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Hat Erdogan recht?

Der Philanthrop Osman Kavala ist seit Jahren in der Türkei ohne Gerichtsverfahren inhaftiert. Das ist ein Skandal, mit dem sich Erdogan in die Reihe der Despoten Lukaschenko und Putin einreiht, die Andersdenkende inhaftieren. Dass dagegen protestiert werden muss, ist eine moralische Pflicht. Aber müssen es ausgerechnet die Diplomaten sein, die diesen Protest erheben? In Artikel 41 des  Wiener Übereinkommen vom 18. April 1961 über diplomatische Beziehungen heißt es nämlich, dass die Botschafter sich nicht in die inneren Angelegenheiten eines Landes einmischen dürfen. Richtig wäre also gewesen, wenn die Kanzlerin bei ihrem Abschiedsbesuch in der Türkei das Thema aufs Tapet gebracht hätte oder wenn die EU den Skandal zur Sprache gebracht hätte.
Was mich wundert, ist die Tatsache, dass unsere Mainstream-Medien mit keinem Wort auf das Wiener Abkommen eingegangen sind und dass sie nicht die Frage aufgeworfen haben: Wann dürfen Botschafter wegen Missständen in einem Land ihre Stimme erheben oder haben sie das in jedem Fall ihrer Regierung zu überlassen?