaus.“
„Was Klaus gehört, gehört auch dir. Ihr seid schließlich noch verheiratet. Und wenn du solange durchhältst, bis die Erbschaftsangelegenheit erledigt ist, kriegst du bei der Scheidung die Hälfte als Zugewinnsausgleich.“
Für den Leser sei an dieser Stelle angemerkt, dass dieser Rat von einer Nichtjuristin stammte, die ihre Rechtskenntnisse aus Illustrierten bezogen hatte. Man kann also wohl davon ausgehen, dass die wirkliche Rechtslage vielleicht ganz anders ist, ohne dass dies hier untersucht werden soll.
Die Freundin fuhr fort, indem sie mahnend den Zeigefinger in die Höhe hob: „Weißt du noch, was uns die gute alte Mater Mathilde in der Klosterschule immer gesagt hat? ,Kinder‘, hat sie uns immer gepredigt, ‚seid nicht dumm. Ihr seid das schwache Geschlecht und müsst deshalb in Geldangelegenheiten immer auf euren Vorteil schauen. ‘“
„Na gut, dann schauen wir halt mal.“

In der Folgezeit fand beim Ehepaar Hoffmann ein merkwürdiger Rollentausch statt. Die junge Frau war wie verwandelt. Klaus Hoffmann benutzte dafür seinem Freund gegenüber die Worte: „Wie eine Wölfin, die Kreide gefressen hat.“ Irgendwie kam damit aber auch zum Ausdruck, dass sich seine Einstellung seiner Frau gegenüber gewandelt hatte. Seine Zuneigung hatte sich nicht nur merklich abgekühlt, nein, er empfand sogar ein wenig Abscheu gegenüber diesem Wesen, das es offensichtlich nur auf sein Geld abgesehen hatte. Und so behandelte er sie oft von oben herab, ja sogar feindselig. Sie ertrug dies mit einer Charaktereigenschaft, die sie sich mühsam antrainieren musste, nämlich mit Sanftmut, denn sie suchte die Schuld für dieses Verhalten ihres Ehemannes bei sich. Schließlich war sie es ja gewesen, die die Scheidung gewollt hatte.
Das Ehepaar verharrte weiterhin in distanzierter Kühle, die Klaus Hoffmann die Augen dafür öffnete, dass auch andere Mütter schöne Töchter haben. Glaubte er bisher, ohne seine Frau nicht mehr leben zu können, so plante er jetzt plötzlich intensiv schon für die Zeit nach der Scheidung. Seine Frau, die es offensichtlich so sehr aufs Geld abgesehen hatte, konnte er nicht mehr respektieren, und er erinnerte sich an einen Aphorismus, den er kürzlich gelesen hatte und über den er seinerzeit nicht weiter nachgedacht hatte: Der gegenseitige Respekt ist das Fundament der Liebe. Und respektieren konnte er seine Frau, die nun in seinen Augen ihr wahres Gesicht gezeigt hatte, nicht mehr. Da er mit ihr in der letzten Zeit keinen Streit gehabt hatte, wollte er nicht derjenige sein, der die alten Auseinandersetzungen von vorn begann. So schrieb er einen Brief an sich selbst mit folgendem Text:

Sehr geehrter Herr Hoffmann,
wir danken Ihnen für Ihre aufklärenden Zeilen, aus denen wir ersehen konnten, dass Sie für das von uns verwaltete Vermögen nicht als Erbe in Betracht kommen
Hochachtungsvoll!

