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Papst in Rente

Was sich die Kirche alles einfallen lässt: Es wird nun sogar geregelt, wie der Papst im Ruhestand anzureden ist: Er darf den Titel „Heiliger Vater“ behalten. Da freuen wir uns doch. Habe ich nun also demnächst 2 Väter neben meinem natürlichen? Geregelt wurde auch, dass der Papst a.D. weiterhin weiß gekleidet sein darf. Ich habe auch ein weißes Jackett, einfach ohne Genehmigung des Vatikans.
Der Papst darf nun allerdings nicht mehr seine roten Schuhe tragen. Das war auch zu anstößig, denn was gibt es doch für Songs und Geschichten über rote Schuhe! Da passt der Papst einfach nicht dazu.
Wir staunen, dass die Kirche sich die Zeit nimmt, sich mit solchen Problemchen zu befassen, und wie ist die Kirche dabei doch schon so offen geworden für das Neue!
Manchmal kommt mir die Kirche vor wie eine Hausfrau, die ihren Eisschrank abtaut, obwohl ihr Haus brennt.

Der Papst geht, die Gläubigen auch?

„Der Herr ruft mich, ‚auf den Berg zu steigen‘, um mich noch mehr dem Gebet und der Meditation zu widmen“, sagte Benedikt XVI bei einem seiner letzten Auftritte. Gott habe ihn in diese Situation gerufen, „damit ich ihr weiterhin dienen kann, mit der gleichen Hingabe und mit der gleichen Liebe wie bisher, aber auf eine meinem Alter und meinen Kräften angemessenere Weise.“
Dass Gott den Papst gerufen hat, ist wohl nicht so gemeint, dass er ihm erschienen ist, sondern in übertragenem Sinne. Und da kann man den Papst beneiden, dass er die letzte Zeit so positiv sieht. In den Blogs auf dieser Seite sehen die Rücktrittsgründe gegenteilig aus: Der Papst wurde wohl eher von Satan vertrieben: Es heißt zwar, er sei aus Altersgründen zurück getreten. Doch immer mehr breitet sich aber die These aus, er sei zu diesem Schritt gedrängt worden, auch wenn Zollitsch dies energisch bestreitet Vielleicht kommt ja beides zusammen: Die Aufgaben, die für den Papst zu bewältigen sind, sind einfach zu gewaltig für sein hohes Alter. In der antiken Sagenwelt bedurfte es eines Herkules’, um den Augiasstall auszumisten. Aber das, was die Kirche mit ihrer Vatikan-Bank zu leisten hat, ist schwieriger. Es besteht der Verdacht, dass verbrecherische Organisationen, besonders die Mafia Gelder bei dieser Bank gewaschen haben. Verschiedene Konten mit heiligen Namen sollen den Eindruck erwecken, sie würden Orden gehören. Tatsächlich aber existieren diese Orden gar nicht. Wer hier durchgreifen will, riskiert sein Leben, wie die Fälle Calvi und Sindona zeigen (vgl. voriges Blog).
Ferner soll im Vatikan ein Netz von Homosexuellen existieren, und dabei soll Erpressung im Spiel sein, um ein weiteres Beispiel aus den römischen Zeitungen zu zitieren. All das und noch mehr soll in dem Geheimbericht stehen, den drei Kardinäle zur „Vatileaks-Affäre“ erstellt haben. Was der Bericht enthält, muss so schlimm sein, dass der Papst an dem Tag, als er ihn zu Gesicht bekam, zurück trat. Es fragt sich nur, wie lange die Katholiken diesem schrecklichen Schauspiel noch zuschauen, ohne selbst ihrer Kirche den Rücken zu kehren.
„Die Kirche wird nicht kentern“ hat der Papst bei einem seiner letzten Auftritte gesagt. Damit hat er sicher recht. Wenn schon der Aberglaube nicht untergeht, kann erst recht der Glaube nicht vergehen. Aber die Katholische Kirche läuft Gefahr, zu einer Sekte von vielen zu werden.
Da hilft wohl nur ein neuer Papst aus Afrika, der den „Laden“ völlig umkrempelt und wieder Hoffnung bei den Gläubigen weckt. Die Hoffnung richtet sich auf zwei Ziele: Erneuerung und Reinigung. Ein bisschen viel auf einmal.

