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Corona: Wirte, wehrt Euch!

Liebe Gastwirte, was Euch angetan wird, ist himmelschreiendes Unrecht: In den Verkehrsmitteln und den Geschäften kommen sich die Menschen bedenklich nahe und da kommt es zu keinem Lockdown, wohl aber bei Euch.
Ihr habt große Investitionen auf Euch genommen, um Eure Lokale sicher zu machen, und nun müsst Ihr erleben, dass dies alles umsonst war. Eure Lokale werden geschlossen, obwohl es offensichtlich kaum möglich ist, dass jemand sich bei Euch ansteckt, wenn Ihr die Regeln beachtet.
Das Traurige an den Corona-Schutzmaßnahmen ist ja, dass die Regierung sich offensichtlich kaum auf belastbare Daten stützen kann. Sie hätte Daten darüber sammeln müssen, wo sich die Menschen angesteckt haben. Und da weiß man nur, dass Familienfeiern und Partys Hotspots sind. Aber zu wie vielen Prozentpunkten die Gastronomie beteiligt ist (wenn überhaupt), das weiß man nicht. Ein so schwerwiegender Eingriff in die Grundrechte ist also offenbar nicht mit Fakten belegbar.
Die Bundesregierung hat anscheinend nicht berücksichtigt, welch wichtige Funktion Ihr für die Gesundheit habt: Weil es Euch gibt, brauchen viele Alte nicht ins Altenheim, so lange sie es noch irgendwie schaffen, ein Lokal zu erreichen. Das ist für sie auch psychisch wichtig, weil sie Abwechslung haben und unter Menschen kommen. Nun hocken sie zu Hause und haben keinen Appetit: „Ach ich brauche heute nichts!“ so sagen viele, weil sie den Aufwand für das Kochen scheuen, so weit sie dazu in der Lage sind, denn viele sind ja dement.
Also Ihr Wirte, schließt Euch zusammen zu einer Protestaktion: Hängt Schilder an Eure Gasthaustüren mit Bildern und dem Hinweis: „Liebe Gäste! So sicher sind unsere Lokale, aber die Kanzlerin gönnt Euch das Essen nicht.“ Nehmt Euch ein Beispiel am Protest der Künstler:
https://www.suedost-news.de/region-und-lokal/regionales-traunstein/grabenstaett_artikel,-musikerprotest-im-netz-gegen-buehnenverbot-_arid,598179.html
Habt Ihr denn nicht mitbekommen: Wir leben in der „Schreihals-Demokratie„.  Wer am lautesten schreit (oder die beste Lobby hat), bekommt das meiste Geld oder braucht nicht zu schließen.

Sind Preußen gescheiter als Bayern?

Die Corona-Krise scheint es an den Tag zu bringen: Die Hamburger sind zwar auch teilweise blöde, aber nicht so wie die Bayern – so könnte man voreilig schließen:
Gerade lesen wir, dass in einem Hamburger Lokal 100 Gäste von insgesamt 600 falsche Personalien angegeben haben. Das ist ein u.U. lebensgefährlicher Unsinn, weil die Infektionsketten vom Gesundheitsamt nicht weiter verfolgt werden können. So ist es nun möglich, dass ein infizierter Gast des Lokals die Pandemie weiter verbreitet und dass er dadurch den Tod von angesteckten Personen verschuldet.
Schlimmer war es in Garmisch: Dort haben nicht nur ein Sechstel, sondern zwei Drittel der Lokalgäste falsche Personalien angegeben:
https://autorenseite.wordpress.com/2020/09/16/hilfe-wir-werden-immer-duemmer-sogar-lebensgefaehrlich-bloede-in-der-corona-krise/
Wenn man nun aber daraus den Schluss ziehen wollte, dass die Hamburger weniger blöde Einwohner haben als die Garmischer, so wäre das aber doch etwas voreilig. Es sind ja weniger die Einheimischen, die nachts durch die Lokale ziehen als vielmehr die Touristen.
Da müsste man also doch noch etwas genauer hinschauen, bevor man derartige Schlüsse über den Anteil der Dummen in den verschiedenen Regionen zieht.

