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Die Parteilichkeit der Öffentlich-rechtlichen

Mit der mangelnden Neutralität des Fernsehens habe ich mich ja schon öfter beschäftigt:
https://autorenseite.wordpress.com/2020/08/03/unertraegliche-staatstragende-sommerinterviews-in-ard-und-zdf/
Heute Morgen lieferte der BR24 auch wieder ein typisches Beispiel. Ein Beitrag befasste sich mit einer Bilanz der GroKo. Es gab eine Aufzählung der Erfolge und der Misserfolge. Das Traurige an dieser Bilanz war, dass kein einziges dieser Probleme erwähnt wurde:
https://autorenseite.wordpress.com/2021/08/15/schmaehschrift-was-union-waehler-wollen/
Aber was will man schon anderes erwarten vom bayerischen Staatsfunk?


Hang him higher! (Die neue Diskussionsform)

Dieser Titel eines alten Westerns fiel mir ein, als ich las, was für eine Diskussion der BR mit der Sendung „Matuschke – der etwas andere Abend“ ausgelöst hatte. Darin hatte der Moderator die Musiker der südkoreanischen Band BTS  als „kleine Pisser“ bezeichnet. Die Band selbst verglich er mit dem Coronavirus, gegen das es hoffentlich bald eine Impfung gebe.
Der BR hat sich inzwischen für diesen Missgriff entschuldigt.
Es sollte bei einem so angesehenen Sender nicht vorkommen, dass ein Moderator, der offenbar mit dem Altern nicht zurecht kommt, anbiedernd zu einer Beschimpfung greift, die der Halbstarkensprache entnommen ist.
Was aber merkwürdig und für die heutige Zeit typisch ist, ist die Tatsache, dass daraus eine Rassismusdebatte entstanden ist. Was hat denn eine Entgleisung eines Moderators, die nur auf eine Band, aber nicht allgemein auf die Koreaner gezielt hatte, mit Rassismus zu tun?

Wir haben es hier mit einer Sonderform einer Erscheinung zu tun, die auch in der Politik immer mehr um sich greift: mit dem Framing. Diese Sonderform besteht darin, dass man die Dinge höher hängt, als es eigentlich angebracht wäre. Aber so etwas kommt halt besser an und deshalb wird es immer populärer. Die Sachlichkeit gerät bei den Diskussionen von heute immer mehr ins Hintertreffen. Das Denken in Schlagzeilen ist halt viel einfacher.

 

 

Spitzenfernsehen im BR: Brettlspitzen


Das war eine Klasse-Sendung am Sonntagabend im BR: Brettlspitzen. Zur Erläuterung für Preußen: Ein Brettl ist eine Kleinkunst- bzw. Kabarett-Bühne. Und von dieser Bühne aus hörte man in der Sendung großartige Couplets, Chansons oder Derbbayerisches. Das war ein Mordsspaß. Haben wir gelacht! Hoffentlich gibt es bald eine Fortsetzung.

Ich habe dabei an Abende auf Berghütten vor einem halben Jahrhundert zurückdenken müssen, als dort noch abends gesungen wurde. Was hat man da alles hören können! Der Fredl Fesl, der selbst Hüttenwirt war, ist durch einige dieser alten Lieder bekannt geworden. Leider ist aber das meiste Liedgut verloren gegangen. Nicht mal im Internet findet man mehr was über „der Rosl ihr’n scharfen Urin“. Oder auch dieses herrliche Spottlied ist verloren gegangen, von dem ich nur noch zwei Zeilen weiß:
„Das ist’s, warum die Mädchen so gern beichten gehen,
Beim Pater Augustin, da ist’s besonders schön!“

BR: Live aus dem Schlachthof

Die Sendung war ein „Muss“, als Ottfried Fischer sie moderierte. Sogar als er von seiner Krankheit gezeichnet war, war er immer noch besser als das Duo, das seine Nachfolge angetreten hat. Die Zwei haben eine Art zu reden, als wenn sie ein Kasperle-Theater für Kinder aufführen würden und alles ganz ganz deutlich betonen müssten. Unerträglich. Die Verantwortlichen sollten sich das zur Strafe zweimal hintereinander ansehen müssen.
Was mir bei dieser Sendung und anderen immer merkwürdig vorkommt, ist die besondere Betonung, dass es sich um eine Live-Sendung handele. Zunächst einmal habe ich Zweifel daran, dass dies stimmt. Aber dann frage ich mich, was das soll? Soll das eine Entschuldigung für die besonders missglückten Teile der Sendung sein oder ist man stolz darauf, das Ganze ohne Versprecher in den Kasten gebracht zu haben? Ich weiß es nicht.
Ich finde jedenfalls, dass Live-Sendungen zwar in seltenen Fällen angebracht sein mögen, im Normalfall aber nicht: Da erwartet man schon, dass ein(e) Cutter(in) sich darüber hermacht und den Leerlauf heraus schnipselt. So gesehen hat das Anpreisen einer Live-Sendung für mich eher den Klang von Sparprogramm.