Vatikanbank in den Klauen der Mafia?

Die Bischöfe beklagten kürzlich ein Pogromstimmung gegen die Katholische Kirche. Sie übersehen dabei, dass es die Kirche selbst ist, die sich kaputt macht.
„An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen“, ist eine der großen Wahrheiten, die Jesus verkündet hat. Legt man diesen Maßstab an die Katholische Kirche an mit ihren Missbrauchsfällen und ihrer Vatikanbank, dann muss man sagen: Der Glanz ihrer angeblichen Heiligkeit schimmert kaum noch durch den „Rauch Satans“ (s. hierzu Blog vom 15.2.). Wir fragen uns erschüttert: Wie kann es sein, dass die Bank einer Kirche, die sich hochtrabend „Institut für Werke der Religion“ nennt, es bis heute nicht geschafft hat, die Kriterien zu erfüllen, die in Europa notwendig sind, um als solides Institut zu gelten? Die EU beanstandet immer noch, dass die neu geschaffene Finanzbehörde des Kirchenstaats nicht effektiv genug arbeitet und dass die Vatikanbank verdächtige Transaktionen nicht ausreichend verfolgen könne. Der Vatikan hat es nicht einmal geschafft, in die „weiße Liste unverdächtiger Staaten“ der OECD aufgenommen zu werden: Ein Kirchenstaat als verdächtig: das ist doch wohl das Schlimmste, was dem Vatikan passieren kann. Das Traurige an der Sache ist, dass der Vatikan angeblich immer schon daran arbeitet, in seiner Bank aufzuräumen. Wie das aussieht, ist eine Kriminalgeschichte, wie sie schlimmer wohl kein Krimi-Autor ausdenken kann. Beginnen wir im Jahr 1978, als Papst Johannes Paul I gewählt wurde. Er hatte mehr Transparenz bei dieser Bank durchsetzen wollen. Nach Ansicht vieler musste er dies mit seinem Leben bezahlen. Offiziell soll er an einer Überdosis seiner Herztabletten gestorben sein. Dies wird von seiner Verwandtschaft bestritten, weil er kein solches Leiden gehabt habe. Ein Papst wird auch wohl kaum so dumm sein, eine Überdosis seines Herzmittels zu nehmen. Für die These, dass der Papst vergiftet wurde, spricht die Tatsache, dass eine Obduktion seiner Leiche verhindert wurde. Und dann geht der Krimi weiter:
Der Chef der Vatikanbank, Erzbischof Marcinkus, wird mit internationalem Haftbefehl gesucht, lebt aber unbehelligt im Vatikan.
Unvergessen sind auch die Morde an den Bankiers Calvi, der als Verwalter der Vatikan-Finanzen „Bankier Gottes“ genannt wurde, und an seinem Vorgänger Sindona.
Nach dem Calvi-Marcinkus-Skandal zahlte der Vatikan im Jahr 1984 240 Millionen Dollar Entschädigung. Ist es das Geld, das alte Mütterchen von ihrer kargen Rente absparten und in der Kirche in den Klingelbeutel warfen? Oder stammte es von den Kindern, die als Sternsinger durch die Lande zogen?
Im Zuge der Finanzkrise gerät auch der Vatikan in den Ruf einer illegalen Finanzoase. Benedikt XVI. ernennt den italienischen Bankier Ettore Gotti Tedeschi zum Leiter der Vatikanbank.
Viel hat dies offenbar nicht gebracht, denn die italienische Staatsanwaltschaft fror bei der italienischen Bank Credito Artigiano 23 Millionen Euro auf einem Konto ein, das von der Vatikanbank genutzt wurde, und ermittelt gegen Tedeschi. Der trat zurück und wurde nun durch den Malteser-Ritter von Freyberg ersetzt. Zeitweise konnte man im Vatikanstaat Kreditkarten nicht benutzen, weil die italienische Zentralbank dies aus gutem Grund stoppte.
Zum Abschluss eine Frage: Warum braucht die Katholische Kirche überhaupt eine eigene Bank, nachdem sie rund 2000 Jahre ohne ein solches eigenes Institut ausgekommen ist? Alles, was dabei herausgekommen ist, ist ein Schandfleck für die Kirche.
Noch ein Schandfleck ist hier.