Das Gasthaussterben muss nicht sein

Man hört zur Zeit immer öfter von einem Gasthaussterben: Die Ursachen sind: zu wenig Umsatz, kein Personal, kein Nachfolger für den Wirt… So hat in Bayern jedes 5. Dorf kein Gasthaus mehr. Das muss nicht sein. Ein Gasthaus, das das richtige Konzept hat, geht immer gut.
Ein Beispiel dafür ist das Traditionswirtshaus Kraimoos, ein gemütliches bayerisches Wirtshaus.
Man fragt sich, wie so ein Gasthaus existieren kann, denn dort gibt es Essen, das viel billiger ist als beim Chinesen oder Inder. Ein solides einfaches Essen bekommt man dort schon für 4,90 Euro. So ist es kein Wunder, dass viele Gäste dort hin fahren, obwohl das Gasthaus in Kraimoos liegt, einem Dorf, das nur aus ein paar Bauernhöfen besteht. Erst habe ich mich gefragt: Wie kann der Wirt davon leben? Dann habe ich gesehen, dass viele Leute ihre Feiern in dieses Gasthaus verlegen, weil der Wirt ausgezeichnet kocht. Da schaut man dann nicht auf den Preis, wenn man feiert.
Auch wenn am Sonntag kein billiges Essen angeboten wird, kommen die Gäste gerne, um sich dort etwas Gutes zu gönnen. So kommt der Wirt auf seine Kosten und er lebt davon anscheinend nicht schlecht, wenn man das aus seinem Auto schließen kann.
Das ist ein Beispiel, wie ein Gasthaus sogar in ungünstiger Lage gut überleben kann.

Ein anderes nachahmenswertes Beispiel ist das Gasthaus D‘Feldwies.
Eine Zeit lang war es ein Opfer des Gasthaussterbens und dem Verfall preisgegeben. Dann wurden die Dorfbewohner aktiv: Sie richteten in Eigeninitiative ihr Gasthaus wieder her. Die einen langten zu und die anderen spendeten. Und was dabei heraus gekommen ist, ist ein Aushängeschild für Bayern.
Und noch ein bemerkenswertes Beispiel ist die Windbeutelgräfin in Ruhpolding:

Dort hat man ein originelles Konzept für ein uriges Lokal. An der Decke hängen lauter Kaffeekannen:

Abschreckend kann die moderne Architektur sein, denn im Gasthaus soll es gemütlich und nicht modern (im Sinne von kühler Atmosphäre) sein. So ist der Unterwirt in Chieming einmal ein gut gehendes Lokal gewesen, in dem wir gerne zu Gast waren. Dann wurde das Haus von einer Brauerei aufgekauft und so renoviert, dass es nun wie eine Kantine wirkt. Da kann ein Koch noch so gut kochen: Das nützt nichts. Das einst gut gehende Lokal steht nun leer.
Umgekehrt ist es in Ruhpolding, da hat ein guter Architekt das moderne „Brothaus“ erbaut – eine Attraktion für den Ort, denn es ist ein interessanter Bau, der trotz seiner Modernität eine Atmosphäre zum Wohlfühlen besitzt. Und auf dem Weg dorthin liegt der „Papillion“ außerhalb einer Ortschaft und doch gut besucht, weil er ganz aus Holz und Glas gebaut ist:


So gibt es viel Nachahmenswertes. Eigentlich müssten ja die Gasthäuser gut gehen, denn es gibt immer mehr alte Leute, die nicht mehr kochen. Und auch die Berufstätigen lassen sich meist in einer Kantine oder einem Lokal verpflegen. So müsste doch in der Gastronomie ein Boom herrschen.

Auf jeden Fall: Lasst eure Gasthäuser nicht sterben!

Die Menschen werden immer lauter, die Vögel auch

                                Lokal Windbeutelgräfin in Ruhpolding mit lauter Kaffeekannen als Dekoration

Um was sich die Wissenschaft doch so kümmert: Ornithologen haben festgestellt, dass die Vögel immer lauter werden. Und die Fachleute sind sich sicher, auch die Ursache dafür gefunden zu haben: Schuld ist nach ihren Vermutungen die Umwelt, die immer lauter wird. So müssen die Vögel beispielsweise den Verkehrslärm übertönen, um sich mit ihresgleichen verständigen zu können.
Womit sich aber die Wissenschaft noch nicht befasst hat (nur ich ich Laie) ist die Tatsache, dass auch die Menschen auch immer lauter werden. Zuerst fiel mir dieses Phänomen auf, als ich öfter gerade zu der Zeit durch eine Straße ging, in der mir Schüler nach Schulschluss entgegen kamen. Laut schreiend gingen sie zu mehreren nebeneinander, ohne mir noch Platz zu lassen. Eine ältere Dame, der es ebenso ging, sagte zu mir: „Lauter Verhaltensgestörte!“
Ein großer Teil dieser Jugend fährt mit dem Bus nach Hause. Als ich einmal die 8 km von der Kleinstadt im Auto heim fuhr, sah ich eine Nachbarin auf der Straße gehen. Sie ging diese Strecke mit ihren Einkaufstaschen zu Fuß und sagte mir, als ich sie mitnahm: „Ich konnte nicht mit dem Bus fahren. Da sind lauter Schüler, und die machen einen Krach, dass es nicht zum aushalten ist. Da geh‘ ich lieber.“
Nun wird vielleicht jemand fragen, ob die Frau vielleicht ein wenig überempfindlich ist. Nein, das ist sie nicht, denn Messungen haben ergeben, dass Kinderlärm die Lautstärke von Presslufthämmern erreicht. Wer sich dauernd von seinem MP3-Player bedröhnen lässt, wird diese Lautstärke auch für seine akustischen Äußerungen für normal halten und die anderen passen sich dem an.

