Archiv der Kategorie: Bayern

So war es einmal – oder wie sich Deutschland verändert hat.


Als ich als junger Mann die wichtigste Weiche in meinem Berufsleben stellte, stand ich vor der Frage: Sollte ich in München bleiben und mir ein Häuschen am Stadtrand leisten oder sollte ich in eine bayerische Kleinstadt am Rande der Alpen ziehen und mir dort ein Haus in schöner Lage bauen? Ich entschied mich für das Letztere Und so suchte ich mir ein Baugrundstück. Ich erfuhr, dass das Nachbargrundstück neben dem Haus des Landrats noch unbebaut sei. Nur: Wo wohnte der Landrat? Wenn heute die Wohnorte der Politiker geheim gehalten werden, war das früher ganz anders: Jeder stand im Adressbuch, das an alle Haushaltungen verteilt wurde, ohne dass es zu Missbräuchen kam.
So war das damals! Wie hat sich doch die Menschheit hierzulande seither verändert.

Und noch eine Veränderung:
Ich fuhr also dann zu dem freien Grundstück und war begeistert. Hier wollte ich wohnen. Ich fragte also dann beim Bauamt nach der Bebaubarkeit und erhielt einen ablehnenden Bescheid. Es hieß, ein Haus müsste dort so gebaut werden, wie es dort üblich sei; das würde bedeuten, dass der Kamin des Hauses von der einige hundert Meter entfernten Autobahn aus zu sehen sei; das würde das Landschaftsbild stören.
So war es damals: Bayern sollte von der Autobahn aus das Bild einer unzerstörten Natur bieten. Inzwischen sieht es ganz anders aus: Ein großes Gewerbegebiet entstand nun an der Autobahn. Man hat längst die Illusion einer natürlich gebliebenen Landschaft aufgegeben.
Bayern geht ja sowieso mehr und mehr kaputt:
https://autorenseite.wordpress.com/bayern-kaputt/

Bayern kaputt

Darüber habe ich hier und in etlichen weiteren Beiträgen geschrieben.
So sieht es heute am Hirschkaser aus:

Auf der Berghütte wächst ein Antennenwald und die alten Holzwände wurden mit Reklame verunstaltet wie die Hütten unten. Wo einst hier oben nur ein Kruzifix zur Besinnung einlud, hat nun der Kommerz sein Banner eingepflanzt.

Sterbende Innenstädte – auflebende Orte

 

Gestern haben wir es uns gut gehen lassen: Wir sind durch Berchtesgaden spaziert und haben dort in einem schönen typisch bayerischen Gasthaus ausgezeichnet gegessen:

Überrascht waren wir, wie großartig sich der Ort entwickelt hat. Vielleicht ist das einem kühnen österreichischen Unternehmer zu verdanken, der dort ein hochklassiges großes Hotel errichtet hat, das Publikum mit Geld in den Ort lockt.
Anschließend haben wir in Bad Reichenhall Kaffee getrunken und eine völlig andere Ortsentwicklung beobachtet: 35 Geschäfte stehen in der Innenstadt leer:
https://autorenseite.wordpress.com/2020/01/31/sterbende-innenstaedte/
Die Stadt ist ein Musterbeispiel dafür, welche Fehlentwicklungen eine „staatliche Hängematte“ hervorrufen kann: Vor der Gesundheitsreform floss das Geld von selbst in die Kassen der Bürger. Es gehörte nämlich einfach zum normalen Leben, dass die Bürger auch einmal auf Kosten der Kasse für 3 Wochen in Kur gingen. Ich erinnere mich, dass unser Hausarzt meine Frau und mich fragte, ob wir uns nicht auch eine Kur gönnen wollten, was wir aber abgelehnt haben. Dass man sich diesen Luxus heute nicht mehr leisten kann, ist der Tatsache zu verdanken, dass Deutschland immer mehr abstürzt. Daher war es plötzlich vorbei mit diesem Geldsegen für die Stadt. Der Staat half, die Krise zu überwinden, indem er sich am Neubau eines Solebads beteiligte. Aber das nützte nicht viel, denn eine ideenreiche Eigeninitiative war Mangelware in einer Stadt, wo man doch bisher nicht viel tun musste, um zu Geld zu kommen.
Wir hatten einmal eine Wohnung in Bad Reichenhall und haben das Leben in der Kurstadt genossen, aber wir sind weggezogen, weil uns der Niedergang der Stadt vertrieben hat.
Das Kurbad, in dem „abends die Gehsteige hochgeklappt“ werden, wird es immer schwerer haben, gegen eine harte Konkurrenz zu bestehen.

