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Ein Schwuler im Vatikan?

Der Mensch ist schon komisch. Auf der einen Seite verlangt er den Schutz seiner Daten. Und er reagiert empfindlich darauf, dass sein Einkaufsverhalten im Netz für Werbezwecke genutzt wird.
Auf der anderen Seite outen sich viele Menschen ohne Grund. Gerade der intimster Bereich, nämlich die Sexualität, wird der Öffentlichkeit zum Fraß vorgeworfen. Und wie freuen sich die Medien, wenn endlich mal wieder einer „bekennt“, er sei schwul. Anscheinend handelt es sich bei den Fußballern um besonders intelligente Menschen, denn die behalten jedenfalls (mit einer Ausnahme) ihre sexuelle Ausrichtung für sich.
Weil es aber als „in“ gilt, sich zu „outen“, schafft man Probleme, die man sonst nicht hätte: Gerade hat Frankreich einen schwulen Botschafter für den Vatikan ernannt. Das gilt nun offenbar im Vatikan als Provokation. Der neue Botschafter wartet seit einem Vierteljahr auf seine Bestätigung. Man darf gespannt sein, was dabei heraus kommt. Wahrscheinlich wird noch hinter den Kulissen daran gearbeitet, wie man aus dem Dilemma heraus kommt. Aber Frankreich will offenbar ein Exempel statuieren. Da kann der Papst wohl nicht anders… Es kann ja wohl nicht sein, dass man in den islamischen Staaten den schwulen Außenminister Westerwelle mit Freund offiziell empfangen hat, während der Vatikanstaat Probleme macht. Der Islam toleranter als die Katholische Kirche?
Wie einfach wäre das alles, wenn man der Öffentlichkeit das „Outen“ ersparen würde und wenn jeder Intimitäten für sich behalten würde.

Vatikan wird immer krimineller

So lautet heute die Schlagzeile in meinen Web.de-Nachrichten.
http://web.de/magazine/panorama/zahl-verbrechen-vatikan-30416950
Leider gibt es zu den Verbrechen keine Zahlen. Wir lesen nur, dass 6 Personen inhaftiert worden seien. Nehmen wir nur diese offiziell eingeräumten Verhaftungen und vergleichen sie mit Deutschland, dann sind bei uns im gesamten Land prozentual gesehen genau so viele Menschen in den Haftanstalten. Es ist doch eine schreckliche Vorstellung, dass der Vatikan, der eigentlich eine Elitegesellschaft beherbergen sollte, keinesfalls besser ist als unsere Einwohnermasse.
Wir dürfen aber die Bewohner des Vatikans nicht mit unserer Durchschnittsgesellschaft vergleichen, sondern müssten, um uns ein Bild zu machen, den Vatikan mit Berufssparten vergleichen, die bei uns als Vorbild gelten sollten: Stellen Sie sich vor, bei uns wären prozentual genau so viele Richter oder Lehrer in Haft wie der Durchschnitt der Bevölkerung! Unglaublich wäre das.
Lesen Sie bitte auch „Kirchensteuer„.

Youtube oder ZDF

Wer informiert besser? Sie konnten im ZDF eine Dokumentation sehen mit dem Titel: „Der Vatikan und das Geld“. Interessant wäre ja zu wissen, was so eine Dokumentation gekostet hat. Das Geld hat man umsonst ausgegeben, denn viel hat man nicht erfahren und die Kirche wird sich weiter in Schweigen hüllen.
Nichts gekostet hat dagegen ein interessanter Film bei Youtube und Sie brauchen dafür auch keine Fernsehgebühren zahlen:
https://www.youtube.com/watch?v=XU6AB8z-iOM

Auch hier lesen Sie etwas über Kirche und Geld:
https://autorenseite.wordpress.com/kirchensteuer/

Vatikanbank in den Klauen der Mafia?

