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In der Katholischen Kirche gärt es

Das Motto des Katholischen Kirchentages „Suche Frieden“ passt zur derzeitigen Lage. Es gärt nämlich in der Führungsebene:
Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz Kardinal Marx hat Bayerns Regierungschef Söder für dessen Kreuz-Erlass attackiert. Dadurch seien „Spaltung und Unruhe“ entstanden. Nun hat sich sein Regensburger Kollege Voderholzer in die Debatte um den bayerischen Kreuzerlass eingemischt und sich hinter Ministerpräsident Markus Söder gestellt.
So etwas ist nicht gut: Wenn der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz etwas äußert, sollten ihm andere nicht in den Rücken fallen. Allerdings sollte Marx, bevor er solche Äußerungen von sich gibt, mit seinen Kollegen darüber reden, was die denken, und dann sollte er sagen, ob er für alle Bischöfe spricht oder seine private Meinung äußert.


Ein anderer Misston in der Kirche ist dieser: Die deutschen Bischöfe hatten bei ihrer Frühjahrsvollversammlung eine „Handreichung für konfessionsverbindende (zu deutsch: konfessionsverschiedene) Ehen“ mit Zweidrittel-Mehrheit verabschiedet: Demnach sollten Protestanten mit ihrem Ehepartner zur Kommunion gehen dürfen. Der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, erklärte dazu, es handele sich um eine pastorale Angelegenheit, die in die Kompetenz der Bischofskonferenz falle. Die überstimmten Bischöfe unter Leitung von Woelki wandten sich dann aber an den Papst. Der meinte jedoch, die Bischöfe sollten ihren Streit selbst lösen. Diese Äußerung des Papstes bezeichnete der deutsche Kardinal Gerhard Ludwig Müller hat als „armselig“.
Kardinal Müller hat es offenbar nicht überwunden, dass sein Amt als Leiter der Römischen Glaubenskongregation fristgerecht nach fünf Jahren am 2. Juli 2017 endete, weil der Papst auf eine mögliche Verlängerung verzichtete. Müller hatte damals den Papst kritisiert, weil der ihm „innerhalb einer Minute seine Entscheidung mitgeteilt“ und keine Gründe genannt habe: „Diesen Stil kann ich nicht akzeptieren.“ Auf keinen Fall zu akzeptieren ist es aber, dass er nun eine Äußerung des Papstes öffentlich als „armselig“ bezeichnet.
Auch der Stil der deutschen Bischöfe entspricht nicht dem, was man von Leuten erwartet, die sich als Brüder im Glauben betrachten: Wenn ein Dissens darüber besteht, ob protestantische Eheleute mit ihrem katholischen Gatten gemeinsam zur Kommunion gehen dürfen, dann wäre es richtig gewesen, gleich den Papst mit dieser Frage zu befassen, bevor man eine endgültige Entscheidung fällt. Dass stattdessen die Überstimmten beim Papst „petzen“, wirft kein gutes Licht auf das Verhältnis der Bischöfe zueinander.
Wenn man sich vorstellt, wie einfach sich wohl die Urchristen zu einer Agape zusammen gefunden haben dürften, dann sieht man an dem Streit über die gemeinsame Kommunion konfessionsverschiedener Paare, wie sehr sich die Kirche von ihren Wurzeln entfernt hat.