Meine Erlebnisse beim Mauerfall

Hier in Bayern erfuhr man vom Mauerfall nur aus dem Fernsehen.
Aber dann habe ich doch zwei nette Erlebnisse gehabt. Als ich damals auf der Deutschen Alpenstraße fuhr, war auf einmal auf der Straße eine Versammlung. Erst dachte ich, es wäre ein Unfall geschehen, aber das passte nicht zu dem fröhlichen Hallo, das dort statt fand. Etliche junge Bayern standen auf der Straße und hielten die Autos an. Sie sammelten Geld für die DDR-Bürger, die da kommen würden. Und dem Augenblick kam auch tatsächlich ein Trabbi daher. Man holte die Insassen heraus, umarmte sie und hieß sie herzlich willkommen. Dabei überreichte man ihnen das gesammelte Geld als Willkommensgeschenk.
Später am Watzmannhaus traf ich eine weinende Frau. Ich fragte sie, ob ich ihr helfen könne. Sie verneinte das und sagte, sie müsse einfach weinen, weil es da so schön ist.
„Ach!“ sagte sie im schönsten sächsisch; „Dass ich das noch erleben durfte“

Die Verhunzung der Alpen


Wenn ich beobachte, wie im Laufe meines langen Lebens die Alpen verändert wurden, kann ich nur feststellen: Sie sind von einem Stück wilder Natur in einen Massenspielplatz verwandelt worden. Ein Netz von Drahtseilbahnen hat die Berge überzogen, Straßen, Sommerrodelbahnen und Stauseen wurden gebaut. Aussichtsplattformen und künstliche Seen für die Schneekanonen verunzieren das Bild der Berge.
Und viele alte Hütten wie die oben im Bild, wurden mit Reklame „aufgemotzt“ oder mit Mobilfunkantennen.

Wo einst die Menschen in der Bergeinsamkeit ihres Herrgotts gedachten, übertrumpft nun die Fahne einer Bierbrauerei den Andachtsort.

Lesen Sie bitte hier weiter, wie Bayern kaputt gemacht wird:
https://autorenseite.wordpress.com/bayern-kaputt/

 

In Bad Reichenhall brennt‘s lichterloh


D
ieses Bild stammt von einer Vorführung der Feuerwehr vom letzten Samstag. Hier schöpft ein historisch gekleideter Feuerwehrmann Löschwasser aus dem Brunnen. Es brennt also nicht wirklich in der Stadt – wohl aber in übertragenem Sinne:
Der derzeitige Oberbürgermeister Dr. Lackner wurde von der CSU für die kommende Wahl nicht mehr als Kandidat für diesen Posten aufgestellt. Er hat deshalb eine
eigene Liste Lackner gegründet, mit der er sich wieder wählen lassen will.
Es ist alles schon mal da gewesen. Vor vielen Jahren gab es im „schwarzen“ Traunstein auch einen Streit darüber, wer für die CSU ins Rennen um den OB-Posten geht. Das Ende vom Lied war, dass ausgerechnet in der „schwarzen“ Stadt ein „roter“ Oberbürgermeister gewählt wurde. Und der blieb viele Jahre im Amt.
So ähnlich könnte es auch in Bad Reichenhall laufen:
Wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte. Vielleicht setzt sich nun keiner der beiden CSU-Kandidaten durch. Womöglich entspricht das ja auch der Absicht Lackners, Es könnte ja sein, dass er sich vielleicht mit seiner Liste nur dafür rächen will, dass er nicht aufgestellt wurde. Das wäre nicht nur undankbar, sondern schäbig, denn seiner Partei verdankt er ja, diesen lukrativen Posten mit einer hervorragenden Altersversorgung bekommen zu haben.

Es kann natürlich auch sein, dass Lackner ähnlich wie Trump an einer Selbstüberschätzung leidet und glaubt, das Wohl der Stadt hinge davon ab, dass er im Amt bleibt. Und vielleicht glaubt er tatsächlich, dass er eine echte Chance hat, obwohl man den Eindruck hat, dass ihm statt eines Amts-Bonus eher ein Malus zugeschrieben wird. Nur: Wie will er die Bürger davon überzeugen, der richtige Mann auf dem Posten zu sein, wenn nicht einmal seine Partei das glaubt?
Der CSU bleibt jedenfalls nichts anderes übrig, als Lackner wegen Partei schädigenden Verhaltens aus der CSU auszuschließen, weil er die Wahlchancen der Partei beeinträchtigt. Natürlich steht es Lackner frei, sich wieder um sein Amt zu bewerben, aber nicht mit dem „Aushängeschild“ CSU.