Die Bischöfe beklagten kürzlich ein Pogromstimmung gegen die Katholische Kirche. Sie übersehen dabei, dass es die Kirche selbst ist, die sich kaputt macht.
„An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen“, ist eine der großen Wahrheiten, die Jesus verkündet hat. Legt man diesen Maßstab an die Katholische Kirche an mit ihren Missbrauchsfällen und ihrer Vatikanbank, dann muss man sagen: Der Glanz ihrer angeblichen Heiligkeit schimmert kaum noch durch den „Rauch Satans“ (s. hierzu Blog vom 15.2.). Wir fragen uns erschüttert: Wie kann es sein, dass die Bank einer Kirche, die sich hochtrabend „Institut für Werke der Religion“ nennt, es bis heute nicht geschafft hat, die Kriterien zu erfüllen, die in Europa notwendig sind, um als solides Institut zu gelten? Die EU beanstandet immer noch, dass die neu geschaffene Finanzbehörde des Kirchenstaats nicht effektiv genug arbeitet und dass die Vatikanbank verdächtige Transaktionen nicht ausreichend verfolgen könne. Der Vatikan hat es nicht einmal geschafft, in die „weiße Liste unverdächtiger Staaten“ der OECD aufgenommen zu werden: Ein Kirchenstaat als verdächtig: das ist doch wohl das Schlimmste, was dem Vatikan passieren kann. Das Traurige an der Sache ist, dass der Vatikan angeblich immer schon daran arbeitet, in seiner Bank aufzuräumen. Wie das aussieht, ist eine Kriminalgeschichte, wie sie schlimmer wohl kein Krimi-Autor ausdenken kann. Beginnen wir im Jahr 1978, als Papst Johannes Paul I gewählt wurde. Er hatte mehr Transparenz bei dieser Bank durchsetzen wollen. Nach Ansicht vieler musste er dies mit seinem Leben bezahlen. Offiziell soll er an einer Überdosis seiner Herztabletten gestorben sein. Dies wird von seiner Verwandtschaft bestritten, weil er kein solches Leiden gehabt habe. Ein Papst wird auch wohl kaum so dumm sein, eine Überdosis seines Herzmittels zu nehmen. Für die These, dass der Papst vergiftet wurde, spricht die Tatsache, dass eine Obduktion seiner Leiche verhindert wurde. Und dann geht der Krimi weiter:
Der Chef der Vatikanbank, Erzbischof Marcinkus, wird mit internationalem Haftbefehl gesucht, lebt aber unbehelligt im Vatikan.
Unvergessen sind auch die Morde an den Bankiers Calvi, der als Verwalter der Vatikan-Finanzen „Bankier Gottes“ genannt wurde, und an seinem Vorgänger Sindona.
Nach dem Calvi-Marcinkus-Skandal zahlte der Vatikan im Jahr 1984 240 Millionen Dollar Entschädigung. Ist es das Geld, das alte Mütterchen von ihrer kargen Rente absparten und in der Kirche in den Klingelbeutel warfen? Oder stammte es von den Kindern, die als Sternsinger durch die Lande zogen?
Im Zuge der Finanzkrise gerät auch der Vatikan in den Ruf einer illegalen Finanzoase. Benedikt XVI. ernennt den italienischen Bankier Ettore Gotti Tedeschi zum Leiter der Vatikanbank.
Viel hat dies offenbar nicht gebracht, denn die italienische Staatsanwaltschaft fror bei der italienischen Bank Credito Artigiano 23 Millionen Euro auf einem Konto ein, das von der Vatikanbank genutzt wurde, und ermittelt gegen Tedeschi. Der trat zurück und wurde nun durch den Malteser-Ritter von Freyberg ersetzt. Zeitweise konnte man im Vatikanstaat Kreditkarten nicht benutzen, weil die italienische Zentralbank dies aus gutem Grund stoppte.
Zum Abschluss eine Frage: Warum braucht die Katholische Kirche überhaupt eine eigene Bank, nachdem sie rund 2000 Jahre ohne ein solches eigenes Institut ausgekommen ist? Alles, was dabei herausgekommen ist, ist ein Schandfleck für die Kirche.
Noch ein Schandfleck ist hier.

Paukenschlag: Wird der Papst demnächst verhaftet?

