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Sind wir nicht brav, wir Deutschen?


Derrick“ war einmal eine gern gesehene Krimiserie im Fernsehen, die in vielen Ländern der Erde ausgestrahlt wurde. Sogar der Papst in seinem Vatikan saß vor seiner Glotze, wenn dieser Krimi kam. So ist es kein Wunder, dass diese Erfolgsfilme wiederholt wurden, jedoch bei uns nicht. Der Grund für die Verbannung der Derrick-Krimis aus dem deutschen Fernsehen liegt darin, dass der Hauptdarsteller Horst Tappert bei der SS war.
Sind wir nicht besonders brav, wir Deutschen?
Die CSU-Fraktion im Münchner Stadtrat hat sogar beantragt, Derrick sein Ehrengrab auf dem Gemeindefriedhof im noblen Münchner Bezirk Gräfelfing abzuerkennen. Und der Titel Ehrenkommissar der Bayerischen Polizei sollte ihm auch aberkannt werden.
Ein bisschen schizophren sind wir da schon: Dürfte
man dann überhaupt noch CDU wählen, wo doch Nazi bei den Gründern der Partei waren und wo es der Kommentator der Judengesetze unter Adenauer zum Staatssekretär gebracht hat?

Was sind wir für ein blödes Volk!

Mein Vater hat dies schon festgestellt, aber vornehmer ausgedrückt: „Der deutsche Kellner ist der beste.“ Damit wollte er nicht sagen, dass man bei uns besonders gut bedient wird, sondern er wollte damit ausdrücken, dass wir Deutsche von besonderer Unterwürfigkeit sind. Gerade erfahren wir, dass das deutsche Fernsehen die Krimiserie „Derrick“ nicht mehr sendet, weil heraus gekommen ist, dass der Hauptdarsteller Horst Tappert bei der SS war. Witzigerweise ist die Krimiserie ein Welterfolg, und andere Länder stören sich nicht an Tapperts Vergangenheit.
Aber bei uns haben zur Zeit die Gutmenschen Oberwasser: Sie sind wie Spürhunde unterwegs und suchen nach Spuren des Dritten Reiches. Und wehe, wenn sie fündig werden: Da muss nach ihrem Dafürhalten sogar ein Grabstein für eine Nazi-Größe weg:
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https://autorenseite.wordpress.com/2016/07/19/wie-sich-deutschland-dauernd-veraendert/
Und die Fernsehoberen haben die Hose voll und trauen sich nicht einmal mehr, einen Krimi zu senden. Der nächste Schritt, der fällig wäre, wäre eine Bücherverbrennung aller Werke des Nobelpreisträgers Günter Grass, der ja bei der SS war.
Wie anders war das früher: Parteien wurden von Nazis mit Nazi-Vermögen gegründet. Wir hatten Bundespräsidenten, die NSDAP-Mitglieder waren. Und der Kommentator der Judengesetze brachte es sogar bis zum Staatssekretär. Ich will das hier keinesfalls loben, finde aber doch, dass das Pendel nun in übertriebener Weise zu sehr in die andere Richtung ausschlägt.
Nur vor „Seiner Heiligkeit Papst Benedikt XVI“ machen die Gutmenschen Halt. Der war ja im Krieg Flakhelfer, weil er sich nicht erschießen ließ wie die Kriegsdienstverweigerer von der Konkurrenz, den Bibelforschern. Aber das wird dem baldigen „Santo subito!“ nicht im Wege stehen.

Juden und Hexen

Vor ein paar Jahren war ich in Salzburg im Literaturhaus. Dort wurde ein Abend veranstaltet, an dem jeder etwas vorlesen konnte. Eine Frau trug ein Gedicht vor, das mich sehr beeindruckt hat und das mir noch heute in Erinnerung geblieben ist. Sie schilderte, dass sie ihre einstige Heimat im heutigen Tschechien besuchte. In der Kleinstadt, in der sie damals gewohnt hatte, fand gerade ein Jahrmarkt statt mit vielen Menschen und lautem Trubel. Die Frau aber sah diesen Marktplatz mit anderen Augen: Damals nach Kriegsende mussten die Deutschen alle dort antreten. Die Männer wurden erschossen. Die Frauen und Kinder mussten das Pflaster auf den Knien reinigen von Blut und Gehirn. Sie war eines dieser Kinder und all das kam ihr wieder in den Sinn auf diesem Platz, auf dem sich nun die Menschen vergnügten und der immer noch dasselbe Pflaster hatte wie damals. Irgendeine Tafel oder einen Gedenkstein für die Opfer von damals gab es nicht.
Anders ist es bei uns und in Österreich: In Salzburg gibt es Steine des Anstoßes, die an getöteten Juden erinnern. Und auch in Deutschland ist es so, dass, je weiter das schlimme Geschehen zurück liegt, umso mehr Gedenksteine oder -stätten eingerichtet werden. Am Obersalzberg ist ein Dokumentationszentrum gebaut worden, das an die Verbrechen der Wehrmacht erinnern soll und auch in meiner Kleinstadt wurde kürzlich ein Stein aufgestellt zum Gedenken an eine jüdische Familie, die dort gelebt hat.
Auch ich erinnere mich manchmal an etwas, an das wohl kaum ein anderer denkt: Wenn ich bei uns auf dem Stadtplatz stehe, frage ich mich schon einmal, was dort im Laufe der Geschichte alles passiert ist: wie viele Hexen dort vielleicht verbrannt wurden, ohne dass ihrer gedacht wird.
Sind wir mit unserer Art zu gedenken nicht sehr einseitig? In Bad Reichenhall, wo SS-Angehörige nach Kriegsende von Amerikanern erschossen wurden, standen einmal kleine Kreuze zur Erinnerung. Sie wurden beseitigt, um den ehemaligen SS-Angehörigen keinen Platz zu bieten, wo sie sich am Jahrestag dieses Kriegsverbrechens zum Gedenken versammeln können.
Frage: Sollten wir uns nicht vielleicht doch irgendwann einmal ein Beispiel an der Katholischen Kirche nehmen, die einen Strich unter ihre schlimme Vergangenheit gezogen hat. Und wenn dann doch jemand eine „Kriminalgeschichte des Christentums“ schreibt, dann heißt es von offizieller Seite: „Wie sehr muss er die Kirche hassen, wenn er so etwas tut?“ Auf den Staat übertragen, würde das bedeuten: „Wie sehr muss jemand sein Vaterland (darf man das heute noch sagen?) hassen, wenn er überall Denkmäler für Verbrechen aufstellt, die in seinem Namen verübt wurden.“