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Deutschland stürzt ab: Ranking der Universitäten


Ich habe schon öfter über diese Themen geschrieben: „Deutschland stürzt ab“ und „Deutschland erwache!“. Hier nun ein Update:

Gerade wird wieder das Ranking der Universitäten der Welt veröffentlicht. Natürlich räumen da die Unis der USA ab, wie wir ja auch bei den Nobelpreisträgern ablesen können, von denen früher viele aus Deutschland kamen,
Aber erstaunlich ist, dass Großbritannien mit seinen altehrwürdigen Universitäten weit vorne auf den Plätzen 2 und 3 liegt.
Und wo bleiben wir? Ich habe schon einmal vor einem Jahr über dieses Thema geschrieben: Da landete die LMU immerhin noch auf Platz 32.
https://www.timeshighereducation.com/world-university-rankings/2022/world-ranking#!/page/0/length/25/sort_by/rank/sort_order/asc/cols/stats
Inzwischen ist sie abgerutscht auf Platz 64 (einen Platz hinter Heidelberg), überholt von der TU MÜnchen auf dem nicht gerade berauschenden Platz 50:
https://www.topuniversities.com/university-rankings/world-university-rankings/2022
Warum sind die Briten so viel besser als wir? Es wäre interessant, das einmal zu untersuchen. Und warum sind wir so schlecht? Weil die Unionswähler es so wollten:
„Wir geben wenig für Bildung aus, denn wir Deutschen sind sowieso gescheit.“
Viele deutsche Wissenschaftler wandern wegen der besseren Forschungsmöglichkeiten in die USA aus. Das ist ein gewaltiger Aderlass, den die Briten offenbar nicht zu verzeichnen haben.

Für uns ist es gefährlich, nicht mehr vorne dabei zu sein. Unser Land lebt vom Blaupausenexport und wenn wir da nicht gut sind: Gute Nacht!
Wir haben viele Spitzenplätze in der Wirtschaft verloren: Erinnern Sie sich noch an Agfa, Leica…? Noch halten wir uns mit der gehätschelten Autoindustrie über Wasser, aber nun kam der Paukenschlag: Tesla baut ein Autowerk bei uns!

Besser lernen

Über das Thema lernen habe ich schon öfter geschrieben. Hier noch ein Tipp:
Haben Sie schon einmal Sportler beobachtet? Sie üben nicht nur die Disziplin, die sie ausüben, sondern machen auch Dehnungsübungen.
So braucht auch der Geist seine Dehnungsübungen. Dessen war man sich früher bewusst. Deshalb hießen die Universitäten auch nicht Hochschulen, sondern man wollte die Studenten, die noch nicht “Studierende“ hießen, nicht nur zu Spezialisten ausbilden, sondern sie auch ein wenig über den Tellerrand ihres Fachgebiets hinaus schauen lassen. Deshalb lasen die Kapazitäten der Wissenschaft, über die die Uni verfügte, im Auditorium Maximum für alle Studenten Interessantes aus ihrem Fachbereich. Und da waren früher auch die meisten Studenten dabei.
Heute sind die Universitäten zu einem Massenbetrieb geworden und das Audimax dient nur noch als normaler Hörsaal.
Das soll aber aufmerksame Studenten nicht hindern, sich auch für etwas anderes zu interessieren als für ihr Studienfach. Das dehnt den Geist und verhindert, dass man ein Fachidiot wird. Und ein gedehnter Geist ist aufnahmefähiger, wie ein Sportler nach Muskeldehnungen leistungsfähiger geworden ist.

Das Lernen muss man lernen: Beim Lernen ist es wie beim Sex… (II)

In diesem Buch blicke ich auf meine Zeit im Berufsleben zurück.

Fortsetzung von Teil I.

Beim Lernen ist es wie beim Sex: Die meisten glauben, das bräuchte man nicht zu lernen.

Das ist ein gewaltiger Irrtum. Wie man richtig lernt, habe ich langsam begriffen und möchte hier meine Erfahrungen mitteilen, damit andere davon profitieren. Im ersten Teil habe ich geschildert, wie ich als „minder begabter“ Schüler gerade noch das Abitur geschafft habe.