Der Papst als Hartz-IV-Empfänger?

Gestern noch lasen wir, der Papst werde als Bischof von Rom eine Pension von 2500 Euro erhalten. Heute schon wird das vom Vatikan dementiert. Es heißt, es sei noch alles ungeklärt. Wird also der Papst letztlich auf Hartz-IV-Geld aus Deutschland angewiesen sein?
Keine Angst! So weit wird es nicht kommen. Es wird genügend Klöster geben, die den Papst gerne bis an dessen Lebensende aufnehmen und verköstigen würden.
Außerdem hat ja der Papst erhebliche Einnahmen aus seinen Büchern. Nimmt man an, dass von den 1,2 Milliarden Katholiken nur jeder Tausendste eines dieser Bücher gekauft hat und dass der Papst pro Buch nur 1 Euro verdienen würde, so hätte er schon mehr als eine Million Euro. Tatsächlich aber werden die Einkünfte, wie jeder abschätzen kann, ein Vielfaches betragen und mancher fragt sich, was der Papst mit diesem vielen Geld macht. Er wäre doch ein leuchtendes Beispiel, wenn er beispielsweise eine Million für die Hungernden auf der Welt spenden würde.
Aber Kirche und Geld – das ist ein unerfreuliches Kapitel. Lesen Sie dazu mein Blog von gestern und meinen interessanten Beitrag über die Kirchensteuer!

Ich bin nicht schuld am Papstrücktritt!

Am 15.2. habe ich mich schon mit dem Papstrücktritt befasst. Nun mutmaßt auch der Mainzer Kardinal Lehmann, dass Papst Benedikt XVI. «eher einsam» gewesen sei und möglicherweise enttäuscht über einige Vorgänge im Vatikan. Bis heute seien beispielsweise die Untersuchungsergebnisse einer Kardinalsgruppe zur Vatileaks-Affäre nicht bekannt, «vielleicht gebe es da noch mehr Grund zu Enttäuschungen». Wenn man als Papst von seinem eigenen Kammerdiener belauscht und verraten wird und man nicht genau weiß, wer dahinter steckt, dann kann einem bei allem Gottvertrauen schon Angst werden. Steckt vielleicht die Maffia dahinter?
Zusammenfassend kann man wohl sagen, dass es stimmt, wenn der Papst in erster Linie aus Altersgründen zurück getreten ist. Im Alter wird man dünnhäutiger und kann all das, was sich im Vatikan getan hat nicht mehr ertragen.
Ich bin jedenfalls der festen Überzeugung, dass der Papst mein Buch „Teufel, Teufel! Das Buch der unfrommen Geschichten“ nicht gelesen hat und dass ich also nicht schuld an seinem Rücktritt bin.

Rauch des Satans im Vatikan?

