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Die „Verungemütlichung“ des Lebens

Derzeit machen in Großbritannien jede Woche 25 Pubs zu. So mancher Brite beklagt gar den Verlust eines kulturellen Erbes. Die Leute sind offenbar von der Arbeit zu ausgepowert, als dass sie abends noch ausgehen möchten.
In Frankreich bleibt auch ein Kulturgut auf der Strecke, nämlich eine lange Mittagspause, in der man sich in einem guten Lokal bei einem wohlschmeckenden Essen erholt.
Und der Siegeszug des „Coffees to go“ zeigt, dass die Menschen immer weniger Zeit für eine gute Tasse Kaffee in einem netten Café haben.
Noch ein Trend ist zu beobachten: Immer öfter sieht man in Geschäften kleine Imbissecken. Die meisten sind ungemütlich in einem zugigen Eingangsbereich oder einer traurigen Ecke. Und da sitzen dann auch tatsächlich Leute und essen oder trinken. Es geht halt schneller als in einem Lokal und ist vielleicht auch billiger.
Manchmal kommt es mir so vor, als betrachtete man Essen und Trinken nur als eine Art „Tankvorgang“ für den Menschen.

Ich bin entsetzt

Heute Morgen hörte ich in den Nachrichten, dass BMW hundert Millionen Personalkosten einsparen will. Und das soll dadurch geschehen, dass die Essens- und Ruhepausen verkürzt werden. Ist es reine Geldgier, die solche Pläne gedeihen lässt? Der Jahresumsatz der deutschen Automobilindustrie betrug 2013 rund 360 Mrd. Euro (knapp 1 % mehr als 2012). BMW hatte in seiner Autobranche einen Umsatz von über 70 Milliarden. Was sind da schon 100 Millionen, die man dem Personal wegnimmt?
Gemessen am Gewinn war BMW im Verhältnis zum Umsatz Spitzenreiter. BMW verdrängte Hyundai vom Platz eins der profitabelsten Autobauer. Im Jahr 2013 legte der Fahrzeugverkauf bei BMW um 6,4 % zu. Beim Gewinn ergab sich nach Steuern ein Plus von 4,5 %.
Wir drücken die französischen Autobauer an die Wand. Das restliche Europa beklagt sich über uns, weil wir Dumpinglöhne bezahlen würden und damit den Wettbewerb verzerren würden. Unserer Handelsbilanzüberschüsse sind enorm.
Könnte man nicht einmal nun den umgekehrten Weg gehen und sagen: Uns geht es gut, nun sollen auch einmal die Arbeitnehmer etwas davon haben?
Das, was wir hier sehen ist Teil des „Merkel-Prinzips“. Den Menschen wird überall etwas abgeknapst, was sich in der Statistik oft gar nicht auswirkt. Und dann verkündet man dem Volke freudig: Ihr habt 2013 ein Lohnplus von 1,3 % erreicht. (1,5 % frisst allerdings schon die Inflation.)
Ich bin offenbar ein naiver Mensch: Ich dachte einmal, dass unsere Arbeiter sich auch einmal eine so ausgiebige Mittagspause gönnen und das Essen in aller Ruhe genießen können, wie es bei den Franzosen der Brauch war. Stattdessen greifen nun die Franzosen mittags zum Big Mac. Und ich glaubte, dass die Lebensarbeitszeit verkürzt würde. Wenn sie stattdessen verlängert wurde angeblich wegen des demografischen Faktors, so wird dabei immer außer Betracht gelassen, dass sich die Produktivität so gesteigert hat, dass sie eigentlich den demografischen Faktor ausgleichen müsste.