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Was ist „Liberalitas Bavariae?“ (Zitat zum Tag)


Es gibt Wörter die nicht übersetzbar sind wie zum Beispiel „Gemütlichkeit“.
Auch der bayerische Ausdruck „Liberalitas Bavariae“ gehört zu den nicht übersetzbaren Begriffen. Immerhin sei hier der Versuch unternommen, den Menschen jenseits des Weißwurstäquators näher zu bringen, um was es sich handelt:

Wörtlich übersetzt bedeutet der lateinische Ausdruck: Großzügigkeit Bayerns. Es handelt sich um den obersten Leitsatz der bayerischen Leitkultur (ja, so was hamma!) und bedeutet so viel wie: freiheitliche Gesinnung der Bayern: „Mia san mia“ und lassen uns von niemand drein reden. Wir lassen jeden so sein, wie er ist, und erwarten, dass andere auch so tolerant sind. „Leben und leben lassen“ gilt hierzulande als Lebensregel.
Und deshalb hat der Bayer ein zwiespältiges Verhältnis zur Religion. Eigentlich ist er ja von Natur aus fromm, aber allzu viel lässt er sich nicht von der Kirche drein reden. Wenn also die Kirche strengste Fastenregeln erließ, ernährte man sich in Bayern flüssig mit Starkbier. Oder wenn am Freitag nur Fisch gegessen werden durfte, erklärte man den Biber zum Fisch und hatte so den gewünschten Braten.
Am sonderbarsten
aber sind die bayerischen Flüche. So etwas gibt es sonst nirgendwo. Weil das Fluchen mit heiligen Worten verboten ist (wer will so was denn eigentlich?), schimpft der Bayer mit Ausdrücken, die knapp vorbei gehen: „Kreuzkruzinesen! Sapperment! Jessasmaria!…“
Warum erkläre ich Ihnen das alles? Zur Erläuterung dieses Zitats:

Sei kein Gefangener deiner Religion, sondern mache dir bewusst, dass du über deiner Religion stehst: Du kannst dir sogar eine aussuchen.

Mehr über Bayern hier: https://autorenseite.wordpress.com/der-bayer/

Der Untergang der Kultur?

Schauen Sie erst einmal das Zitat zum Tag hier unten an. Was uns heute als Kunst verkauft wird, ist oft nichts anderes als ein Einfall oder häufig eine Provokation bzw. ein Tabubruch: So kommt ein Künstler in die Medien und das ist dann auch oft der Start für eine Karriere.
Dementsprechend verändert sich auch der Begriff der
Kultur. Auf einmal wird es üblich, diesen Begriff als Synonym für „Unsitte“ zu gebrauchen. So spricht man dauernd von einer Kultur des Schweigens bzw, des Wegsehens bei Missbrauchsfällen. Für mich ist das eine schreckliche Entgleisung.
Und wenn man von deutscher Leitkultur spricht, gerät das, was damit gemeint ist, immer mehr in den Hintergrund. Wenn man schaut, was die Jugend interessiert, so sind das weniger Radtouren durch Franken oder die Backsteingotik, sondern Flugreisen nach New York, Neuseeland,
zum Taj Mahal oder an die chinesische Mauer.
So, wie sich die Menschen durch die Flüchtlingsbewegungen vermischen, wird wohl auch die Kultur zu einem Einheitsbrei. Man wird immer seltener sagen können, dieser oder jener Bau oder ein anderes Kunstwerk sei typisch für ein bestimmtes Land, so wie es Kunsthistoriker bei Antiquitäten zweifelsfrei feststellen können.
Und auch jeder sieht auf den ersten Blick, dass eine Almhütte eben aus Bayern stammt und nicht aus China. À propos Bayern: Da freut man sich, wenn hier zu Lande der Spruch üblich ist: „Mia san mia!“ Und das wird auch praktiziert in den Trachtenvereinen und den Bräuchen.
Hoffnung für eine Rückbesinnung auf die Wurzeln gibt es, wenn man sich das Prinzip des Dondolismus vor Augen hält:
https://autorenseite.wordpress.com/2019/07/04/tag-des-ungehorsams/
Die Menschheit ist ständig in Bewegung zwischen zwei Extremen (z.B. Kadavergehorsam und gewaltsamen Demonstrationen). So beobachten wir auch eine Gegenbewegung zur Globalisierung, von der die EU ein Teil ist. Der Brexit ist ein Zeichen dafür, dass die Briten für sich sein wollen – auch gerade in kultureller Hinsicht.
Man fragt sich aber auch: Befinden wir uns vielleicht zur Zeit in der letzten Phase der Kultur, die Oswald Spengler seherisch so beschrieben hat (Zitat aus Wikipedia:)

