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Studium einst und jetzt: Erst Karriere, dann Sinnsuche?

Einst gab es Studenten. Aus ihnen sind nun Studierende geworden . (H.Pöll)

Wie hat sich das Studium verändert: Es gab eine Zeit, in der die Studienzeit mit die schönste Zeit des Lebens war. Viele waren „ewige Studenten“ und warteten in dieser Zeit, bis der alte Vater seine Kanzlei oder Praxis auf sie übertrug. In Goethes Auerbachs Keller sehen wir, wie es damals zugegangen ist.

Als ich in der 50-er Jahren studierte, war es auch noch völlig anders als heute: Das Ziel der Universitäten war, gebildete Menschen heran zuziehen, die den Blick über den Tellerrand ihres Fachs offen hielten. Dazu zwei Beispiele:
> In der Münchner Uni gibt es ein Auditorium maximum, in dem die Kapazitäten der Uni Vorlesungen für alle abhielten. Da kamen die Interessierten aus allen Fakultäten zusammen. Ich hörte damals u.a. Sedlmayr (bekannt durch „Verlust der Mitte) und Romano Guardini, dessen Predigten in der Ludwigskirche ein Magnet waren.
> Ein Jura-Professor sagte in seiner ersten Vorlesung, man wolle keine „Hobojus“ heranziehen. Er meinte damit die meisten Studierenden von heute, die „Hosenbodenjuristen“ sind. Bei meinem juristischen Examen wurde damals auch die Allgemeinbildung abgefragt – nicht nur in einer Klausur, sondern auch in der mündlichen Prüfung.
Für so etwas hat man heute keine Zeit. Man will heute Menschen heran ziehen, die in ihrem Beruf problemlos funktionieren. So ist das Studium immer mehr verschult worden und aus den Studenten von einst sind Studierende geworden. Für viele war früher die Studienzeit mit ihrer grenzenlosen Freiheit nach dem „Gefängnis der Schule“ mit die schönste in ihrem Leben. Heute ist sie eine Zeit extremer Belastung geworden, in der für viele die Blütezeit der Jugend verwelkt.
Das liegt auch ein bisschen daran, dass man nicht das Wichtigste gelernt hat, nämlich wie man richtig lernt:
https://autorenseite.wordpress.com/2021/05/21/das-lernen-muss-man-lernen-beim-lernen-ist-es-wie-beim-sex-iii/
Für uns früher war die Begegnung mit anderen Wissensgebieten eine geistige Dehnungsübung fürs Gehirn wie sie Sportler mit ihrer Muskulatur ganz selbstverständlich praktizieren.

Wie traurig das Leben der Studierenden von heute geworden ist, wird uns hier vor Augen geführt:
https://web.de/magazine/ratgeber/job-gehalt/leistungsdruck-finanzielle-sorgen-belasten-studierenden-3633528
Der Blick aufs Studium ist nur ein Teilaspekt für eine Erscheinung, in der sich manche fragen: Wie hat man eigentlich früher viel besser leben können?
https://autorenseite.wordpress.com/2018/08/22/wie-haben-wir-damals-so-leben-koennen-3/

Interessant finde ich, dass immer mehr Menschen erst Karriere machen und dann sich auf einmal die Sinnfrage stellen. Dann steigen sie aus und werden beispielsweise Biobauer. Gerade hörte ich wieder von so einem aus dem Bekanntenkreis: Der hatte als Workaholic ein gut gehendes IT-Unternehmen aufgebaut, konnte sich Wohnungen in London und Paris leisten und fragte sich plötzlich: „Wozu das alles?“ Er verkaufte sein Unternehmen und lebt jetzt hier glücklich auf seinem Bauernhof. Er ist hier nicht der einzige.

Nochmals für alle Studenten: Auch das Lernen muss man lernen!

