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Kirchensteuer und Moral

Im 13. Jahrhundert hatte der Salzburger Bischof nach und nach so viele Besitzungen gestiftet bekommen, dass er ein eigenes Staatsgebiet begründen konnte, was in verschiedenen Verträgen mit dem Land Bayern dann auch offiziell festgelegt wurde. Wie das wohl zugegangen ist, dass der Kirche so viel Grundbesitz geschenkt wurde? Ging das nach dem Motto „Wenn das Geld im Kasten klingt, die Seele in den Himmel springt“? Es ist kaum vorstellbar, dass dies alles mit rechten Dingen zugegangen ist, wenn man die heutigen moralischen Maßstäbe zu Grunde legt.
Die Kirche hat nicht einmal vor Fälschungen zurück geschreckt, wenn es um die Mehrung ihres
Besitzes ging. Berühmtestes Beispiel ist die Konstantin‘sche Schenkung. Oder anderes Beispiel: Kriminalisten haben jetzt heraus gefunden, dass erhebliche Besitztümer, die angeblich der Kirche von Karl dem Großen geschenkt worden sein sollen, auf gefälschten Urkunden beruhen, was kein Wunder ist, weil im Mittelalter fast nur die Mönche des Schreibens kundig waren.
Was hat das mit der Kirchensteuer zu tun? An sich ist es der Kirche nach ihrem eigenen Recht verboten, Steuern zu erheben. Deshalb rechtfertigt die Kirche diese Steuer mit der Begründung, es handele sich um eine Entschädigung für ihr früheres Eigentum, das ihr im Zuge der Säkularisation entzogen wurde. Nur fragt sich, welches Eigentum stand der Kirche denn wirklich rechtmäßig zu, wenn man es mit den heutigen Maßstäben betrachtet? Zieht man die erwiesenen Fälschungen ab, so ist es wohl verwerflich, wenn die Kirche den Eindruck erweckt hat, der Himmel sei käuflich. Und durfte die Kirche Besitztümer annehmen, die ein Sterbender seinen Kindern nicht gönnte, weil er mit diesen zerstritten war?
All das sind heiße Eisen, an die sich kein Politiker heran traut. So wird auch nicht untersucht, ob die Kirche nicht inzwischen genug Geld erhalten hat, wenn man die Leistungen des Denkmalschutzes einbezieht.
Also bleibt alles beim Alten.

Ist die Kirchensteuer rechtswidrig?