„Der Kulturtod vollziehe sich, indem Kultur in Zivilisation übergeht. Den späten Zustand der Zivilisation charakterisiere:

  • das Greisenhafte statt des Jugendlichen, Geschichtslosigkeit,
  • Künstlichkeit und Erstarrung aller Lebensbereiche,
  • Herrschaft der anorganischen Weltstadt anstelle des lebensvollen bäuerlich geprägten Landes,
  • kühler Tatsachensinn anstelle der Ehrfurcht vor dem Überlieferten,
  • Materialismus und Irreligiosität,
  • anarchische Sinnlichkeit, panem et circenses, Unterhaltungsindustrien,
  • Zusammenbruch der Moral und Tod der Kunst,
  • Zivilisationskriege und Vernichtungskämpfe,
  • Imperialismus und die Heraufkunft formloser Gewalten.“

Der Untergang der deutschen Leitkultur


Ich bin ja nun schon sehr alt und ganz anders erzogen worden als die heutige Jugend, Wir lernten in der Schule auch das, was man unter „Bildung“ verstand. Unsere Abiturreise hatte das Thema „Norddeutsche Backsteingotik“ Und so fuhren wir mit dem Fahrrad von Kiel bis Hildesheim und besichtigten die bekannten Baudenkmäler, während heutzutage die Schulklassen oft sonst wohin fliegen.
Von der Schule her ist mir das Interesse daran geblieben, mich weiter zu bilden: Ich radelte durch Franken und am Rhein entlang. Ich besuchte die Gottesdienste, in denen die bekannten Messen der bedeutenden Komponisten aufgeführt wurden. Ich stellte mich abends an die Opern- und Theaterkassen an, um verbilligte Restkarten für die Aufführungen zu bekommen. Wenn ich eine Reise unternahm, schaute ich in den Kunstführer, was ich dabei besichtigen konnte…
Ganz anders ist es heute: Vielleicht habe ich ja nur die falschen jungen Leute im Blick. Die kennen nicht einmal die bekannten Baudenkmäler aus ihrer Umgebung, haben dafür aber das Taj Mahal und die chinesische Mauer gesehen. Ihre Sehnsuchtsorte sind Neuseeland, New York, Hawaii und Las Vegas. Ich will das nicht kritisieren, sondern ganz schlicht feststellen, dass das, was wir einmal unter „Leitkultur“ verstanden haben, nun durch eine globale Kultur ersetzt wurde, sofern man bei Las Vegas von Kultur sprechen kann.
Man kennt die bekanntesten Sehenswürdigkeiten der Welt und die will man gesehen haben. Und so drängen sich Menschenmassen an Orten wie Venedig, während man in den Münchner Kirchen beim Besichtigen ziemlich allein ist.
Immerhin kommen Japaner und Chinesen auf ihrem Trip „Europe in one Week“ auch nach Bayern und schauen sich hier etwas an, was die meisten Einheimischen noch nicht gesehen haben, beispielsweise die Wieskirche. Da ist sie dann doch wieder: die deutsche Leitkultur.