Bei den Schülern kann man ja vielleicht noch sagen; „Lasst doch der Jugend ihren Lauf…“, wie es in einem alten Lied heißt. Aber auch die Erwachsenen werden immer lauter. Während es früher üblich war, sich in Lokalen mit gedämpfter Zimmerlautstärke zu unterhalten, ist es heute anders. Da haben viele Leute das Bedürfnis, sich zu präsentieren. Und so will man zeigen, wie gut man drauf ist und lacht in einer Lautstärke, die einen Schalldämpfer erforderlich machen würde. Weil im Lokal natürlich Musik aus dem Lautsprecher kommt, um den Geräuschpegel zu überspielen, schraubt dies die Lautstärke der Gäste noch mehr in die Höhe.
Was ist in diese Menschen gefahren? Spüren sie nicht mehr, wie erholsam es wäre, in der Mittagspause in aller Ruhe zu speisen?

Bayern aus dem Bilderbuch

Heute lassen wir es uns gut gehen! Wir haben ja so viele tolle Lokale in Bayern. Heute Mittag essen wir mal wieder bei der „Windbeutelgräfin“ in Ruhpolding. Das ist Bayern aus dem Bilderbuch und darum steht auch stolz am Haus dieser Spruch:

Begrüßt wird man mit dem Zitat des Tages:

Innen ist es gemütlich. In einem Raum hängen lauter Kaffeekannen an der Decke:

Aber auch sonst sieht es urig aus:

Und die Speisekarte ist so originell, dass man viel lachen kann:

Und wenn dann noch das Essen so ausgezeichnet ist: Was will man mehr?

Über Nacht gealtert?

Mein Gott, bin ich alt geworden!
Meist altert man ja so vor sich hin und merkt davon nicht viel. Aber plötzlich passiert dann irgendetwas und man denkt sich: Da komme ich nicht mehr mit. Ich habe mit dieser Feststellung nicht meinen PC im Auge, sondern ein Lokal, in dem wir gerne zum Essen gingen. Bisher hatte es einen, wie ich durchaus zugebe, altbackenen Charme: An der Stirnseite hingen 2 Porträts von beachtlicher Qualität, auf denen das Gründerehepaar abgebildet war, das auf die Gäste herab schaute. Und auf einem anderen Bild war in impressionistische Manier das ganze Gebäude mit Bäumen dargestellt. Die Einrichtung war gediegen.  Im Zuge der heute herrschenden Retro-Welle konnte man sich dort wirklich wohl fühlen, denn man hatte beim Essen auch noch seine Ruhe, was heutzutage nicht mehr normal ist.
Aber plötzlich las man, dass das Lokal wegen Renovierung geschlossen würde. Wir wunderten uns: Wir fanden das überhaupt nicht nötig, denn alles war bestens in Ordnung.
Dann kam für uns der Schock, als das Lokal wieder eröffnet wurde. Alles war mit einem französischen Flair versehen worden. Die gemütlichen Bänke waren durch Stühle ohne Armlehnen ersetzt worden. Aus den Lautsprechern kam Musik von Bayern III, die nun wirklich nicht zu einem Essen passt, das den Preisen nach zum obersten Segment gehört. Und an den Wänden hingen beleuchtete Fotografien, die vielleicht eher für eine Discothek geeignet wären: Auf einem Bild war der Oberschenkel einer Frau zu sehen mit einer Männerhand darauf, auf einem anderen eine Zigarrenkiste mit einer brennenden Zigarre. Was sollen uns die Bilder sagen? Wenn Dir das Essen nicht schmeckt, greife zum Oberschenkel Deiner Tischnachbarin oder rauche draußen eine Zigarre?
Für so einen Blödsinn sind wir einfach zu alt.
Das ist nun schon das dritte Lokal, das verschlimmbessert wurde. Und neulich las ich über den Sinn solcher Renovierungen den Satz eines Architekten: Ein Lokal müsse so eingerichtet sein, dass der Gast nach 20 Minuten verschwinde und einem anderen Platz mache. Ob aber die Rechnung aufgeht? Vielleicht gehen die Gäste dann doch lieber in gemütlichere Lokale.