Todeszone Bayern

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Dies ist eine Ergänzung der Seite „Bayern kaputt„.

Ich wohne seit über 25 Jahren in einem bayerischen Dorf, und was ich da an Veränderungen beobachtet habe, ist schon erschreckend. Ich kann sagen: Ich wohne in einer Todeszone, denn immer mehr Pflanzen und Tiere sterben aus:
Ein spezieller Pilz hat inzwischen alle Ulmen hinweg gerafft. Was für ein Glück, dass er nur die Ulmen schädigen kann! Ansonsten gelten die Bäume in Bayern als einigermaßen gesund. Anscheinend haben die Wissenschaftler ihr Augenmerk dabei nicht auf die Eichen gerichtet. Hier im Südosten habe ich noch keine gesunde Eiche gesehen. Viele haben dürre Äste oder merkwürdig hellgrüne Blätter.
Und wenn ich in die Berge schaue, stelle ich fest, dass die Lawinenbahnen in den Wäldern trotz der dürftigen Schneelage immer breiter werden. Die Queralpenstraße musste mit Millionenaufwand lawinensicher gemacht werden, weil der angegriffene Wald diese Gefahr nicht mehr bannen konnte.
Die Kirschbäume sind ein Opfer des Klimawandels geworden. Das Klima ist wolkenreicher geworden. Dadurch hat sich bei den Kirschbäumen die Schrotschusskrankheit ausgebreitet. Die Leute haben daher ihre Kirschbäume abgesägt. Kirschbäume gibt es hier nur noch  auf den Chiemseeinseln mit ihrem besonderen Klima.
Mit den Kirschbäumen sind auch die Stare verschwunden, die darin ihre Nahrung gefunden hatten.
Und auch die Landwirtschaft hat sich gewaltig verändert: Früher grasten noch Kühe und Pferde um mein Haus. Das ist vorbei. Die Kühe stehen nun in finsteren Ställen:

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Wenn es jedenfalls Laufställe wären! Aber für so etwas haben die Bauern meistens kein Geld. So stehen die armen Tiere ihr Leben lang eng gedrängt im Halbdunkel und bekommen viel Kraft- und Silofutter.
Die Bauern fahren mit Traktoren herum und mähen das Gras für sie.
Wenn ich an meine Kindheit denke, reichten mir die Blumen auf den Wiesen bis zum Knie und ich pflückte öfter einen bunten Strauß für meine Mutter. Inzwischen hat sich die Landschaft total verändert. Ich habe mindestens seit 20 Jahren keine Lichtnelke mehr gesehen. Und die Wiesen in meiner Umgebung bestehen nur aus stark gedüngtem Gras.

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So sieht ein Wiese von Nahem aus.  Auf ihr wächst nur Gras und keine einzige Blume. Das ist der Erfolg der intensiven Düngung. Und weil die Wiesen 5-mal gemäht werden, kann es natürlich auch keine Blumen geben.
Auf dieser Bank sitze ich manchmal ganz gern in der Sonne:

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Und bisher war es immer so nett, wenn die Bienen in Massen über die gelben Blüten hinter mir herfielen. Das war ein Gebrumm und ein Leben! Heute habe ich nur eine einsame Biene entdeckt. Das Bienenvolk, das bei mir unter dem Dach gewohnt hat, ist tot. Ich weiß nicht, ob es verhungert ist oder der Varoa-Milbe zum Opfer gefallen ist. Vielleicht ist ja beides schuld.  Weil es keine Blumen mehr gibt, fehlt den Bienen die Nahrung. Inzwischen gibt es in der Stadt mehr Bienen als auf dem Lande. Vielleicht haben wir bald Verhältnisse wie in China: Dort gibt es große Birnenplantagen. Diese müssen die Chinesen nun allerdings selber bestäuben, denn die Bienen sind den Pestiziden zum Opfer gefallen. Da müssen nun Hunderte von Arbeitern das tun, was die Bienen umsonst gemacht hätten, wobei die Tiere auch noch Honig geliefert hätten.
In meiner Kindkeit hatten wir Fliegenfänger von der Decke hängen: Das waren Klebestreifen, die die Fliegen anlockten. Und die waren schnell schwarz vor lauter Fliegen. Und vor einem Vierteljahrhundert, als wir in unser jetziges Haus einzogen, brauchten wir Fliegengitter vor den Fenstern. Vorbei! Heute verirrt sich nur selten ein Insekt in unsere Wohnung. Der Rest ist ausgestorben in unserer Todeszone.
Die grasenden Kühe hatten früher Mücken und Bremsen angelockt, so dass wir gelegentlich gestochen wurden. Aber nun leben wir völlig insektenfrei. Erst dachte ich, das läge daran, dass im Chiemseebereich ein Mittel gegen Mücken versprüht wird. Aber es scheint anderswo genauso zu sein. Neulich wunderte sich jemand in einem Blog, dass er sein Auto nach einer längeren Fahrt nicht von Insekten reinigen musste. Beneidenswert, werden manche finden, die zeitweise besonders unter einer Mückenplage zu leiden haben. Aber ich finde das nicht. Die Mückenschwärme hielten sich gerne vor der warmen Südfront unseres Hauses auf, und so kamen viele Schwalben vorbei geflogen und haben sich dort ihre Nahrung gefangen. Das war ein fröhliches Zwitschern und reges Treiben. Später kamen die Fledermäuse und holten sich den Rest. Nun herrscht hier tote Hose.