Im Internet gibt es düstere Andeutungen: Da tritt ein ITCCS auf, ein internationaler Gerichtshof für Verbrechen von Staat und Kirche und dehnt sich auf vielen Seiten aus. Wir können dort lesen, dass der Papst etliche Verbrechen begangen haben soll und dass deswegen ein Haftbefehl gegen ihn erlassen worden sein soll.
Was zunächst den Gerichtshof anbetrifft, so hat sich dieser offenbar selbst etabliert. Und das macht natürlich alles, was er unternimmt, zur Amtsanmaßung.
Und wenn behauptet wird, es läge ein Haftbefehl eines Staates gegen den Papst vor, so ist höchst eigenartig, dass der ITCCS zwar diverse Details dazu mitteilt, nicht aber, von welchem Staat der angebliche Haftbefehl stammen soll. Also alles nur Humbug?
Man weiß es nicht. Jedenfalls berichtete der ganz unverdächtige Deutschlandfunk:
„Der britische Anwalt Mark Stevens plante, den Papst vor Gericht zu bringen. Es ging um den Fall pädophiler Geistlicher in Großbritannien, aber auch in den USA, in Deutschland und anderen Ländern. Mark Stevens:
„Ein Pädophilie-Opfer kann in unserem Land den Papst vor ein Gericht bringen. Bei uns könnte es theoretisch dann zu einem Haftbefehl kommen. Das ist für ihn eine reelle Gefahr. Sollte er in unser Land kommen, könnte er verhaftet werden. „“
Das ist alles reine Theorie. Ein Haftbefehl könnte niemals vollzogen werden, wie wir am Beispiel des früheren Chefs der Vatikanbank sehen. Obwohl gegen ihn ein Haftbefehl Italiens vorlag, entzog er sich diesem dadurch, dass er bis zur Verjährung im Vatikan blieb.

Vatikanbank: Da freut sich die Mafia!

Die Vatikan-Bank, die in finsterste Machenschaften verwickelt sein soll, bekommt nun endlich einen neuen Chef, nachdem gegen den bisherigen Ermittlungen wegen Geldwäsche laufen. Der neue Mann heißt von Freyberg, ist Mitglied des Malteserordens und hat nach „Spiegel-online“ eine schillernde Biografie. Freyberg lebt laut Radio Vatikan in Frankfurt, der Vatikan geht aber davon aus, dass der Mann sich künftig drei Tage in der Woche in Rom aufhalten werde.
Da kann man nur staunen. Ist das Aufräumen bei einer Bank, der Korruption in übelster Ausprägung nachgesagt wird, ein drei-Tage-Job für einen Nicht-Banker?
Vielleicht ist es auch besser, wenn Freyberg sich nicht zu sehr um die Bank kümmert, sonst könnte er das Schicksal Calvis erleiden.
Erinnern Sie sich noch an die düsteren Geschichten um die Vatikanbank? Lesen Sie doch mal hier die finstere Vergangenheit nach: http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/ernst-von-freyberg-deutscher-wird-chef-der-vatikanbank-12081631.html

Ich bin nicht schuld am Papstrücktritt!

Am 15.2. habe ich mich schon mit dem Papstrücktritt befasst. Nun mutmaßt auch der Mainzer Kardinal Lehmann, dass Papst Benedikt XVI. «eher einsam» gewesen sei und möglicherweise enttäuscht über einige Vorgänge im Vatikan. Bis heute seien beispielsweise die Untersuchungsergebnisse einer Kardinalsgruppe zur Vatileaks-Affäre nicht bekannt, «vielleicht gebe es da noch mehr Grund zu Enttäuschungen». Wenn man als Papst von seinem eigenen Kammerdiener belauscht und verraten wird und man nicht genau weiß, wer dahinter steckt, dann kann einem bei allem Gottvertrauen schon Angst werden. Steckt vielleicht die Maffia dahinter?
Zusammenfassend kann man wohl sagen, dass es stimmt, wenn der Papst in erster Linie aus Altersgründen zurück getreten ist. Im Alter wird man dünnhäutiger und kann all das, was sich im Vatikan getan hat nicht mehr ertragen.
Ich bin jedenfalls der festen Überzeugung, dass der Papst mein Buch „Teufel, Teufel! Das Buch der unfrommen Geschichten“ nicht gelesen hat und dass ich also nicht schuld an seinem Rücktritt bin.

Rauch des Satans im Vatikan?

