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Tag der Philosophie – warum ist das ein trauriger Tag?

Wie wenig uns die Philosophie bedeutet, sieht man daran, dass heute gleichzeitig der Tag des Fernsehens ist. Nachdenken passt nicht mehr recht in unsere Zeit, denn da kommt man nur auf düstere Gedanken: Klima, Terrorismus… Da ziehen sich die Leute lieber vor der Glotze einen Krimi rein anstatt über die künftige Rente, die Erschöpfung der Ressourcen, die Verschmutzung von Luft und Grundwasser oder die Folgen des Artensterbens nachzudenken.
Wie anders war das früher: Da saßen die Studenten in Schwabing in den Bars und redeten sich die Köpfe heiß über philosophischen Themen wie Nihilismus, Existenzialismus, …
Und heute? Da sind die schwabinger Bars für sie zu teuer geworden und aus Studenten sind Studierende geworden. Kaum einer von ihnen ist mehr in der Lage, nur einen einzigen lebenden Philosophen zu nennen. Die Studenten haben keine Zeit mehr, sich neben ihrem Fachstudium mit solchen „Nebensächlichkeiten“ zu befassen. Diese Zeit lässt man ihnen auch nicht, denn sie sollen ja einmal leicht lenkbare brave Staatsbürger werden und keine Querdenker.

Grund zum Feiern: Tag des Ungehorsams?

Gestern war der Tag des Ungehorsams. Ich habe mir dazu meine Gedanken gemacht:

Wenn man wie ich sehr alt wird, sieht man, wie alles in Bewegung ist. Schon der alte Heraklit hat dies festgestellt, indem er sagte „Panta rhei!“ Das ist also nichts Neues. Aber es gibt neben diesem Fluß des Lebens auch noch eine andere Art von Bewegung, nämlich die des Schaukelns zwischen zwei Extremen und die ich Dondolismus nennen möchte. Hierzu ein paar Beispiele:
> Gestern wurde der Tag des Ungehorsams „gefeiert“. Früher galt Gehorsam als eine der großen Tugenden. Heute wird sie als „Kadavergehorsam“ bezeichnet.
> Früher hatte man Respekt vor Amtspersonen, heute werden sie mit Steinen beworfen.
> Früher war man prüde, weil die Männer noch nicht entmannt waren:
Wenn die Mädchen so herum gelaufen wären, wie sie heute in die Schule gehen, wären sie verhaftet worden. Heute werden auch noch die letzten Tabus gebrochen und ein One-Night-Stand gehört für viele zu einem normalen Leben dazu wie ein Snack am Schnellimbiss.
> Früher herrschte Ordnung. Heute werden die Deutschen wegen ihres Ordnungssinns belächelt und sie reagieren darauf, indem nun auf einmal das Chaos vorgezogen wird.
> Früher war die Familie „die Keimzelle des Staates“. Heute stehen andere Lebensformen im Vordergrund: die Patchwork-Family, die Partnerschaft und die Schwulen, die „Love-Parades“ feiern.
So gäbe es noch viele Beispiele. Aber was ich vermisse, ist die Ausgewogenheit. Ich bin dafür, dass ihr auch ein Tag gewidmet wird. Das ist gerade in unserer Zeit der Spaltung des Volkes in verschiedene Lager notwendig.

Werden wir immer dümmer? (III)


Es gab einmal eine Zeit, in der die Philosophen bestimmten, was die Menschen oder der Staat tun sollten. Und die Erkenntnisse von Aristoteles, Platon, Sokrates u.a. wirken bis heute nach.
Wie anders ist es heute: Nicht einmal viele Akademiker können einen Philosophen der Gegenwart benennen. Warum auch? Man würde sowieso nicht auf sie hören, denn „Aufschwung“ und „Alternativlosigkeit“ diktieren angebliche Sachzwänge.
Nicht nur die Philosophen, sondern auch die normalen Menschen besaßen einmal eigene Weisheiten, die in Sprichwörtern oder Geschichten zum Ausdruck kommen. Hier drei Beispiele:
Das Sprichwort „Die Bäume wachsen nicht in den Himmel“, die Geschichte vom gescheiterten Turmbau zu Babel und das Märchen vom Fischer und seiner Frau sagen uns, wohin unsere Reise geht. Am meisten hat mich schon in meiner Kindheit beeindruckt, wie das Ende des Fischerpaares im Originaltext lautete. Die sitzen nämlich schließlich wieder in ihrem „Pisspott“.

Was meinen Sie wohl, wo spätere Generationen in der Zukunft sitzen werden, wenn die Ressourcen zu Ende gehen und die Umwelt versaut ist?

Wohin führt Merkels Philosophie?

