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Haben Sie keine Phantasie?

Stellen Sie sich vor: Sie wachen morgens auf und hören in den Nachrichten, dass russische Panzer auf dem Weg nach Kiew sind. Dann können Sie sicher sein, dass im Nu alle Regale im Supermarkt geplündert sind.
Also sorgen Sie vor!

Mein Vater pflegte zu sagen:

Das Schicksal winkt erst mit dem Zaunpfahl, dann schlägt es zu.

Wo wir hin schauen, sehen wir solche Winke, aber wer reagiert schon darauf? Nehmen wir zwei Beispiele:

Vor einiger Zeit fielen bei etlichen Banken deren Geldautomaten infolge eines Cyberangriffs aus. Nach wenigen Tagen war der Schaden repariert. Wer garantiert uns aber, dass nicht ein viel schlimmerer Cyberangriff das Bankenwesen viel länger sabotiert? Was dann? Haben Sie immer genügend Geld im Haus?

Zur Zeit funktionieren die Lieferketten nicht mehr richtig. Medikamente (auch lebenswichtige), Computer-Chips, Rohstoffe … sind nicht mehr uneingeschränkt lieferbar. Man sollte jetzt schon für alle Fälle vorsorgen.
Wie steht es mit Ihren Lebensmittelvorräten? Schon in der Adenauer-Zeit wurden die Bürger aufgefordert, einen solchen Vorrat anzulegen. Und auch heute mahnen Politiker zur Vorsorge für unvorhergesehene Ereignisse. Ich erinnere mich an den Jom-Kippur-Krieg. Damals konnte ich mir bei ALDI gerade noch ein paar Dosen Bohnen als Vorrat sichern. Denken Sie daran: Die Ukraine ist viel näher an uns dran.

Mich erschreckt die Unnachgiebigkeit der NATO. Sie hat kein Verständnis für das Sicherheitsbedürfnis der Russen. Natürlich darf jeder Staat entscheiden, welche Bündnisse er eingeht. Das muss aber nicht heißen, dass die NATO die Ukraine aufnehmen muss, sondern sie könnte sagen: Wir respektieren Putins Angst, dass ihm der Westen zu sehr „auf die Pelle rückt“.  Wir halten uns daher aus der Ukraine fern.
Der Westen sollte erkennen, dass Putin bei der Krise am längeren Hebel sitzt. Was nützen die Drohungen mit schrecklichen Sanktionen, wenn Putin ganz einfach den Gashahn zudrehen könnte und wir frieren müssten?

Herr Maas, erklären Sie das doch mal!


Zur Zeit hat man den selben Eindruck wie damals vor dem Irakkrieg: Viele sind bei den Ausweisungen der russischen Diplomaten mit „Hurra“ dabei, obwohl nur ein Verdacht gegen Russland besteht. Es sind noch nicht einmal die Ermittlungen abgeschlossen. Warum diese Hektik? Und hat nicht der russische Außenminister Recht, wenn er verlangt, dass die Russen Einblick in die Ermittlungen bekommen? Wäre es nicht überhaupt besser, in so einem brisanten Fall die Ermittlungen unter internationaler Beteiligung durchzuführen?
Was Deutschland jetzt bräuchte, wäre ein Mann wie Schröder, der sich beim Irakkrieg gegen den allgemeinen Trend gewandt hat. Wenn man auch dieses Mal jedenfalls in unserem Land wieder kühlen Kopf behalten würde, hätte das andere Staaten vielleicht nachdenklich gestimmt.

Ukraine: Ist doch alles ganz anders?

