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Zum Sonntag: Unglaubliches von Kardinal Marx

In einem Interview mit dem Stern gestand der Kardinal, dass auch er Zweifel am Glauben habe und er bat, dass man für die Verfestigung seines Glaubens beten möge. Er erklärte, dass es Glauben ohne Zweifel nicht geben könne. Ob er mein Zitat dazu gelesen hat?
Es wäre ja mal ganz interessant, wenn man die Pfarrer fragen würde, wie viele fest glauben, wie viele zweifeln und wie viele nicht mehr glauben, aber dennoch im Interesse der Gläubigen weiter ihren Dienst leisten.
Mit dem Glauben verhält es sich ja so, dass er durch Taufe, Erziehung, Religionsunterricht und Kommunion fest in die Menschen eingeprägt wird. Wirklich erwachsen wird ein Mensch erst, wenn er sich von solchen Prägungen frei macht und selbst entscheidet, was er für richtig oder falsch hält. Viele Menschen werden – so gesehen – nie richtig erwachsen.
Was den Glauben anbetrifft, fällt mir ein Erlebnis ein, das ich in meiner Dienstzeit als Richter hatte:

Ein Angeklagter brachte zu seiner Verteidigung eine Geschichte vor, die sich als erlogen herausstellte. Als ich ihn fragte, warum er denn gelogen hatte, sagte er: Was sich wirklich ereignet habe, würde als so unglaubhaft erscheinen, dass er nicht gewagt habe, es zu schildern. Dann begann er mit seinem Geständnis und ich sagte dazu:
„Tatsächlich, das ist so unglaubhaft, dass es schon wieder glaubhaft ist, wenn Sie es so erzählen.“

Wenn man den christlichen Glauben objektiv betrachtet, so ist das doch auch eine völlig unglaubhafte Geschichte:
Da erschafft Gott eine herrliche Welt mit einem Paradies und dann setzt er die Menschen hinein, die nur Ärger machen. Das ist so ähnlich, als wenn jemand Rosen pflanzt und Blattläuse darauf setzt. Kann ein Gott so sein, dass er nicht recht weiß, was er will? Erst spült er die sündige Menschheit mit der Sintflut weg und dann opfert er seinen Sohn
wegen dieser Sünden. Warum vergibt er den Menschen nicht einfach so? Warum versteckt sich Jesus vor den Häschern und muss erst von Judas verraten werden, anstatt dass er sich stellt? Warum lässt er erst den Judas schuldig werden?
Warum lässt Gott so viel Leid auf der Welt zu? Warum lassen Erdbeben Schulen einstürzen, so dass unschuldige Kinder sterben?
Fragen über Fragen, die sich der gläubige Christ stellen sollte. Vielleicht geht es ihm aber am Ende so, wie dem Juden in diesem Witz:

Ein Jude erscheint bei einem katholischen Pfarrer und sagt, dass er gerne zum katholischen Glauben konvertieren möchte. Der Pfarrer fragt ihn, was ihn zu diesem Schritt veranlasst hat. Darauf antwortet der Jude:
„Eine Kirche, die all das übersteht, was die Katholische Kirche hinter sich hat, muss vom wahren Gott erhalten worden sein.“

Und noch eine Anekdote:

Ein Christ fragt einen Atheisten: „Sie glauben also, dass es keinen Gott gibt?“
„Ich glaube nicht einmal das.“

Unfromme Gedanken zum Sonntag: Das traurige Frauenbild der Bibel

  

Im katholischen Katechismus lesen wir: „In den Heiligen Büchern kommt nämlich der Vater, der in den Himmeln ist, seinen Kindern liebevoll entgegen und hält mit ihnen Zwiesprache.“ Und was lesen wir da in der „liebevollen Zwiesprache“? Kann das sein, dass ein Gott so etwas gesagt hat oder verbreiten ließ und dass er damit den Grundstein dafür gelegt hat, dass die Frauen Jahrhunderte lang unterdrückt wurden und ihnen sogar die Seele abgesprochen wurde?

