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„Demonstratismus“ als Gefahr für die Demokratie

Eugène Delacroix: Liberty Leading the People

„Demonstratismus“ möchte ich hier eine Erscheinung nennen, die sich zu einer Gefahr für die Demokratie entwickelt. Das sei am Beispiel der Ukraine demonstriert:
Janukovich war einmal der gewählte Präsident der Ukraine. Dass es bei seiner Wahl nicht mit rechten Dingen zugegangen sein soll, war eine Erfindung seiner Gegner, denn neutrale Wahlbeobachter hatten einen korrekten Ablauf der Abstimmung bescheinigt. Als Janukovich sich eher Russland anschließen wollte als der EU, gab es Demonstrationen. Das war die Stunde der westlichen Politiker: Man unterstützte die Demonstrationen mit gewaltigen Summen. Auch Politiker wie unser damaliger Außenminister Steinmeier brachten durch ihre Besuche ihre Sympathie gegenüber den Demonstranten zum Ausdruck. Auf einmal ging es um Freiheit und nicht um eine politische Ausrichtung. Und man hatte eine Galionsfigur gefunden: Klitschko, der wie die Liberté auf dem berühmten Gemälde von Delacroix zwischen brennenden Autoreifen empor stieg – das waren Bilder die um die Welt gingen. Und so wurde Janukovvich aus dem Amt getrieben durch eine Demonstration, die sich mit ausländischer Befeuerung zu einer Revolution entwickelte.

Auch bei uns nehmen die Demonstrationen zu. Zehntausende gehen auf die Straße wegen des Klimawandels, gegen Rechts, gegen den Wirtschaftsgipfel… Und die Gelbwesten in Frankreich haben uns gezeigt, dass Demonstranten den Staat an den Rand eines Zusammenbruchs führen können. Das Schlimme daran ist das, was ich in einem meiner Aphorismen so beschrieben habe:

„Mob“ ist die Bezeichnung für die blöde Masse, die sich leicht Mob-ilisieren lässt.

Wer also in diesem Staat etwas erreichen will, muss schauen, dass er die Massen hinter sich bringt und auf die Straße treibt durch die sozialen Medien, durch Fake-News, durch Einbindung von Organisationen, durch eine Galionsfigur… Und vielleicht gelingt es dann einer Gruppe, die Macht an sich zu reißen. Gefährlich wird dies dann, wenn ein ausländischer Staat mit viel Geld eine ihm genehme Gruppierung unterstützt. Dies haben wir in Großbritannien erlebt: Russische Experten sollen durch starke Präsenz in den sozialen Medien so viel Stimmung für den Brexit erzeugt haben, dass das Volk dafür war. So soll die EU zerstört werden, und dies könnte gelingen, wenn sich der Brexit als Erfolgsstory erweisen sollte.
Mein Vater pflegte zu sagen: „Ein schneidiger Leutnant und ein paar Mann sind in der Lage, die Macht zu übernehmen.“
Ich sage: „Das können auch die Bauern, wenn sie mit ihren Traktoren den Verkehr lahm legen.“

Der Papst tut mir leid

Papst

Abschied des Papstes?

Es hat mich gerührt, als der Papst einmal berichtete, er würde Gott um viel Humor bitten. Den braucht er auch im Vatikan, denn dort hat er kein leichtes Leben. So wirkte seine Bitte um Humor auf mich wie ein Hilfeschrei. Aus der Vatikanperspektive gesehen „menschelt“ er halt zu sehr. Und deshalb geht das Gerücht um, es finde eine Palastrevolution gegen ihn statt: Er werde zum Rücktritt gedrängt. Er selbst sagte nun in einem Interview, Gott habe ihn nur für eine kurze Zeit eingesetzt. Und er schloss dabei auch einen Rücktritt nicht aus. Das wäre sehr schade.
Was mich an der Katholischen Kirche immer wundert, ist die Tatsache, dass sie sich in vieler Hinsicht nicht an die Bibel hält, sich aber andererseits an manche Worte Jesu festklammert, die vielleicht aus der damaligen Zeit heraus verständlich sind.
Ein paar Beispiele, wie sich die Kirche über die Bibel hinwegsetzt:
Es beginnt schon bei den 10 Geboten. Das 2. Gebot (Du sollst dir kein Bildnis noch irgendein Gleichnis machen, …) wird nur von den Moslems beachtet.
Gottes Befehl „Seid fruchtbar und mehret euch“ wird durch den Zölibat zur Befehlsverweigerung.
Jesus hat die Jünger mit folgenden Worten in die Welt hinaus geschickt: „Nehmt nichts mit auf die Reise weder Wanderstab noch Tasche, weder Essen noch Geld, nicht einmal ein zweites Hemd.“ Und heute ist die Kirche unermesslich reich.
Wie sehr haben Petrus und Paulus gegen Schmuck und Haartracht der Frauen gewettert. Paulus hat den Frauen sogar verboten, in der Gemeinde zu sprechen. Und heute?
Man kann also sagen, die Kirche hat sich weit von der Bibel entfernt.
Und die Gläubigen ihrerseits haben sich wiederum von der Kirche emanzipiert:
Wenn man die Katholiken befragt, was sie glauben, dann kommt eine Art von Freidenker-Mentalität heraus:
Kaum einer glaubt an die leibliche Himmelfahrt Mariens.
Das Sonntagsgebot wird von über 80 % der Gläubigen missachtet.
Und in das Sexualleben lassen sich die Katholiken auch nicht von der Kirche drein reden.
Die Kirche traut sich nicht, gegen das ehelose Zusammenleben von jungen Paaren zu wettern.
Und was nun die Ehe angeht, bei der der Papst mit seinen Ansichten am meisten angeeckt, ist die Kirche sehr scheinheilig. Es waren doch die deutschen Bischöfe, die dies verkündet haben:
Wir ermutigen in diesem Zusammenhang alle, die begründete Zweifel daran haben, dass ihre Ehe gültig zustande gekommen ist, den Dienst der kirchlichen Ehegerichte in Anspruch zu nehmen, damit ihnen ggf. eine neue kirchliche Heirat ermöglicht wird.“
(http://www.dbk.de/fileadmin/redaktion/diverse_downloads/presse_2017/2017-015a-Wortlaut-Wort-der-Bischoefe-Amoris-laetitia.pdf)

