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Kampfmoral: Was hat Moral mit Kampf zu tun?

Nach Geheimdienstberichten sinkt die Kampfmoral der russischen Soldaten. Gemeint ist aber wohl eher die Motivation.
Aber was hat Kampf mit Moral zu tun? Hier drei Beispiele:
> Kiel war der Reichskriegshafen und wurde daher von den Bombern dem Erdboden gleich gemacht. Aber nicht alle Piloten bombardierten die Stadt. Der Wald in der Umgebung war voll mit Bombentrichtern und mein Vater, der selbst Soldat war, sagte: „Schau dir das an: Es gab doch noch anständige Kerle unter den Bomberpiloten. Die haben ihre Fracht hier abgelassen.“
> Ein Holländer, der bei der UNO in Srebrenica eingesetzt war, wurde in seinem Gewissen nicht damit fertig, dass man die Stadt und damit auch das Schicksal der Männer kampflos den übermächtigen Serben überlassen hatte, so dass es zu dem grausamen Massaker kam. Er fragte sich immer wieder, ob nicht jedenfalls es hätte kämpfen sollen.
> In meiner Leseecke habe ich unter dem Titel „Der Ordensträger“ auch einen Fall beschrieben, der zeigt, wie schwer ein bekannter Politiker bis zu seinem Lebensende darunter gelitten hat, dass er im Krieg Menschen getötet hatte.
Und wenn man die Selbstmordraten der amerikanischen Kriegsheimkehrer anschaut. sieht man: Der Mensch ist nicht zum Töten geeignet.

Ein Terrorist ist kein Lichtschalter

Die Politik scheut sich, die Dinge beim Namen zu nennen. Deshalb pflegt sie eine eigene Sprache, die „Politsprech“ genannt wird. Da wird heutzutage keiner mehr getötet oder erschossen, sondern „ausgeschaltet“, wie wir gerade wieder einmal bei dem entsetzlichen Attentat in Wien hören. Merkwürdig, dass sich diese Ausdrucksweise länderübergreifend auch nach Österreich ausbreitet. Damit Sie immer verstehen, was Politiker meinen, habe ich mir die Mühe gemacht, ein eigenes Lexikon für „Politsprech“ zu schreiben, Schauen Sie doch mal hinein!
https://autorenseite.wordpress.com/lexikon-des-politischen-sprachgebrauchs-und-des-sonstigen-geschwafels/

Angesichts des Wiener Attentats fragt man sich: Kommt mal eine „Nacht der langen Messer„?

Posttraumatische Belastungsstörung bei Soldaten

Ich lese gelegentlich die Apotheken Umschau, weil ich darin immer etwas Interessantes finde: Dieses Mal geht es in einem kleinen Artikel um die Verarbeitung von Kriegserlebnissen. Es wird berichtet, dass medizinisches Meditieren den gleichen Erfolg erzielt wie eine 9-wöchige Gruppentherapie. Was aber erstaunlich ist, dass beide Therapien nur eine Erfolgsquote von 50 % haben. Das heißt also, dass wohl die restlichen 50 % der Betroffenen unheilbar sind.
Wie das aussieht, weiß ich aus einem Fall aus meinem Bekanntenkreis. Jemand hat im letzten Krieg dafür das Ritterkreuz bekommen, dass er Franzosen in einer MG-Stellung mit dem Bajonett erstochen hat. Er hat aber an dieser „Heldentat“ sein Leben lang zu tragen gehabt und wurde auch durch Beichten und Kommunion seine Schuldgefühle nicht los. Rechtfertigungen wie „Es war halt Krieg“ nützten ihm nicht. Er fand, dass es viel besser gewesen wäre, wenn er damals gestorben wäre, statt seine Gegner zu töten.
Noch etwas zum Thema: In einem kurzen Fernsehbeitrag wurde gezeigt wie amerikanische Soldaten unter ihrem Afghanistan-Einsatz leiden. Einer saß ständig da und starrte vor sich hin. Seine Frau weinte und meinte, er sei gedanklich in Afghanistan geblieben und würde wohl nie zurückkehren.