Flugangst und Flugscham

Mein Senf dazu:

Es gibt Menschen, die überhaupt nicht fliegen, weil sie Flugangst haben. Und sie sind oft begeistert, wie viel schöner und geruhsamer eine Bahnfahrt oder Schiffsreise ist.
Nun macht sich ein neues Phänomen breit: die Flugscham. Sie kommt aus Schweden und führt dort zu einem Umdenken: Während die Nachfrage nach Flugreisen weltweit 2019 laut IATA um stattliche 6 Prozent auf 4,6 Milliarden Fluggäste zulegen soll, gibt es in Schweden eine Trendwende bei den Passagierzahlen im Flugverkehr. Von Januar bis September 2018 gab es drei Prozent weniger innerschwedische Flugreisen und einen leichten Rückgang bei den Charterflügen. Demgegenüber verzeichnete die Bahn eine massiv angestiegene Belegung der innerschwedischen Nachtzüge. Zwischen Malmö und Stockholm stieg sie in einem Jahr um 100 Prozent.
Wenn Sie fliegen, sollten Sie bedenken, dass Sie mit einer „Umweltsau“ unterwegs sind, die auf der Strecke von Hamburg-Berlin einen CO2-Ausstoß von 72kg hat, während die Bahn es nur auf 9kg bringt.
Also haben Sie nun auch vielleicht ein wenig Flugascham? Und denken Sie vielleicht auch einmal darüber nach, ob Sie nicht doch bei diesem Klimawandel einen Urlaub in der sonnigen Heimat verbringen sollten? Müssen Sie unbedingt das Taj Mahal oder die chinesische Mauer anschauen, wenn Sie die Sehenswürdigkeiten Ihres eigenen Landes nicht kennen? Ist es wirklich ein erholsamer Urlaub, wenn sie am Taj Mahal unter einer solchen Masse von Touristen unterwegs sind, dass vor dieser Reise in Internet gewarnt wird? Muss es denn sein, dass die Chinesen bei uns die Wieskirche besichtigen und Sie noch nie dort waren? Sollten Sie nicht ein bisschen von dem kennen, was sich „Leitkultur“ nennt? Wie heißt es schon in der Bibel:
»Bleibe im Land und nähre dich redlich.« (Ps 37,5)

 

Der Untergang der Kultur


„Kultur“ bedeutet nach dem Duden: „Gesamtheit der geistigen, künstlerischen, gestaltenden Leistungen einer Gemeinschaft als Ausdruck menschlicher Höherentwicklung“. Unsere Zeit hat sogar eine eigene Form der Kultur entdeckt: die Leitkultur. Nur fragt man sich, was diese Kultur heute noch wert ist, wenn sie so wenig geschätzt wird: Als ich vor mehr als einem halben Jahrhundert mein Abitur machte, bestand unsere Abiturreise darin, dass wir mit dem Rad durch die Backsteingotik fuhren und jeder für die Sehenswürdigkeiten einen kleinen Vortrag ausgearbeitet hatte. Heute fliegen sogar die Realschüler zum Schulabschluss zum Baden in die Türkei.
„Nix Kultura!“
Wie wenig wir unsere Kultur schätzen, wurde mir bewusst, als ich zu einem Treffen ins Allgäu fuhr: Ich benutzte die Gelegenheit, um mich mal wieder im Pfaffenwinkel umzusehen und u.a. auch wieder die Wieskirche anzuschauen. Dort wimmelte es von Chinesen und Japanern. Anschließend bei dem erwähnten Treffen schwärmten etliche Teilnehmer von ihrer Reise nach China. Und als ich erwähnte, dass umgekehrt die Chinesen sich für deutsche Sehenswürdigkeiten interessieren, stellte sich heraus, dass keiner die nahe Wieskirche besichtigt hatte. Unsere Kultur ist also in den Augen der modernen Menschen nicht mehr viel wert. Sie wollen das Andere, das Fremde.
So muss man sich auch nicht wundern, wenn das Wort „Kultur“ immer mehr missbraucht wird. Kürzlich las ich irgendwo von einer „Kultur des Schweigens“, womit ausgedrückt werden sollte, dass man bei uns verschiedene Dinge nicht sagen darf.
Den Gipfel des Missbrauchs des Worts „Kultur“ las ich hier:
„Ein Blick in die Statistik des Bundeskriminalamts zeigt, dass im Jahr 2007 noch 189 Straftaten mit Stichwaffen angezeigt wurden. Im Jahr 2016 waren es bereits 743 und die Zahl ist weiter steigend. Warum das so ist? … Zum anderen kämen viele der Angreifer aus Kriegsgebieten und seien bereits dort mit Gewalt groß geworden. Das Messer gehöre zur Kultur.“