Die meisten finden es selbstverständlich, dass man bestimmte Sachen lernen muss, damit man sich am schnellsten die notwendigen Kenntnisse aneignet. Nehmen wir als Beispiel das Schwimmen: Man kann natürlich selbst herum paddeln wie ein Hund und dann langsam zum richtigen Schwimmer werden. Aber besser ist es, die richtigen Schwimmbewegungen und die Koordination mit der Atmung in einem Kurs zu lernen.

Ähnlich ist es beim Lernen. Auch das muss man lernen. Dessen sind sich die meisten allerdings nicht bewusst und so stopfen sie halt einfach den Lehrstoff in ihr Gehirn hinein.
Erfolgreiches und leichtes Lernen sieht aber anders aus, und das habe ich hier beschrieben:
https://autorenseite.wordpress.com/2020/12/29/das-lernen-muss-man-lernen-beim-lernen-ist-es-wie-beim-sex-ii/

Die Vernichtung des Mannes (Lauter Einser-Abiturientinnen)


Zur Zeit sind die Zeitungen voll von Berichten über das Abitur und dabei sind zwei Erscheinungen be
merkenswert:
Die Zahl der Einser-Abiturienten nimmt ständig zu. Früher hatte ein Einser-Abiturient
in Bayern automatisch die Qualifikation für das Maximilianeum erworben. Und nun haben wir eine Inflation von Einser-Noten.
Und noch etwas fällt bei diesen Berichten auf: Es sind die jungen Damen, die solche Notenschnitte schaffen:
https://www.suedost-news.de/region-und-lokal/regionales-traunstein/traunstein_artikel,-abitur-mit-abstand-und-hindernissen-bisher-kleinster-abijahrgang-am-akg-_arid,579975.html
Und auch bei den Universitätsexamina liegen jedenfalls in manchen Fächern die Frauen vorne. So werden deshalb bei der Justiz immer mehr Frauen eingestellt. Ein alter Anwalt erzählte mir neulich: „Wenn du dich heute bei der Staatsanwaltschaft umschaust, kommst du dir vor wie auf dem Catwalk.“
Und so, wie die Frauen in den Parlamenten nach einer Frauenquote rufen, wird nun bei der Justiz der Ruf nach einer Männerquote laut mit dem Argument, die Richterschaft müsse den Bevölkerungsschnitt abbilden, also gleich viele Männer wie Frauen haben. Nur ist dieser Ruf sehr fadenscheinig, denn bisher war die Justiz reine Männersache, ohne dass jemand daran Anstoß genommen hätte.
Ja, wir haben das Zeitalter der Frauen. Der Mann ist ein Auslaufmodell.
Hier können Sie es nachlesen:
https://autorenseite.wordpress.com/2016/08/06/die-vernichtung-des-mannes/
Um beim Abitur zu bleiben: Die männliche Jugend wird durch die Koedukation benachteiligt. Wenn ich mir vorstelle, ich wäre vor 70 Jahren in einer gemischten Klasse auf dem Gymnasium gewesen mit so leicht gekleideten Mädchen, wie sie heute in die Schule gehen und früher verhaftet worden wären – dann hätte ich, so glaube ich, keinen klaren Gedanken fassen können. Ein bisschen – wenn auch nicht viel – davon ist bei der heutigen männlichen Jugend übrig geblieben: ihr sehr waches Interesse für die Mitschülerinnen. Diese sind allerdings wegen ihres anderen Naturells mehr in der Lage, sich völlig auf das zu konzentrieren, was im Augenblick am Wichtigsten ist: das Abitur und nicht die Männer.
Übrigens: Wussten Sie, dass das Märchen von Dornröschen diesen Unterschied darstellen soll?

Braucht Merz (CDU) eine Therapie?


