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Was haben Prinz Andrew und die Katholische Kirche gemein?


Ganz einfach: Beide haben mit Missbrauch zu tun. Aber völlig unterschiedlich ist, wie die Medien damit umgehen:
Prinz Andrew soll sich mit 14 Millionen Euro von den Missbrauchsvorwürfen frei gekauft haben. Er hat nicht so viel Geld. Er besitzt mit seiner Frau ein Chalet in der Schweiz, das allerdings mit 6,6 Millionen Pfund (7,9 Millionen Euro) belastet ist. (Da kann man nur den Kopf schütteln über diesen großkotzigen Lebensstil.) Das Objekt wird er verkaufen müssen, aber der Erlös langt bei weitem nicht, um die Vergleichssumme aus dem Prozess zu bezahlen. Also wird die Queen einspringen müssen. Und die Presse ist wie ein Bluthund dahinter her, woher die Queen das Geld nimmt. Es darf auf keinen Fall aus Steuermitteln stammen. Die Queen ist zwar reich, aber es wird jetzt schon darauf geachtet, dass sie das Geld, das sie aus ihrem privaten Vermögen an Prinz Andrew bezahlt, nicht wieder mit Steuergeldern auffüllt.

So eine Diskussion findet in unserer Medienlandschaft bei der Aufarbeitung der Missbrauchsfälle nicht statt. Die Kirche behauptet zwar, dass die Zahlungen für die Missbrauchsopfer aus ihrem Vermögen stammen. Das wird wohl auch stimmen, denn das Vermögen der Katholischen Kirche ist unermesslich. Aber es wäre vielleicht doch nicht schlecht, wenn die Medien da mal ein wenig hinein stochern. Das wäre vielleicht eine Topstory.

Soll ich auf das Geld verzichten?

Die EU-Kommission will Jugendlichen zum 18. Geburtstag ein Interrail-Ticket schenken. Zwölf Millionen Euro sind dafür vorgesehen. Das ist ja eine ganz nette Idee, aber muss das sein? Viele von den Jugendlichen, die so beglückt werden, haben Eltern, die ihnen leicht so ein Ticket zum Abitur schenken könnten. Muss da wirklich der Steuerzahler in die Tasche greifen?
Mich erinnert das Ganze an meine Mutter. Die ging in München immer in ein Kaffee-Kränzchen, in dem sich wohlsituierte Münchnerinnen zusammen fanden. Da sie alle schon sehr alt waren, hatten fast alle sich leicht einen Schwerbehinderten-Ausweis beschaffen können und fuhren kostenlos mit den öffentlichen Verkehrsmitteln. Nur meine Mutter fand es unter ihrer Würde, auf Kosten ärmerer Menschen Bahn zu fahren.
Ich bin nicht so stolz wie meine Mutter:
Ich betreue einen Pflegefall und erhalte dafür Geld. Erst fand ich es ja selbstverständlich, dass man so etwas kostenlos macht, aber nachdem Verschiedene auf mich einredeten, ich solle doch nicht blöde sein, habe ich halt das Pflegegeld beantragt. Meinen Stolz habe ich damit beruhigt, dass ich dauernd von der Politik bestohlen werde, indem meine Ersparnisse entwertet werden. So sehe ich in dem Pflegegeld eine angemessene Entschädigung für dieses erlittene Unrecht an.
Ich gebe ja zu: Das Ganze müsste nicht sein. Aber der Staat gefällt sich halt so sehr in der Rolle des großen spendablen Geldgebers, der Wohltaten aus Steuermitteln bezahlt. Und wenn sogar die Automobilwerke trotz ihrer Milliardengewinne dauernd die Hand aufhalten: Warum soll ich dann nein sagen oder ein schlechtes Gewissen haben?
Mir fiel da Schumi ein, der als ein in der Schweiz ansässiger Millionär in Deutschland Kindergeld beantragt haben soll.