„Die Frau aber ist des Mannes Abglanz.“
(1. Kor. 11,7)
Dazu kann ich nur sagen: „Also nee!“ Schauen Sie selbst:

„Der Mann ist nicht geschaffen um der Frau willen, sondern die Frau um des Mannes willen.“
(1. Kor. 11,9)

„Wie aus den Kleidern Motten kommen, so kommt von Frauen viel Schlechtigkeit.“
(Sirach 42,13)

„Die Frau schweige in der Gemeinde.“
(Hl. Paulus)

„Eine Frau, die schweigen kann, ist eine Gabe Gottes.“
(Sirach 26,17)

Also, Männer, mal ehrlich: Da können wir doch allenfalls manchmal in gewissen Situationen dem letzten Ausspruch zustimmen oder? Und allenfalls anlässlich einer Scheidung würden Männer so entgleisen wie ein Papst:

„Wenn du eine Frau siehst, denke, es sei der Teufel! Sie ist eine Art Hölle!“
(Papst Pius II)

Unorthodoxe Gedanken zum Sonntag

Der Dalai Lama hat eine lesenswerte Botschaft an die Welt gerichtet. In ihr stellt er die Ethik über die Religion.
Dazu sei hier ein weiterer Aspekt beleuchtet: Ein Gebot der Ethik ist es, die Menschenwürde zu achten. So steht es nicht nur im Grundgesetz, sondern auch die Religionen würden wohl dieses Gebot nicht bestreiten. Für meine Begriffe verstoßen aber die Religionen gegen die Menschenwürde, wenn sie sich schon der kleinsten Kinder bemächtigen durch die Taufe oder durch die Beschneidung der Wehrlosen. Warum können sie nicht warten, bis sie einen mündigen Menschen befragen können, für was er sich entscheidet? Die Frage ist einfach zu beantworten: Die Religionen wollen die Menschen schon früh prägen (Das ist etwas anderes als erziehen). Und wenn sie sich so im Gehirn festgesetzt haben, so ist das, wie ein Psychiater einmal in einem Gutachten über einen religiösen Wahn erklärte, nur ganz schwer wieder heraus zu bekommen. Auf diese Weise nehmen die Religionen ihren kleinen Mitgliedern die Freiheit und unterwerfen sie so schlimmen Ritualen wie der Beschneidung. Es ist traurig, dass so etwas in der Bundesrepublik unter dem Stichwort „Religionsfreiheit“ zugelassen wird.
Aber auch die christliche Taufe ist in ihrer derzeitigen Praxis ein Verstoß gegen die Menschenwürde:
Man macht schon die Kleinsten zu Mitgliedern einer Kirche und die Erfahrung lehrt, dass man damit für ihr späteres Leben eine Entscheidung trifft, bei der die meisten durch ihre Prägung nicht mehr die Freiheit besitzen, aus dieser Gemeinschaft auszutreten. Erst in letzter Zeit,
in der der Glaube immer mehr an Bedeutung verliert, haben viele  ihre Kirche verlassen.
Die Kirche rechtfertigt die frühe Taufe mit dem Ausspruch Jesu: „Lasset die Kindlein zu mir kommen…“ Aber damit hat er nicht gemeint, dass die Kinder gleich nach ihrer Geburt getauft werden sollen. Er selbst hat sich ja erst mit etwa 25 Jahren von Johannes dem Täufer taufen lassen und das sollte doch wohl auch in der Kirche als Vorbild gelten.
Nichts gegen die Religionen, wohl aber etwas gegen die Praxis, dass sie sich schon der Kleinsten bemächtigen und sie zu Opfern ihrer Prägung machen.
Es wird sich aber wohl kein Politiker finden, der sich so etwas zu sagen traut.