Die CDU beschimpft dauernd die Rechtspopulisten, womit sie die AfD meint. Sie sollte sich an die eigene Nase fassen: Schlimmeren Populismus als den, den ihr früherer Fraktionschef und jetziger „Hoffnungsträger“ Merz in Magdeburg von sich gegeben hat, gibt es wohl kaum. Er sagte über die SPD:

Sind die intellektuell und geistig noch dabei? Oder lassen die sich von einem Dauerstudenten, der noch nie in seinem Leben Geld verdient hat, auf der Nase herumtanzen?“ Die SPD entwickele sich gegenwärtig zu einer „Selbsthilfegruppe Kevin Kühnert.“

Arroganter und dümmer geht es wohl nicht. Diffamierend und falsch ist es sicherlich, wenn Merz behauptet, Kühnert habe noch nie in seinem Leben Geld verdient. Von was sollte er denn leben?
Anscheinend hat Merz es immer noch nicht verdaut, dass er einmal der Kanzlerin unterlegen ist. Wenn er von einer Selbsthilfegruppe spricht, sollte er sich überlegen, ob er nicht selbst eine solche der Gescheiterten aufsuchen sollte.
Bei seiner Äußerung über Kühnert fällt mir ein, was ein Professor während meines Studiums erzählte. Er stammte aus einer alteingesessenen hanseatischen Kaufmannsfamilie und sein Vater sagte zu ihm: „Dein Bruder ist der Gescheitere. Der übernimmt das Geschäft. Und du: du musst studieren.“
Weil Merz zu dumm ist, zu erkennen, dass nicht einmal der Abbruch eines Studium ein Versagen bedeutet, sei er hier auf eine Zusammenstellung der prominenten Studienabbrecher hingewiesen:
https://www.spiegel.de/fotostrecke/prominente-studienabbrecher-es-gibt-ein-leben-nach-der-uni-fotostrecke-7527.html
Der prominenteste von ihnen ist Bill Gates.
Auch ich kenne einige Studienabbrecher und muss sagen, darunter ist kein einziger Versager, sondern es sind Menschen, die genau gewusst haben, was sie wollten. Sie haben sich nur das Wissen angeeignet, das sie für ihre Pläne brauchten, und haben sich nicht mit Überflüssigem und Examensstress belastet. Sie sind einfach so in ihren Beruf gegangen und haben andere Examinierte überholt.
Wenn ich überlege, welche Menschen ich bewundere, dann stehen an erster Stelle diejenigen, die sich sogar ganz ohne Studium durchgesetzt haben und ihre Ziele erreicht haben. Einer davon ist der Architekt meines Hauses. Er war immer stolz darauf, nur eine Maurerlehre absolviert zu haben und dennoch bekannte Gebäude in aller Welt gebaut zu haben. Als er allerdings den Plan meines Hauses hier in der Kleinstadt einreichte, stieß er auf Menschen mit einer „Merz“-Mentalität. Die verlangten doch tatsächlich von ihm als weltbekanntem Architekten den Nachweis einer Ausbildung.
An zweiter Stelle auf der Liste meiner Bewunderten kommen die Studienabbrecher, die auf Examen und Wissenswust gepfiffen haben und dann erfolgreich waren. Einer meiner Bekannten hat nur so viel Medizin studiert, wie ihn interessiert hat, und dann hat er sich als Heilpraktiker nieder gelassen. Er ist damit auch international so bekannt geworden, dass er sogar Scheichs in Arabien behandelt. Dort stellt er keine Rechnungen, sondern die Scheichs stopfen ihm dankbar die Taschen voll Geld.

Wenn Herr Merz nun meint, mit dem von ihm in Magdeburg angeschlagenen Ton voran zu kommen, so sollte er erkennen, dass er mit solchen Entgleisungen nur den Beifall des Pöbels bekommt. Er sollte Maß nehmen am bayerischen Ministerpräsidenten. Wenn es demnächst um die Aufstellung eines Kanzlerkandidaten geht, hat Söder eindeutig die Nase vorn. Daneben erscheint Merz nun nur als giftiger kleiner Kläffer. Sogar die unglücklich agierende AKK dürfte nun mit Recht besser da stehen.

