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Fällt Ihnen das auch auf: Wir haben nun eine andere Republik

Ich hatte gerade im Amtsgericht Traunstein zu tun und da fiel mir diese Veränderung auf: Der Vorbau ist als Einlasskontrolle errichtet worden. Dort arbeiten 3 Beamte, um die Besucher so genau zu kontrollieren wie in den Terminals. Was für ein Personalaufwand, wenn man ihn auf die gesamte Justiz hochrechnet! All das brauchte man früher nicht.

Und der Schwurgerichtssaal, der in besseren Zeiten unserer Republik mit großen Fenstern ausgestattet wurde, damit Vorbeigehende einen Blick auf die Arbeit des Gerichts werfen konnten, ist nun hinter einer Hecke verschanzt. Außerdem verhindern Blenden einen Blick in das Innere:

Ähnlich ist es im Justizpalast in München: Als ich dort arbeitete, konnte jeder dort unbehelligt ein- und ausgehen und viele Touristen kamen einfach mal so herein, um sich den herrlichen Bau von Innen anzusehen. Vorbei!

Allein schon daran sieht man, wie unsere Republik sich seit ihrer Gründung verändert hat. Auch die Schmierereien überall zeigen: Die Zahl der Bürger, die hinter dem Staat stehen, nimmt ständig ab. Schuld ist die Politik. Sie hat sich immer mehr von den Bürgern entfernt. Eine alte Frau brachte es auf den Punkt: Als ein Fernsehreporter der Frage nach ging, warum so viele AfD wählen, sagte sie: „Die kümmern sich jedenfalls um uns. Die großen Parteien kommen nur kurz vor der Wahl und halten Reden und verteilen Zettel.“

Die Parteien haben unsere Demokratie kaputt gemacht:
https://autorenseite.wordpress.com/demokratie-kaputt/
Einen Beweis dafür lieferte eine Umfrage: „Wo steht der Satz , Eigentum verpflichtet‘: im Grundgesetz oder in der Verfassung der DDR?“ Die Mehrheit glaubte, er stünde in der DDR-Verfassung. Und wenn man ehrlich ist, müsste man die Realität des Grundgesetzes so beschreiben: „Eigentum verpflichtet zur Mehrung!“

Und deshalb wird es auch nicht dazu kommen, dass die Regierung dem Rat der Wirtschaftsweisen folgt, den Spitzensteuersatz zu erhöhen:
https://autorenseite.wordpress.com/2022/11/10/weg-mit-der-fdp-2/

Lesen Sie bitte: Die großen Umbrüche in Deutschland

Wenn man so alt ist wie ich mit meinen 84 Jahren, merkt man, wie recht Heraklit hat mit seiner Erkenntnis: „Panta rhei“, was soviel bedeutet wie: „Alles fließt bzw. ist im Fluss“. Heute kann man aber feststellen: „Alles fließt immer schneller.“ So ist auch Deutschland im Laufe meines Lebens mehrfach ein völlig anderes Land geworden:
In meiner Kindheit erlebte ich die erste Veränderung: Mein Vater wurde eingezogen,weil der Krieg begann. Alle glaubten damals, das würde nicht lange dauern, aber dann wurden wir selbst Opfer von feindlichen Angriffen: Die Stadt Kiel, in der wir damals lebten, wurde zu 88% zerstört. Nacht für Nacht rannten wir in den Bunker und am Schluss sah Kiel viel schlimmer aus als Aleppo heute, denn die Häuser waren nicht aus Beton. Es gab nur Trümmerfelder, in denen man sich kaum noch orientieren konnte.

Dann kam die Kapitulation und das große Aufräumen begann: Die Trümmer wurden in die Ostsee gekippt und dort, wo einst die Innenstadt war, wurden „Gayk-Wäldchen“ angepflanzt, die nach dem OB benannt waren und die den staubigen Wind bremsen sollten. Nachdem wir schon im Krieg gehungert hatten, setzten uns die Alliierten zur Strafe auch noch auf eine schmale Kost. Ich hatte immer Angst zu verhungern, denn als Heranwachsender muss man viel essen.

Dann kam ein bedeutsamer Tag, nämlich als das Grundgesetz in Kraft trat.
Von da an ging es steil bergauf: Es gab das Wirtschaftswunder, das mit einer Fresswelle gefeiert wurde.

Wir durften auf einmal in Deutschland wieder Militär haben – die Bundeswehr, wo die jungen Männer ihren Wehrdienst zu leisten hatten. Ich hatte das Glück, nicht betroffen zu sein, weil ich einem „weißen Jahrgang“ angehörte.

Die nächste Wende brachten die 68-er, als die Jungen gegen die Obrigkeit aufbegehrten. Merkwürdigerweise waren die Zustände, gegen die damals protestiert wurde, geradezu paradiesisch im Vergleich zu dem, was wir heute erleben. Aber heute bleiben die großen Proteste aus. Ist das Volk müde geworden oder genügen ihm Fernsehen und billige Urlaubsflüge, um es von seiner Misere abzulenken? Nur bei der Wahl protestiert das Volk noch ein bisschen: zum Teil, indem es der Wahl fernbleibt, zum Teil durch Wählen der AfD.