Und es sind die deutschen Ehegerichte der Kirche, bei denen das Scheidungsbegehren zu 100% erfolgreich ist.
https://autorenseite.wordpress.com/2017/03/01/katholische-scheidungswelle/

Das passt doch alles nicht zusammen: Einerseits werfen die Bischöfe dem Papst eine falsche Einstellung zur Ehe vor und andererseits ermuntern sie die Gläubigen zur Scheidungsklage und lassen diese erfolgreich sein.

Ein Kinderkreuzzug muss her!

Kinder
Wir leben in einer Zeit, in der Demonstrationen schon fast zum Alltag gehören. Und deshalb nützen sie meist wenig. Manchmal wundert man sich, warum die Deutschen nicht wegen der zahlreichen Missstände revoltieren:

Es kann doch nicht sein, das ein Mensch wie Winterkorn das 170-fache eines Durchschnittseinkommens seiner Belegschaft verdient. Das ist nicht nur unmoralisch, sondern ein Indiz für eine Erkrankung. Auf der anderen Seite ist die Armutsrisikoquote 2015 auf 15,7 Prozent gestiegen – den höchsten Stand seit der Wiedervereinigung. Das Traurige ist, dass Familien und Alleinerziehende besonders betroffen sind.
https://autorenseite.wordpress.com/2017/02/01/also-nee-herr-schulz-so-nicht/
Wenn wir in Deutschland keine Revolution haben, sondern dies widerstandslos schlucken, so liegt das wohl nicht an Lenins Erkenntnis, die besagt:
„Wenn die Deutschen Revolution machen und einen Bahnhof stürmen wollen,
dann kaufen sie vorher eine Bahnsteigkarte.“
Nein die Deutschen sind wohl eher zu vernünftig, eine Revolution anzuzetteln, denn es gibt eine Weisheit, die besagt, dass die Revolution ihre eigenen Kinder frisst. Und im Nahen Osten sehen wir gerade, wie wahr dieser Ausspruch ist.
Was also ist zu tun? Da hätte ich einen Vorschlag, dem m.E. ein durchschlagender Erfolg beschieden sein dürfte:
Bekanntlich nimmt die Kinderarmut besonders zu:
https://autorenseite.wordpress.com/2016/08/03/kinderarmut-nicht-so-schlimm/
Haben Sie je von der Kanzlerin gehört, dass sie das gesagt hätte, was ihre Pflicht gewesen wäre: „Um Gottes Willen! Da müssen wir sofort was tun!“
Nun hilft nur noch eines: Man müsste einen „Kinderkreuzzug“ gegen die Armut organisieren. Stellen Sie sich vor: ganze Massen von Kindern würden vor dem Bundestag oder dem VW-Werk demonstrieren. Da kann der Erfolg nicht ausbleiben.

Also los, Kinderschutzbund! Erhebt euch endlich aus euren Sesseln und lehrt die Regierenden das Fürchten. Die haben jetzt schon Angst vor der nächsten Wahl.

Radikale Änderung der Politik

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Kürzlich traf ich zufällig mit einem unserer bekannten Wirtschaftsbosse zusammen und wir sprachen über Politik. Er sagte unvermittelt, es gebe ja nur eine Partei, die man wählen könne und das seien die Linken. Nanu, dachte ich: Der will mich provozieren, um mich auszuhorchen. Aber er meinte das durchaus ernst. Und wenn ich seine Ansichten kurz zusammen fasse, hört sich das so an:
Was haben wir denn für Regierungen? Alles eine Sauce! Oder hat sich viel geändert, wenn die Regierungen gewechselt haben? Es geht immer so weiter wie bisher: Die Reichen werden immer reicher und die Armen immer ärmer. Am Ende werden sich die Leute kaum noch etwas kaufen können und die Wirtschaft bricht zusammen. Irgendwann gibt es dann sicher mal eine Revolution. Ein kleiner Zündfunke genügt und das Volk steht auf wie damals am 17. Juni in der DDR, als nur die Arbeitsnormen etwas angehoben wurden..
Deshalb müsse sich die Politik radikal ändern, meinte er: Und deshalb müsse man die Linken wählen.
Nur sind die zur Zeit ein etwas lahmer Verein, so dass diejenigen, die etwas ändern wollen, die AfD wählen.