 

Vom Wert des Studiums

Ein bekannter Professor der rechtswissenschaftlichen Fakultät pflegte immer zu Beginn seiner Vorlesungsreihe zu erzählen, dass er aus einem alten Kaufmannsgeschlecht stamme. Sein Vater habe zu ihm gesagt: „Dein Bruder ist der gescheitere, der übernimmt das Geschäft; und du: du musst studieren.“
Nun ist es sicher so, dass ein Studium dem jungen Akademiker ein gewisses Maß an Kenntnissen verschafft, mit dem sich etwas anfangen lassen müsste. Aber schauen wir uns einmal um, wie es oft aussieht bei den Akademikern:
Lassen wir das Theologiestudium vorsichtshalber einmal beiseite, das in den Augen der Atheisten ohnehin „für die Katz“ ist.
Schauen wir uns stattdessen die Landwirtschaft an. Wirtschaften die Akademiker wirklich besser? Mir fallen in diesem Zusammenhang Leute wie der österreichische Bauer Sepp Holzer ein, der Kiwis auf der Alm wachsen lässt. Über dessen Betrieb sagte ein Professor, der mit seinen Studenten hinauf gewandert ist: „Da stecken mindestens 10 Doktorarbeiten drin!“ Mit anderen Worten: ein gescheiter Bauer kann es unter Umständen mit 10 Doktoren der Agrarwissenschaften aufnehmen.
Mit Kaufleuten dürfte es ähnlich sein. Es gibt viele ausgezeichnete Kaufleute, die weder Volks- noch Betriebswirtschaft studiert haben.
Und auch viele Musiker oder Maler sind ohne Studium erfolgreich.
Googeln Sie mal unter „Studienabbrecher“: Da finden Sie viele bedeutende Leute wie Bill Gates.
Werfen wir noch einen Blick auf die Psychologen: Man müsste doch meinen, dass diese Lebensberater besser oder richtiger zu leben verstehen wie der Normalbürger. Aber die Scheidungsrate sieht bei ihnen auch nicht besser aus. Und für ihre Kinder gilt vielleicht das Sprichwort entsprechend:
„Lehrers Kinder, Müllers Küh‘ geraten selten oder nie.“
Wohlgemerkt: Natürlich verdanken wir der Wissenschaft großartige Leistungen. Ohne sie wäre beispielsweise der Mondflug nicht möglich gewesen. Aber nicht auf allen Gebieten der Wissenschaft erhält ein Akademiker das Rüstzeug, mit dem er kluge, aber weniger Ausgebildete überflügeln könnte. Schließlich spielt da auch oft der viel zu wenig bekannte Dummheitsquotient eine Rolle.

Leichter lernen und mit Spaß


Gerade sah ich bei meinem Provider ein Video darüber, wie man leichter lernt.
Also, da weiß ich was Besseres und hätte hier folgende Ratschläge:
Vorausschicken muss ich, dass ich ein schlechter Schüler war und gerade noch ein ausreichendes Abitur hingekriegt habe. Ich habe mich dann für ein Jura-Studium entschieden, u.a. auch deshalb, weil es bei Null anfängt. Und siehe da: Mir fiel das Studium leicht und ich erzielte gute Noten. Allerdings war ich kein Streber. Ich sagte mir nämlich, wenn ich im Studium nicht mit der normalen Arbeitszeit auskomme, dann bin ich für den Beruf eines Richters nicht geeignet.
Maßgebend für meinen Studienerfolg waren nach meiner Meinung folgende Gründe:

  • Ich wurde ein begeisterter Bergsteiger und war als Mitglied der Bergwacht von Freitagnachmittag bis Sonntagabend im Gebirge unterwegs, während andere büffelten. Was Bergsteigen mit Lernen zu tun hat, wurde mir bei einer Blutuntersuchung bewusst. Der Arzt meinte, bei der Olympiade würde ich mit dem vielen Sauerstoff im Blut als gedopt gelten. Wie das? Je höher man aufsteigt, umso mehr Sauerstoff benötigt das Blut. Und im Tal behält das Blut die erhöhte Sauerstoffzufuhr bei und so bekommt das Gehirn, das der größte Verbraucher von Sauerstoff ist, eine Doping-Portion davon.