Die Reaktionen auf den Papstrücktritt in unserem Land sind wieder einmal typisch. Die Einheitsmedien übernehmen die amtliche Version, dass der Papst aus gesundheitlichen Gründen zurückgetreten ist. Das sei hier nicht angezweifelt, aber es haben mit Sicherheit auch andere Ursachen eine Rolle gespielt, mit denen man sich hätte auseinander setzen sollen. Wahrscheinlich konnte der Papst das nicht ertragen, was wir nur in den Deutschen Wirtschaftsnachrichten lesen können, nämlich dass sich der „Rauch Satans, der vor 40 Jahren in den Vatikan eindrang, mittlerweile in allen Gemächern ausgebreitet zu haben scheint und ihm die Luft zum Atmen genommen“ hat. Lesen Sie doch einmal den interessanten Artikel:
http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2013/02/14/papst-ruecktritt-vatikan-bank-im-visier-der-ermittler/
Und heute lesen Sie in dieser Zeitung: „Der italienische Star-Journalist Gianluigi Nuzzi ist überzeugt: Papst Benedikt XVI. ist zurückgetreten, um ein Zeichen gegen die Missstände im Vatikan zu setzen. Als Theologe habe er sich überfordert gefühlt, die wirtschaftlichen Probleme des Kirchenstaats zu lösen. Er habe in der Kurie keine Freunde gehabt. Sein Nachfolger müsse nun vor allem die von Skandalen erschütterte Vatikan-Bank reformieren.“
Was war das doch auch für ein Schlag ins Gesicht der Kirche, dass die italienische Zentralbank die Nutzung elektronischer Zahlungsmittel im Vatikan zur Jahreswende aussetzte. So musste dort bar bezahlt werden und die dortigen Geldautomaten gaben kein Geld mehr aus.
Und noch etwas zum Papstrücktritt: Vergessen Sie das Bla-Bla der Politiker. Der Bundespräsident sagte beispielsweise:
„Für diesen historisch höchst seltenen Entschluss sind großer Mut und Selbstreflexion nötig. Beides findet meinen außerordentlichen Respekt.“
Das ist doch völlig daneben gegriffen. Wenn ein Mensch nicht mehr kann und gehen muss, dann ist das eine Notwendigkeit, die weder mutig ist, noch Anlass zu „außerordentlichem Respekt“ bietet, sondern eher tiefes Mitgefühl und Bedauern auslöst.

Ich gestehe: Ich habe einen Fehler gemacht!

Wer hat das nicht? Aber ich rede hier von meinem Blog. Eigentlich wollte ich mich mit dieser Seite gelegentlich zu Wort melden oder in politische Diskussionen einmischen. Dann kam ich auf die Idee, das Ganze durch satirische Beiträge aufzulockern. Und so entstand ein wüstes Durcheinander. Gestern brachte ich einen Bericht über einen hölzernen Dildo. Dadurch kam ich auf 419 Seitenaufrufe! Damit habe ich offenbar auch den Geschmack eines Publikums getroffen, das ich eigentlich nicht so sehr im Auge hatte. Mir geht es mehr um die urteilsfähigen, nachdenklichen Menschen. Deshalb kommt heute hier zur Buße anlässlich des Papstrücktritts eine Kurzgeschichte aus meinem Buch: „Teufel, Teufel! Das Buch der unfrommen Geschichten“. Schauen Sie doch mal rein. Wehe, wenn da nicht mehr als 419 Klicks kommen!

