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Der Wahnsinn in der Psychiatrie

Ich habe einen Fall von schwerer Alzheimer-Demenz zu betreuen. Als die Gewalttätigkeit und Suizidgefahr nicht mehr beherrschbar wurden, ordnete der Hausarzt die sofortige Einweisung in die Psychiatrie an. Typisch für unser medizinisches Sparmodell ist, dass es in unserem Landkreis  keine Psychiatrie gibt. Also machte ich mich kundig und da fiel meine Wahl auf die Uni-Klinik München, weil ich dachte, dass man dort vielleicht am wenigsten ausgenommen wird, und weil mein Sohn dort wohnt. Vorsichtshalber rief ich in der Klinik an, ob man dort einen Notfall aufnehmen könnte. Das wurde bejaht. Also fuhren wir hin.
Man kann ja verstehen, dass die Aufnahmeabteilung bei der Art von Publikum – milde ausgedrückt: – keinen Anflug von Freundlichkeit zeigte. Nach einer gefühlten Ewigkeit gelang es uns, zu einem Psychiater vor zu dringen.
Unbegreiflicherweise bestand der darauf, uns beide gemeinsam zu vernehmen. Ich musste also in Gegenwart meiner Betreuten schlimme Vorkommnisse schildern, die sie natürlich längst vergessen hatte.
Dann gipfelte der Besuch in der Äußerung des Psychiaters, dass man kein Bett frei habe, ich solle woanders hin fahren. Das ging aber im Hinblick auf die fortgeschrittene Zeit und den Zustand der Erschöpfung bei der Betreuten nicht mehr.
Wir fuhren also nach Hause, wo die Betreute unglaubliche Gewalt entwickelte: Sie machte im Sekundentakt eine Tür auf und donnerte sie wieder zu. Als das nicht wirkte, weil ich mich nicht rührte und dachte, sie würde müde, begann sie, das Geschirr zu zertrümmern. Ich habe sie daraufhin mit Gewalt ins Bett befördert und ihr angedroht, dass ich sie noch nachts zwangsweise abholen lasse. Das hat wider Erwarten doch gewirkt.
Man kann sagen: ein voller Erfolg der Psychiatrie.
Und nun? Sie schläft, Gott sei Dank! Und ich sitze an ihrem Bett und weine zum ersten Mal seit meiner Kindheit. Ich weiß nicht mehr weiter.
Am Rande: Wir sind Privatpatienten, aber denen geht es um kein Haar besser, wie immer behauptet wird:
https://autorenseite.wordpress.com/2017/12/20/der-arme-privatpatient/

Eine erschütternde Zahl

 

Gestern kam in den Nachrichten die Meldung, dass als Folge des Vietnam-Krieges mehr amerikanische  Soldaten durch Selbstmord ums Leben kamen als durch den Krieg selbst.  Insgesamt sind es ca. 60.000.
Entsprechendes zeigt sich bei den Einsätzen amerikanischer Soldaten im Irak und in Afghanistan: Auch hier gab es mehr Selbstmode als „Heldentode“.
Täglich nehmen sich in den USA 20 Kriegsveteranen das Leben.
Und wenn ich oft unsere Bundeswehrsoldaten bei ihren Manövern und beim Training sehe, dann denke ich mir als alter Mann:
„Mein Gott, wir schicken Kinder in den Krieg!“
Und noch etwas denke ich: „Der Mensch ist halt nicht für den Krieg gemacht.“

Lesen Sie dazu die Kurzgeschichte  in der Leseecke „Der Ordensträger“.