Manchmal fürchte ich, dass ich spinne. Im Fall der Ukraine geht es mir so. Für mich ist alles ganz anders, als die deutsche und die europäische Politik es darstellen. Rekapitulieren wir:
In der Ukraine hatten ursprünglich einmal freie Wahlen stattgefunden, die von Wahlbeobachtern für korrekt befunden wurden. Dadurch wurde Janukowitsch Präsident der Ukraine.
Als die Ukraine vor der Wahl stand, sich der EU oder Russland anzunähern, entschied er sich gegen die EU. Das konnte man wegen der wirtschaftlichen Verflechtungen mit Russland nachvollziehen. Dem Westen gefiel das aber gar nicht und er lockte nun mit finanziellen Zusagen. Dasselbe tat Putin, indem er ein Entgegenkommen bei des Gaspreisen in Aussicht stellte, was aber hier als Erpressung hingestellt wurde.
Weil einem Teil der Bevölkerung Janukowitschs Trend zu Russland missfiel, bildete sich eine Opposition unter Führung Klitschkos, die vom Westen durch Solidaritätsbekundungen und Politikerbesuche unterstützt wurde – und sicherlich auch mit Geld. Die Demonstrationen arteten in eine Revolution aus, bei der Regierungsgebäude erstürmt und Politiker verprügelt wurden. Klare Rechtsbrüche, die der Westen hätte geißeln müssen. Schließlich kündigte Klitschko an, es werde Tote geben, und am nächsten Tag wurden 54 Menschen erschossen, darunter viele Polizisten.
Der Westen hatte auch da noch nicht auf die sich abzeichnende Tötung von Menschen reagiert, sondern sich durch den Schulterschluss mit den Revolutionären strafbar gemacht. (Umso eifriger warnte die OSZE dann Russland anlässlich der Unruhen der Russen.)
Der Aufruf des russischen Außenministers Lawrow, die Schüsse vom Maidan durch die OSZE aufzuklären, blieb unbeachtet. Im Westen wurde Janukowitsch als Mörder hingestellt, obwohl man sich als kritischer Beobachter fragt, wieso er auf die eigenen Polizisten hätte schießen lassen sollen. Nachdem die OSZE dem Wunsch der Russen, den Urheber der Schießerei zu identifizieren, nicht nachkam, war es Putin nicht zu verdenken, dass er die OSZE zunächst auch nicht auf die Krim ließ.
Nun will sich die Krim Russland anschließen und die Bevölkerung hat darüber entschieden. Der Westen rügt das als eine Verletzung des Völkerrechts. In Großbritannien dürfen zwar die Schotten demnächst entscheiden, ob sie sich selbständig machen wollen. Auf der Krim dagegen dürfen die Einwohner nach Meinung des Westens nicht abstimmen. Das wird als völkerrechtswidrig bezeichnet. War das, was sich der Westen im Zusammenhang mit dem Maidan geleistet hat, vielleicht nicht völkerrechtswidrig?
Und ist das vielleicht auch kein Rechtsbruch: Der Westen will nun russische Konten sperren. Stellen Sie sich vor, Sie sind ein reicher Russe und haben sich am Tegernsee niedergelassen. Plötzlich sperrt man Ihnen das Konto! Mit welchem Recht? Das fragen jetzt auch schon die Bayern am Tegernsee, für die die Russen eine wichtige Einkommensquelle sind. Ist das vielleicht eine Lösung eines Konflikts, wenn man Rechtsbruch mit Rechtsbruch beantwortet? Wahrscheinlich ist das Ganze ja nur eine bloße Luftblase, die den Eindruck erwecken soll, man tue etwas. In Wirklichkeit ist man machtlos, denn wenn man Putin zu sehr ärgern würde, würde der den Gashahn zudrehen.
Der einzige, der unsere Sicht ein wenig zurecht rückt, scheint Schröder zu sein. Übrigens verdankte er seinerzeit seine Wahl dem Umstand, dass er – anders als Merkel damals – gegen eine Beteiligung am Irakkrieg war. Hat Merkel daraus gelernt, als sie gerade sagte, einen Krieg wegen der Ukraine werde es nicht geben? Wie beruhigend! Wirklich? Wie oft schon hat das Dementi am Beginn dessen gestanden, was dementiert wurde.
Merke: Im Krieg stirbt die Wahrheit zuerst. Bei einer Revolution noch eher.