Die Reaktionen auf den Papstrücktritt in unserem Land sind wieder einmal typisch. Die Einheitsmedien übernehmen die amtliche Version, dass der Papst aus gesundheitlichen Gründen zurückgetreten ist. Das sei hier nicht angezweifelt, aber es haben mit Sicherheit auch andere Ursachen eine Rolle gespielt, mit denen man sich hätte auseinander setzen sollen. Wahrscheinlich konnte der Papst das nicht ertragen, was wir nur in den Deutschen Wirtschaftsnachrichten lesen können, nämlich dass sich der „Rauch Satans, der vor 40 Jahren in den Vatikan eindrang, mittlerweile in allen Gemächern ausgebreitet zu haben scheint und ihm die Luft zum Atmen genommen“ hat. Lesen Sie doch einmal den interessanten Artikel:
http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2013/02/14/papst-ruecktritt-vatikan-bank-im-visier-der-ermittler/
Und heute lesen Sie in dieser Zeitung: „Der italienische Star-Journalist Gianluigi Nuzzi ist überzeugt: Papst Benedikt XVI. ist zurückgetreten, um ein Zeichen gegen die Missstände im Vatikan zu setzen. Als Theologe habe er sich überfordert gefühlt, die wirtschaftlichen Probleme des Kirchenstaats zu lösen. Er habe in der Kurie keine Freunde gehabt. Sein Nachfolger müsse nun vor allem die von Skandalen erschütterte Vatikan-Bank reformieren.“
Was war das doch auch für ein Schlag ins Gesicht der Kirche, dass die italienische Zentralbank die Nutzung elektronischer Zahlungsmittel im Vatikan zur Jahreswende aussetzte. So musste dort bar bezahlt werden und die dortigen Geldautomaten gaben kein Geld mehr aus.
Und noch etwas zum Papstrücktritt: Vergessen Sie das Bla-Bla der Politiker. Der Bundespräsident sagte beispielsweise:
„Für diesen historisch höchst seltenen Entschluss sind großer Mut und Selbstreflexion nötig. Beides findet meinen außerordentlichen Respekt.“
Das ist doch völlig daneben gegriffen. Wenn ein Mensch nicht mehr kann und gehen muss, dann ist das eine Notwendigkeit, die weder mutig ist, noch Anlass zu „außerordentlichem Respekt“ bietet, sondern eher tiefes Mitgefühl und Bedauern auslöst.

Vatileaks: Kurzer Prozess oder Schau?

Beim Prozess gegen den Diener des Papstes haben die Richter und der Papst schlechte Medienkritiken bekommen. Das Gericht will nur 4 Tage verhandeln und dabei die Hintermänner sowie die Hintergründe der Tat im Dunkeln lassen; anscheinend habe der Vatikan kein Interesse an der Aufklärung – so lauten die Vorwürfe.
Offensichtlich haben die Medien ein merkwürdiges Verhältnis zur Gerichtsbarkeit. Man sieht diese als bloßes Vollzugsorgan. Im vorliegenden Fall müsste also der Papst bestimmt haben, inwieweit der Fall aufgeklärt werden soll.
Das zweite Missverständnis der Presse ist dies: Es geht in dem Verfahren um die Tat des Dieners. Das Gericht darf sich mit dem Fall nur insoweit befassen, als die Fakten Einfluss auf die Bewertung der Tat haben. Die Presse aber würde gern als Sensation den ganzen Vatikan als Sumpf schildern können.
Meine persönlichen Meinung zum Prozess ist diese: Bei einem geständigen Täter müsste das Verfahren leicht an einem Tag beendet werden können.
Aber ich habe die Erfahrung gemacht, dass viele Richter Angst vor der Presse haben: Sie wollen keine schlechten Kritiken. Daher stehen sie vor der Frage, wie es ein Richter ausgedrückt hat: „Stille Messe oder Hochamt?“ Und die meisten entscheiden sich für das Hochamt. Ich habe den Kachelmann-Prozess nicht verfolgt, vermute aber, dass er so ein Beispiel für ein „Hochamt“ ist.

Der Papst – von allen guten Geistern verlassen?