Weil die steilen Wiesen in der Umgebung meines Hauses gar nicht mehr gemäht werden und auch keine Kühe mehr dort grasen wie früher, verwildern die Hänge total: Brombeeren, Hartriegel u.a. überwuchern die einstigen Wiesen und bilden einen wüsten Verhau.
Immer öfter macht die Hitze sogar meinen Bäumen zu schaffen und ich muss etwas tun, was ich noch nie gemacht habe: sie gießen.
Die Hitze hat sogar die nahe Autobahn zu Todesfalle gemacht. „Blow-ups“ heißt diese Erscheinung und die ist ein völlig neues Phänomen, das auch Zweiflern zeigt, dass der Klimawandel im vollen Gange ist.
Nachdem sich die Maisanbaufläche in meiner Umgebung in den letzten 3 Jahren schätzungsweise verfünffacht hat, nehme ich an, dass auch ein Mittel von Monsanto zum Einsatz kommt, das Schmetterlinge gefährden soll. Früher hatte ich bei mir im Garten eine erfreuliche Vielfalt von Schmetterlingen. Jetzt habe ich gerade mal einen einzigen Kohlweißling und einen Admiral an meinem Schmetterlingsflieder gesehen, der früher so erfreulich voll von Leben war.
Noch ein Thema gehört in diesen Zusammenhang: Die Lichtverschmutzung.
Sie ist ein ähnliches Problem wie die Luftverschmutzung, die algegenwärtig ist, auch wenn viele keine Notiz davon nehmen. Auch unser Dorf hat eine angestrahlte Kirche und natürlich eine Straßenbeleuchtung.
Durch die zunehmende Lichtverschmutzung sank nach und nach die Vielfalt der Tiere, die sich unter unseren Laternen sammeln. Waren es in den 1950er-Jahren noch an die hundert verschiedene Insektenarten, kann man vielerorts nur noch vier bis fünf unterschiedliche Tierchen entdecken. Dieser Rückgang der Artenvielfalt verlief in den letzten siebzig Jahren diametral zur Zunahme der Lichtinstallationen in unserer zivilisierten Welt. In 20 Jahren sank die Zahl der Insekten um 80 %. Jedes Jahr sterben bis zu 150 Billionen Insekten, weil sie der trügerischen Verheißung unserer Laternen folgen. Ähnlich verhält es sich mit den Vögeln: Allein in Nordamerika zählt man laut einer Studie der Chicagoer Ornithologischen Gesellschaft pro Jahr zwischen 100 Millionen und einer Milliarde tote Zugvögel durch nachts beleuchtete Wolkenkratzer und Bürogebäude. Das Lichtabschalten im McCormick-Place-Wolkenkratzer in Chicago verringerte den Anteil an tot aufgefundenen Vögeln in der Umgebung um 88 Prozent.
Abschließend noch eine Frage: Wann haben Sie sie denn das letzte Mal die Milchstraße wahr nehmen können? Durch die Beleuchtungen, insbesondere in den Städten, können 60 % der Europäer sie nicht mehr sehen.