Soldaten und Terroristen: Über die Probleme des Tötens

Man wundert sich oft, zu welcher Brutalität Menschen fähig sind. Besonders Terroristen erscheinen uns als Menschen ohne Gewissen. Das ist aber in Wirklichkeit nicht so, wie wir in diesem interessanten Artikel lesen können:
http://www.spiegel.de/politik/ausland/taliban-psychiater-hilft-extremisten-in-afghanistan-a-1005119.html
Die Taliban brauchen nach ihren Untaten die Hilfe eines Psychiaters.
Nicht anders ergeht es auch vielen Soldaten, obwohl sie ja nach der allgemeinen Rechtsauffassung rechtmäßig handeln. In einem erschütterndem Bericht schilderte eine Frau, wie schwierig ihr Leben geworden sei, seit ihr Mann aus einem Afghanistan-Einsatz zurückgekommen ist: „Er wird wohl nie mehr ganz zurückkommen!“ sagte sie.
In einem Artikel über Massenerschießungen im ehemaligen Jugoslawien erzählte jemand, dass 10 der beteiligten Soldaten wahnsinnig geworden seien. Auch die Vergasung der Juden soll darauf zurück zu führen sein, dass es beim Erschießen ähnliche Probleme gegeben habe. Aber selbst wenn man das Töten durch den Einsatz von Gaskammern etwas kaschiert hat, änderte das nichts an der Belastung des Gewissens. Sogar wenn man den Krieg als ein Computerspiel gestaltet wie bei Drohnenangriffen, leiden die dabei eingesetzten Soldaten oft bis an ihr Lebensende unter ihrer Schuld. Wahrscheinlich sind auch die an sich unsinnigen Selbstmordattentate damit zu erklären, dass es dem Terrorismus schadet, wenn die Kämpfer hinterher über Gewissensbisse lamentieren.
Der Mensch ist einfach zum Töten nicht geeignet. Das ist auch ein Argument gegen die Todesstrafe. Wenn man die Schicksale vieler Henker liest, kann man nur sagen: Das darf man keinem Menschen zumuten.

Gewissen, Schuld, Verdrängung

Ich bin kein Psychologe oder Psychiater, sondern ganz schlicht jemand, der so seine Beobachtungen macht und sie notiert, beispielsweise in dieser Geschichte über den „Ordensträger“, die zur Zeit in der Leseecke zu finden ist:
https://autorenseite.wordpress.com/leseecke/
Bisher dachte ich immer, es gäbe Leute, die kein Gewissen haben. Und ich glaubte auch, dass diejenigen, aus ihrer Sicht richtig handeln, kein Gefühl von Schuld spüren. Aber es scheint doch anders zu sein:
Dazu ein paar Beispiele:

Ein Soldat, der in Afghanistan gekämpft hat, kehrt so schwer traumatisiert in die Heimat zurück, dass seine Ehefrau sagt: Er ist geistig immer noch in Afghanistan und wird wohl nie nach Hause zurück kommen. Seine Frau schildert, dass er nachts im Schlaf schreit. Und wenn ihr kleines Kind schreit, bekommt er regelrechte Anfälle.

Gerade hat ein niederländisches Gericht festgestellt, dass die Niederlande schuld am Massaker von Srebrenica sind. Ein niederländischer Soldat kommt immer noch nicht mit seiner persönlichen Schuld an diesem Drama zurecht, obwohl er auf Befehl handelte. Er sagt, er hätte sich notfalls allein den Serben entgegenstellen müssen und es wäre ihm lieber gewesen, er wäre dabei erschossen worden, als mit seiner Schuld weiter leben zu müssen.

Was die moderne Kriegführung anbetrifft, meint man immer, dass Töten zu einer Art Kriegsspiel geworden sei, bei dem man das Gewissen nicht mehr spüre. Dennoch las ich, dass die amerikanischen Soldaten, die Drohneneinsätze vom Computer aus steuern, schnell traumatisiert sein sollen und ausgetauscht werden müssten.

Als nach dem Krieg die Serben Rache an den Kroaten nahmen und Tausende liquidierten, fiel das Morden selbst den Mördern nicht leicht. Mindestens zehn der „Liquidatoren“ sind verrückt geworden.
http://www.profil.at/articles/0922/560/243122/rache-wurzeln-partisan-simo-dubajic-massenmoerder

Und wenn die israelischen Soldaten demnächst „siegreich“ aus Palästina heimkehren, wird mancher sich so fühlen wie der „Ordensträger“ in der oben erwähnten Geschichte oder wie der erwähnte niederländische Soldat, die beide lieber Opfer gewesen wären.