Sehen Sie das auch so? Früher war alles besser

Ja, ich weiß schon, was viele denken: Da ist wieder einer der ewigen Meckerer und Vorgestrigen am Werk, die keine Ahnung haben und immer davon reden, dass früher alles besser war. Aber sehen Sie das nicht auch:
> Engpässe bei Medikamenten hat es früher nicht gegeben. Das kann lebensgefährlich sein.
> Im Krankenhaus erwarten uns heute: mangelnde Hygiene,
unnötige Operationen, zu wenig Plätze in der Notaufnahme und Intensivstation und zu wenig Personal. Deswegen sterben bei uns Menschen!
> Heute häufen sich überflüssige Operationen. Die Geldgier hat die Ethik verdrängt.
> Noch schlimmer geht es in den Altenheimen zu. Dort fehlt Personal, so dass schon
Altenheime schließen mussten. Bei uns müssen die Pflegekräfte doppelt so viele Alte betreuen wie in den Nachbarländern. Der Personalmangel ist zum Hauptproblem in der Altenpflege geworden:17.000 Stellen in den rund 13.500 Pflegeeinrichtungen können derzeit nicht besetzt werden. In der ambulanten Altenpflege sind weitere 21.000 Stellen noch offen.
> Die Leistungen der Krankenkassen wurden immer mehr reduziert.
> In den Schulen fehlen Lehrer, so dass man Quereinsteiger braucht.
> Gewalt an den Schulen war früher noch kein Problem und das Wort „Mobbing“ gab es noch nicht.
> Auch das Wort „Umwelt“ habe ich früher nie gehört.
> Die deutschen Universitäten standen einmal an der Spitze und viele Ausländer kamen deshalb zum Studium hierher. Heute bemühen sich diese jungen Leute um einen Studienplatz in den USA.
> Die deutschen Erzeugnisse wurden wegen ihres technischen Fortschritts in aller Welt gern gekauft. Heute müssen wir billig verkaufen und der amerikanische Präsident wirft uns nicht zu Unrecht vor, wir würden unsere Autos zu Dumpimglöhnen produzieren (gemeint sind unsere prekären Arbeitsverhältnisse).
> Die Buchstaben „Bio“ verwandte man nur im Zusammenhang mit Biologieunterricht bzw. Wissenschaft.
> Arten-, Insekten- oder Bienensterben gab es nicht.
> Massentierhaltung gab es auch noch nicht.
> „Umwelt“ war noch kein Thema. Über Abgase, CO2, Klimaerwärmung, oder Ozonloch sprach man noch nicht, weil man keinen Anlass dazu hatte.
> Das Grundwasser war noch sauber.
> Das Wort Glyphosat kannte man noch nicht.
> Die Kühe hatten noch Hörner und grasten auf den Wiesen.
> Brillenträger oder Pillenschlucker unter Kindern waren bedauernswerte Ausnahmen.
> Die Armen werden nun immer mehr. Die Schere zwischen arm und reich geht immer weiter auseinander.
> Durch die Nullzinspolitik werden heutzutage die Sparer und Alten enteignet zugunsten der Industrie, die dadurch Kredite fast zum Nulltarif bekommt.
> Es gab noch echte Bankiers, die ihre Kunden fair berieten und die heute von Bankern abgelöst wurden, die nur den Profit ihres Unternehmens im Auge haben.
> Der Staat hatte einmal keine Schulden, sondern Rücklagen in einem „Juliusturm“ (so benannt nach dem damaligen Finanzminister).
> Die Unternehmen trugen einmal die überwiegende Steuerlast, aber heute bekommen sie Milliarden-Subventionen. Nun wird der Staat überwiegend von den Bürgern über die Einkommenssteuer finanziert.
> Es gab noch keine Globalisierung mit der Folge, dass die deutschen Arbeitnehmerlöhne von ausländischen Hungerlöhnen gedrückt werden und die deutschen Bauern Konkurrenten in aller Welt bekommen haben, die unter ganz anderen Bedingungen arbeiten können.
> Polizeibeamte waren Respektspersonen und nicht Ziel von Steinwürfen und Molotow-Cocktails.
> Gewalt gegen Schiedsrichter, Sanitäter usw. gab es noch nicht. Heute brauchen sogar Kliniken ein Sicherheitspersonal.
> Nach dem Krieg kamen Gastarbeiter zu uns und keine Flüchtlinge.
> Während früher beispielsweise ein Handwerker seine Familie allein ernähren konnte, müssen nun beide Eheleute arbeiten.
> Die prekären Arbeitsverhältnisse werden immer mehr.
> Das hat es früher nicht gegeben, nämlich dass Menschen von ihrer Hände Arbeit nicht leben konnten und „aufstocken“ mussten.
> Es gab keinen Klimawandel.
> Die Luft war sauber.
> Man lebte ohne Plastik.
> Man hatte Sinn für Anstand und Ordnung und warf daher keine Abfälle auf den Boden.
> Chemie in den Nahrungsmitteln gab es fast nicht.