Dennoch habe ich mich zu einem Studium entschlossen. Da kam für mich nur das Jurastudium in Frage, weil es bei Null begann, also mir auch für einen Menschen ohne „hochzeitliches Gewand“ (siehe Teil I) als geeignet erschien, zumal man nicht so viel auswendig lernen musste wie in anderen Fächern. Und siehe da: Es hat geklappt. Ich bin Richter geworden, habe eine Familie gründen können und mir ein Haus im schönen Bayern leisten können. Und manchmal denke ich, was wohl aus mir geworden wäre, wenn es die Sozis nicht gegeben hätte, die mir das Gymnasium eröffneten und so für mich ein Abitur und ein Studium ermöglichten.
Wie konnte es sein, dass ich es so weit gebracht habe, dass ich sogar Professor hätte werden können? Ich führe das darauf zurück, dass ich intuitiv erfasst habe, wie man richtig lernt. Wenn ich so sehe, wie sich in meinem Blickfeld die Jugend bis in die Nacht und auch an Wochenenden bemüht, sich den Lernstoff anzueignen, dann ist das aus meiner Sicht völlig falsch:
In vielen Religionen gibt es so etwas wie das Sonntagsgebot. Das beruht auf der Erfahrung, dass der Mensch nicht dauernd arbeiten kann, sondern auch eine Phase der Erholung braucht. Das ist danach auch gut für die Arbeit. Inzwischen ist ja viel darüber geforscht worden, wie man am effektivsten arbeitet und da hat man die 52:17-Regel entdeckt. Man soll also 52 Minuten arbeiten und dann 17 Minuten ruhen. Streber werden das verrückt finden, aber das ist halt Stand der Wissenschaft. (Also ist das System der Schulstunden gar nicht verkehrt.)
Und noch etwas ist eine wichtige Erkenntnis der Havard-Universität: Man lernt nicht beim Lernen, sondern in den Phasen des Ruhens. Das bedeutet: Lernen bis in die Nacht hinein lohnt sich nicht. Ausreichend ist Schlaf wichtig, weil das, was sich sozusagen nur im „Arbeitsspeicher“ des Gehirns befindet, dann in die tieferen Regionen unseres Kopfes eingelagert wird.
Wie ich es fertig brachte, ein gutes Examensergebnis zu erzielen, war allerdings etwas anders. Ich wollte unbedingt Amtsrichter in einem schönen bayerischen Gebirgsort werden und sagte mir, dass ich für den Beruf nicht geeignet sein würde, wenn ich täglich mehr als 8 Stunden (also den üblichen Arbeitstag lang) lernen würde. Ich wohnte damals in München und fuhr fast jeden Abend mit dem Rad nach Schwabing in eine der Studentenkneipen zum Tanzen, trank ein Glas Bier und war schon um 22 Uhr im Bett. (Wie blöde ist die nun eingerissene Unsitte, erst kurz vor Mitternacht in die Disco zu gehen!)
Am Wochenende war ich als Bergwachtmann im Gebirge. Wie ich später erfuhr, hatte ich daher Blutwerte wie ein Gedopter, denn die dünnere Luft in der Höhe führt dazu, dass man mehr rote Blutkörperchen bekommt. Vielleicht lernt man als Gedopter leichter. Mein Bergkamerad, der ebenfalls mit mir an den Wochenenden unterwegs war, brachte es neben Beruf und großer Familie sogar zum Professor für Physik, obwohl er nicht einmal einen Doktortitel hatte. Man sieht also: Bergsteigen statt Lernen am Wochenende wirkt.
Noch etwas ist fürs Lernen wichtig. Ein Professor drückte es so aus: „Ich sehe lauter Hobojus – das bringt nichts!“ Mit „Hobojus“ beklagte er die Zunahme von „Hosenbodenjuristen“, also Studenten, die nichts als ihr Studienfach im Auge hatten.
Das war früher anders: In der Münchner Uni gibt es ein Auditorium Maximum. Dort kamen seinerzeit die Studenten zusammen, um die Kapazitäten zu hören, die dort lehrten. Ich hörte damals den Religionsphilosophen Guardini und Vorlesungen von Sedlmayr über den „Verlust der Mitte“. Das war „Universität“ im wahrsten Sinne des Wortes. Sie wird mehr und mehr von Hochschulen abgelöst. Und so sind aus den Studenten immer öfter „Studierende“ geworden. Die Sprache ist sehr feinfühlig und so drückt die Änderung der Wortwahl auch eine Änderung der Mentalität aus.
Lange Rede – kurzer Sinn: Die Begegnung mit dem völlig anderen weitet die Kapazität des Gehirns. Das wusste man noch früher. Deswegen waren Akademiker auch gebildete Menschen, während viele, die studiert haben, nur Fachleute für ihr Gebiet sind, wie ja auch der Automechaniker ein Fachmann für Autos ist.
Noch etwas ist mir aufgefallen: Nicht nur ich war in den Semesterferien in den Bergen, sondern auch zwei Referendarinnen, die ich ausbildete. Beide arbeiteten mit Begeisterung in den Ferien als Sennerinnen, anstatt fürs Examen zu lernen. Trotzdem erzielten sie bei der Prüfung ausgezeichnete Ergebnisse. Völliges Abschalten bringt also gewaltige Power fürs Lernen.

