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Besser lernen

Über das Thema lernen habe ich schon öfter geschrieben. Hier noch ein Tipp:
Haben Sie schon einmal Sportler beobachtet? Sie üben nicht nur die Disziplin, die sie ausüben, sondern machen auch Dehnungsübungen.
So braucht auch der Geist seine Dehnungsübungen. Dessen war man sich früher bewusst. Deshalb hießen die Universitäten auch nicht Hochschulen, sondern man wollte die Studenten, die noch nicht “Studierende“ hießen, nicht nur zu Spezialisten ausbilden, sondern sie auch ein wenig über den Tellerrand ihres Fachgebiets hinaus schauen lassen. Deshalb lasen die Kapazitäten der Wissenschaft, über die die Uni verfügte, im Auditorium Maximum für alle Studenten Interessantes aus ihrem Fachbereich. Und da waren früher auch die meisten Studenten dabei.
Heute sind die Universitäten zu einem Massenbetrieb geworden und das Audimax dient nur noch als normaler Hörsaal.
Das soll aber aufmerksame Studenten nicht hindern, sich auch für etwas anderes zu interessieren als für ihr Studienfach. Das dehnt den Geist und verhindert, dass man ein Fachidiot wird. Und ein gedehnter Geist ist aufnahmefähiger, wie ein Sportler nach Muskeldehnungen leistungsfähiger geworden ist.

Das Lernen muss man lernen: Beim Lernen ist es wie beim Sex… (II)

In diesem Buch blicke ich auf meine Zeit im Berufsleben zurück.

Fortsetzung von Teil I.

Beim Lernen ist es wie beim Sex: Die meisten glauben, das bräuchte man nicht zu lernen.

Das ist ein gewaltiger Irrtum. Wie man richtig lernt, habe ich langsam begriffen und möchte hier meine Erfahrungen mitteilen, damit andere davon profitieren. Im ersten Teil habe ich geschildert, wie ich als „minder begabter“ Schüler gerade noch das Abitur geschafft habe.