> Eine Wohnung in den Großstädten ist für Normalverdiener unerschwinglich geworden. Die meisten müssen in den Speckgürtel der Städte ziehen.
> Das Einkommen des Mannes reichte aus, um eine Familie zu ernähren. Heute müssen meist beide Eheleute arbeiten, weil einer die Miete verdienen muss.
> Früher waren die meisten Frauen mit ihrer Tätigkeit als Hausfrau und Mutter voll beschäftigt und zufrieden.
> Die durchschnittlichen Fahrten zum Arbeitsplatz verlängern sich von Jahr zu Jahr. Wie viel Zeit des Lebens wird dadurch verschwendet!
> Im Alter erwarten jeden 5. Bürger Altersarmut. Die Zahl steigt ständig.
> Die Zahl der Tafelbesucher steigt ebenfalls.
> Die Zahl der Wohnungslosen ist allein im letzten Jahr um 4% gestiegen.
> Es gab früher noch das „Wir“ und nicht die Spaltung in „die da oben“ und die „Menschen draußen im Lande“.
> Es gab noch keine Protestwähler, weil die Demokratie noch nicht so kaputt war.
> Man stellte einmal Qualitätsprodukte „made in Germany“ her. Heute baut man oft Sollbruchstellen ein.
> Die Zahl der Suizide steigt.
> Wir steuern auf eine Rezession zu. Trotzdem werden die finanziellen Forderungen der Oppositionsparteien immer größer.
Und da frage ich mich immer: Wie haben wir damals nur so leben können, als die Welt noch in Ordnung war?
Das Seltsame am Ganzen ist, dass sich die Menschen laut Umfragen angeblich glücklich fühlen. Wer hat ihnen das eingeredet? Oder mögen sie es nur nicht zugeben, dass sie nicht glücklich sind, weil sie sonst als Versager da stehen würden?

 

 

 

Selbstmord und ärztliche Schweigepflicht

Wie immer, wenn etwas Schlimmes passiert ist, erleben wir blinden Aktionismus, so auch jetzt nach dem Absturz der Germanwings-Maschine. Es wird eine Lockerung der ärztlichen Schweigepflicht gefordert. Dazu ist zu bemerken, dass ein Arzt schon nach der jetzigen Rechtslage seine Schweigepflicht brechen darf, wenn Gefahr für Leib und Leben anderer droht.
Würde man generell die Schweigepflicht gegenüber Patienten, die Verantwortung für das Leben anderer tragen, einschränken, dann würden Piloten, Lokführer und Busfahrer halt anonym zu Ärzten gehen, die nicht vom Arbeitgeber oder einer anderen Institution ausgewählt wurden. Und sie würden beim vorgeschriebenen Arzt natürlich Suizidgedanken verschweigen.
Die ganzen Ideen, die nun als „Schnellschuss“ präsentiert werden, sind also eine reine Luftnummer.

Wo bleibt der Aufschrei der Männer?

Es gibt Aufschreiweiber, die mir in mancher Hinsicht so anachronistisch vorkommen, wie ihre Vorgängerinnen, nämlich jene Feministinnen, die öffentlich ihre Büstenhalter verbrannten, weil es sich angeblich um einengende Kleidungsstücke handeln würde, die ihnen von den sexistischen Männern aufgezwungen worden seien. Zu Recht warnte daher neulich Bundespräsident Gauck vor einem Tugend-Furor.
Aber was ist eigentlich mit den Männern los? Wo bleibt deren Aufschrei?
Nur ein Beispiel: Wir verzeichnen jedes Jahr ca. 10.000 Suizide, drei Viertel davon sind von Männern begangen worden. Jetzt stellen Sie sich mal vor, es wäre umgekehrt! Dann würde ein Aufschrei durch unsere Republik gehen und man würde sofort Untersuchungen darüber anstellen, was die Ursachen sind. Selbstverständlich würden diese sofort abgestellt. Aber bei Männern? Da weiß man natürlich von vornherein, woran das liegt: Die sollen sich gefälligst zusammen reißen wie die Frauen, dann passiert so was nicht.