Jesus im Vatikan

Zuerst stand es natürlich im „Osservatore Romano“, allerdings nicht so, wie es dem Ereignis angemessen gewesen wäre:
„Im Vatikan erschien am gestrigen Montag ein junger Mann, der behauptete, Jesus zu sein. Er begehrte, den Papst zu sprechen. Immerhin gelang es ihm, sich mit einem zufällig daher kommenden Kardinal zu unterhalten. Dieser nahm sich freundlicherweise des Falles an. Da der Kardinal befürchtete, dass der junge Mann geisteskrank und daher behandlungsbedürftig sei, unterhielt er sich eine halbe Stunde lang mit ihm, wobei er zu der Überzeugung kam, es handele sich um einen ‚harmlosen Irren‘. Er verabschiedete sich dann von ihm mit den Worten, es habe ihn gefreut, mit Jesus persönlich gesprochen zu haben. Daraufhin verließ der junge Mann sichtlich zufrieden wieder den Vatikan.“
Nun, so ganz stimmte dieser Zeitungsbericht nicht. Das ist, wie man weiß, nichts Ungewöhnliches. Nur ganz naive Leute glauben das, was ihnen schwarz auf weiß vorgesetzt wird. Auch beim „Osservatore Romano“ sieht man die Welt natürlich aus einem bestimmten Blickwinkel, und damit ist die Sicht auf das, was geschieht, natürlich erheblich beschränkt. In Wahrheit hatte sich nämlich folgendes zugetragen:
Der junge Mann, der im Vatikan erschienen war, war keinesfalls damit zufrieden, wie ein Irrer behandelt worden zu sein. Dabei konnte er sich nicht darüber beklagen, dass er unfreundlich empfangen worden wäre: Er hatte sich an der Pforte ordnungsgemäß angemeldet:
„Darf ich mich vorstellen? Ich bin Jesus und möchte meinen Stellvertreter auf Erden sprechen!“
Der Pförtner hatte einen Anmeldezettel zur Hand genommen und nachgefragt:
„Ist Jesus Ihr Vor- oder Nachname?“
„Ich heiße nicht nur Jesus, sondern ich bin es – der Mann für den Sie arbeiten.“
„Hm, hm“, hatte der Pförtner hinhaltend gebrummt, um zu überlegen, was zu tun sei. „Wen – sagten Sie – wollten Sie sprechen?“
„Meinen Stellvertreter!“
Am Gesicht des Pförtners war nun zweierlei abzulesen: Er hatte zwar begriffen, von wem sein Besucher sprach, wusste aber immer noch nicht recht, wie er sich verhalten sollte.
„Moment!“ sagte er gedehnt und verschwand in einem Nebenraum. Dort griff er zum Telefon und fragte einen jungen Kaplan um Rat. Der war – Gott sei Dank – äußerst hilfsbereit:
„Nur her mit dem jungen Mann, vielleicht ist er ja mit mir zufrieden.“
So war nun dieser Jesus von einem martialisch aussehenden Mitglied der Schweizer Garde in das Büro des Kaplans geleitet worden, der ihn leutselig begrüßte:
„Sie wurden mir als Jesus angemeldet. Sie wünschen?“
„Ich bin nicht nur als Jesus angemeldet, sondern bin es tatsächlich selbst und möchte den Papst sprechen.“
Der Kaplan hatte sein liebenswürdigstes Gesicht aufgesetzt, das er sich für besonders schwierige Fälle antrainiert hatte:
„Es freut mich, den Mann persönlich kennen zu lernen, dem ich so viele Jahre meines Lebens gewidmet habe. Ich bin sozusagen die rechte Hand des Papstes. Sie können mir also ruhig Ihr Anliegen vortragen und können sicher sein, dass ich es dem Heiligen Vater – so gut es geht sogar wortwörtlich – übermitteln werde. Er ist nämlich leider heute nicht im Hause und daher nicht zu sprechen. Da Sie Jesus sind, werden Sie dies ja wohl wissen.“
„Weil ich Jesus bin, weiß ich, dass der Papst da ist. Bringen Sie mich also zu ihm und reden Sie nicht lange darum herum.“
Der Kaplan wurde bleich und war mit seinem Latein am Ende gewesen (das er ja eigentlich wie eine Umgangssprache beherrschte). Da kam ihm ein – wie er meinte – grandioser Einfall. Er wollte diesen offensichtlich verwirrten jungen Mann seinem Vorgesetzten vorstellen; vielleicht würde sein Besucher ja damit zufrieden sein und den Kardinal womöglich sogar für den Papst selber halten.
Der Kaplan näherte sich in devoter Haltung, sozusagen verbeugt gehend, dem prächtigen Portal zum Büro seines Vorgesetzten, das von zwei barbusigen Engeln bewacht wurde. Es hatte eine solche Größe, dass der Überlieferung nach ein gekrönter Besucher mit seinem Pferd hindurch geritten sein soll. Die wertvollen goldgeränderten Facetten der Türfüllung machten jedem Besucher klar: Dahinter befand sich jemand, demgegenüber man sich klein vorkommen musste.