Deutschland entchristianisiert sich

Heute am Buß- und Bettag merkt man es wieder: Deutschland entchristianisiert sich. Wer weiß denn heute noch, dass dieser Tag eine Aufforderung an ihn richten soll? Wer weiß auch noch überhaupt, dass es diesen Tag gibt? Und wer büßt und betet wirklich?
Ähnlich verhält es sich mit dem Allerheiligenfest der Katholiken: Es wird mehr und mehr zum Halloween.
Wie anders war das alles noch in meiner Jugend! Zur Erstkommunion erhielt ich ein Gebetbuch mit einem Bild des Papstes Pius XII. Darauf war er beim Beten abgebildet – mit einem Heiligenschein! Und wenn er im Petersdom eine Messe las, ließ er sich in einer Sänfte hinein tragen. Ja, das waren noch Zeiten! Niemand hätte damals geahnt, was noch alles auf diese Kirche zukommen würde. Erst konnte die Kirche ja noch die Missbrauchsfälle und all die sonstigen Verfehlungen unter der Decke halten. Wer traute sich schon, gegen einen Priester schmutzige Vorwürfe zu erheben? Wenn man so etwas gemacht hätte, hätte man ja befürchten müssen, wegen Verleumdung bestraft zu werden oder schlimmer: von der Gemeinde geächtet zu werden. Aber dann brach der Schmutz überall hervor, denn die Kirche hatte missachtet, was in der Bibel steht:
„Denn nichts ist verborgen, das nicht offenbar werde, auch nichts Heimliches, das nicht kund werde und an den Tag komme.“ (Lukas 8,17) Und noch deutlicher konnte die Kirche bei Hiob 12,22 nachlesen: „Er öffnet die finsteren Gründe und bringt heraus das Dunkel an das Licht.“
Dadurch hat die Kirche viel an ihrer Autorität verloren und ihre Mitglieder treten in Massen aus. Das hätte früher kaum einer gewagt aus Angst vor der Hölle, aber an die oder den Teufel glauben nur noch die Erzkonservativen.
Was sich doch alles seit meiner Kindheit geändert hat: Früher gab es eine echte Fastenzeit. Heute hält man höchstens eine Diät ein. Und die Abstinenz am Freitag ist auch sanft entschlafen.
Man musste damals nüchtern zur Kommunion gehen und im Religionsunterricht lernten wir, ob man nach einem versehentlichen Wasserschlucken beim Zähneputzen noch nüchtern war.
Man hatte ein Kreuz im Esszimmer und man betete vor und nach dem Essen.
Und man hatte ein kleines Weihwasserbecken im Haus, mit dem man sich segnete, bevor man es verließ.
Natürlich ging man am Sonntag in die Messe. Sogar in der oben abgebildeten kleinen Kirche von Bernhaupten, einem Ortsteil des Dorfes Bergen, wurden gut besuchte Messen gelesen. Solche Filialkirchen gibt es nicht mehr und immer mehr Kirchengemeinden werden zu einer einzigen zusammengefasst. Oft wird aus vier ehemaligen eine einzige neue Gemeinde – angeblich wegen Priestermangel, aber wirklich wohl eher wegen Mangels an Kirchgängern.
So gibt es vieles, was darauf hin deutet, dass wir im Zeitalter der Entschristianisierung leben. Umso eifriger scheinen uns die Moslems zu sein, bis auch für sie die Einkaufstempel der Stadt zu den neuen Moscheen werden.

Das passt wie „wie die Faust aufs Auge“

Heute ist ja an sich der Buß- und Bettag.
Aber in einem Verzeichnis der Feiertage finde ich ein Kontrastprogramm für heute:

In diesem Sinne: Machen Sie sich einen schönen Tag und machen Sie keinen Unsinn oder jedenfalls nicht zu viel davon.
Übrigens: Ist Ihnen auch schon aufgefallen, dass wir in einem Zeitalter der „Entchristianisierung“ leben?

 

Die andere Seite von Jesus

Ist Ihnen das auch schon aufgefallen? Wir kennen nur den halben Jesus.
Zunächst einmal wollen wir ja immer nur die eine Seite von Jesus wahr nehmen: Jesus als den guten Hirten, der die Bergpredigt gehalten hat, nicht aber Jesus als Rebellen, der auch Sätze wie diese gesagt hat:
„Ich bin nicht gekommen, um Frieden zu bringen, sondern das Schwert!“
„Glaubt ihr, ich bin gekommen, um der Welt Frieden zu bringen? Nein, ich bin gekommen, um Zwietracht zu säen! Von nun an werden ganze Familien auseinanderbrechen, weil drei für mich und zwei gegen mich sind – oder umgekehrt. Es wird zu Streit zwischen Vater und Sohn, Mutter und Tochter, Schwiegermutter und Schwiegertochter kommen.“
Und ist es nicht merkwürdig, dass wir nur das halbe Leben von Jesus kennen? Wo war er denn, bevor er sich  im Alter von etwa 25 Jahren von Johannes taufen ließ? Und was hat er da gemacht? Was Lukas über Jesu Geburt und Jugend  berichtet, gilt in der modernen Theologie als Dichtung. Wie war das Familienleben von Jesus mit seinen Eltern und Geschwistern? Hat er später Magdalena geheiratet und Kinder gehabt? Es gibt ja darüber viele apokryphe Schriften – verbotene Evangelien, aber was ist die Wahrheit? Sich da mal auf die Suche zu machen, ist doch spannender als ein Krimi.

