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Bewegen wir uns auf so dünnem Eis?

Die WTO warnt: Der Krieg in der Ukraine bedrohe Weltwirtschaft und politische Stabilität, denn die globale Wirtschaft könne nach einer Analyse der Welthandelsorganisation (WTO) in diesem Jahr bis zu 1,3 Prozentpunkte Wachstum einbrechen. Das Bruttoinlandsprodukt dürfte 2022 nach Modellrechnungen nur noch um 3,1 bis 3,7 Prozent wachsen, erklärte die WTO in Genf in einer Analyse über die Folgen des Krieges für den Handel. (dpa) 

Wie kann denn so etwas sein, dass die Weltwirtschaft bei einem Einbruch von läppischen 1,3% bedroht ist, obwohl trotzdem ein ansehnliches Wachstum zu erwarten ist?
Ich sehe die Bedrohung anderswo, nämlich beim Ausfall des Hauptproduzenten von Weizen (Ukraine), bei der Verknappung mancher Ressourcen  und bei der Gefährdung der Lieferketten.

So oder so: Das Eis, auf dem wir uns bewegen, wird immer dünner.

Die Lüge über die Arbeitsplätze

Bei der Ministerkonferenz der WTO auf Bali wurde ein Paket geschnürt, das 20 Millionen Arbeitsplätze bringen soll. „Paket“, das klingt für den Leser, der mit dem politischen Sprachgebrauch nicht vertraut ist, danach, als würde etwas Gutes in dem Paket versandt.
Aber wie soll das gehen mit der Vermehrung der Arbeitsplätze? Wir sehen doch zur Zeit eine Entwicklung, die zeigt, dass die Globalisierung Arbeitsplätze vernichtet: Die letzten verfügbaren Zahlen sehen so aus: Ende 2011 seien weltweit 196 Millionen Menschen arbeitslos gewesen, Ende 2012 wurden 202 Millionen erwartet.
Am Beispiel Hähnchenzucht sei demonstriert, wie die Entwicklung abläuft: Ursprünglich züchteten die Bauern in verschiedenen Ländern das Geflügel. Dann werden in Deutschland Großmastbetriebe gegründet, die subventionierten Strom beziehen. Die können nun Hähnchen bis ins an sich schon billige China liefern und dort die Preise der Kleinbauern unterbieten. Und die Flügel der Tiere sind kein Abfall, sondern werden nach Afrika exportiert, so dass auch dort die bäuerlichen Betriebe kaputt gemacht werden.
Oder ein anderes Beispiel: Bei uns  wurde ein Schnellimbiss eines bekannten Unternehmens an landschaftlich wertvoller Stelle gebaut. Der Gemeinderat gab nach, als ihm gesagt wurde, wie viele Arbeitsplätze entstehen würden. Es entstand aber nur die Hälfte der zugesagten Zahl und diese Jobs gingen natürlich an anderer Stelle kaputt, denn der Mensch isst normalerweise nur einmal zu Mittag. Ähnlich war es bei einem Möbelmarkt, der eine Verkaufsfläche in der Größe der gesamten Geschäfte der 50.000-Einwohner-Stadt hat. Die dort geschaffenen Arbeitsplätze vernichteten an anderen Stellen mehr, als neu entstanden waren.