Abschließend fällt mir zur Entspannung noch etwas zum Thema Sozis, denen ich alles verdanke:
Ja, das waren noch Zeiten damals nach dem Krieg, als es noch Menschen gab, die die Sozialdemokraten für Sexualdemokaten hielten, wie diese Anekdote aus meiner Sammlung (bitte lesen!) belegt:

Nach dem Krieg war die Demokratie ein völlig neues Erlebnis für die Deutschen. Es wurden Parteien gegründet, von denen man nicht viel wusste.
Unser Briefträger, der einmal berichtet hatte, dass eine neu zugezogene Familie nackt in der Wohnung herum lief, wusste plötzlich, woran das lag: „Das sind Sexualdemokraten.“

Werden die Menschen immer dümmer?


Einer meiner Vorfahren hat die Geschichte unserer Familie geschrieben. Darin berichtet er, was er alles studiert hat: Jura, Pharmazie, Geschichte, militärische Strategie und Komposition. Ich dachte mir beim Lesen, dass er wohl in alle Fächer nur ein wenig „hinein gerochen“ haben müsste. Er hatte dann aber mit Mozart zusammen bei dessen Vater Unterricht genommen und ich meinte zunächst, er wäre nur als zahlender Gast ein wenig dabei gewesen. Dann hörte ich eines Tages beim Vorbeigehen an einer Kirche eine Messe, von der ich glaubte, sie stamme von Mozart. Tatsächlich aber hatte sie mein Urahn geschrieben. Und wenn ich bedenke, was er alles beruflich geleistet hat, dann kann ich nur staunen und frage mich, wie er obendrein noch Bücher schreiben konnte, die im Gegensatz zu meinem Geschreibsel mit 250 Euro im Antiquariat gehandelt werden.
Ein anderer meiner Vorfahren war mit Begeisterung Lehrer. Er hat die erste sehr umfangreiche Lateingrammatik geschrieben, an der sich die späteren Produkte „orientiert“ haben. Damit er überhaupt leben konnte, hat er nebenbei auch noch das Schneiderhandwerk ausgeübt.
Und mein Großvater war eine „männliche Hildegard von Bingen“: Er kannte fast alle Heilkräuter und verarztete seine 6 Kinder immer selbst. Was er sonst noch alles getrieben hat…

Dagegen komme ich mir geistig minderbemittelt vor.

Doch wenn ich den akademischen Nachwuchs anschaue, sehe ich doch einen weiteren Abstieg:
„Universität“ bedeutet ja dem Wortsinn nach eine Institution, die allumfassend ausbildet. Das war früher auch einmal tatsächlich so. Zu meiner Zeit beschränkte man das Studium zwar auf sein spezielles Fach, aber es gab das Auditorium maximum, in dem die gesamte Studentenschaft zusammen kam um zuzuhören, was die Kapazitäten der „alma mater“ zu sagen hatten. Damals
lasen spätnachmittags im Auditorium Maximum die führenden Köpfe der Wissenschaft, die auf der Uni dozierten: Ich hörte in meiner Studienzeit Hans Sedlmayr („Verlust der Mitte“), Romano Guardini u.a. Und da musste man natürlich dabei sein.
Welcher Student weiß denn heute noch überhaupt, welche Kapazitäten der Wissenschaft an seiner Uni dozieren? Und hat er überhaupt Zeit habt, diese zu hören? Heute ist das Wort Universität vielfach durch „Hochschule“ ersetzt worden und aus den „Studenten“ sind „Studierende“ geworden. Für mich umfasst der Begriff Student einen weltoffenen jungen Menschen, während der Studierende eben nur ein Lernender ist. Das Studium ist ja auch immer mehr verschult worden, denn man will ja die jungen Leute möglichst bald im Beruf haben und nicht in „Auerbachs Keller“. Und so nimmt der Dummheitsquotient ständig zu.
Man hat der heutigen Jugend vielfach die Kindheit gestohlen, indem die schulischen Anforderungen ständig verschärft wurden (z.B.: durch G 8). Die Erinnerungen an die Kindheit sind nicht mehr „das Paradies, aus dem man nie vertrieben werden kann“. Und nun ist auch das Studium mit der einst grenzenlosen Freiheit nicht mehr für viele die schönste Zeit ihres Lebens, sondern eine dumpfe Büffelei, die man bald hinter sich bringen wollte.
Und so stellt sich das Leben für viele nicht mehr als Kette herrlicher Phasen und Augenblicke dar, von denen man mit Goethe sagen würde: „Verweile doch, du bist so schön!“, sondern aus lauter Abschnitten, die man zu erledigen hat.