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„Meinungsmanipulation“ im Fernsehen?

Ex-Verfassungsschutzpräsident Maaßen sagte in einem Interview, es gebe einen „klaren Linksdrall“ bei den Fernsehanstalten. Er warf ihnen „Meinungsmanipulation“ vor, etwa über das Weglassen von Tatsachen und die Anwendung von „Tricks“.
Und nun ist das Geschrei groß: Manche wolle ihn aus der CDU ausschließen. Andere sehen die Pressefreiheit bedroht. Wieso eigentlich, wenn einer seine Sicht der Dinge publik macht? Warum soll der Mann nicht seine Meinung sagen? Ich tue es ja auch. Allerdings sehe ich im Gegensatz zu Maaßen keinen Linksdrall beim Fernsehen, sondern umgekehrt einen Rechtsdrall:
https://autorenseite.wordpress.com/2020/07/27/staatstragende-sommerinterviews-in-ard-und-zdf-2/
Ich glaube, dass meine Meinung eher zutrifft, denn die Moderatoren und Journalisten wollen ja alle etwas werden und da ist es halt opportun, brav (also rechts) zu sein.
Vielleicht kann man der unterschiedlichen Beurteilung der Neutralität des Fernsehens entnehmen, dass es doch einigermaßen ausgeglichen bei den Sendungen zugeht, mögen auch kritische Beiträge wie Kabarett erst zu Zeiten ausgestrahlt werden, wenn der Normalbürger bereits schläft.

Tag der Pressefreiheit: Auch bei uns ist sie bedroht

Deutschland ist gerade beim Ranking der Pressefreiheit von Platz 11 auf Platz 13 abgerutscht. Ursache dafür ist die zunehmende Gewalt gegen die Journalisten bei Demonstrationen. Das ist aber nicht das Hauptproblem.

Während in vielen Staaten kritische Journalisten verfolgt und sogar getötet werden, ist unsere Pressefreiheit subtiler bedroht:
> Die Presse wird nun, nachdem sie durch das Internet eine starke Konkurrenz bekommen hat, mehr und mehr subventioniert: vom Staat, von Google… Um nur ein Beispiel zu nennen: Der Spiegel hat von Google mehr als eine Million erhalten. Wird er da wohl etwas Kritisches über die zunehmende Macht dieses Giganten schreiben?
> Mit Subventionen geht der Staat gegen Verwerfungen bei der Meinungsbildung in den Medien vor. So ist auch hier ist die Pressefreiheit durch die Lenkungsmaßnahmen gefährdet.
> Dauernd hört und liest man von Politikern, dass sie etwas der Funke-Medien-Gruppe gesagt haben. Dies zeigt zum einen, dass die Presse ihre Vielfalt durch eine Zentralisierung auf wenige Konzerne verliert. Aber auch eine andere Gefahr kommt hierbei zum Ausdruck: Die Politiker bedienen die braven Medien mit Informationen und für die anderen haben sie keine Zeit.
> Schließlich übt der Mainstream auch eine Macht aus, die nicht zu unterschätzen ist. Als ich einmal beim Fernsehen anregte, ein brisantes Thema aufzugreifen, antwortete der Sender, es sei „nicht opportun“, solche Fragen zu behandeln. „Nur nicht anecken“ scheint die Devise zu sein.

 

Auf dem Weg zur Einheitspresse: „… sagte der Funke-Medien-Gruppe“

Fällt Ihnen das auch auf? Immer öfter hört man ihn den Nachrichten, dass dieser oder jener Politiker gegenüber der Funke-Medien-Gruppe dies oder jenes geäußert habe. Ist dieser Medien-Gigant inzwischen zum Sprachrohr der Regierung und der sonstigen Politiker geworden? Sind wir weiter auf dem Weg zur Einheitspresse?
DiePressefreiheit ist sowieso schon bedroht genug:
https://netzpolitik.org/2018/news-initiative-wohin-googles-millionen-fuer-die-medien-in-deutschland-fliessen/
https://deutschelobbyinfo.com/2020/02/07/aufgedeckt-merkel-regime-fuehrt-gleichschaltung-der-zeitungen-durch-und-sie-zahlen-die-rechnung/

Dresden: Viel Lärm um (fast) nichts

 

Das Volk ist wie ein Hund, dem man einen Knochen hinwirft. An dem beißt er sich fest und merkt nicht, was sonst noch um ihn herum geschieht.
H. Pöll, Aphoristiker und Buchautor