Das Sterben der Böden:
Ist Ihnen bewusst, dass auch unsere Böden sterben? Haben Sie gewusst, dass es in unseren Breiten 250 Jahre gedauert hat, bis sich ein Zentimeter Boden gebildet hat? Und wir verbrauchen in der selben Zeit rund zehnmal soviel. Hauptsünder sind die Bauern, die mit immer schwereren Maschinen den Boden verdichten, so dass das Wasser nur noch schwer im Boden versickern kann und verstärkt an der Oberfläche abläuft (Hochwassergefahr!). Besonders durch den zunehmenden Maisanbau wird die Bodenerosion verstärkt, weil die entblößte Erdoberfläche der Witterung ausgesetzt ist. Wind und Wasser können den ungeschützten Boden davon tragen. Schauen Sie mal, wie dünn bei uns die Humusschicht ist! Im Kieswerk wird es offenbar:

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Nun machen sich die Forscher auch Sorgen um den Waldboden, der in den letzten 30 Jahren rund 14 Prozent seiner Humusmasse verloren hat. Die Waldböden im Berchtesgadener Land sind besonders gefährdet, weil hier der Temperaturanstieg besonders stark war.

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Von Traktorenspuren zerdrückt und von Jauche verbrannt – so sehen die Wiesen heute aus. Wo man einst den Duft von Blumen riechen konnte, steigt einem heute der Gestank vom Odel in die Nase. Und so sieht die vom Odel verätzte Wiese von oben aus…

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…wie verbrannte Erde. Sie wird zwar nach einiger Zeit wieder grün, aber für Blumen und Bienen ist dann kein Raum mehr da. Auch nicht für Maulwürfe:

Vom Sterben der Maulwürfe

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Bei großen Bauprojekten lesen wir immer wieder, dass sie entweder scheitern, weil dort seltene Tiere vorgefunden werden. Oder aber die Tiere werden mit großem Kostenaufwand umgesiedelt. Beim Bau von Stuttgart 21 waren Eidechsen im Wege. Die mussten umgesiedelt werden. Das kostete 8.600 Euro pro Stück (!) (Mein Umzug mit Möbeln hat ein Zehntel gekostet.) Ist es nicht rührend, wie man sich um die kleinen Tiere kümmert? Dies geschieht aber nur, weil sich die misstrauischen Augen der Öffentlichkeit auf dieses Bauprojekt richten. Aber bei uns wurden von den Bauern Tausende von Maulwürfen vernichtet. Dafür hat sich kein Mensch interessiert. Der Maulwurf ist an sich ein geschütztes Tier. Aber das hat ihm nichts genützt, weil weder Tierschützer noch der BUND Partei für ihn ergriffen haben, nur ich habe etwas für ihn getan in meinen Blogs, die ich hier zusammenfasse:

Dem Maulwurf ist ein wechselhaftes Schicksal beschieden: Als ich ein Kind war und auf dem Lande lebte, war der Maulwurf von den Bauern gehasst, weil er die Felder umgrub. Wir Kinder bekamen 10 Pfennig für jeden Maulwurf, den wir gefangen hatten. Das war viel Geld, nämlich der Gegenwert für eine Kugel Eis!
Heute kann mit einem Ordnungsgeld bis zu 50.000 Euro bestraft werden, wer einem Maulwurf etwas antut. Das hat mein Nachbar schmerzlich erfahren müssen. Er hatte in seinem Garten einen Maulwurf, der seinen englischen Rasen mit einem bewundernswerten Eifer förmlich umgrub. Klar, dass mein Nachbar diesem Tier nachstellte. Er versuchte es erst mit einem akustischen Gerät, was aber nichts genützt hat, sondern womöglich seinem eigenen Gehör geschadet hat, wie er festzustellen glaubte. Dann versuchte er es mit einem Giftköder, aber der Maulwurf verschmähte diese Art von Speise. Mein Nachbar war nun verständlicherweise sehr böse auf den Störenfried in seinem Garten und stellte verschiedene Fallen auf. Er war dabei stolz darauf, auf dem neuesten technischen Stand zu sein. Er hatte sogar eine Falle, die mit einer Art von Pistole arbeitete und den Maulwurf erschießen sollte, aber all dies hatte keinen Erfolg, weil der Maulwurf mit seiner feinen Nase wohl gerochen hat, dass eine menschliche Hand in seine Gänge eingegriffen hatte. Da erhielt mein Nachbar einen angeblich 100-prozentigen Tipp: Er sollte den Maulwurf mit Autoabgasen vergiften. Er befestigte also am Auspuffrohr seines Autos einen Gartenschlauch. Das andere Ende dieses Schlauchs versenkte er in einen Maulwurfgang. Als er dann den Motor laufen ließ, stieg alsbald an den verschiedensten Stellen seines Rasens Qualm auf. Der Nachbar schaute natürlich aufmerksam, ob der Maulwurf vielleicht heraus kommen und die Flucht ergreifen würde. Und als er so da stand – mit dem Spaten als Waffe in der Hand – kam die Polizei, die irgendjemand informiert hatte. Da der Nachbar unwiderlegbar behauptete, der Maulwurf sei wohl schon längst vorher entflohen, kassierte die Polizei von ihm nur ein Bußgeld wegen Laufenlassen des Motors.
Was soll diese Geschichte? Sie soll zeigen, wie sehr der Polizei einmal sogar das Leben eines einzigen Maulwurfs am Herzen gelegen ist. Aber nun droht die Ausrottung der ganzen Spezies und das wird anscheinend als legal betrachtet:
Ich habe mich früher immer gefragt, warum der Maulwurf ein geschütztes Tier ist, denn bis vor wenigen Jahren herrschte ein reges Leben im Untergrund unserer Wiesen: Tausende von Maulwürfen gruben dort herum und hinterließen Haufen an Haufen. Im Frühjahr fuhren die Bauern mit Eggen über die Wiesen und ebneten alles wieder ein.
Das ist nun vorbei. Seit die Bauern so intensiv düngen, sind die Maulwürfe nicht mehr da. Ich weiß nicht, ob sie an der Gülle eingegangen sind oder durch das Befahren der Wiesen mit schwerstem Gerät erdrückt worden sind. Es kann aber auch sein, dass die Maulwürfe keine Nahrung mehr finden, weil das Leben im Boden durch die moderne Landwirtschaft abgestorben ist: Stechen Sie mal mit dem Spaten hinein in eine ständig gedüngte Wiese und schauen nach Würmern oder Käfern!
Ich frage mich nur, wie die moderne Landwirtschaft mit dem Schutz des Maulwurfs zu vereinbaren ist. Ein Gartenbesitzer, der einem einzigen Maulwurf in seinem Garten nachstellt, wird bestraft, aber Bauern können tun, was sie wollen.