Der Kaplan sagte zu Jesus:
„Ich werde Sie jetzt bei Seiner Eminenz anmelden.“
Er klopfte vorsichtig an die Tür, und es ertönte ein kurzes „Herein!“
Der Kaplan bedeutete Jesus mit einer kurzen Handbewegung, dass er warten möge, und verschwand schnell im anderen Zimmer. Er bereitete seinen Vorgesetzten auf seinen Besucher vor und fand, es wäre doch ein gutes Werk, diesen jungen Mann kurz zu empfangen.
Der Kardinal hatte ein offenes Ohr für „gute Werke“, denn er war in seiner Jugend ein Pfadfinder gewesen und daher darauf gedrillt worden, jeden Tag mindestens einmal etwas Gutes zu tun, und sei es auch nur etwas ganz Kleines. Er hatte dann allerdings gefunden, dass es gar nicht so einfach war, nach diesem Grundsatz zu leben, denn wenn man den ganzen Tag im Büro saß und arbeitete, musste man schon die Arbeit selbst als etwas Gutes ansehen, um nach den Grundregeln der Pfadfinder seine Pflicht getan zu haben.
Der Kardinal nahm also freudig die Gelegenheit wahr, auf so einfache Weise wieder einmal einen Pluspunkt in seiner imaginären Liste der guten Werke verbuchen zu können, und ging ins Büro seines Kaplans hinaus. Er schüttelte dem Besucher freundlich die Hand und sagte:
„Ach, setzen wir uns doch in mein Zimmer!“
Nachdem sie beide dort an einem kleinen goldenen Barocktisch in roten damastbezogenen Sesseln Platz genommen hatten, ergriff der Kardinal das Wort:
„Wer, sagten Sie noch gleich, sind Sie?“
„Ich sagte, dass ich Jesus bin und den Papst sprechen möchte.“
„Damit keine Missverständnisse aufkommen: Wollen Sie sagen, dass Sie der Jesus sind?“
„Ja, der bin ich.“
„Entschuldigen Sie bitte, dass mein Begriffsvermögen etwas beschränkt ist. In der Bibel steht doch ganz klar, dass der Menschensohn in Herrlichkeit wieder kommen wird, aber doch nicht einfach so wie Sie.“
Der Kardinal fand es gut, sein Gegenüber in eine kurze theologische Debatte zu verwickeln, um ihn dann wieder nach Hause schicken zu können. Doch sein Gesprächspartner antwortete lapidar:
„Wir haben es uns da oben eben anders überlegt!“
„Nun, für mich waren die göttlichen Ratschlüsse immer etwas Unumstößliches, denn Gott ist vollkommen, und was er beschließt, ist von seiner umfassenden Weisheit getragen. Da kann es nicht sein, dass er mal so und dann wieder anders sagt.“
„Deswegen bin ich ja hier, um diesen Irrtum auszuräumen: Mein Vater ist anpassungsfähig. Die Bibel ist voll von Beispielen. Nehmen Sie beispielsweise die Sintflut. In seinem Zorn hat mein Vater die gesamten Lebewesen bis auf diejenigen in der Arche ertränkt. Hinterher hat es doch bereut und gesagt, er werde so etwas nie wieder tun, obwohl gerade Zeiten wie diese…“
„Ja, ja, die Zeiten sind schlimm, auch für die Kirche.“
„… weil sich die Kirche nicht anpasst. Die Kirche unterscheidet zu wenig zwischen unabänderlichen Geboten und solchen, die nur in die Zeit meines früheren Lebens gepasst haben. Das wollte ich mit meinem Stellvertreter besprechen, und darum muss ich ihn unbedingt treffen.“
„Leider ist Seine Heiligkeit, wie Sie als Jesus ja wohl wissen, alt und kränklich. Heute fühlt er sich unpässlich und hat alle Termine abgesagt. Es geht also leider nicht, dass Sie ihn besuchen können. Bitte haben Sie dafür Verständnis.“
„Ihr Kaplan sagte, der Papst sei nicht im Hause, und Sie behaupten, er sei krank. So können Sie mich nicht abwimmeln. Entweder lassen Sie mich jetzt zu meinem Stellvertreter oder…“
Der Kardinal erschrak und bekam Angst vor dem jungen Mann. Er drückte unauffällig auf einen Alarmknopf unter dem Tisch und schaute zur Tür, wo zwei Mann der Schweizer Garde erschienen. Als er dann wieder seinen Blick auf den Sessel gegenüber richtete, war dieser Platz leer. Der Kardinal fragte seinen Kaplan im Vorzimmer:
„Ist der junge Mann schon gegangen?“
„Nein, ich habe ihn nicht gesehen. Ich dachte, er sitzt noch bei Ihnen.
„Das ist aber sehr merkwürdig“, fand der Kardinal und zog sich in sein Büro zurück.