Eine ganz gewaltige Veränderung brachte eine kleine Pille, die ungewollte Schwangerschaften verhindert. Die Moral wurde total auf den Kopf gestellt. Während das Zusammenleben Unverheirateter früher in Bayern strafbar war und es als Vergehen der Kuppelei angesehen wurde, wenn jemand Unverheirateten ein Zimmer zur Verfügung stellte, kümmert sich heute niemand mehr darum. Nicht einmal die Kirche traut sich, dagegen ernsthaft zu wettern.

Eine wichtige neue Erscheinung ist die Zerstörung der Familie. Wo früher der Mann der Ernährer der Familie war, müssen nun beide Eltern im Beruf arbeiten, um über die Runden zu kommen. Wir haben noch die Zeit erlebt, als die Familie mittags und abends gemeinsam in der Essecke beisammen saß. Das war einfach, weil es noch die Hausfrau und Mutter gab, die einkaufte und kochte. Die Wege zur Schule und an die Arbeitsstelle waren kurz. So konnte man sich zu den Mahlzeiten zusammen finden. Und heute? Da werden die Kinder in der Kita oder Schule abgefüttert.

Neu ist, dass immer mehr Menschen so ausgepowert sind, dass sie abends zu müde für den Sex sind. Burnout breitet sich immer mehr aus. Und die Männer sind auf dem Weg zur völligen Entmannung.

Politisch ist ein Wandel eingetreten: Einst standen die Menschen hinter ihrem Staat. Heute sind die Vertreter des Staates, die Polizeibeamten, zu Prügelknaben geworden. Die Justizgebäude waren einst als Schaufenster des Rechtsstaats konzipiert. Nun sind die großen Fenster zugezogen und eine Buchenhecke wurde davor gepflanzt:

Das Sitzungssaalgebäude des LG TRaunstein. Heute werden die Justizgebäude oft bunkerartig gebaut.

Einst waren die Arbeitsplätze sicher. Nun können sie nur noch „gesichert“ werden durch immer prekärer werdende Arbeitsverhältnisse. Nur ein Beispiel: Gerade werden 5000 Lehrer in die Arbeitslosigkeit entlassen, weil die Länder das Gehalt für die Sommerferien sparen wollen.

Ja, eine neue Krankheit ist ausgebrochen: die Geldgier. Die Einkommensschere zwischen Arbeiter und Chef ist in den 60ern 1:16 gewesen, heute verdient ein Dax-Vorstand im Mittel 71 Mal so viel wie die Beschäftigten seines Unternehmens im Durchschnitt, Postchef Frank Appel sogar das 232-fache. Der Soziologe Nikolaus Dimmel spricht sogar von einem Missverhältnis 1:432.

Das Wohnen in den Städten ist zum kaum bezahlbaren Luxus geworden und die Menschen müssen immer weiter ins Umland ziehen.

Das Grundgesetz wird immer mehr missachtet. Ein Beispiel: Es hieß dort: „Dieses Grundgesetz, das nach Vollendung der Einheit und Freiheit Deutschlands für das gesamte deutsche Volk gilt, verliert seine Gültigkeit an dem Tage, an dem eine Verfassung in Kraft tritt, die von dem deutschen Volke in freier Entscheidung beschlossen worden ist.“ Haben Sie vielleicht abstimmen dürfen? Das Verfassungsgericht hat gemeint, wir hätten durch die Teilnahme an der Bundestagswahl dem Grundgesetz zugestimmt. Das ist etwa so, als würde man behaupten, die Juden hätten durch die Wahl des Lagerältesten den KZs zugestimmt. Das Grundgesetz ist überhaupt eine der wenigen Verfassungen, über die das Volk nie abstimmen durfte.

Noch eine völlige Veränderung sei hier erwähnt: Jahrhunderte lang ernährten sich die Menschen nach der Regel des Hippokrates:
„Eure Nahrung sei eure Medizin, und eure Medizin sei eure Nahrung.“
Das war für uns noch selbstverständlich und so blieben wir bis ins hohe Alter gesund:
https://autorenseite.wordpress.com/2018/06/05/essen-wie-oma-oder-hippokrates/
Inzwischen ist die Gesunderhaltung nicht mehr so wichtig, weil man sich darauf verlässt, dass die moderne Medizin eventuelle Schäden schon wieder richten wird. So sind die Alten oft gesünder als die Nachkommen.

Nun ist die Flüchtlingswelle über uns hereingebrochen. Deutschland verändert sich: Frankfurt ist die erste deutsche Großstadt, in der Deutsche in der Minderheit sind. Dort haben beispielsweise über 75 Prozent der Zwölfjährigen einen Migrationshintergrund und über 51 Prozent aller Erwachsenen.
Inzwischen gibt es eine andere Flüchtlingsbewegung: Immer mehr Deutsche verlassen das Land:
https://autorenseite.wordpress.com/2017/11/29/flucht-aus-deutschland/
Im Jahr 2016 erreichte die Auswanderung einen Höchststand.

Ach es gäbe noch so viele Veränderungen, nur schade, dass sie fast alle nicht zum Besseren sind.