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Kein frohes Fest – Krieg im Vatikan


Wow! Nix wird’s mit dem weihnachtlichen Frieden in der Katholischen Kirche. Der Papst hat eine Weihnachtsansprache gehalten, die sich „gewaschen“ hat und die sich manche hinter die Ohren schreiben müssen. Er hat „Verräter“ in seiner Kurie ausgemacht und „Ehrgeiz und Ruhmessucht“ unter manchen Mitarbeitern gegeißelt. Er beschwerte sich auch über ehemalige Mitarbeiter, die sich als „Märtyrer“ darstellten, anstatt ihre Schuld einzuräumen. Damit ist der unsympathische Kardinak Müller gemeint, der hier schon in seiner Regensburger Zeit angeeckt ist.
Über sein mühsames Reformvorhaben sagte er im Vatikan vor Kardinälen, Bischöfen und Priestern: „In Rom Reformen zu machen, ist wie die ägyptische Sphinx mit einer Zahnbürste zu putzen.“ Es sei sehr wichtig, die „unausgeglichene und degenerierte Logik der Komplotte und der kleinen Gruppen“ zu überwinden, „die in Wirklichkeit ein Krebsgeschwür darstellen, das zur Selbstbezogenheit führt“.
Es gärt also gewaltig in der Katholischen Kirche. Wortführer der Papstgegner scheint der Kardinal Müller zu sein, der sogar an den schwarzen Schuhen des Papstes Anstoß nahm sowie an dessen sonstigem einfachen Lebensstil. Er hat viele Erzkonservative hinter sich. Manche behaupten sogar allen Ernstes, der Teufel habe Einzug im Vatikan gehalten.
Das Schreiben des Papstes „Amoris Laetitia“ ist für diese Katholiken ein Teufelswerk, auch wenn sie es meist nicht einmal gelesen haben. Es genügt ihnen, was sie darüber von erzkonservativen Leuten gehört haben. Diese Erzkatholiken übersehen dabei, dass der Papst in seinem Schreiben die Ergebnisse von zwei Bischofssynoden zusammen gefasst hat, also nicht selbst ex Kathedra gesprochen hat. Und soweit die Bischofssynoden kein klares Ergebnis brachten, bleibt auch der Papst in seinem Schreiben vage, so dass ihn Gutwillige und Böswillige entsprechend ihrer Einstellung interpretieren können.
Traurig, dass der Papst, der seine Gläubigen liebt und ganz schlicht bei ihnen lebt, gerade beim Thema Liebe so angefeindet wird. Mir tut er leid. Er ist ein Mann, der das Gute will und dabei so schlimme Erfahrungen machen muss und das in der Kirche! Aber er nimmt den Kampf auf und das mit 81 Jahren. Respekt!
Der Ausspruch des Papstes über den Vergleich von Kirche und Sphinx erinnert mich übrigens an eine Weisheit des früheren Bundeskanzlers Schröder: Der sagte einmal dem Sinne nach, wenn man im Staat etwas reformieren wolle, sei das so ähnlich wie bei einem Tanker: Da könne man nur ganz allmählich die Richtung ändern. In der Kirche ist es genau so.
Ich glaube ja, der Papst würde gerne etwas von dem unermesslichen Reichtum der Kirche hergeben. Aber er darf nicht.