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Corona-Hysterie in Deutschland?

Darüber, wie man gegen Corona vorgehen soll, liest man die merkwürdigsten Meinungen – auch von Ärzten:
Da glauben manche, unsere Kinder würden psychische Schäden davon tragen, wenn sie mit Maske in den Unterricht gehen müssten.
Andere befürchten, dass die Bekämpfungsmaßnahmen gegen Corona bei den Menschen Depressionen auslösen würden, deren Folgen schlimmer sein könnten als die Krankheit selbst.
Auch Panikattacken sollen vorkommen.
Um einer aufkommenden Hysterie entgegen zu treten, möchte ich mal erzählen wie es uns Alten ergangen ist:
Meine Schwester bekam im Krieg jedes Mal bei Fliegeralarm eine solche Panikattacke, dass sie keine Luft mehr bekam und nicht mit zum Bunker laufen konnte. Unser Hausarzt hatte da ein brutales Rezept für meine Mutter:
„Geben Sie ihrer Tochter zwei Ohrfeigen und schreien Sie: Reiß dich zusammen!“ Und das hat funktioniert, wenn es natürlich meiner Mutter mehr weh getan hat als meiner Schwester.

Arme Kinder von heute

Die Ju­gendämter 2018 haben nach Angaben des Statistischen Bundesamts bei rund 50.400 Kindern und Jugendlichen eine Kindes­wohlgefährdung  durch Vernachlässigung oder Gewalt fest, das sind zehn Prozent mehr als ein Jahr zuvor.
So wundern wir uns nicht, dass nach Feststellungen von DAK und TK jedes 4. Kind psychisch auffällig ist. Die Skala reicht vom schlichten ADHS bis zur schweren Depression. Schlimm ist, dass innerhalb von 10 Jahren zwölf Prozent mehr Kinder und sogar 23 Prozent mehr Jugendliche betroffen sind. Und die Steigerungsrate nimmt in alarmierender Weise zu.
Wie soll es auch anders sein in einem reichen Land, in dem so viele Kinder unter Armut leiden?
https://autorenseite.wordpress.com/2016/09/13/arme-kinder-eine-schlimme-zahl/

Wie haben wir damals nur so leben können?

Darüber habe ich schon öfter geschrieben:
https://autorenseite.wordpress.com/2018/08/22/wie-haben-wir-damals-so-leben-koennen-3/
Und nun fällt mir wieder etwas auf, was sich zum Nachteil geändert hat:
Gerade lesen wir, dass die Krankheitstage der Arbeitnehmer in 9 Jahren um mehr als 60 % zugenommen haben:
https://www.traunsteiner-tagblatt.de/startseite_artikel,-bundesregierung-deutlich-mehr-krankschreibungen-_arid,438542.html

Besonders stark ist die Zunahme bei psychischen Erkrankungen wie Burnout: Die Zahl der Krankheitstage aufgrund psychischer Erkrankungen und Verhaltensstörungen hat sich in den vergangenen zehn Jahren mehr als verdoppelt.
Da frage ich mich doch: Halten die Menschen nichts mehr aus oder haben sich die Arbeitsbelastungen so erhöht? Letzteres kann wohl kaum zutreffen: Als ich zu Beginn der 60-er Jahre in den Staatsdienst eintrat, arbeiteten wir selbstverständlich auch noch am Samstag. Das war aber nur die normale Arbeitszeit, mit der man damals nicht auskam. Und gehen Sie mal heute an einer Behörde vorbei: Wenn da abends noch Licht brennt, sind da höchstens die Putzfrauen am Werk. Übrigens: Mir standen damals auch nur 14 Tage Urlaub zu.
Wie haben wir das ohne Burnout aushalten können? Der Begriff Burnout existierte überhaupt noch nicht. Ebenso gab es noch keine postnatale Depression und keine postkoitale Dysphorie, nee: die Leute waren einfach glücklich!