Die Kirche hat mir den Sonntag verdorben. Im Briefkasten lag der Kirchensteuerbescheid des Katholischen Kirchensteueramts. Und der war genau so,  wie er eigentlich im Verkehr zwischen „Brüdern und Schwestern im Glauben“ nicht ausfallen sollte. Er stammt von einem „Amt“. Bisher dachte ich, dass es Ämter nur bei Staat gibt. Aber der Stil des „Bescheids“ war so, wie er dem früheren obrigkeitsstaatlichen Gebaren entspricht: Keine höfliche Anrede, auch kein Dank im voraus für den beträchtlichen Betrag. Dazu fiel mir den Hl. Hieronymus ein, der sagte:
„Wir brennen wahrlich vor Geldgier!“
Die Kirchensteuer widerspricht nämlich ganz klar dem Kirchenrecht, denn dort heißt es, dass es einem Bischof nur im Falle großen Notstands erlaubt ist, eine außerordentliche und maßvolle Abgabe aufzuerlegen (can 1263). Weil dies so ist, hatten sich schon Papst Johannes Paul II und Bischof Dyba gegen die Kirchensteuer ausgesprochen. Dann hat auch Papst Benedikt Ähnliches von sich gegeben:
„“Die Säkularisierungen – sei es die Enteignung von Kirchengütern, sei es die Streichung von Privilegien oder ähnliches –– bedeuteten jedes Mal eine tiefgreifende Entweltlichung der Kirche, die sich ja dabei gleichsam ihres weltlichen Reichtums entblößt und wieder ganz ihre weltliche Armut annimmt… Die von materiellen und politischen Lasten befreite Kirche kann sich besser und auf wahrhaft christliche Weise der ganzen Welt zuwenden, wirklich weltoffen sein. Sie kann ihre Berufung zum Dienst der Anbetung Gottes und zum Dienst des Nächsten wieder unbefangener leben. Die missionarische Pflicht, die über der christlichen Anbetung liegt und die ihre Struktur bestimmen sollte, wird deutlicher sichtbar.““
Merkwürdig ist, dass der danalige Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz das Gesagte nicht richtig verstehen will, indem er behauptet, der Papst habe nicht die Abschaffung der Kirchensteuer gemeint. Wer damals glaubte, der Papst würde für eine Klarstellung sorgen, hat sich geirrt. Schade!
Die Kirche sitzt auf so viel Geld, dass sie gar nicht weiß, wohin damit:
Der Kirche gehörte der 1,7 Mrd. schwere Weltbild-Verlag und der soll auch Pornos vertrieben haben. Sogar am Fernsehballett war sie beteiligt.
Die Kirche rechtfertigt die Kirchensteuer damit, dass sie sagt, dadurch würden ihre Verluste durch die Säkularisation ausgeglichen. Nun ist es allerdings so, dass ein großer Teil des Kirchenbesitzes  auf unrechtmäßige Weise erlangt wurde, wie die Konstantinische Schenkung eindrucksvoll vor Augen führt. Heutzutage  hat die Kriminalistik aufgedeckt: Beispielsweise wurde bei den umfangreichen angeblichen Schenkungen Karls des Großen die Unterschrift des Kaisers gefälscht.
Und wenn ich durch meine Kleinstadt gehe, in der, wie die Leute zu sagen pflegen, die Hälfte der Kirche gehört, dann frage ich mich, wie das wohl damals zugegangen ist, als die Kirche zu diesem Besitz kam.
Man dürfte also bei der Ermittlung der Entschädigungssumme für die Säkularisation nur die rechtmäßig erworbenen Güter der Kirche einbeziehen und müsste die Leistungen abziehen, die die Kirche vom Denkmalschutz erhalten hat. Dann würde wohl nichts mehr übrig bleiben. Aber an diese Wahrheit traut sich kein Politiker heran. Das würde nur Ärger geben.
Lesen Sie mehr zur Kirchensteuer hier!

Zum Sonntag: Glaubhafte Kirche?

Jesus wird eigentlich immer in einem ganz schlichten und meist weißem Gewand mit einfachem Hirtenstab dargestellt. Er sagte von sich: „Ich bin der gute Hirte.“ (Johannes 10, 11-16)

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Und was haben die Kirchen daraus gemacht? Oberhirten in goldbestickten Gewändern mit goldenem Hirtenstab.

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Jesus sagte seinen Jüngern: „Steckt auch kein Geld in eure Gürtel, weder Gold, noch Silber, noch Kupfermünzen!“ (Matth.10,9)

Und wie sieht heute seine Kirche aus? Sie ist unermesslich reich:
Das Erzbistum von München und Freising besitzt einen Vermögenswert von etwa 6,3 Milliarden Euro. Und auch das Erzbistum Köln ist viel zu reich, obwohl es sich arm gerechnet hat:
Der Kölner Dom ist mit nur 27 Euro in die Bilanz eingestellt worden. Da staunt man. Aber das mag ja noch angehen, denn er ist unverkäuflich, könnte – so gesehen – also auch mit „0“ bewertet werden. Aber dass die 17.000 Wohnungen des Bistums nur mit 15 Millionen bilanziert werden, stößt einem doch auf. Das macht pro Wohnung 882 Euro. Da würde man gerne eine davon kaufen können. Und was würde Jesus wohl zu seiner reichen Kirche sagen? „An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen!“ Die Kirche wird immer reicher durch Spenden, Vererbung und Kirchensteuer. Die deutsche Katholische Kirche kassiert das Vierzigfache im Vergleich zu Französischen:
https://autorenseite.wordpress.com/2016/01/14/die-kirche-und-das-geld/
Muss das alles so sein? Und sollte man nicht endlich die Kirchensteuer abschaffen, die rechtlich betrachtet auf sehr schwachen Füßen steht:
Zum einen tat die Kirche so, als stünde ihr diese Leistung „nach göttlicher Anordnung“ und kanonischem Recht zu und so heißt es auch im Konkordat von 1817:

