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Sind Menschen auch so wie Ratten?

Ich las einmal von einem interessanten Experiment mit Ratten. Die Wissenschaftler haben in Tests herausgefunden, welche Lebensbedingungen für Ratten am günstigsten sind, d.h.: unter welchen Bedingungen leben sie am längsten? Welches Fressen brauchen sie? Welche Temperatur? Welche Käfiggröße? Welche Schlafzeiten? Usw.
Nachdem man überall die optimalen Lebensbedingungen festgestellt hatte, gönnte man den Ratten diese alle auf einmal  Und das Ergebnis war überraschend: Die Ratten lebten kürzer.
Interessanter aber ist, dass die Ratten unter solchen Bedingungen aggressiver wurden und übereinander her fielen.
Sind wir vielleicht auch wie die Ratten? Uns geht es zu gut und wir beobachten, dass die Gewalt immer mehr zunimmt.
Alte Menschen sehen das so: Als ich am Fernsehzimmereines Altenheims gerade in dem Moment vorbeiging, als gezeigt wurde, wie junge Burschen einen Mann zusammen schlugen, sagte einer: „“Die bräuchten mal wieder einen Krieg!““ Ein anderer meinte: „…oder ein Arbeitslager müsste wieder her!“ Und die anderen nickten. Lassen wir das mal kommentarlos so stehen.
Lesen Sie dazu das Zitat von heute.

„Danke, Mutti, dass du zu Hause geblieben bist.“

Ich war in letzter Zeit zu hohen Geburtstagen von 2 Frauen eingeladen. Wie es bei solchen Gelegenheiten üblich ist, wurden natürlich auch Reden gehalten, in denen die Geburtstagskinder lobend gewürdigt wurden. Und beide Male fiel derselbe Satz: „Danke, Mutti, dass du zu Hause geblieben bist.“ Die eine war Lehrerin und die andere Ärztin gewesen und beide hatten ihre Berufe aufgegeben, um sich ganz ihren 3 bzw. 4 Kindern zu widmen.
Auch meine Frau hat im Jahr 1965, als wir heirateten, ihren Beruf aufgegeben und ist Hausfrau geworden, wie es damals üblich war: Es gab noch keine Supermärkte, keine Fertignahrung und die Kleidung war so teuer, dass die Frauen selber nähten und strickten. Wir waren natürlich damals arm: Ein Auto konnten wir uns nicht leisten, nicht einmal Butter, sondern wir nahmen aus Ersparnisgründen Margarine.
Meiner Frau fiel zu Hause keinesfalls die Decke auf den Kopf: Neben ihrer Hausarbeit malte sie hervorragende Bilder:

 

Sie brachte sich selbst das Zitherspielen bei und klang nicht schlechter als Anton Karas. Und natürlich hatte sie viel Zeit für die Kinder: Sie musizierte mit ihnen, kümmerte sich um ihre Hausaufgaben und trieb Sport mit ihnen. Sie war der ruhende Pol der Familie, wo die Kinder ihre Sorgen abladen konnten und wo ich mich am Feierabend nach meinem harten Berufsalltag entspannen konnte.
Warum ich das hier beschreibe? Weil heute Abend im 3-SAT-Programm ein Film über unser verrohtes Land gebracht wird. Ich sehe als Ursache dieser Verrohung die Zerstörung der Familie an.
Was ist aus uns geworden!
https://autorenseite.wordpress.com/2018/10/09/wie-haben-wir-damals-nur-so-leben-koennen/

Die Verrohung der Menschheit

Als ich bei der Justiz anfing, war ich mit einer Kollegin zusammen bei einer großen Strafkammer tätig. Die Kollegin war sehr sensibel und konnte keine Toten anschauen. Sie war also eigentlich eine Fehlbesetzung für eine Strafkammer, die ja auch mit Tötungsdelikten zu tun hatte. Erst hatte sie gegen ihre Zuteilung an eine Strafkammer protestiert, aber der Präsident des Landgerichts fand ihre Einwände nicht stichhaltig. Er sagte: „Wenn’s um Mord geht, schauen Sie halt einfach die Bilder im Akt nicht an!“

Eines Tages hatten wir es bei der Kammer mit einem grausigen Mord zu tun: Ein Metzger hatte seine Frau umgebracht und tranchiert. Ihren Kopf hatte er in einen Schrank gestellt. Man kann sich vorstellen, wie der aussah, als die Tat nach Wochen aufkam. Die Polizei hatte alles akribisch fotografiert: auch Blutflecken am Boden, die vor lauter Fliegen kaum zu sehen waren.

Der Berichterstatter für diesen Mordfall fand, man müsse der Kollegin ihre Zimperlichkeit abgewöhnen. Er zog also das umfangreiche Leporello mit den Mordbildern auf seinem Schreibtisch auseinander und rief die Kollegin mit der scheinheiligen Aufforderung, er bräuchte ihren Rat:

„Meinen Sie nicht auch, dass das Fliegen sind?“ Sie kam auch hilfsbereit herbei und war einer Ohnmacht nahe, als sie die Bilder sah. Sie hatte längere Zeit Schlafstörungen und konnte nichts essen.

Warum ich das hier berichte? Weil es zeigt, wie die Verrohung der Menschen zugenommen hat. Während früher ein Krimi ein Märchen für Erwachsene war, bei dem die Leiche Nebensache war, muss so ein Film heute möglichst realistisch sein. Unappetitliche Details aus der Gerichtsmedizin dürfen da natürlich nicht fehlen. Wir sehen beispielsweise Maden an einer Leiche und erfahren, wie man daraus auf den Todeszeitpunkt schließen kann.

So weit ist es gekommen: Solche Widerlichkeiten und Gewalt sollen uns unterhalten. Und es gibt sogar Menschen, die dabei ihr Abendessen einnehmen.