Arbeit immer unmenschlicher

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Der Apotheken Umschau entnehme ich, dass im Jahr 2013 65 % der Bundesbürger über eine zu hohe Arbeitsbelastung klagten, während es fünf Jahre zuvor nur 28 % waren. Die Folge davon ist, dass sich die Fehltage wegen psychischer Leiden in den letzten 20 Jahren verdreifacht hat. In Österreich gibt es sogar in jeder 2. Firma Fälle von Burnout.
http://www.salzburg.com/nachrichten/gesundheit/sn/artikel/ak-oberoesterreich-burn-out-faelle-in-jeder-zweiten-firma-202389/
Die Arbeitswelt wird also immer unmenschlicher. Und da denke ich an die Zeit zurück, als ich als junger Assessor bei der Justiz angefangen hatte. Da war es in Bayern üblich, dass man an Josefi oder am Fest Peter und Paul gemeinsam in den Biergarten ging und natürlich auch an den Geburtstagen der Kollegen. Ach, das waren noch Zeiten! Und wenn ich an mein Leben zurück denke, zählen diese unterhaltsamen Tage im Biergarten zu den schönsten. Die hatte wohl auch Seehofer im Auge, als er sagte: „Bayern ist die Vorstufe zum Paradies!“ Aber die Vertreibung aus diesem Paradies hat längst begonnen.

Was ist nur mit den Kindern los?

Kinder
Jedes 4. Kind ist psychisch krank:
http://www.heimatzeitung.de/nachrichten/bayern/2102262_Neue-Studie-zeigt-Jedes-vierte-Kind-in-Bayern-ist-psychisch-krank.html
40 % der Kinder sind kurzsichtig.
Jedes 2. Kind kann nicht gerade stehen, hat also Haltungsschäden.
35 % der Gymnasiasten brauchen Nachhilfeunterricht.
Da möchte ich doch die Eltern von heute fragen: Was macht ihr nur mit euren Kindern, dass es so weit gekommen ist? Ihr seid für die seelische und körperliche Gesundheit eurer Kinder verantwortlich und die fällt euch nicht von selbst in den Schoß, sondern muss ständig erarbeitet werden durch richtige Ernährung, Sport, Erziehung…

Das „schwere Kreuz der Arbeitswelt“

Der Papst sprach in seiner Osterpredigt über das „schwere Kreuz der Arbeitswelt“. Er hat Recht, denn die Arbeitswelt verschlimmert sich rapide. Der Arbeitsdruck wächst ständig, so dass die psychischen Erkrankungen ständig zunehmen. Was sind das auch für Bilder, die man von den Arbeitsplätzen im Kopf hat: Näherinnen in Bangladesch, Arbeiter bei Zalando oder Amazon, Telefonisten im Callcenter… schlimm ist das alles! Was wird doch vielen Menschen zugemutet: Sie müssen die Heimat und ihre Familie verlassen und in einer primitiven überteuerten Bude hausen, um ein bisschen Geld zu verdienen. Aber wer tut etwas dagegen? Man ist zu sehr damit beschäftigt, sein eigenes Lebensumfeld gegen ständige Verschlechterung abzusichern.
Was auf der Welt fehlt, ist eine gewerkschaftliche Bewegung, die sich nicht nur um das Wohlergehen der eigenen Mitglieder kümmert, sondern eine solche, der auch das Wohlergehen der Arbeitskollegen in anderen Branchen und Ländern am Herzen liegt.
Wenn die Menschen solidarisch wären, würden sie nichts kaufen, was im Verdacht steht, aus unzumutbaren Arbeitsbedingungen zu stammen. Was wäre das für eine Veränderung der Welt, die man erreichen könnte, wenn man für eine Jeans oder ein T-Shirt ein paar Euro mehr ausgegeben würde! Und wem täte das wirklich weh?
Das wäre wohl auch das, was der Papst im Auge hat.