Unfromme Geschichten (Vorsicht! Keine Lektüre für jeden)

https://autorenseite.wordpress.com/home/

Dieses Buch ist ganz ungewöhnlich. Es befasst sich zwar mit Themen aus der Religion, wird aber in den Augen frommer Christen eher als ketzerisch beurteilt werden, denn es erzählt Geschichten wie diese:
Wie wäre es, wenn Jesus nicht vor 2000 Jahren auf einem Esel in Jerusalem eingeritten wäre, sondern heute in einem Kleinwagen nach Berlin käme und behaupten würde, er sei der Sohn Gottes? Würde ihn der Papst überhaupt empfangen?
Hat Gott den Frauen auch eine Seele eingehaucht oder hat er es vergessen?
Wie sind die Hormone in die Menschen eingegeben worden? Hat Gott die Menschen gleich so gemacht oder hat Luzifer sie verdorben?
Warum verschweigt uns die Bibel, dass Adam schon vorher mit Lilith verheiratet war? Und wie dramatisch ging es zu in dieser Ehe, die am Sex gescheitert ist?
Fragen über Fragen – und dieses Buch versucht, Antworten zu geben.

Wenn nicht die Juden die Bibel geschrieben hätten, sondern die Deutschen …

Wenn nicht die Juden die Bibel geschrieben hätten, sondern die Deutschen, dann sähe sie anders aus: Wir würden ganze Teile streichen und uns dafür entschuldigen. Nehmen wir als Beispiel diese Zitate, von denen mancher lieber glauben würde, sie stammten aus dem Koran:
“Und wenn sie der HERR, dein Gott, dir in die Hand gibt, so sollst du alles, was männlich darin ist, mit der Schärfe des Schwerts erschlagen. Nur die Frauen, die Kinder und das Vieh und alles, was in der Stadt ist, und alle Beute sollst du unter dir austeilen… Aber in den Städten dieser Völker hier sollst du nichts leben lassen, was Odem hat.“
(5. Mose 20, 2-4.13-14.16)
Oder:
„So tötet nun alles, was männlich ist unter den Kindern, und alle Frauen, die nicht mehr Jungfrauen sind; aber alle Mädchen, die unberührt sind, die lasst für euch leben.“
(4. Mose 31, 17-18)
„Wohl dem, der deine jungen Kinder nimmt und sie am Felsen zerschmettert.“
(Psalm 137, 9)

Schläft einer mit einem Mann, wie man mit einer Frau schläft, dann haben sie eine Gräueltat begangen; beide werden mit dem Tod bestraft; ihr Blut soll auf sie kommen.“ (Lev 20,13)