Pegida hat in Dresden demonstriert. Als ein ZDF-Team die Demonstration gefilmt hat, hat ein Mann dagegen protestiert. Diesen Protest hat das Filmteam aufgenommen. Und die Polizei hat sich des Vorfalls angenommen. Dieser schlichte Vorfall wird nun zu einem Drama hochstilisiert, als wenn die Demokratie in Gefahr wäre. Sogar die Kanzlerin hat sich aus Tiflis eingeschaltet und die gar nicht zuständige Bundesjustizministerin hat Aufklärung gefordert und zwar eine lückenlose. Die Sachsen sind offenbar in den Augen der beiden Damen nicht in der Lage, den Fall vernünftig zu bearbeiten – daher ihre Mahnungen.
Schrauben wir den Vorfall mal auf ein vernünftiges Maß herunter, dann standen die nicht beneidenswerten jungen Beamten vor der Frage, was zu tun war. Zunächst einmal hatten sie aufzuklären, was überhaupt geschehen war. Und dann standen sie vor der schwierigen Rechtsfrage, ob ein Demonstrant nicht nur als Demonstrationsteilnehmer, sondern auch als Einzelperson aufgenommen werden durfte – ganz offensichtlich zum Zwecke der Verbreitung durch eine Fernsehsendung. Ob solche Aufnahmen zulässig sind, hängt von den Umständen ab, die zunächst zu ermitteln waren und dann einer durchaus schwierigen rechtlichen Würdigung zuzuführen waren. So etwas dauert natürlich eine gewisse Zeit.
Auch wenn nun bei der polizeilichen Arbeit Fehler unterlaufen sein sollten, ist es doch völlig unangebracht, deswegen die Pressefreiheit oder gar die Demokratie gefährdet zu sehen. Das Theater, das um den Vorfall veranstaltet wird, dient offensichtlich zum einen dem Wahlkampf nach dem Motto: „Seht her, wir kümmern uns um alles.“ Zum anderen soll mit dem Aufbauschen der Angelegenheit davon abgelenkt werden, dass es wichtigere Probleme gab, die zu lösen gewesen waren: Was geschieht mit den Flüchtlingen, die im Hafen von Catania festgehalten werden? Wäre es nicht Aufgabe der EU, sich dieser armen Menschen anzunehmen? Und hätte nicht die Kanzlerin längst in der EU auf eine Lösung dringen sollen, anstatt sich in Sachsen einzumischen? Aber das traut sie sich nicht, weil sie zu viele Fehler in ihrer Flüchtlingspolitik gemacht hat und sie daher lieber nichts über die bedauernswerten Menschen an Bord eines Schiffs der Küstenwache sagt. Sie hat ja gesehen, welchen Ärger es dem Bürgermeister von Bielefeld eingebracht hat, als es sich dieser Menschen annehmen wollte.

Sieg für Erdogan

türkei
So muss man es wohl bezeichnen, was das Landgericht Hamburg da über Böhmermanns Satire entschieden hat.
http://www.spiegel.de/kultur/tv/jan-boehmermann-landgericht-hamburg-verbietet-teile-vom-gedicht-a-1092747.html
Ich habe mich ja schon früher hier gegen die Hysterie gewandt, die anlässlich des Böhmermann-Gedichts in Deutschland ausgebrochen ist. Was wurde da nicht alles über Demokratie, Pressefreiheit und Kunst geschrieben. Die Debatte zeigte, dass wir immer weniger in der Lage sind, sachlich zu diskutieren.
https://autorenseite.wordpress.com/2016/04/14/hysterie-um-boehmermann/
Nun hat das Landgericht die Dinge zurecht gerückt. Und wenn Herr Böhmermann und seine Sympathisanten meinen, sie müssten durch die Instanzen gehen, so werden sie mit Sicherheit auf die Nase fallen.
Immerhin hat nicht nur Erdogan einen Sieg errungen, sondern auch Böhmermann. Wer hätte den Mann gekannt, wenn er sich nicht diese Entgleisung geleistet hätte? Seine Satire ist von einer so primitiven Qualität, dass man sich gewundert hat, wie ein öffentlich-rechtlicher Sender so etwas überhaupt ins Programm nehmen konnte.