Findet hier eine Zensur statt? Oder warum erschien dieser Beitrag nicht auf der allgemeinen Blog-Seite, obwohl er öffentlich war? Hier also das Ganze noch einmal:
Die Zeitschrift „Titanic“ hat eine Karikatur veröffentlicht, die einen besudelten Papst zeigt. Wenn sich der Papst jetzt auf eine Auseinandersetzung darüber einlässt, ob sich eine solche Karikatur im Rahmen der Freiheit der Kunst hält oder nicht, agiert er äußerst ungeschickt. Er ist offenbar schlecht beraten, wenn er glaubt, diesen Rechtsstreit gewinnen zu können. Aber selbst wenn er obsiegen würde, steht der Image-Schaden, den die Kirche dabei erleidet, in keinem vernünftigen Verhältnis zum Gewinn. Die Titanic wird alle Verfehlungen der Kirche aufgreifen: die Missbrauchsfälle oder die Geldwäsche für die Maffia durch Vatikanbank. Und sie wird wohl Recht bekommen, wenn sie diese Verbrechen als Flecken auf dem Gewand des Papstes symbolisiert. Auch wenn der Papst an diesen Machenschaften nicht beteiligt war, ist er doch der Vertreter dieser Kirche, die das zu verantworten hat.
Die beanstandete Zeitschrift ist übrigens schon an die Abonennten verteilt und auch verkauft worden, so dass der Rechtsstreit über die Karikaturen eher ein Streit um des Kaisers Bart ist.
Die Richter, die den Fall zu entscheiden haben, sind nicht zu beneiden. Ganz gleich, wie ihr Urteil ausfällt: Man wird über sie herfallen und sie mit Kritik überschütten. Das wissen sie natürlich auch und wenn sie dem Papst nicht wohl gesonnen sind, könnten sie auf die Idee verfallen, den Papst als Partei zu der Frage anzuhören, ob er wirklich inkontinent ist. Es ist zu erwarten, dass die Titanic-Leute einen entsprechenden Beweisantrag stellen und vielleicht hinterher auch noch verlangen, dass die Wahrheit der Aussage des Papstes durch ein ärztliches Gutachten überprüft wird.
Noch eine Frage wird sich den Richtern aufdrängen: Die Inkontinenz ist ein Leiden. Ist es eine Beleidigung, wenn man jemand als einen Menschen darstellt, der von diesem Leiden betroffen ist?
Wenn ich mir so ausmale, was dem Papst alles bevor stehen könnte, tut mir der alte Mann richtig leid. Manchmal denke ich mir, dass er von Menschen umgeben ist, die ihm nicht wohl gesonnen sind: Niemand hat ihn vor seiner Regensburger Rede gewarnt, dass sie Menschenleben kosten wird und niemand hat ihn über die Piusbruderschaft richtig aufgeklärt und nun der Verrat aus seinem engsten Umfeld – der Mann ist nicht zu beneiden. Vielleicht ist ja auch der Prozess, in den man ihn nun wegen der Karikaturen schickt, ein weiterer Stolperstein, den man ihm in den Weg legt und er wird selbst am besten wissen, warum.
Die ersten Folgen des Prozesses kann der Papst schon heute in der Presse lesen: „Titanic lässt die Korken knallen“, „Unbezahlbare Reklame…“ und es wird berichtet, dass die verbotenen Karikaturen Höchstpreise erzielen.
Ein Papst, wie ich ihn mir vorstelle, sollte über die Niederungen des Geschreibsels oder Gekritzels erhaben sein wie ein Denkmal, das ein Hund anpinkelt. Schade dass er und seine Kirche diese Gelassenheit nicht aufbringen. So wird man also die nächsten Jahre nicht nur in Deutschland, sondern in der ganzen Welt wieder überall die Themen diskutieren, über die man allmählich einmal den Mantel des Schweigens breiten sollte. Wann wird wohl der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte das letzte Urteil darüber fällen, ob der Titanic ein Maulkorb verpasst wird? Gute Karten hat der Papst hier nicht, denn er hat ja der EU vorgeworfen, dass sie die christlichen Wurzeln des Abendlandes nicht in ihre Verfassung aufgenommen hat. So muss er befürchten, dass ein Urteil ergeht, dem diese Wurzeln fehlen.