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Die Menschen werden immer lauter, die Vögel auch


Über dieses Thema habe ich ja schon einmal geschrieben:
https://autorenseite.wordpress.com/2019/07/27/die-menschen-werden-immer-lauter-die-voegel-auch/
Und die Duplizität der Ereignisse wollte es, dass wir gerade wieder zum Essen in die „Windbeutelgräfin“ gegangen sind, die oben und im verlinkten Beitrag abgebildet ist. Es war wie immer sehr voll und als wir uns an einen der wenigen freien Plätze gesetzt hatten, war es nicht zum Aushalten. In dem Raum saßen etliche Frauen, die sich in einer Lautstärke unterhielten, als wären sie Stadionsprecherinnen. Und als sie dann noch kreischend lachten, haben wir die Flucht ergriffen. Der Brauch, dass man sich am Tisch in dezenter Lautstärke unterhält, kommt immer mehr ab. Oft hat man den Eindruck, als wollten viele Menschen den anderen unbedint zeigen, wie gut sie drauf sind.
Und noch etwas fällt mir auf: Die Menschen sprechen immer schneller, als wenn sie unter Zeitdruck stünden. Ich betrachte das als Zeichen dafür, dass die Menschen heutzutage nervöser werden. Im Duktus ihrer Sprache fehlt immer öfter Ruhe, Gelassenheit und Persönlichkeit.
Wenn ich in B5 aktuell die Nachrichten höre, dann werden die nicht nur schnell, sondern auch monoton ohne Punkt und Komma herunter gelesen.
Da ist es dann erholsam, wenn man es mit Menschen zu tun hat, die eine schöne Sprache pflegen.
Übrigens hat sich nicht sich nicht nur die Sprechweise der Menschen geändert, sondern auch das, was sie wie sagen:
https://autorenseite.wordpress.com/2019/09/14/ein-trauriger-tag-der-tag-der-deutschen-sprache/

Die Menschen werden immer lauter, die Vögel auch

                                Lokal Windbeutelgräfin in Ruhpolding mit lauter Kaffeekannen als Dekoration

Um was sich die Wissenschaft doch so kümmert: Ornithologen haben festgestellt, dass die Vögel immer lauter werden. Und die Fachleute sind sich sicher, auch die Ursache dafür gefunden zu haben: Schuld ist nach ihren Vermutungen die Umwelt, die immer lauter wird. So müssen die Vögel beispielsweise den Verkehrslärm übertönen, um sich mit ihresgleichen verständigen zu können.
Womit sich aber die Wissenschaft noch nicht befasst hat (nur ich ich Laie) ist die Tatsache, dass auch die Menschen auch immer lauter werden. Zuerst fiel mir dieses Phänomen auf, als ich öfter gerade zu der Zeit durch eine Straße ging, in der mir Schüler nach Schulschluss entgegen kamen. Laut schreiend gingen sie zu mehreren nebeneinander, ohne mir noch Platz zu lassen. Eine ältere Dame, der es ebenso ging, sagte zu mir: „Lauter Verhaltensgestörte!“
Ein großer Teil dieser Jugend fährt mit dem Bus nach Hause. Als ich einmal die 8 km von der Kleinstadt im Auto heim fuhr, sah ich eine Nachbarin auf der Straße gehen. Sie ging diese Strecke mit ihren Einkaufstaschen zu Fuß und sagte mir, als ich sie mitnahm: „Ich konnte nicht mit dem Bus fahren. Da sind lauter Schüler, und die machen einen Krach, dass es nicht zum aushalten ist. Da geh‘ ich lieber.“
Nun wird vielleicht jemand fragen, ob die Frau vielleicht ein wenig überempfindlich ist. Nein, das ist sie nicht, denn Messungen haben ergeben, dass Kinderlärm die Lautstärke von Presslufthämmern erreicht. Wer sich dauernd von seinem MP3-Player bedröhnen lässt, wird diese Lautstärke auch für seine akustischen Äußerungen für normal halten und die anderen passen sich dem an.

Bei den Schülern kann man ja vielleicht noch sagen; „Lasst doch der Jugend ihren Lauf…“, wie es in einem alten Lied heißt. Aber auch die Erwachsenen werden immer lauter. Während es früher üblich war, sich in Lokalen mit gedämpfter Zimmerlautstärke zu unterhalten, ist es heute anders. Da haben viele Leute das Bedürfnis, sich zu präsentieren. Und so will man zeigen, wie gut man drauf ist und lacht in einer Lautstärke, die einen Schalldämpfer erforderlich machen würde. Weil im Lokal natürlich Musik aus dem Lautsprecher kommt, um den Geräuschpegel zu überspielen, schraubt dies die Lautstärke der Gäste noch mehr in die Höhe.
Was ist in diese Menschen gefahren? Spüren sie nicht mehr, wie erholsam es wäre, in der Mittagspause in aller Ruhe zu speisen?

