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Gedopt lebt sich’s besser

Neulich ließ ich mich beim Arzt durchchecken. Er eröffnete mir die Werte der Blutuntersuchung und sagte: „Bei der Olympiade dürften Sie nicht mit machen. Ihre Sauerstoffwerte sind zu hoch. Da gelten Sie als gedopt.“
Und darüber habe ich nachgedacht und weiß woher das kommt. Ich hatte einmal gelesen, dass die Ruderer auf dem hochgelegenen Kapruner Stausee trainiert haben, weil sie dadurch mehr Sauerstoff ins Blut bekamen. Das liegt offenbar daran, dass der Körper mehr Erythropoetin bildet, um aus der dünneren Luft noch genügend Sauerstoff zu bekommen. Wenn man dann wieder im Tal ist, ist der Körper noch auf die Mangelfunktion vom Gebirge geschaltet: Er nimmt dadurch mehr Sauerstoff auf, ist dadurch also gedopt. Davon habe ich in meinem Leben profitiert.

Darum möchte ich hier schildern, wie ich es als ganz schlechter Schüler doch zu etwas gebracht habe.
Mein Start ins Leben sah finster aus:
Schon in der Volksschule hatte ich so schlechte Noten, dass ich damit nie aufs Gymnasium hätte gehen können. Aber dann kamen die Sozis in Kiel an die Regierung und änderten das alte Ausleseprinzip nach den Noten aus der Volksschule: Jeder konnte nun auf die höhere Schule gehen und dort ein Probejahr absolvieren. Da sahen allerdings manche Lehrer des Gymnasiums, das ich dann besuchte, den Untergang des Abendlandes kommen, wenn – wie sie sagten – Kreti und Pleti in ihre Schule eindringen konnten, die einst als beste Deutschlands gegolten hatte. Sie betrachteten ihr Institut fast schon als heilige Hallen, die ja auch  wie ein altes Kloster aussahen. Wie ich dieses finstere Gewölbe hasste mit den arroganten Lehrern!
Mein Hass lag auch daran, dass mir alle Lehrer unisono (wie abgesprochen) gleich zu verstehen gaben, dass ich wegen meiner schlechten Noten aus der Volksschule dort nichts zu suchen hätte. Als ich einmal die Frage eines Lehrers nicht beantworten konnte, sagte der zu mir: „Da kann ich nur sagen: Matthäus 22,11. Knabe, du weißt natürlich nicht, was da drin steht, drum will ich es dir sagen: ,Da ging der König hinein zum Mahl, sich die Gäste anzusehen, und sah da einen Menschen, der hatte kein hochzeitliches Gewand an, und sprach zu ihm: Freund, wie bist du hier hereingekommen und hast doch kein hochzeitliches Gewand an? Er aber verstummte.‘“
Ich verstummte natürlich auch, aber diese blöde Arroganz spornte meinen Kampfgeist an. Ich sagte mir: Solche Typen werden es nicht fertig bringen, mich aus der Schule zu vertreiben, obwohl meine Eltern drei blaue Briefe darüber erhielten, dass meine Versetzung bzw. mein Abitur gefährdet seien. Und so bin ich auch ohne „hochzeitlich Gewand“ gerade noch so eben durchs Abitur gekommen als einer von 11 (!), die aus den einstigen vier Sexta-Klassen mit insgesamt 168 Schülern noch übrig geblieben waren. Ja, so haben die Lehrer damals „sieben müssen, um Führungskräfte für Deutschland heranzuziehen“.
Zum Abschluss dieser Phase meines Lebens möchte ich einen Ausspruch zitieren, der so sehr auf mich passt:

Von vielen Tausenden bin ich auch einer, ein armes Menschenkind, dem der liebliche Lebensfrühling, die blühenden Jugendjahre mit scholastischen Flausen verdorben wurden…
(Comenius 1658)

 

Aber dann kam ich nach Bayern und wurde zum Bergsteiger. Dabei erlebte ich, was das Doping aus mir gemacht hat: Ich schaffte das Studium locker. Und obwohl ich damals als Bergwachtmann Wochenende für Wochenende am Berg war, während die anderen lernten, bekam ich bei den Examen so gute Noten, dass sich dadurch für mich viele Karrieremöglichkeiten öffneten.
Dass ich das dem Bergsteigen verdanke, sehe ich auch an meinem Bergkameraden: Der war Physiker und arbeitete erst bei Linde, dann bei einem Flugzeughersteller, aber all das befriedigte ihn nicht. So wurde er Professor, obwohl er nicht einmal den Doktortitel hatte. Er schaffte das, obwohl er voll im Berufsleben stand und er mit mir an den Wochenenden im Gebirge unterwegs war.

Das verdanken wir dem Gehirndoping.

Das Lernen muss man lernen: Beim Lernen ist es wie beim Sex… (III)

Wenn ich bei der heutigen Jugend so herum schaue, stelle ich bei denjenigen, die ich im Blickfeld habe, fest: Sie sind zu fleißig. Auch bei den Intelligenten sehe ich, dass sie zwar einen hohen IQ haben mögen, aber beim DQ (Dummheitsquotientent) hapert es oft.
Das zeigt sich besonders beim Lernen. Die meisten übersehen, dass das Lernen eine Aufgabe ist, mit der man sich näher befassen muss:
Sie finden es selbstverständlich, dass man zum Fahren-Lernen in die Fahrschule geht. Und auch jeder weiß, dass man Schwimmen schneller bei einem Schwimmlehrer lernt. Nur beim Lernen glauben die meisten wie beim Sex: Das kann man von selbst. Durchaus, aber wie!
Was das Lernen anbetrifft, stecken viele einfach ihre Nase in die Lehrbücher und meinen, so prägen sie sich den Stoff ganz einfach ein. Aber mit Fleiß und Lernen bis in die Nacht verderben sich viele ihre Jugend und erreichen nicht mehr als andere, die die Aufgabe des Lernens lockerer angehen:
https://autorenseite.wordpress.com/2020/12/29/das-lernen-muss-man-lernen-beim-lernen-ist-es-wie-beim-sex-ii/
Hier noch mal alles kurz zusammengefasst:
> Das Gehirn braucht Sauerstoff. Wer sich gleich morgens über seine Lehrbücher setzt, dessen Blut läuft träge durch die Adern. Wer hingegen seinen Blutkreislauf mit einem Tennisspiel oder Joggen in Schwung gebracht hat, leistet in der Bilanz mehr.
> Bergsteigen ist Gehirndoping, weil die dünnere Luft in der Höhe den Sauerstoffgehalt im Blut erhöht.
> Das Gelernte speichert sich richtig erst im Schlaf ab. Lernen bis in die Nacht bringt nichts. Ausreichend Schlaf ist wichtig, sonst bleibt vieles nur kurz im „Arbeitsspeicher“ hängen.
> Das Sonntagsgebot, das es auch bei anderen Religionen in ähnlicher Weise gibt, beruht auf der Weisheit, dass man auch mal eine längere Pause braucht, um wieder etwas leisten zu können.
> Wie man beim Sport Dehnungsübungen macht, braucht auch das Gehirn so etwas. Deshalb wurde die Universität erfunden, die  – wie der Name sagt – den Studenten eine universelle Bildung verschaffen wollte. Die Begegnung mit anderen Wissensgebieten erweitert das Gehirn. Aber heute sind aus den Studenten Studierende geworden, die keine Zeit mehr haben, über den Tellerrand ihres Fachgebiets hinaus zu schauen.
Dies sind nur noch mal kurz ein paar Anregungen, die Ihnen vielleicht das Leben erleichtern könnten.