Ein Lieblingszitat unserer Kanzlerin ist, dass man die Dinge „vom Ende her denken“ müsse. Ich weiß nicht, von welchem Philosophen die Weisheit stammt, auf die sie sich beruft. Nur handelt sie nicht danach. Stellen wir uns einmal vor, wir lassen alles so weiter laufen wie bisher, indem wir uns an die augenblicklichen Prinzipien unseres Handelns halten, die wir teilweise quasi zu moralischen Postulaten erhoben haben. Dann wird es so aussehen:
Halb Afrika kommt zu uns, um hier um Asyl nachzusuchen.
Die Reichen ziehen in die schönen Städte oder Landschaften. Die Schweiz, Österreich und Oberbayern werden überbevölkert sein und die Einheimischen können sich ihren bisherigen Wohnort dort nicht mehr leisten. Sie werden zu Armutsflüchlingen.
Die gut Ausgebildeten ziehen aus den Krisenländern weg in die Länder, wo sie mehr verdienen; die zurück bleibenden Alten und Kranken wissen nicht mehr, von was sie leben sollen.
Unsere Spitzenwissenschaftler wandern in die USA aus, wo sie bessere Forschungsbedingungen haben. Zurück bleibt das Mittelmaß.
http://www.spiegel.de/unispiegel/jobundberuf/spiegel-zu-braindrain-wissenschaftler-wandern-ab-a-955141.html
Die Reichen werden immer noch reicher und die Armen werden immer mehr und immer ärmer.
Als Ausgleich etablieren sich immer mehr Tafeln, um die Armen vor dem Verhungern zu bewahren.
Die durch mangelnde elterliche Erziehung und brutale Fernsehfilme verrohte Jugend wird immer gewalttätiger.
Ach, es gäbe so viele Entwicklungstendenzen, vor denen wir die Augen verschließen… (Evitarismus nennt man das.)

Schon wieder eine neue Philosophie?

Philosophie ist eine schwierige Wissenschaft, von der die meisten nichts wissen wollen, obwohl sie Grundlage unserer Existenz sein sollte. Eigentlich sollte ja jeder Mensch auch ein wenig Philosoph sein. Und so habe ich es hier mal ein bisschen versucht:
Das Problem, dem sich dieser Beitrag widmet, sei an einem einfachen Beispiel verdeutlicht: Wenn jemand todkrank ist, muss er entscheiden: Will er mit Medikamenten sein Leben und Leiden verlängern oder nicht.
Vor ähnlichen Problemen steht die Welt: Soll man die Klimakatastrophe, die unweigerlich früher oder später kommen wird, durch Herumdoktern an den Problemen aufzuhalten versuchen?
Oder: soll man dem Kapitalismus Zügel anlegen, was so ähnlich wäre, wie einen Löwen zum Haustier zu machen?
So kann man viele Probleme aufzählen, von denen die Politik vorgibt, sie im Griff zu haben, was jedoch tatsächlich eine Illusion ist. Deshalb gibt es eine Denkrichtung des Akzelerationismus, die, wenn ich es recht sehe, propagiert, den Dingen ihren Lauf zu lassen. Wir sollen uns also ins Unvermeidliche fügen, denn man kann ja sowieso nichts dagegen tun.
Darauf setzt sich nun eine neue Strömung, die wir hier als „Evitarismus“ bezeichnen wollen (vom lateinischen „evitare“ = vermeiden). Sie breitet sich dort aus, wo das Denken zu unangenehmen Ergebnissen führt. Wo die Vertreter des Akzelerationismus etwas Unangenehmes kommen sehen und darüber reden, wollen die Evitaristen es auch gar nicht mehr sehen und erst recht nicht mehr darüber sprechen. Da wird sogar das Denken eben einfach verboten. Das lässt sich am besten an einem historischen Beispiel demonstrieren: Weil Galilei etwas herausgefunden hatte, was der Kirche nicht ins Konzept passte, wurde er verurteilt. Heute ist es auch noch so: Als Sarrazin uns mit unangenehmen Statistiken konfrontierte, wurde er diffamiert.
Oder ein anderes Beispiel aus der Psychologie: Als den Frauen im Zuge der Emanzipation plötzlich „die Decke auf den Kopf fiel“ und sie sich einreden ließen, unbedingt Karriere machen zu müssen, waren die Psychologen zur Stelle und fanden, dass 5 Minuten Intensivkontakt für ein Kind völlig ausreichten. Und wehe, wenn einer wie ich die Frage aufwirft, ob nicht vielleicht ein Zusammenhang zwischen der zunehmenden Gewalt von Kindern und der Berufstätigkeit von Frauen besteht, dann fallen die Evitaristen über ihn her.
Ähnlich ist es, wenn man die schlichte Frage stellt, ob und inwieweit Homosexualität auch erziehungsbedingt sein kann. Solche Fragen müssten ja eigentlich ausführlich diskutiert werden, wenn über das Adoptionsrecht von schwulen Paaren entschieden wird. Aber was hören wir beispielsweise von der Kanzlerin zu diesen Problemen? Sie tue sich schwer damit, sagt sie, was ja weder ein klares Ja oder Nein ist. Aber schon mit dieser unklaren Äußerung löste sie eine Welle der Empörung aus, wie es im Spiegel heißt. Aber was sie gesagt hat, ist aus ihrer Sicht genial: Sie hat die Konservativen ihrer Partei nicht vor den Kopf gestoßen, ohne die Tür gegenüber den anders Denkenden zuzuschlagen. – Evitarismus eben!