Am nächsten Tag traf der Kardinal mit dem Papst zusammen, wobei dieser plötzlich ohne jeden Zusammenhang bemerkte:
„Stellen Sie sich vor, wenn mir jetzt auf einmal Jesus erscheinen würde. Wie sollte ich wissen, dass er es ist. Und dann könnte ich ja keinem etwas davon sagen, denn hieße es sicherlich: ‚Der Mann spinnt!‘ Und hier im Vatikan würde man über mich herziehen und darüber tuscheln, dass ich meine Heiligsprechung vorbereite.“
„Wie kommen Sie jetzt auf so etwas?“ fragte der Kardinal.
„Ach, nur so!“ antwortete der Papst.

Deutschlands Tiefpunkt

So etwas gab es noch nie, dass der Name des Staatsoberhaupts gute Chancen hat, zum Unwort des Jahres 2012 zu werden. Man spricht vom „Wulffen“, wobei die Bedeutung des Wortes diffus ist: die einen meinen damit, an der Wahrheit vorbei reden, andere verbinden damit Vorteilsannahme.
Nun lesen wir von einer neuen Wortschöpfung, vom „Wulff-Syndrom“, das sich unter den deutschen Politikern breit gemacht habe, denn Wulff ist nicht der einzige, der sich so verhalten hat.
Es tröstet uns aber wenig, wenn wir darauf verwiesen werden, dass Wulff nur einer von vielen ist. Als Bundespräsidenten wollen wir aber nicht einen von vielen, sondern jemanden, der heraus ragt und eine Vorbildfunktion ausüben kann. Die haben wir bitter nötig in einem Land, das sich hartnäckig weigert, die Antikorruptionsregeln der EU in nationales Recht umzusetzen. So haben wir, die wir einmal ein Musterbeispiel an Korrektheit waren, in der Korruptionsliste nur Platz 14 inne.

Schreiben Sie doch auch …

in der Angelegenheit Wulff an die Firma Zentis. Hier ist mein Brief:
Sehr geehrte Damen und Herren,
mit großer Freude habe ich gelesen, dass Sie unserem Bundespräsidenten und seinen Bodyguards den Besuch des Münchner Filmballs bezahlt haben. Sie haben damit den Steuerzahler erheblich entlastet, denn der hätte ja sonst wohl dafür aufkommen müssen. Sie haben damit Neuland betreten: Wenn Ihr Beispiel Schule machen würde, müssten wir erheblich weniger Steuern zahlen, dafür aber mehr Marmelade essen und Waren anderer Sponsoren kaufen. Ich finde daher Ihre Idee nobelpreiswürdig.
Nur eines würde mich noch interessieren, und deshalb schreibe ich Ihnen: Wie viele Gläser Marmelade haben Ihre Kunden essen müssen, um den Besuch des Bundespräsidenten beim Filmball zu bezahlen?
Mit freundlichen Grüßen
Judex