  • Abends schaltete ich geistig ganz ab: Ich spazierte in München-Schwabing durch die damals noch schöne Leopoldstraße, wo die Künstler ihre Werke ausstellten, und ging um 20.00 Uhr in eine der Bars, die seinerzeit für Studenten erschwinglich waren: Heuboden, Babalu, Käuzchen, Nachteule… Da war schon im Gegensatz zu heute um diese Zeit was los und so habe ich bis 21.30 Uhr getanzt. Um 22.00 Uhr ging ich zufrieden ins Bett. Rückschauend bin ich der laienhaften Überzeugung, dass ich auf diese Weise viel Melatonin und Glückshormone produzierte, die sich gut auf das Gedächtnis auswirkten.

  • Ich hatte auch sonst viel Bewegung durch Radfahren und Tennisspielen. Wie gut Bewegung für das Gehirn ist, ist wissenschaftlich erwiesen. Kürzlich wurde im Fernsehen ein schwedisches Start-Up-Unternehmen gezeigt, das seinen Mitarbeitern sogar 2 Stunden Sport gönnte. Der Erfolg war verblüffend : Es wurde mehr geleistet und phantasievoller gearbeitet als vorher ohne Sport.

  • Forscher haben ermittelt, dass Studenten, die in Paarbeziehungen leben, besser sind als die Singles. Ich lebte während meines Studiums zwar nicht in einer Paarbeziehung, aber war immer wieder verliebt und die dadurch produzierten Glückshormone haben sicherlich auch zu meinem erfolgreichen Studium beigetragen.

  • Nicht schlecht war wohl auch, dass ich bei schönem Wetter mit meinem Lernstoff an die Isar oder ins Schwimmbad ging und mir durch gelegentliche Abkühlung etwas Abwechslung verschaffte. Man soll es sich beim Lernen halt so schön wie möglich machen. Und wenn ich zu Hause mal auf dem Sofa lag und beim Lernen von leichtem Stoff ein wenig AFN hörte, schüttelte mein Vater den Kopf und zitierte Graf Moltke, der gesagt haben soll, dass man auf einem harten Stuhl in aufrechter Haltung lernen sollte. Pfui Teufel!

Werden die Menschen immer dümmer?


Einer meiner Vorfahren hat die Geschichte unserer Familie geschrieben. Darin berichtet er, was er alles studiert hat: Jura, Pharmazie, Geschichte, militärische Strategie und Komposition. Ich dachte mir beim Lesen, dass er wohl in alle Fächer nur ein wenig „hinein gerochen“ haben müsste. Er hatte dann aber mit Mozart zusammen bei dessen Vater Unterricht genommen und ich meinte zunächst, er wäre nur als zahlender Gast ein wenig dabei gewesen. Dann hörte ich eines Tages beim Vorbeigehen an einer Kirche eine Messe, von der ich glaubte, sie stamme von Mozart. Tatsächlich aber hatte sie mein Urahn geschrieben. Und wenn ich bedenke, was er alles beruflich geleistet hat, dann kann ich nur staunen und frage mich, wie er obendrein noch Bücher schreiben konnte, die im Gegensatz zu meinem Geschreibsel mit 250 Euro im Antiquariat gehandelt werden.
Ein anderer meiner Vorfahren war mit Begeisterung Lehrer. Er hat die erste sehr umfangreiche Lateingrammatik geschrieben, an der sich die späteren Produkte „orientiert“ haben. Damit er überhaupt leben konnte, hat er nebenbei auch noch das Schneiderhandwerk ausgeübt.
Und mein Großvater war eine „männliche Hildegard von Bingen“: Er kannte fast alle Heilkräuter und verarztete seine 6 Kinder immer selbst. Was er sonst noch alles getrieben hat…

Dagegen komme ich mir geistig minderbemittelt vor.