Da steckt doch System dahinter

Ich sehe im Fernsehen gerne Kabarett-Sendungen, besonders die „Heute-Show“ und die „Anstalt“. Letztes Mal wurde die „Heute-Show“ ausnahmsweise zu einer geänderten Zeit gesendet. Oliver Welke wunderte sich darüber und erklärte, er wisse auch nicht, warum die Sendezeit geändert wurde. Ich kann es ihm erklären:
Man hat die Kabarett-Sendung mit Michl Müller im BR und die „Heute-Show“ unbedingt auf die gleiche Zeit verlegen wollen, damit das Publikum nur entweder die eine oder die andere Sendung anschauen kann. Zwei so aufmüpfige Sendungen nacheinander: das wäre zu viel für die Zuschauer. Da könnten die ja glatt nachdenklich werden.
Noch ein Wort zu Michl Müller. Der hat eine der bemerkenswertesten Wandlungen hinter sich, die ich erlebt habe. Ich habe ihn einmal früher gesehen in einem T-Shirt mit der Aufschrift „Dreggsag“ und sein Programm war halt auch so. Aber dann – ich glaube, es war in Veitshöchheim – lieferte er eine Sternstunde des deutschen Kabaretts. Wenn man den Mann nicht durch die „Heute-Show“ um einen Teil seines Publikums gebracht hätte, hätte er glatt der CSU ihr Ziel „50+“ verderben können. So etwas kann man doch im Staatsfernsehen nicht hinnehmen.

"Scheißdreck" ("Schlachthof") im bayerischen Fernsehen

An sich hat der BR ja ausgezeichnete Kabarett-Sendungen. Der „Schlachthof“ gehörte einmal dazu, als er von Ottfried Fischer geleitet wurde. Aber nun sieht es traurig aus. Schon die Art, wie die beiden Protagonisten reden, ist unerträglich. So hört es sich vielleicht an, wenn ein Theatraliker etwas auf einem Kindergeburtstag vorliest.
Was aber schlimmer ist, ist der Inhalt der Sendung. Man liest immer wieder darüber, dass im Kabarett mit dem Florett der Sprache gefochten wird. Im Schlachthof aber war es eine Keule der plumpsten Art. Beispiel: Im Zusammenhang mit der AfD fielen Worte wie „„Scheißdreck g’redt““ , „verlogen“, „oberschmarotzend“ und sogar „Arschgesichter“. Oder: eine bekannte angesehene Adelige wurde in Zusammenhang mit „G’schwerl“ gebracht. Was für ein Publikum will man damit ansprechen? Allerunterstes Niveau?
Also, lieber BR, es wäre höchste Zeit, die Leitung des Schlachthofs einmal anderen Kabarettisten zu überlassen: Wie wäre es denn mit Django Asül oder Luise Kinseher? Dann würde die Sendung wieder das Gesicht bekommen, das wir mir dem „Schlachthof“ verbinden. Aber ich fürchte fast, dass die beiden jetzigen Leiter eine Art von Beamtenstellung inne haben: unabsetztbar wie seinerzeit (zu Recht) Ottfried Fischer.
Dies schrieb ich vor 2 Jahren. Ich kann die Sendung immer noch nicht ansehen, sondern nehme sie nur auf, um mir dann ein paar sehenswerte Auftritte von guten kabarettisten anzuschauen.

Drei Weiber sind einfach zu viel für mich

Mein Tag beginnt normalerweise so: Kurz vor 6.00 Uhr schalte ich das Radio ein und höre bei Bayern 1 den Spruch zum Tag (meist nicht so gut wie meiner hier im Blog). Dann höre ich noch etwa 3 Minuten lang die Nachrichten, und anschließend treten drei Weiber vors Mikrofon. (Der Ausdruck „Weiber“ ist in diesem Fall angebracht, denn er bezeichnet nicht nur die positiven Erscheinungen jenes anderen Geschlechts, das ich normalerweise bewundere, sondern auch die unerträglichen.)
Erst kommt also nach den Nachrichten eine Sprecherin mit den Meldungen aus Oberbayern, die in der Regel aus einem Satz bestehen. Ist denn in Oberbayern nichts los? Dann meldet sich die Wetterfee und sagt auch wieder nur einen Satz. Und schließlich hören wir einen dritten Satz von einer weiteren Sprecherin über den Straßenzustand, der normalerweise nur lautet: „Noch nichts los auf Bayerns Straßen.“
Warum ich mich darüber aufrege, und das schon am frühen Morgen? Erstens finde ich, dass es eine Personalverschwendung ist, wenn drei Personen schon morgens um 6.00 Uhr Dienst tun, indem sie je einen Satz vorlesen, den der Nachrichtensprecher ohne weiteres auch noch mit vorlesen könnte. Früher hat es so etwas nicht gegeben, aber jetzt zahlen wir anscheinend zu viel Gebühren, die ja irgendwie ausgegeben werden müssen.
Was aber ganz schrecklich an dieser neuen Form von ergänzten Nachrichten ist: Die drei Weiber säuseln das, was sie rüber bringen sollen, in einem Ton, den sie für charmant halten, den ich aber unerträglich finde. Anscheinend haben sie das Bedürfnis, den einen läppischen Satz, den sie sagen dürfen, zu einem echten Ereignis zu machen. Solche Süßholzraspelei passt einfach nicht zu schlichten Meldungen. Und so werde ich mich halt von Bayern 1 verabschieden.