Wie eine Revolution läuft: Ukraine

Es ist ja interessant, am Beispiel der Ukraine zu verfolgen, wie so eine Revolution verläuft. Ursprünglich ging es ja nur darum, ob sich die Ukraine nach Westen orientieren und EU-Mitglied werden soll oder ob sie sich mehr an Russland anschließen soll. Damals kamen energische Proteste gegen Putin, weil sich der Mann doch tatsächlich erdreistete, der Ukraine keine Vorzugspreise für Gaslieferungen zu gewähren,wenn man sich der EU anschließen würde.
Im weiteren Verlauf ging es dann auch um „Freiheit für „Timoschenko“, für die sich auch die EU einsetzte. Wieso eigentlich, denn die Frau saß zu Recht im Gefängnis:
https://autorenseite.wordpress.com/2013/11/23/eu-fall-timoschenko-17036479/
Dann schließlich wandelte sich das Thema der Revolution. Die Opposition behauptete, Janukowitsch sei durch Wahlbetrug in sein Amt gekommen. Damit konnte man aber im Westen nicht punkten, denn das stimmte nicht. Nun fordert man den Rücktritt Janukowitschs, weil der undemokratische Gesetze gemacht habe und es nun Tote gegeben hat. Es fragt sich nur, welches Chaos ausbrechen würde, wenn die Regierung zurücktreten würde.
Klitschko hatte noch am Vorabend, bevor es den ersten Toten gab, angekündigt, dass nun Menschen sterben werden. Das war schon deshalb klar, weil die Oppositionellen mit Molotow-Cocktails warfen, was in meinen Augen Mordversuch ist.
Wir haben auch Öl ins Feuer gegossen. Unser Außenminister hat durch seine Anwesenheit die Demonstranten unterstützt. Man sieht daran deutlich, dass die Ukraine in die EU geholt werden soll. Und jetzt, wo es die ersten Märtyrer gegeben hat, wird man eine Entscheidung, die von den gewählten Organen zu treffen gewesen wäre, mit Gewalt auf der Straße herbei führen.
Ich frage mich bei den Bildern, die Klitscho zeigen, wie er im Kampfgetümmel plötzlich weiß übersprüht wird: Ist das alles echt oder gestellt?

Revolution in der Ukraine

Bei uns wird der Eindruck erweckt, als ginge es in der Ukraine um Demokratie und Unabhängigkeit. Tatsächlich geht es um die Frage, ob sich die Ukraine nach Westen oder Osten orientieren soll oder ab sie ein Brückenglied bilden will. Die Regierung will mit Russland paktieren. Das gefällt der Opposition nicht. Deshalb demonstriert sie. Das ist ihr gutes Recht. Wenn aber Klitschkos Partei eine Blockade von Verwaltungsgebäuden propagiert und die Freiheitspartei sogar von Revolution spricht, dann ist eine Grenze überschritten. Auch der geplante Generalstreik und die Sperrung des Hauptstadtzentrums bis zum Rücktritt der Regierung sind eher Erpressungsmaßnahmen als Ausübung des Demonstrationsrechts. Es ist daher verständlich, wenn die Regierung im Hinblick auf solche Vorkommnisse die Demonstrationen überhaupt verbietet und gegen Demonstranten vorgeht. Wenn es dabei hart zugeht, kann ich das verstehen. Ich wäre auch nicht zimperlich, wenn ich mit Pflastersteinen beworfen würde. Im Fernsehen werden uns gerne Exzesse der Polizei vorgeführt, die der Regierung angelastet werden. Das war auch bei uns so, als es um Stuttgart 21 guing. Das, war Klitschko zu den Demonstrationen in der Bild Zeitung gesagt hat, klingt auch nicht gerade so, als würde seine Truppe ein Musterbeispiel an Gewaltfreiheit und Fairness sein: „Es wird mein brutalster Kampf hier in der Ukraine, denn es ist ein Kampf ohne Regeln.“
Herr Klitschko, auch die Gesetze sind Regeln, die mehr beachtet werden sollten als die Regeln beim Boxen. Sie und die Opposition sollten begreifen, wie die repräsentative Demokratie funktioniert. Da entscheidet das frei gewählte Parlament und nicht die Opposition, auch wenn sie in der Lage ist, viele Menschen zu mobilisieren. Übrigens: Der Mehrheit der Deutschen hat auch nicht gefallen, dass wir unsere D-Mark aufgegeben haben oder nach Afghanistan gegangen sind. Aber wir haben die Entscheidung der Regierung akzeptieren müssen, ohne auf die Straße zu gehen.