Doch wenn ich den akademischen Nachwuchs anschaue, sehe ich doch einen weiteren Abstieg:
„Universität“ bedeutet ja dem Wortsinn nach eine Institution, die allumfassend ausbildet. Das war früher auch einmal tatsächlich so. Zu meiner Zeit beschränkte man das Studium zwar auf sein spezielles Fach, aber es gab das Auditorium maximum, in dem die gesamte Studentenschaft zusammen kam um zuzuhören, was die Kapazitäten der „alma mater“ zu sagen hatten. Damals
lasen spätnachmittags im Auditorium Maximum die führenden Köpfe der Wissenschaft, die auf der Uni dozierten: Ich hörte in meiner Studienzeit Hans Sedlmayr („Verlust der Mitte“), Romano Guardini u.a. Und da musste man natürlich dabei sein.
Welcher Student weiß denn heute noch überhaupt, welche Kapazitäten der Wissenschaft an seiner Uni dozieren? Und hat er überhaupt Zeit habt, diese zu hören? Heute ist das Wort Universität vielfach durch „Hochschule“ ersetzt worden und aus den „Studenten“ sind „Studierende“ geworden. Für mich umfasst der Begriff Student einen weltoffenen jungen Menschen, während der Studierende eben nur ein Lernender ist. Das Studium ist ja auch immer mehr verschult worden, denn man will ja die jungen Leute möglichst bald im Beruf haben und nicht in „Auerbachs Keller“. Und so nimmt der Dummheitsquotient ständig zu.
Man hat der heutigen Jugend vielfach die Kindheit gestohlen, indem die schulischen Anforderungen ständig verschärft wurden (z.B.: durch G 8). Die Erinnerungen an die Kindheit sind nicht mehr „das Paradies, aus dem man nie vertrieben werden kann“. Und nun ist auch das Studium mit der einst grenzenlosen Freiheit nicht mehr für viele die schönste Zeit ihres Lebens, sondern eine dumpfe Büffelei, die man bald hinter sich bringen wollte.
Und so stellt sich das Leben für viele nicht mehr als Kette herrlicher Phasen und Augenblicke dar, von denen man mit Goethe sagen würde: „Verweile doch, du bist so schön!“, sondern aus lauter Abschnitten, die man zu erledigen hat.

Fragen an die Studenten

frage

Eigentlich müsste ich ja „Studierende“ sagen, denn die Studenten von früher waren völlig anders. Man hat als Außenstehender den Eindruck, als wäret Ihr heute in einen verschulten Universitätsbetrieb eingespannt, der Euch keine Zeit lässt, Euch einmal umzuschauen, was Eure Universität zu bieten hat. Früher hat es einmal ein „studium generale“ gegeben: Man hat sich entweder ein ganzes Semester lang auf der Uni umgesehen, was es dort so alles gibt, um sich vielleicht auch zu orientieren, was man studieren möchte. Oder man hat jedenfalls das „studium generale“ nebenbei betrieben: An bestimmten Wochentagen lasen nachmittags im Auditorium Maximum die Kapazitäten der Wissenschaft, die auf der Uni dozierten: Ich hörte in meiner Studienzeit Hans Sedlmayr („Verlust der Mitte“), Romano Guardini u.a.
Und nun würde ich gerne wissen: Wisst Ihr überhaupt, welche Kapazitäten der Wissenschaft an Eurer Uni dozieren? Habt Ihr überhaupt Zeit habt, diese zu hören?