Wenn der Vorwurf aber zutrifft, wenn sich keine Beweisstücke für die Unberührtheit des Mädchens beibringen lassen, soll man das Mädchen hinausführen und vor die Tür ihres Vaterhauses bringen. Dann sollen die Männer ihrer Stadt sie steinigen, und sie soll sterben.“ (Deut. 22:13).
Und im selben Buch lesen wir über missratene Kinder:
„Wenn jemand einen widerspenstigen und ungehorsamen Sohn hat, der der Stimme seines Vaters und seiner Mutter nicht gehorcht und auch, wenn sie ihn züchtigen, ihnen nicht gehorchen will, so sollen ihn Vater und Mutter ergreifen und zu den Ältesten der Stadt führen und zu dem Tor des Ortes und zu den Ältesten der Stadt sagen: Dieser unser Sohn ist widerspenstig und ungehorsam und gehorcht unserer Stimme nicht und ist ein Prasser und Trunkenbold. So sollen ihn steinigen alle Leute seiner Stadt, dass er sterbe…“
Was täten wir Deutschen wohl, wenn die Bibel ein deutsches Buch wäre? Wie gesagt: Wir würden uns entschuldigen, diese Textstellen streichen und ein Dokumentationszentrum erbauen, in dem gezeigt wird, welch Unheil die Zitate angerichtet haben. So sind wir Deutschen halt:
https://autorenseite.wordpress.com/2019/03/11/schluss-mit-der-deutschen-bravheit/
Anders die Kirche. Sie sagt in ihrem Katechismus: „Die Christen verehren das Alte Testament als wahres Wort Gottes.“

 

Wenn Jesus heute gekommen wäre …

Stellen wir uns einmal vor, wie es wohl gewesen wäre, wenn Jesus nicht vor gut zwei Jahrtausenden auf einem Esel in Jerusalem eingeritten wäre, sondern heute in einem Trabi nach Berlin gekommen wäre.

Die Bibel schildert den Einzug Jesu als einen historisch bedeutenden Moment, den Tausende miterleben wollten. Der Zöllner Zachäus musste sogar auf einen Baum steigen, um einen Blick auf Jesus werfen zu können. Woher wussten so viele Menschen von der Ankunft Jesu? Das Ereignis muss sich wohl durch Mundpropaganda herum gesprochen haben.

Nun, heute gibt es Rundfunk und Fernsehen. Aber über was wird dort schon berichtet? Sicherlich würde man nichts über eine unbekannte Sekte erfahren, die sich „Essener“ nennt. Und erst recht würde nichts über den Einzug des Oberhaupts dieser Sekte in Berlin berichtet – – höchstens als Kuriosum etwa so:

„dpd: – Eine Sekte, die sich Essener nennt, erwartet heute ihr Oberhaupt, einen 25-jährigen Mann, der sich den Beinamen Messias gegeben hat und sich als Gottes Sohn bezeichnet. Der feierliche Einzug findet um 14.00 Uhr Unter den Linden‘ statt.“

Wer würde da wohl kommen? Ich nicht und Sie wahrscheinlich auch nicht. So wären also Jesus und seine wenigen Anhänger ganz unter sich. Vielleicht kämen noch ein paar Neugierige, um jemanden anzuschauen, der sich als Sohn Gottes ausgibt, und sicher wären einige dabei, die geplant hätten, sich über ihn zu amüsieren oder gar ihn zu verspotten.

Und wenn er dann seine Wunder gewirkt hätte, hätte er vielleicht den Bekanntheitsgrad von Davis Copperfield erreicht. Bei der Verwandlung von Wasser zu Wein hätte man die Frage aufgeworfen, welcher Trick wohl dahinter steckt. Und die Auferweckung eines Toten hätte man vielleicht damit abgetan, dass der angeblich Verblichene wahrscheinlich nur scheintot gewesen sei. Alles in allem hätte das sensationsgeile Volk wohl die Wunder als wenig spektakulär empfunden und hätte gesagt: „David Copperfield ist interessanter.“

Die einzige echte Sensation wäre gewesen, wenn Jesus zu Fuß über den Wannsee gegangen wäre. Aber dazu wäre es wohl nicht gekommen, denn der Bericht in der Bibel darüber, dass Jesus über den See Genezareth gewandelt sei, macht doch eher den Eindruck einer Vision als den eines Tatsachenberichts. Sonst wären die Juden ja sicherlich als erste gläubige Christen geworden.

Stellen Sie sich das doch einmal vor: Jesus wäre wirklich seinerzeit über das Wasser gewandelt. Seine Jünger hätten doch wohl schon lange vorher für dieses Ereignis Reklame gemacht, und so wären am Ufer Tausende gestanden, um zuzuschauen. Und wenn sich dann wirklich die große Sensation ereignet hätte: welcher Jude hätte da noch Zweifel gehabt, dass Jesus der Sohn Gottes ist?