Nackter Busen und Mohammed

Sie werden da keinen Zusammenhang sehen. Können sie auch gar nicht. Das sind nur meine krausen Gedankengänge, die ich Ihnen hier zu Gemüte führen will.
Es war eigentlich seit alters her üblich, dass man die Sitten und Bräuche eines Gastlandes achtete und beachtete. Aber dann kam die Emanzipationsbewegung, die sich über solche Regeln hinweg setzte. Auf meinen Türkei-Reisen sah ich nun auf einmal neben den Türkinnen, die vollständig bekleidet ins Wasser gingen, barbusige deutsche Frauen am Strand und im Wasser, die ihren türkischen Geschlechtsgenossinnen zeigen wollten, was Emanzipation und Freiheit bedeuten würden. Sie brachten es aber wohl nur fertig, von den Türkinnen als „Nutten“ betrachtet zu werden.
Entfernt vergleichbar sind die Mohammed-Karikaturen. Auch hier setzte man sich über die Regeln des Islam hinweg, die Bilder des Propheten verbieten. Was mich an dieser Geschichte so stört, ist die Einseitigkeit der Diskussion: Man hört nur etwas von Pressefreiheit, aber haben Sie von einem Politiker ein mahnendes Wort darüber gehört, dass Freiheit verpflichtet? Gehört es nicht zu den Werten des Abendlandes, dass man die anderen Religionen und ihre Regeln respektiert? Hätte man nicht auch darüber reden müssen, wo die Grenze zwischen Freiheit und Verpflichtung liegt?
Und nun feierte man ganz groß die trotzige Reaktion von Charlie Hebdo mit seinen neuen Karikaturen von Mohammed. Hätte man nicht warnend den Finger erheben und sagen müssen, dass dies viele Christen in anderen Ländern mit ihrem Leben bezahlen müssen? Ist das, was viele fälschlich unter „Pressefreiheit“ verstehen, solche Folgen wert? Was ist das denn eigentlich für ein scheinbarer Kampf um Freiheit? Hätte man das, was man mit einem weinenden Mohammed dargestellt hat, nicht auch anders ausdrücken können? Beispielsweise so: Zwei mit Turbanen gekleidete Männer stehen im Regen, schauen hinauf zu einer Wolke und sagen: „Mohammed weint!“
Um die Moslems zu verstehen, stellen Sie sich einmal dies vor: In der Türkei wäre in der Zeit der Aufdeckung der Missbrauchsfälle in der Kirche diese Karikatur erschienen: Jesus wird beim Geschlechtsakt mit einem Knaben gezeigt und sagt: „Lasset die Kindlein zu mir kommen!“ Wer hätte da wohl bei uns von Pressefreiheit gesprochen?
Was dringend notwendig ist, ist ein Machtwort der Kanzlerin, das die hochgeschaukelte Lage entspannt. Sie sollte einmal etwas über Freiheit und den daraus entstehen Pflichten sagen und mahnen, beim Gebrauch von Freiheiten dreimal zu fragen, ob es wirklich notwendig ist, dabei andere zu verletzen.

Wie sich Diskussionen bei uns entwickeln:

Ich wundere mich oft, wie sich Diskussionen entwickeln. Da wird ein plumpes Kompliment eines wahrscheinlich angesäuselten Politikers zur Staatsaffäre. Die Zeitungen sind voll davon und eine politische Partei (die Sozis) verlangt offiziell, dass sich der Mann entschuldigt. Haben die nicht Wichtigeres zu tun? Aber alle schwimmen sie mit auf der Welle des „Sexismus“, den es früher als Bezeichnung eines Missstandes gar nicht gegeben hat. Darüber wurde hier schon in früheren Beiträgen geschrieben.
Nehmen wir deshalb ein anderes Beispiel, nämlich Steinbrücks unglückliche Äußerung über das Gehalt der Kanzlerin. Auch hier läuft die Diskussion völlig schief. Sie dreht sich nur um die Frage, ob die Kanzlerin zu wenig verdient. Hätte nicht ein Aufschrei durch das Volk gehen müssen, als offenbar wurde, was diejenigen verdienen, die das Geld kleiner Leute verwalten? Hätte man nicht die Frage aufwerfen müssen, ob nicht diese bloßen Geldverwalter weniger verdienen müssen als ein Richter oder Ingenieur? Nein, das ist politisch nicht opportun, denn die Posten bei der Sparkasse werden von Politikern vergeben, und man weiß ja, wie das funktioniert.
Wie sich Diskussionen entwickeln, wird weitgehend von den Medien gelenkt, und da schaut es schlimm aus in Deutschland. Gerade haben die „Reporter ohne Grenzen“ unserem Land bei einer Untersuchung der Pressefreiheit den schäbigen Rang 17 „verliehen“.
Und was das öffentlich-rechtliche Fernsehen angeht, würde ich als Professor einer Universität eine Doktorarbeit vergeben, in der untersucht wird, wie die Sendungen immer mehr verflachen. Unterhaltung statt Information ist der Trend der sich immer mehr durchsetzt und diejenigen, die einmal etwas Kritisches sehen wollen, werden auf das Nachtprogramm verwiesen.
Ich bin in der Nazi-Zeit groß geworden, als es nur eine Einheitsmeinung gab. Wir sind nicht mehr allzu weit von diesen Zuständen entfernt.