Diesen Brief ließ er offen auf dem Tisch liegen, als seine Frau einmal wieder in seiner Wohnung erschien. Ihr Blick fiel sofort auf dieses Schreiben, und sie fragte ihn, was es damit auf sich habe. Er antwortete: „Ach, nichts besonderes. Es handelte sich nur um einen Irrtum!“ „… nur ein Irrtum!“ Diese Worte fraßen sich in ihr Gehirn. Zu Hause dachte sie darüber nach: War also auch ihr Verhalten in der letzten Zeit nur ein Irrtum gewesen? Oder war es nicht doch ein Schritt in die richtige Richtung? War vielleicht ihre ganze Ehe nur ein Irrtum gewesen? Oder waren sie beide nur nicht in der Lage, Schwierigkeiten, die alle Paare in irgendeiner Form hatten, zu überwinden?
Ihr fiel ein Fernseh-Interview ein, das sie kürzlich gesehen hatte: In der betreffenden Sendung wurden Paare gezeigt, die über 50 Jahre glücklich verheiratet waren. Die Reporterin versuchte herauszubringen, ob es ein Rezept für eine glückliche Ehe gebe und fragte eine der Frauen, ob sie denn im Laufe der vergangenen 50 Jahre nie an Scheidung gedacht habe.
„Nein!“ antwortete die Angesprochene, „noch nie!“
Die Reporterin, eine studierte Psychologin, warf ein, Forschungen hätten ergeben, dass es kein Paar gebe, das noch nie über eine Scheidung nachgedacht habe.
„Bei mir ist das eben anders,“ lachte die Frau. „Scheidung kam bei mir nie in Frage, denn ich bin katholisch; ich habe nur immer gleich an Mord gedacht.“ Sie und ihr Mann lachten herzlich, und er ergänzte:
„Ja, Temperament hat sie immer gehabt und heute auch noch.“
So einfach war das alles im Fernsehen. Ihre Gedanken machten vom Wort „einfach“ einen Sprung zu einem Zitat, von dem sie nicht mehr wusste, woher es stammte: „Alle großen Dinge im Leben sind einfach.“ Wenn das stimmte, musste also auch die Liebe einfach sein. Sie dachte an ihre Freundin, die sie von frühester Jugend her kannte: Mit ihr hatte sie nie Probleme gehabt. Warum konnte es also mit ihrem Mann nicht genauso unkompliziert sein? Es konnte also eigentlich nur an der Verschiedenartigkeit der Geschlechter liegen, wenn es mit ihrem Mann nicht so gut klappte. Anderseits ist aber doch gerade die Unterschiedlichkeit der Geschlechter gerade das, was die Liebe zwischen Mann und Frau so besonders tief gehen lässt.
Aber bestand dieser Unterschied überhaupt heute noch, wenn man vom Körperlichen einmal absah? War sie nicht selbst im Laufe der Ehe zur Kämpferin, statt zur reifen Frau geworden? Auf einmal besann sie sich, wie ihre Mutter einmal gewesen war, und sie fragte sich, ob alles, was sie als rückständig angesehen hatte, wirklich so altmodisch war oder ob nicht diese Lebensweise auf Grund ihrer langen Tradition eine gewisse Gewähr für ein dauerhaftes Glück bot.
Plötzlich befand sie sich in einer Art von Gewissenserforschung. Sie sah ganz deutlich die Fehler, die sie selbst gemacht hatte, ohne darüber nachzudenken, ob vielleicht das Fehlverhalten ihres Mannes gewichtiger oder der Auslöser dafür war. Und sie nahm eine Güterabwägung vor: Was war ihr wichtiger: ihre Ehe oder … Wenn Sie sich scheiden ließ, würde sie einen neuen vergleichbaren Partner finden oder ihre Scheidung zutiefst bereuen? „Vergleichbarer Partner“, murmelte sie vor sich hin und erschrak darüber, plötzlich mit sich selbst zu reden: „Warum sich nach etwas Vergleichbarem umsehen, wenn ich doch das Original besitze?“
Auf einmal wurde ihr angst. Sie griff zu ihrem Telefon und sagte: „Ich muss unbedingt mit dir reden: Darf ich zu dir kommen?“
„O.K.“ war seine kurze Antwort.


„Na, was gibt’s denn?“ begrüßte er sie und geleitete sie in sein Wohnzimmer.
„Ich möchte mich entschuldigen. Ich habe Fehler gemacht. Lass uns noch mal von vorne anfangen“, sprudelte es aus ihr heraus.
Er glaubte, seinen Ohren nicht zu trauen, denn solche Töne war er von seiner Frau nicht gewöhnt.
„Es ist warm hier!“ fuhr sie fort und öffnete einen Knopf ihrer Bluse. Dieser Satz war einmal der Anfang ihrer Beziehung gewesen, an den er sich noch gut erinnerte. Er lachte, und so begannen sie mit einem neuen Start. Als sie dann später lachend im Park spazierten, sah Dr. Prell sie von ferne und dachte an ein Wort von Goethe: „…am Gelde hängt, zum Gelde drängt doch alles.“ Hier irrte er.

——


Diese Geschichte soll Ihnen sagen, dass keine Lage so aussichtslos ist, als dass sich nicht doch noch etwas daraus machen ließe. Machen Sie’s gut!

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3 Kommentare zu „Eheratgeber

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