Dennoch habe ich mich zu einem Studium entschlossen. Da kam für mich nur das Jurastudium in Frage, weil es bei Null begann, also mir auch für einen Menschen ohne „hochzeitliches Gewand“ (siehe Teil I) als geeignet erschien, zumal man nicht so viel auswendig lernen musste wie in anderen Fächern. Und siehe da: Es hat geklappt. Ich bin Richter geworden, habe eine Familie gründen können und mir ein Haus im schönen Bayern leisten können. Und manchmal denke ich, was wohl aus mir geworden wäre, wenn es die Sozis nicht gegeben hätte, die mir das Gymnasium eröffneten und so für mich ein Abitur und ein Studium ermöglichten.
Wie konnte es sein, dass ich es so weit gebracht habe, dass ich sogar Professor hätte werden können? Ich führe das darauf zurück, dass ich intuitiv erfasst habe, wie man richtig lernt. Wenn ich so sehe, wie sich in meinem Blickfeld die Jugend bis in die Nacht und auch an Wochenenden bemüht, sich den Lernstoff anzueignen, dann ist das aus meiner Sicht völlig falsch:
In vielen Religionen gibt es so etwas wie das Sonntagsgebot. Das beruht auf der Erfahrung, dass der Mensch nicht dauernd arbeiten kann, sondern auch eine Phase der Erholung braucht. Das ist danach auch gut für die Arbeit. Inzwischen ist ja viel darüber geforscht worden, wie man am effektivsten arbeitet und da hat man die 52:17-Regel entdeckt. Man soll also 52 Minuten arbeiten und dann 17 Minuten ruhen. Streber werden das verrückt finden, aber das ist halt Stand der Wissenschaft. (Also ist das System der Schulstunden gar nicht verkehrt.)
Und noch etwas ist eine wichtige Erkenntnis der Havard-Universität: Man lernt nicht beim Lernen, sondern in den Phasen des Ruhens. Das bedeutet: Lernen bis in die Nacht hinein lohnt sich nicht. Ausreichend ist Schlaf wichtig, weil das, was sich sozusagen nur im „Arbeitsspeicher“ des Gehirns befindet, dann in die tieferen Regionen unseres Kopfes eingelagert wird.
Wie ich es fertig brachte, ein gutes Examensergebnis zu erzielen, war allerdings etwas anders. Ich wollte unbedingt Amtsrichter in einem schönen bayerischen Gebirgsort werden und sagte mir, dass ich für den Beruf nicht geeignet sein würde, wenn ich täglich mehr als 8 Stunden (also den üblichen Arbeitstag lang) lernen würde. Ich wohnte damals in München und fuhr fast jeden Abend mit dem Rad nach Schwabing in eine der Studentenkneipen zum Tanzen, trank ein Glas Bier und war schon um 22 Uhr im Bett. (Wie blöde ist die nun eingerissene Unsitte, erst kurz vor Mitternacht in die Disco zu gehen!)
Am Wochenende war ich als Bergwachtmann im Gebirge. Wie ich später erfuhr, hatte ich daher Blutwerte wie ein Gedopter, denn die dünnere Luft in der Höhe führt dazu, dass man mehr rote Blutkörperchen bekommt. Vielleicht lernt man als Gedopter leichter. Mein Bergkamerad, der ebenfalls mit mir an den Wochenenden unterwegs war, brachte es neben Beruf und großer Familie sogar zum Professor für Physik, obwohl er nicht einmal einen Doktortitel hatte. Man sieht also: Bergsteigen statt Lernen am Wochenende wirkt.
Noch etwas ist fürs Lernen wichtig. Ein Professor drückte es so aus: „Ich sehe lauter Hobojus – das bringt nichts!“ Mit „Hobojus“ beklagte er die Zunahme von „Hosenbodenjuristen“, also Studenten, die nichts als ihr Studienfach im Auge hatten.
Das war früher anders: In der Münchner Uni gibt es ein Auditorium Maximum. Dort kamen seinerzeit die Studenten zusammen, um die Kapazitäten zu hören, die dort lehrten. Ich hörte damals den Religionsphilosophen Guardini und Vorlesungen von Sedlmayr über den „Verlust der Mitte“. Das war „Universität“ im wahrsten Sinne des Wortes. Sie wird mehr und mehr von Hochschulen abgelöst. Und so sind aus den Studenten immer öfter „Studierende“ geworden. Die Sprache ist sehr feinfühlig und so drückt die Änderung der Wortwahl auch eine Änderung der Mentalität aus.
Lange Rede – kurzer Sinn: Die Begegnung mit dem völlig anderen weitet die Kapazität des Gehirns. Das wusste man noch früher. Deswegen waren Akademiker auch gebildete Menschen, während viele, die studiert haben, nur Fachleute für ihr Gebiet sind, wie ja auch der Automechaniker ein Fachmann für Autos ist.
Noch etwas ist mir aufgefallen: Nicht nur ich war in den Semesterferien in den Bergen, sondern auch zwei Referendarinnen, die ich ausbildete. Beide arbeiteten mit Begeisterung in den Ferien als Sennerinnen, anstatt fürs Examen zu lernen. Trotzdem erzielten sie bei der Prüfung ausgezeichnete Ergebnisse. Völliges Abschalten bringt also gewaltige Power fürs Lernen.

Abschließend fällt mir zur Entspannung noch etwas zum Thema Sozis, denen ich alles verdanke:
Ja, das waren noch Zeiten damals nach dem Krieg, als es noch Menschen gab, die die Sozialdemokraten für Sexualdemokaten hielten, wie diese Anekdote aus meiner Sammlung (bitte lesen!) belegt:

Nach dem Krieg war die Demokratie ein völlig neues Erlebnis für die Deutschen. Es wurden Parteien gegründet, von denen man nicht viel wusste.
Unser Briefträger, der einmal berichtet hatte, dass eine neu zugezogene Familie nackt in der Wohnung herum lief, wusste plötzlich, woran das lag: „Das sind Sexualdemokraten.“

