Schlagwort-Archive: NSU

Was sind wir doch für ein trauriges Volk geworden

Die FDP fordert einen Gedenktag für die Opfer des NSU.
Ja, wir Deutschen verstehen es, zu trauern: Der Totensonntag und der Volkstrauertag stehen uns bevor und reichen uns nicht: Aus Allerheiligen haben wir einen Tag gemacht, an dem man sich an den Gräbern versammelt.
Manche meinen sogar, wir zelebrieren unser Schuldbewusstsein. Berlin ist voll davon und in vielen Städten breiten sich Stolpersteine aus. Das ist einer der Keime des Rechtsextremismus, denn deren Vertreter fragen: Wo bleiben die Mahnmale für die Verbrechen der anderen?
Kein anderes Volk verfügt über so viele beflissene Gutmenschen, die uns ständig im Büßergewand halten wollen. Für sie gäbe es noch ein weites Betätigungsfeld: Wo bleiben die Gedenksteine für die Hexenverbrennungen? Wo bleiben die Bodenplatten in den Kirchen an Stellen, wo Missbräuche stattgefunden haben?
Das Gebirge füllt sich mit Marterln. An der Kampenwand im „Kaisersaal“ hat man eher das Gefühl. in einer Gedenkstätte zu sein als in den bayerischen Bergen: So viele Tafeln für abgestürzte Bergsteiger sind dort angebracht.
Und wenn ich dort hinauf gehe, steige ich über eine Steinplatte, die daran erinnert, dass dort vor ca. 100 Jahren ein Kollege abgestürzt ist und dann frage ich mich, ob der vielleicht während seiner Dienstzeit dort herum gestiegen ist.
Der Alpenverein und der Naturschutz sollten sich einmal mit den Marterln befassen und fordern, dass nur Gedenktafeln aus Holz in den Bergen angebracht werden dürfen, und wenn die verfault sind, lebt sowieso keiner mehr, der dort an den Tod eines Verunglückten erinnert werden soll.

Die Mutter im NSU-Prozess

„Brigitte Böhnhardt im NSU-Prozess: Kein Wort für die Opfer“
So lautet eine Schlagzeile im Spiegel über einem Artikel von Frau Friedrichsen. Und im Artikel schreibt sie:
„Sie sagt nicht, dass ihr Menschen und deren Angehörige leidtun, denen mit der Ceska 83 in die Köpfe geschossen worden war und die elend am Tatort verbluteten. Kein Wort in Richtung der Opfer.“
Ich finde das ausgesprochen übel, was der Spiegel hier zu Papier gebracht hat. Aufgabe eines Zeugen ist es, Tatsachen zu bekunden, die zur Aufklärung der Tat beitragen, bzw. wie es die StPO ausdrückt: „Der Zeuge ist zu veranlassen, das, was ihm von dem Gegenstand seiner Vernehmung bekannt ist, im Zusammenhang anzugeben.“ Für eine Entschuldigung oder Beileidsbezeugung ist in einer Zeugenaussage eigentlich kein Platz. Und wenn Frau Friedrichsen trotzdem so etwas erwartet und Frau Böhnhardt ins moralische Abseits stellt, so ist das in meinen Augen eine Gemeinheit gegenüber einer Frau, die sicherlich genug gelitten hat.
Es wäre gut, wenn der Spiegel sich darauf besinnen würde, sachlich zu berichten und dabei auf das moralisierende Gutmenschentum zu verzichten.