Das darf doch nicht wahr sein – der Fall Mollath

Gestern befasste sich der BR in der Sendung „Quer“ mit dem Fall Mollath. Zunächst einmal muss ich dem Bayrischen Rundfunk meinen Respekt dafür bekunden, dass er so einen kritischen Film gesendet hat. Das passt so gar nicht zu dem Bild, was man sich von Bayern und der CSU zu machen pflegt. Bei mir ist immer noch im Hinterkopf jener Anruf eines CSU-Mannes beim ZDF gespeichert, in dem Einfluss auf eine Sendung genommen werden sollte.
Und jetzt so ein Bericht in Bayern!
Wenn das stimmt, was die Sendung berichtete, dann wird der Skandal immer größer. Mollath, der schon 7 Jahre sitzt, soll weiter in der Anstalt bleiben „wegen der Komplexität“ des Falles und wegen eines Streiks des Gutachters! Wo gibt’s denn so was, dass dies Gründe sind, einen Menschen hinter Gittern zu verwahren? Warum wurde nicht ein neuer Gutachter beauftragt, dessen Gutachten doch nach einer Woche vorliegen müsste. Und dann hätte sofort entschieden werden müssen.
Übrigens habe ich schon lange vor dem Skandal das Problem der Einweisung in die Psychiatrie aufgegriffen. In meinem Buch „Adieu Justitia“ sagt ein Richter folgendes:
„Wenn du verheiratet bist, stehst du immer schon mit einem Bein im Knast. Du hängst total ab von der Gut- oder Böswilligkeit deiner Angetrauten. Die braucht nur im Nachthemd zur Polizei zu rennen und mit einem blutigen Messer in der Hand zu behaupten, damit hättest du sie umbringen wollen, und schon landest du in der Psychiatrie. Und wenn du dort auch noch gegen das Ganze rebellierst, fehlt dir die Einsicht in deine Krankheit.“

Bayrischer Rundfunk = CSU-Funk?

Jetzt glaubt man gerade, einen neuen Skandal entdeckt zu haben. Eine Sprecherin aus dem Ministerium Söders soll verhindert haben, dass ein Beitrag wiederholt wurde. So lautet der Vorwurf. Aber der BR macht rein journalistische Gründe dafür verantwortlich.
Ich finde an sich, dass Mitglieder von Parteien wie normale Bürger auch das Recht haben sollten, sich zu beklagen, wenn etwas nicht stimmt, was da gesendet wird. Aber alles hat seine Grenzen. Es kommt darauf an, was aus welchem Anlass gesagt wurde.
Was die Objektivität des Bayrischen Rundfunks angeht, habe ich ein etwas zwiespältiges Verhältnis zu diesem Sender:
Positiv ist anzumerken, dass er im Hauptabendprogramm die kabarettistisch-kritische Sendung „Quer“ bringt, während das ZDF vergleichbare Sendungen zur Nachtzeit ausstrahlt. Der BR ist also insofern liberaler als andere Sender und das kann daher nicht hoch genug veranschlagt werden. Und das in einem CSU-Land!
Negativ ist mir manchmal beim BR aufgefallen, dass er Meldungen, die für die Regierung ungünstig sind, in aller Frühe bringt, sie aber später nicht wiederholt. So kann man immer sagen, man habe ja diese Meldung nicht unterschlagen.
Und in noch einem Punkt ist der BR nicht neutral: Er sendet morgens vor 6 Uhr eine Morgenbetrachtung, die meist christlich ist. Warum nicht? Der Sender könnte von mir aus auch jeden Morgen eine Morgenandacht ausstrahlen. Aber ich meine, dass die Neutralität eines Senders erfordert, dass auch die andere Seite gebührend zu Wort kommt, also die atheistische. Die Menschen sollen sich frei entscheiden können, ob sie glauben wollen oder nicht. Diese Freiheit haben sie nur, wenn sie aufgeklärt sind und wenn nicht die eine (christliche) Seite so hingestellt wird, als sei sie die einzig richtige. Die Zeiten, in denen Bayern, besonders Oberbayern praktisch rein christlich war, sind laut Statistik vorbei, und dem sollte auch das Programm entsprechen.