Erfolgreich lernen – So geht‘s


Darüber habe ich ja schon hier geschrieben:
https://autorenseite.wordpress.com/2019/02/12/erfolgreich-lernen-so-gehts-ii/
Die Dopingskandale bei den Nordischen Skiweltmeisterschaften veranlassen mich, noch eine Ergänzung anzufügen: Mit Eigenbluttransfusionen erhöhen dopende Sportler die Sauerstofftransportkapazität ihres Blutes und erreichen damit auf unfaire Weise eine erhebliche Leistungssteigerung.
Für das Lernen brauchen wir auch eine möglichst hohe Sauerstoffversorgung des Gehirns. Die erreichen wir nicht, wenn wir nur über den Büchern sitzen, sondern wir brauchen auch Bewegung. Nicht umsonst ist man in den alten griechischen Philosophenschulen in den Wandelhallen herumgegangen, denn schon beim Spazierengehen kann die Durchblutung des Gehirns um etwa 20 Prozent gesteigert werden, bei mittlerer Belastung sogar um bis zu 30 Prozent.
Wenn wir über unseren Büchern sitzen, wird das Blutvolumen von ca. 5 Litern einmal pro Minute umgewälzt. Bei leichtem Joggen hingegen vervierfacht sich dieser Betrag in etwa, was sich positiv auf die allgemeine Konzentrations- und Lernfähigkeit auswirkt.
Irgendwo habe ich einmal gelesen, dass jemand, der 1 Stunde joggt und dann 7 Stunden arbeitet, mehr leistet als jemand, der 8 Stunden arbeitet.
Halten wir also fest: Das Gehirn braucht auch Bewegung.
Zum besseren Lernen können Sie sich sogar ganz einfach und völlig straffrei dopen: Sie steigen auf einen Berg. Weil die Luft dabei nach oben immer dünner, also sauerstoffärmer, wird, reagiert der Körper darauf, indem er mehr rote Blutkörperchen erzeugt, die dann mehr Sauerstoff zum Gehirn transportieren können. Damit erzielen Sie also den gleichen Effekt wie beim Eigenblutdoping. Ich habe das selbst erfahren, als mein Blut einmal untersucht wurde. Da sagte mir der Arzt, bei einer Dopingkontrolle würde ich durchfallen.
Also: Aufi auf‘n Berg! Das macht Spaß und das Gehirn arbeitet dann viel besser. Zudem kriegen Sie durch die Erlebnisse beim Bergsteigen auch noch den Kopf frei.

Erfolgreich lernen – So geht’s!

Wenn ich die heutige Jugend beim Lernen sehe – bis spät abends und am Wochenende – dann tun mir die jungen Leute leid. Wenn sie mal in meinem Alter auf ihre Jugend zurück blicken, dann können sie vielleicht nur sagen: „Nichts erlebt, nur gelernt.“ Das ist schade, denn „die Jugend ist die Sparkasse fürs Alter.“

Ich habe auch in meiner Jugend viel lernen müssen und habe mich anfangs sehr schwer getan. Immerhin habe ich mit Müh‘ und Not das Abitur geschafft und mir dann gesagt: Jetzt wird‘s ernst. Weil ich keine besondere Begabung hatte, habe ich mich für das Jura-Studium entschieden – auch gerade deswegen, weil es bei Null beginnt. Das musste zu schaffen sein. Mein Lebensziel war, Richter in einem schönen bayerischen Gebirgsort zu werden. Dafür brauchte ich die „Staatsnote“. Das war nicht einfach. Dennoch sagte ich mir, ich dürfe beim Lernen nicht übertreiben: 8 Stunden am Tag sind genug und wenn ich damit das Examen nicht schaffe, dann bin ich für den Beruf nicht geeignet.

Wie gesagt war die Aufnahmefähigkeit meines Gehirns nicht groß: nach 8 Stunden Lernen war Schluss.

Mir fiel dabei eine Geschichte aus meiner frühen Kindheit ein: Bei uns herrschte das Prinzip: „Was auf den Tisch kommt, wird aufgegessen.“ Und als ich einmal von meiner Suppe schließlich keinen Löffel mehr hinunter brachte, habe ich in meinem Zorn die Suppe an die Wand gelöffelt.