Die Römisch katholische-apostlische Religion wird in dem ganzen Umfange des Königreiches Baiern und in den dazu gehörigen Gebieten unversehrt mit jenen Rechten und Prärogativen erhalten werden, welche sie nach göttlicher Anordnung und den canonischen Satzungen zu genießen hat.“
Zum anderen ist es bei dem Erwerb des später säkularisierten Eigentums der Kirche vielfach nicht mit rechten Dingen zugegangen, wie das Beispiel der Konstantin’schen Schenkung bewiesen hat. Auch bei uns sollen der Kirche nach deren Darstellung  zahlreiche Ländereien von Karl dem Großen vermacht worden sein, aber die moderne Kriminalistik hat die entsprechenden Schenkungsurkunden als Fälschungen entlarvt. Es wäre also Zeit, die Kirchensteuer endlich abzuschaffen, aber die Politiker trauen sich an ein so heißes Eisen nicht heran. Es kostet zu viele Wählerstimmen.

Ist eine neue Säkularisation notwendig?

Es darf nicht sein, dass ein Unternehmen oder eine Institution im Staate zu mächtig wird. Das gilt auch für die Kirchen. Sie besitzen in Deutschland eine Fläche, die so groß ist wie die 4 kleinsten Bundesländer. Die Katholische Kirche besitzt den zweitgrößten Goldschatz überhaupt und unvorstellbare Mengen an Wertpapieren und Beteiligungen:
https://autorenseite.wordpress.com/kirchensteuer/
Der Kirche gehört ein Viertel der Stadt Rom und rund die Hälfte der Kleinstadt, in der ich wohne. So kann es doch nicht weiter gehen! Gerade hat die Kirche in der Apotheken Umschau dafür geworben, sie doch im Todesfall zu bedenken. Und man kann sich vorstellen, dass bei der letzten Ölung, die nun Krankensalbung heißt, auch vom Priester die Frage gestellt wird, ob der Todkranke nicht vielleicht etwas für die Kirche übrig hat. Ich habe in meiner Dienstzeit bei der Justiz nicht wenige Fälle zu bearbeiten gehabt, in denen Priestern vorgeworfen wurde, die Situation Sterbender ausgenutzt zu haben.
Wenn man sich vorstellen würde, dass die Kirche auf diese Weise pro Generation 1 % des gesamten Volksvermögens zugewendet erhielte, wäre auszurechnen, wann der Kirche alles gehört (für mich zu schwierig). Solche Entwicklungen kann man doch nicht hinnehmen. Wenn schon die Kirchen selbst so wenig von ihrem eigenen Vermögen für gute Zwecke stiften, dann muss man sie eben dazu zwingen.

„Vorbildliches“ Modell: die Kirchensteuer

Eigentlich dürfte die Kirchensteuer bei uns gar nicht erhoben werden, denn im Kirchenrecht heißt es, dass es einem Bischof nur im Falle großen Notstands erlaubt ist, eine außerordentliche und maßvolle Abgabe aufzuerlegen (can 1263). Von Notstand kann bei uns im Hinblick darauf keine Rede sein, dass die Kirchen vom Staat sowieso schon Leistungen in Höhe von 14,7 Mrd. erhalten. Sogar unser früherer Papst Benedikt XVI und der verstorbene Bischof Dyba hatten sich früher gegen diese Steuer ausgesprochen (www.kirchensteuern.de/Texte/Kirchenfinanzierung.htm).
Die Kirchensteuer wird offiziell damit gerechtfertigt, dass der Kirche bei der Säkularisation ein großer Teil ihres Besitzes weggenommen wurde. Da dürften wir im Laufe von mehr als zwei Jahrhunderten unsere Schuld doch wohl langsam abgetragen haben, zumal ein großer Teil des kirchlichen Besitzes auf gefälschten Urkunden beruht (vgl. https://autorenseite.wordpress.com/kirchensteuer/).
Und nun sei hier an einem Beispiel demonstriert, wie sehr die Kirche auch heute noch unter den Enteignungen „leidet“: Einer unserer bekanntesten Dome wurde verstaatlicht. Die Folge davon ist, dass nun der staatliche Denkmalschutz und nicht die Kirche für den Unterhalt aufkommt. Aber die Kirche darf den Dom kostenlos nutzen. Finden Sie nicht auch, dass die Kirche nach der Enteignung durch eine solche Regelung in der heutigen Zeit besser dran ist als vorher? Und dafür wird sie auch noch entschädigt!