Vom (Un-)Wert des Studiums

Dazu fällt mir immer ein, was ein Professor uns Studenten erzählte: Er stammte aus einer alten Bremer Kaufmannsfamilie und sein Vater sagte zu ihm: „Dein Bruder ist der Gescheitere; der übernimmt das Geschäft. Und du musst studieren.“
Wenn man so herum schaut, wo Akademiker im selben Job arbeiten wie Nichtakademiker, dann kommen einem schon Zweifel am Wert des Studiums. Es gibt genügend Bauern und Kaufleute, die in ihrem Beruf besser sind als Akademiker. Kürzlich las ich einmal in einer Zeitung, dass ein Professor mit seinen Studenten den Hof eines erfinderischen Bauern besuchte und dabei sagte: „Da stecken mindestens ein Dutzend Doktorarbeiten drin.“
Man möchte meinen, dass das Studium die Studenten prägt. Aber das scheint nicht der Fall zu sein. In keiner Seminarbibliothek werden so viele Bücher gestohlen, wie in der theologischen Fakultät.
Und was haben die Akademiker selbst für ihre Lebensführung aus dem Studium gewonnen?
Unter den Akademikern sterben vor allem die Ärzte vergleichsweise früh. So sind die Berliner Medizinerinnen im Mittel der vergangenen beiden Jahre nur 73,3 Jahre alt geworden, ihre männlichen Kollegen starben mit 70,7 Jahren. (http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-28990741.html). Was also nützt den Ärzten ihr medizinisches Wissen, wenn sie nicht einmal das Durchschnittsalter ihrer Patienten erreichen?
Oder schauen wir uns an, wie die Psychotherapeuten leben: Sie werden öfter geschieden als die normalen Bürger. Dabei möchte man doch meinen, dass sie
a) gescheit genug sind, sich einen passenden Partner zu suchen, und
b) über das Wissen verfügen, wie man Konflikte vermeidet und einer Beziehung eine positive Entwicklung gibt. (Übrigens hatten die Menschen früher dieses Wissen. Lesen Sie dazu die Kurzgeschichte „Die alte Tante“ in der Leseecke.)

Paukerei und Stress: Das Studium heute

Es ist ja oft interessant, wie die Sprache auf Veränderungen reagiert. Ständig entstehen neue Worte, meist Anglizismen, die neuartige Erscheinungsformen bezeichnen, beispielsweise „chillen“ statt „ausruhen“ usw.
Auch im Bereich der Universitäten hat sich der Sprachgebrauch geändert. „Universität“ bedeutet dem Wortsinn nach eine Institution, die allumfassend ausbildet. Das war früher auch einmal tatsächlich so. So las ich in den Aufzeichnungen eines meiner Vorfahren, dass er Jura, Pharmazie, Strategie, Geschichte und Komposition studiert hat. Zu meiner Zeit beschränkte man das Studium zwar auf sein spezielles Fach, aber es gab das Auditorium maximum, in dem die gesamte Studentenschaft zusammen kam um zuzuhören, was die Kapazitäten der „alma mater“ zu sagen hatten. Heute ist das Wort Universität vielfach durch „Hochschule“ ersetzt worden und aus den „Studenten“ sind „Studierende“ geworden. Für mich umfasst der Begriff Student einen weltoffenen jungen Menschen, während der Studierende eben nur ein Lernender ist. Das Studium ist ja auch immer mehr verschult worden, denn man will ja die jungen Leute möglichst bald im Beruf haben und nicht in „Auerbachs Keller“.
Man hat der heutigen Jugend vielfach die Kindheit gestohlen, indem die schulischen Anforderungen ständig verschärft wurden (gerade durch G 8). Die Erinnerungen an die Kindheit sind nicht mehr „das Paradies, aus dem man nie vertrieben werden kann“. Und nun ist auch das Studium mit der einst grenzenlosen Freiheit nicht mehr für viele die schönste Zeit ihres Lebens, sondern eine dumpfe Büffelei, die man bald hinter sich bringen möchte.
Und so stellt sich das Leben für viele nicht mehr als Kette herrlicher Phasen und Augenblicke dar, von denen man mit Goethe sagen würde: „Verweile doch, du bist so schön!“, sondern aus lauter Abschnitten, die man zu erledigen hat.