Das Gehirn ist auch nicht viel anders als der Magen: Irgendwann ist eben seine Aufnahmebereitschaft erschöpft. Man sitzt über den Büchern, aber in den Kopf geht nichts mehr rein. Man muss dann immer wieder mal ganz was anderes machen, um wieder mit frischen Kräften an die Arbeit gehen zu können. Und so bin ich abends immer gern in Schwabing gewesen, um den Kopf wieder frei zu kriegen, war aber auf jeden Fall um 22.00 Uhr im Bett. Das frühe ins Bett-gehen war ich deshalb gewohnt, weil ich das im Zuge einer Trainingsverpflichtung versprochen hatte.

Noch etwas war gut für das Lernen: Ich war Bergwachtmann und habe es mir nicht nehmen lassen, auch während des Studiums an jedem Wochenende zum Dienst im Gebirge zu sein. Das war aus zwei Gründen sehr förderlich: Ich kam auf andere Gedanken und wurde, wie ich hinterher erfuhr, dabei gedopt. Durch das Bergsteigen erhöhen sich die Sauerstoffwerte im Blut so sehr, dass man bei einer Dopingkontrolle durchfallen würde, wie mir ein Arzt sagte. Weil nun gerade das Gehirn ein großer Verbraucher von Sauerstoff ist, arbeitet es mit einem Mehr an Sauerstoff natürlich umso besser. Wie sehr das stimmt, sah ich auch an den Mitgliedern des Alpenvereins, die studierten: Sie alle erreichten später gute Positionen.

Warum ich das hier in epischer Breite erzähle?

Vielleicht probieren Sie ja das Rezept einmal aus.

Jedenfalls sollte die Wissenschaft einmal zwei Fragen klären:

1. Man sollte zwei Gruppen lernen lassen: die einen ununterbrochen bis in die Nacht und die anderen lockerer mit Abwechslungen wie Schwimmen, Tanzen …

2. Man sollte erforschen, welches Plus ein „Doping“ durch Bergsteigen bringt. Vielleicht probieren das ja auch andere, indem sie sich Sauerstoff ins Blut einführen lassen.

Schauen Sie bitte auch hier:
https://autorenseite.wordpress.com/2019/02/12/erfolgreich-lernen-so-gehts-ii/

Vernünftig lernen – wie geht das?

Arbeit
Für diesen Beitragr könnte ich den Titel von Alexander Spoerl benutzen: „Memoiren eines mittelmäßigen Schülers“. Ich war nämlich auch so einer. Immerhin habe ich das Abitur geschafft und dann das Studium begonnen. Aber nebenher hatte ich noch einen zweiten Job: Ich war Bergwachtmann und von Freitagmittag bis Sonntagabend im Gebirge. Andere haben in der Zeit gebüffelt, denn es war nicht leicht, die „Staatsnote“ zu bekommen. An den Wochentagen hatte ich nach einem 8-Stundentag die Nase voll vom Lernen. Dann ging nichts mehr rein in meinen Kopf. Im Sommer fuhr ich mit meinem Rennrad an den Starnberger See zum Baden und sonst war ich in Schwabing unterwegs, das damals noch schön war: Die ganze Leopoldstraße war eine einzige Kunstgalerie. Dort hatten Maler, Töpfer und andere Künstler ihre Werke bei Kerzenschein ausgestellt. Der Bürgersteig war so breit, dass man vor den Lokalen draußen saß. Und die Bars waren für Studenten erschwinglich. Da war ich meist 2 Stunden beim Tanzen. War das eine herrliche Zeit! Was ist nur aus dem guten alten Schwabing geworden!
Warum erzähle ich das hier in epischer Breite? Weil ich mit meiner lockeren Art, das Studium anzugehen nicht weniger erfolgreich war wie andere, die kaum von ihren Büchern aufsehen wollten. Kürzlich las ich auch eine wissenschaftliche Bestätigung dafür, dass ich mein Studium richtig angepackt habe: Man machte ein Experiment, bei dem die einen morgens eine Stunde joggten und die anderen statt dessen schon im Büro arbeiteten. Dabei zeigte sich, dass die Jogger mehr leisteten und sich mehr merken konnten als die anderen.
Also liebe Studenten: Auch wenn das Studium heute auch wieder so hart ist wie damals – vergesst das Leben nicht!