Wenn Jesus heutzutage gekommen wäre, hätte der Herrgott ein großes Problem gehabt: Er hätte seinen Sohn nicht auf so spektakuläre Weise opfern können wie damals durch die Kreuzigung. Es gibt ja nicht einmal mehr die Todesstrafe. Also bliebe nur ein Attentat als Aufsehen erregendes Lebensende für Jesus übrig.

Die Kirche kann sich also freuen, dass Jesus vor rund 2000 Jahren gelebt hat. Wenn er erst heute erschienen wäre, hätte er es wohl kaum zum Begründer einer Weltreligion gebracht. Denn das Merkwürdige am Menschen ist, dass er eher das glaubt, was in alten Büchern steht, als das, was er selbst sieht.

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Denken Sie manchmal auch über Gott und die Welt nach? Dann schauen Sie doch mal in die „Verbotene Zone„.

Zum Sonntag: Bibel als wahres Wort Gottes?

Wenn wir sehen, welche Verbrechen der IS begeht, sind wir geneigt zu sagen: „So etwas hat es früher nicht gegeben.“ Und manche finden, dass hier der Islam sein wahres kriegerisches Gesicht zeigen würde. Wirklich? Ist nicht auch das Christentum ähnlich gewesen? Was lesen wir denn in der Bibel:
„“Und wenn sie der HERR, dein Gott, dir in die Hand gibt, so sollst du alles, was männlich darin ist, mit der Schärfe des Schwerts erschlagen. Nur die Frauen, die Kinder und das Vieh und alles, was in der Stadt ist, und alle Beute sollst du unter dir austeilen… Aber in den Städten dieser Völker hier sollst du nichts leben lassen, was Odem hat.“
(5. Mose 20, 2-4.13-14.16)
Oder:
„So tötet nun alles, was männlich ist unter den Kindern, und alle Frauen, die nicht mehr Jungfrauen sind; aber alle Mädchen, die unberührt sind, die lasst für euch leben.“*
(4. Mose 31, 17-18)
„Wohl dem, der deine jungen Kinder nimmt und sie am Felsen zerschmettert.“
(Psalm 137, 9)
Warum distanziert sich die Kirche nicht von solchen Teilen des Alten Testaments, sondern schreibt im Katholischen Katechismus:
„“123 Die Christen verehren das Alte Testament als wahres Wort Gottes.“ Wirklich?
Den Gedanken, das Alte Testament aufzugeben, weil das Neue es hinfällig gemacht habe [Markionismus], wies die Kirche stets entschieden zurück.“
Das brutalste Abschlachten, das es je in Europa gegeben hat, fand im 30-jährigen Krieg statt. Dabei handelte es sich um eine Auseinandersetzung der Religionen, die typischerweise mit aller Brutalität ausgetragen wurde. Die halbe Bevölkerung wurde damals in Europa ausgerottet.
Ausgerechnet diejenigen, die die Kirche als ihre schärfsten Gegner betrachtete, nämlich die Freimaurer, sorgten dann für eine gewisse „Humanisierung“ des Krieges, die schließlich in der Genfer Konvention ihren Niederschlag fand.
Aber leider wurde dieses Abkommen schon im letzten Krieg quasi außer Kraft gesetzt. Der Terrorangriff der Alliierten auf Dresden, der sich nur gegen die Zivilbevölkerung richtete, war sozusagen der Gipfelpunkt dieser Kriegsverbrechen beider Seiten. Das ist insofern sehr bedauerlich, als wir den Westen in den heutigen Kriegen nicht als leuchtendes Beispiel hinstellen können, sondern der Terrorismus findet seine moralische Rechtfertigung in den Untaten, die in den letzten Kriegen geschehen sind und vom Westen zu verantworten sind.
Nun tritt die Kriegführung in eine neue Dimension ein. Man tötet nicht mehr die gegnerischen Soldaten, sondern deren Familien. So hat es gerade jedenfalls der IS angekündigt und die Adressen von französischen Soldaten abgegriffen.
Spannend würde es, wenn wirklich mal eine deutsche Familie getötet würde, weil ein Angehöriger in Afghanistan kämpft. Wie schnell würde Deutschland wohl kriegsmüde werden.