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Meine unfromme Sonntagspredigt

Mein Senf dazu:

Die Kirchen haben gerade einen ökumenischen Gottesdienst für die ertrunkenen Flüchtlinge abgehalten und dabei Forderungen an die Politik gerichtet. Alles gut und schön! Aber was tun sie selbst? Die Katholische Kirche hat gerade den Peterspfennig für die Bedürftigen gesammelt und was hat sie mit dem Geld gemacht? Sie hat es in Luxusvillen in London investiert, statt es für die Flüchtlinge auszugeben:
https://autorenseite.wordpress.com/2019/11/29/muss-der-papst-in-den-knast/
Wie anders stünden die Kirchen da, wenn sie so ein Zeichen für das setzen würden. was das Wichtigste an ihrer Botschaft ist: die christlich Nächstenliebe, und wenn sie keine Missbrauchsskandale hätten. Das würde eine Eintrittswelle und keine Austrittswelle auslösen.

Neulich im Café – eine Gardinenpredigt zum Sonntag

Ich bin gerne in Bad Reichenhall und habe dort auch zeitweise gewohnt. Dort gibt es ausgezeichnete Cafés. Und da erlebte ich eine nette Szene: Eine alte Frau las bei einer Tasse Kaffee verschiedene Zeitschriften. Unsere Bedienung erzählte uns, dass ihre Kollegin ihr fast täglich diese Tasse Kaffee spendieren würde, damit die alte Frau eine Freude habe und aus ihrer Einsamkeit heraus ein wenig unter die Leute käme; die Frau habe einmal bessere Zeiten erlebt und sei immer nett und großzügig mit dem Trinkgeld gewesen. Nun revanchiere sich die Bedienung.
Ich meinte dann, dass die Kollegin ja wohl kaum den Kaffee bezahlen würde.
Aber meine Bedienung erklärte mir: „Selbstverständlich muss sie den bezahlen. Anders geht das bei uns nicht.“
Als ich dann wieder einmal in dem Café war, setzte ich mich in den Service-Bereich der netten Bedienung und sprach sie auf ihr gutes Werk an. Sie sagte:
„Ach, das ist doch nichts Besonderes. Die Leute hier sind großzügig mit dem Trinkgeld und wenn ich ein bisschen davon abgebe, tut mir das nicht weh. Außerdem lohnt sich die Ausgabe für mich: Ich kann mit wenig Geld einem Menschen eine große Freude machen und das macht auch mir eine genau so große Freude.“
Natürlich ließ ich einen Schein für die nächsten Tassen Kaffee da. Und dann dachte ich an die Sonntagsmesse: Da sitzen die Leute in der Kirche und rappeln ihr Sündenbekenntnis herunter; „… bekenne ich euch, Brüder und Schwestern, das ich Gutes unterlassen und Böses getan habe…“ Und dann fragte ich mich, wie viele von den Gläubigen wohl wirklich darüber nachgedacht haben, was sie denn an Gutem unterlassen haben. Interessant an dem Sündenbekenntnis ist ja, dass die Unterlassung des Guten vor dem Bösen genannt wird, also wichtiger ist. Aber wer kümmert sich schon wirklich darum?
Fragen Sie mal einen Priester, ob jemand gebeichtet hat, dass er Gutes unterlassen hat. Die Antwort wird wohl lauten: „Da kann ich mich momentan nicht daran erinnern.“

Ein peinlicher Witz

Ich schreibe ihn hier nicht deshalb auf, weil ich darüber lachen konnte, sondern weil ich ihn in einem Leserbrief gefunden habe. Darin hat sich eine Frau furchtbar aufgeregt. Sie berichtete dass sie Weihnachten am Stephanstag in der Kirche war und die Messe wunderbar mit Chor und Orchester begonnen habe. Aber dann habe der Pfarrer seine Predigt mit diesem Witz eingeleitet:
„Was ist der Unterschied zwischen dem Hl. Stephan und einem VW-Golf? Gar keiner! Beide sind Mehrtürer!“
So, und nun können Sie lachen, wenn Sie über den Humor des Pfarrer verfügen, oder sich aufregen, wie die Leserbriefschreiberin.
Oder Sie können es machen wie ich und sagen: „Merkwürdig, auf welche Ideen manche Pfarrer kommen, um sich bei den Gläubigen anzubiedern!“

Der Papst: Wer hätte das von ihm gedacht?

Ich bin zum Papst-Fan geworden. Das hätte ich nie geglaubt, wo ich mich doch bisher immer kritisch über die Kirche geäußert habe und dabei auch Benedetto nicht ausgenommen habe. Die Tags „Benedikt“ und „Nazi“ haben mir hier Rekordbesucherzahlen vermittelt. Und nun?
Gerade habe ich Franziskus wegen seiner Gardinenpredigt vor den Kardinälen gelobt, schon haben mich wieder seine Worte gerührt. Er sprach in seiner Weihnachtspredigt darüber, dass die Welt mehr Zärtlichkeit braucht. Wenn wir all das, was an Festtagsansprachen auf uns hernieder gegangen ist, überblicken, können wir sagen: Es war nichts Ungewöhnliches dabei. Man konnte sich ungefähr vorher ausrechnen, wer was sagen würde. Ganz anders der Papst. Wer hätte je gedacht, dass ein katholischer Papst das Thema Zärtlichkeit in den Mund nimmt? Und er trifft damit den Kern des heutigen Lebens. Wie wenig Zärtlichkeit wird den vielen Kindern zuteil, die tagsüber in der KITA abgeliefert werden und deren Eltern abends nach einem stressigen Arbeitstag noch Einkäufe und Haushalt erledigen müssen? Und wie anders sähen IS-Kämpfer aus, die Zärtlichkeit erfahren hätten?

Schröders Predigt in der Marktkirche von Hannover

Gestern schrieb ich einen Artikel über das Thema: „Gewissen, Schuld, Verdrängung“ und heute lese ich, was der frühere Kanzler Schröder in seiner Predigt in Hannover gesagt hat. Zunächst einmal: Ich finde es großartig, dass in der protestantischen Kirche auch Laien predigen dürfen. Mich hat berührt, was Schröder sich von der buchstäblich Seele geredet hat. Es ist genau das, was ich in meinem Artikel beschrieben habe, nämlich dass jemand nach seiner Überzeugung das Richtige tut und dennoch sein Gewissen belastet. Schröder erwähnte seine Entscheidungen zu den Bundeswehreinsätzen im Kosovo und Afghanistan: Er hält sie auch heute noch für richtiger als Nichtstun. Aber es belastet sein Gewissen, dass Menschen ums Leben gekommen sind. Er bekennt daher, dass er Schaden an seiner Seele genommen hat.
Und ich stelle mir zwei Fragen: Dürfen wir sehr junge Menschen, die die Folgen gar nicht überblicken, in einen Krieg schicken, in dem sie nicht nur getötet werden können, sondern etwas Schlimmeres erleben, nämlich dass sie mit untragbarer Schuld durch ihr restliches Leben gehen müssen?
Und die zweite Frage ist die, ob es Menschen gibt, die ganz nüchtern sagen können: Das Töten war notwendig. Das belastet mich nicht und nun verdränge ich all das Unangenehme aus meinem Gedächtnis.