Das Gasthaussterben muss nicht sein

Man hört zur Zeit immer öfter von einem Gasthaussterben: Die Ursachen sind: zu wenig Umsatz, kein Personal, kein Nachfolger für den Wirt… So hat in Bayern jedes 5. Dorf kein Gasthaus mehr. Das muss nicht sein. Ein Gasthaus, das das richtige Konzept hat, geht immer gut.
Ein Beispiel dafür ist das Traditionswirtshaus Kraimoos, ein gemütliches bayerisches Wirtshaus.
Man fragt sich, wie so ein Gasthaus existieren kann, denn dort gibt es Essen, das viel billiger ist als beim Chinesen oder Inder. Ein solides einfaches Essen bekommt man dort schon für 4,90 Euro. So ist es kein Wunder, dass viele Gäste dort hin fahren, obwohl das Gasthaus in Kraimoos liegt, einem Dorf, das nur aus ein paar Bauernhöfen besteht. Erst habe ich mich gefragt: Wie kann der Wirt davon leben? Dann habe ich gesehen, dass viele Leute ihre Feiern in dieses Gasthaus verlegen, weil der Wirt ausgezeichnet kocht. Da schaut man dann nicht auf den Preis, wenn man feiert.
Auch wenn am Sonntag kein billiges Essen angeboten wird, kommen die Gäste gerne, um sich dort etwas Gutes zu gönnen. So kommt der Wirt auf seine Kosten und er lebt davon anscheinend nicht schlecht, wenn man das aus seinem Auto schließen kann.
Das ist ein Beispiel, wie ein Gasthaus sogar in ungünstiger Lage gut überleben kann.

Ein anderes nachahmenswertes Beispiel ist das Gasthaus D‘Feldwies.
Eine Zeit lang war es ein Opfer des Gasthaussterbens und dem Verfall preisgegeben. Dann wurden die Dorfbewohner aktiv: Sie richteten in Eigeninitiative ihr Gasthaus wieder her. Die einen langten zu und die anderen spendeten. Und was dabei heraus gekommen ist, ist ein Aushängeschild für Bayern.
Und noch ein bemerkenswertes Beispiel ist die Windbeutelgräfin in Ruhpolding:

Dort hat man ein originelles Konzept für ein uriges Lokal. An der Decke hängen lauter Kaffeekannen:

Abschreckend kann die moderne Architektur sein, denn im Gasthaus soll es gemütlich und nicht modern (im Sinne von kühler Atmosphäre) sein. So ist der Unterwirt in Chieming einmal ein gut gehendes Lokal gewesen, in dem wir gerne zu Gast waren. Dann wurde das Haus von einer Brauerei aufgekauft und so renoviert, dass es nun wie eine Kantine wirkt. Da kann ein Koch noch so gut kochen: Das nützt nichts. Das einst gut gehende Lokal steht nun leer.
Umgekehrt ist es in Ruhpolding, da hat ein guter Architekt das moderne „Brothaus“ erbaut – eine Attraktion für den Ort, denn es ist ein interessanter Bau, der trotz seiner Modernität eine Atmosphäre zum Wohlfühlen besitzt. Und auf dem Weg dorthin liegt der „Papillion“ außerhalb einer Ortschaft und doch gut besucht, weil er ganz aus Holz und Glas gebaut ist:


So gibt es viel Nachahmenswertes. Eigentlich müssten ja die Gasthäuser gut gehen, denn es gibt immer mehr alte Leute, die nicht mehr kochen. Und auch die Berufstätigen lassen sich meist in einer Kantine oder einem Lokal verpflegen. So müsste doch in der Gastronomie ein Boom herrschen.

Auf jeden Fall: Lasst eure Gasthäuser nicht sterben!

Die Wiesn einst und jetzt


Wie war das früher schön auf der Wiesn. Da briet meine Mutter ein Hendl und das aßen wir  im Außenbereich eines Festzeltes und genossen ein Wiesenbier dazu. Das war damals noch so Sitte. Damals war halt die Wiesn noch ein richtiges Volksfest, wo jeder seinen Platz fand und dabei schaute man den Prachtgespannen der Brauereien zu, wie sie das Bier auch wirklich in Holzfässern anlieferten. Beinahe hätte es eine Revolution gegeben, als das Bier plötzlich in Stahlcontainern kam und die Prachtgespanne nur noch zur Schau herum fuhren. Und was früher der Wiesn ihren eigenen Reiz gab, waren die vielen Schaubuden, die zu Werbezwecken oft mehr draußen zeigten als drinnen. So war ein Wiesnbummel immer recht amüsant.

Und heute? Die Zelte sind überfüllt. Die Wiesn ist dem Eindruck nach, den die Medien vermitteln, vom Volksfest zu einer Promi-Show verkommen. Für mich ist es unerträglich, dass ich bei Berichten über die Wiesn dauernd Leute vorgeführt bekomme, auf die ich allergisch reagiere: die Effenbergs, die Pooth & Co.
Da trinke ich, der einmal ein geradezu leidenschaftlicher Wiesngänger war, mein Bier lieber daheim.