Wussten Sie schon: So voll wie jetzt war die Rote Liste noch nie: Mehr als 23.000 Tier- und Pflanzenarten sind bedroht.

 

Wie das Wasser versaut wird:

Kürzlich sah ich im Fernsehen Unmassen von Quallen in der Ostsee. Jemand meinte, es sei so schlimm, dass man fast schon übers Wasser wandeln könnte. Und dazu fallen mir Bilder aus China ein: Das Meer sah dort vor lauter Algen grün aus wie ein Rasen. Alles eine Folge der Überdüngung!
Auch der Chiemsee könnte so ähnlich aussehen. Weil die Bauern für sich das Recht in Anspruch nehmen, die Gewässer mit Düngemitteln zu verunreinigen, gedeihen im Chiemsee alle möglichen Pflanzen. Man muss daher den See unter Wasser mähen. Und weil das immer schlimmer wird, hat man nun ein zweites Schiff für die Mäharbeiten angeschafft. So sieht es dort aus, wo nicht gemäht wurde:
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Und hier werden die Massen an Grünzeug abtransportiert, die am Seegrund abgemäht wurden:
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Hier noch ein paar allgemeine Meldungen zum Thema Artensterben:

Bisher dachte ich immer, die Windkraft sei besonders umweltfreundlich. Aber nun hörte ich in den Nachrichten, dass jährlich über 300.000 Fledermäuse dieser Energiegewinnungsart zum Opfer fallen, weil ihr Ortungssystem nicht in der Lage ist, die Windmühlenflügel zu erfassen. Dasselbe gilt für Vögel: Irgendwo zwischen 10 000 und 100 000 pro Jahr“ liegt die tatsächliche Zahl der getöteten Vögel nach Einschätzung von Hermann Hötker vom Michael-Otto-Institut im Naturschutzbund.

Immer öfter sehen wir Bilder  von toten Pottwalen, die auf den Nordseeinseln und -stränden angeschwemmt werden: Sie sind verhungert – offenbar weil die Meere zu leer gefischt sind.

Millionen tote Krabben bedecken Strände in Kalifornien. Ausgemergelte Seelöwenbabys stranden dort in großer Zahl. In Indonesien brennen Tropenwälder. Experten machen dafür das Klimaphänomen El Niño verantwortlich – die Erwärmung des Oberflächenwassers im tropischen Pazifik.
http://web.de/magazine/wissen/el-nino-schlaegt-krabben-sterben-seeloewen-hungern-waelder-brennen-30835020

Ist es nicht traurig, dass überall in der Natur das große Sterben umgeht? Eine Tierquälerei, für die sich kaum einer interessiert.