Bundespräsident Steinmeier und der Islam


Steinmeier hat sich zur Islamdebatte geäußert und gesagt, der Islam gehöre zu Deutschland. Er erweckt damit den Eindruck, als bestehe in Deutschland ein so schwerwiegender Streit, dass ein präsidiales Machtwort notwendig ist. Besser wäre es gewesen, wenn er beschwichtigend eingegriffen hätte und folgendes gesagt hätte:
Bei der Frage, ob der Islam zu Deutschland gehört, besteht
insoweit Einigkeit:
Niemand bestreitet, dass über 4 Millionen Moslems in Deutschland leben und hier Tausende von Moscheen errichtet haben. Und keine Partei will sie vertreiben. Insofern gehört also der Islam zu Deutschland.
Anders sieht es mit der historisch-kulturellen Entwicklung aus. Insoweit gehört der Islam nicht zu Deutschland, weil er hierzu kaum Beiträge geleistet hat. Auch das ist unstreitig.
Wer also sagt, der Islam gehöre zu Deutschland oder nicht dazu, soll klar hinzufügen, ob er von den hier anwesenden Moslems spricht oder der kulturell-historischen Entwicklung
oder der „Leitkultur“.
Der Bundespräsident hat es – ebenso wie die Kanzlerin in ihrer Regierungserklärung – vermieden, darüber zu sprechen, was die meisten wohl mit der Frage verbinden, ob der Islam zu Deutschland gehört: Gilt das auch für die „deutsche Leitkultur“? Darf es so etwas überhaupt noch geben? Manche lehnen sie als rassistisch ab. Sie reden von „Multikulti“.
Natürlich bekennen sich alle zur grundgesetzlich garantierten Religionsfreiheit und zu einer gewissen Liberalität.
Aber dann beginnt der eigentliche Streit: Wollen wir eine Islamisierung Deutschlands und wo beginnt diese? Laden wir uns immer mehr Konflikte zwischen Volksstämmen (z.B.: Kurden und Türken) oder Religionsgemeinschaften (z.B.: Sunniten, Schiiten) auf? Gehören für viele Islamismus und Salafismus zum Islam, den sie deshalb ablehnen?
Der frühere Innenminister hat in der „Zeit“ einen lesenswerten Artikel über die deutsche Leitkultur geschrieben: http://www.zeit.de/politik/deutschland/2017-04/thomas-demaiziere-innenminister-leitkultur/seite-2
Die Fragen, die von der GroKo offen gelassen wurden sind diese:
Burkaverbot? Kopftuchverbot wo?
Bildungsinhalt?
Vieles von dem, was zur deutschen Leitkultur gehört, können wir den Zugezogenen nicht einimpfen:
z.B. Heimatliebe, Patriotismus, Goethe und Bach, …
Und so gesehen kann man sagen: Die Moslems gehören nicht zu uns.
Man kann sich aber auch auf den Standpunkt stellen, ein maßvolles Multikulti gehöre mit dazu, also auch d
er Islam.
Der Streit wird bleiben, besonders in Bayern (s. obigen Beitrag).