Die Vögel werden immer lauter – die Menschen auch


Dass das Vogelgezwitscher immer lauter wird, haben Wissenschaftler festgestellt. Sie nehmen an, das müsse daran liegen, dass die Umwelt immer lauter wird.
Als Nicht-Wissenschaftler stelle ich fest, dass auch die Menschen immer lauter werden. Früher war es üblich, dass man sich in einem Gasthaus dezent unterhielt. Nur die Leute am Tisch sollten hören, was gesprochen wird. Heutzutage ist der Geräuschpegel in manchen Lokalen so, dass man meinen könnte, lauter Schwerhörige säßen beieinander. Das stimmt vielleicht auch, denn Mediziner haben heraus gefunden, dass die Großstädter mit dem Abbau des Gehörs im Vergleich zur Landbevölkerung um 10 Jahre voraus sind. Ursache sollen die ständigen Geräusche der städtischen Umwelt sein.
Kürzlich sah ich im Fernsehen Bilder aus einer Kleinstadt. Dort gibt es immer schon Gasthäuser, bei denen man im Sommer auch noch abends draußen sitzen kann. Nun auf einmal wehren sich die Anwohner und verlangen eine frühe Polizeistunde. Sie beklagen sich darüber, dass der Lärm unerträglich geworden ist. Die Lokalbesucher sind also nicht mehr in der Lage, Rücksicht auf die Nachtruhe der Anwohner zu nehmen. Auch hier sehen wir also wie sonst auch eine Verrohung der Sitten.

Da kann einem das Lachen glatt vergehen

Man kann sich beim Lachen einen Haufen Ärger einhandeln, wie diese Geschichte zeigt: „Also ein bisschen mehr Ernst, meine Damen, wenn ich bitten darf!“ Ernst ist auf jeden Fall leiser.
http://www.salzburg.com/nachrichten/diverse/verrueckt/sn/artikel/prozess-in-deutschland-17-jaehrige-soll-zu-laut-gelacht-haben-83461/
In diesem Zusammenhang sei allerdings festgestellt, dass die Menschheit immer lauter wird. Das kann man beispielsweise häufig in Lokalen beobachten. Wo man sich früher dezent in „Tischlautstärke“ unterhielt, ist nun oft eine laute Fröhlichkeit ausgebrochen. Man hat manchmal den Eindruck, als wollten viele dem ganzen Lokal zeigen, wie unheimlich lustig sie sind. Vielleicht hängt das ganze ja auch mit dem dauernden Musikhören zusammen. Wer ständig die Stöpsel eines iPods im Ohr hat und das Gerät auf volle Lautstärke gedreht hat, verliert langsam das Gefühl für angemessene Lautstärke.
Interessant ist, dass auch die Vögel im Zuge einer immer lauter werdenden Welt mitmachen. Sie zwitschern nun in einer Lautstärke, dass sich schon Menschen beklagt und Abwehrmaßnahmen gefordert haben.

Krach in der Natur:

Als vor vielen Jahren auf dem Chiemsee eine Seebühne eingerichtet wurde, die verschiedene Veranstaltungen dargeboten hat, gab es laute Proteste: Nicht nur die Urlauber, sondern auch die Vögel würden gestört. Nun ist es ruhig geworden auf dem See. Wenn man auf den Veranstaltungskalender der Seebühne klickt, heißt es: „No event!“ Das ist wohl weniger der Einsicht zu verdanken als der Rentabilität.
Ansonsten scheint der Drang, Krach in der Natur zu verbreiten, immer mehr um sich zu greifen. Überall, ob am Königssee, am Thumsee, auf dem Nebelhorn oder der Winklmoosalm und vielen, vielen anderen Orten wird die Natur zum Veranstaltungsort gemacht. Und während wir dank EU kein Telefon mehr kaufen dürfen, dessen Glocke lauter ist als 40 Dezibel, darf hier ohne jede Begrenzung Krach gemacht werden.
Wer Stille sucht, soll halt im November kommen.
Übrigens: Entgegen den Befürchtungen der Naturschützer scheinen sich die Vögel an den Lärm gewöhnt zu haben: Sie werden im Hinblick auf den Krach in der Umwelt auch immer lauter, so dass sich schon belästigte Leute darüber beschwert haben. Sie fordern Einrichtungen zum Vertreiben der Vögel.
Ich dagegen erinnere mich noch gern an meine Münchner Zeit. Da saßen im Herbst die Zugvögel auf den Lichtreklamen des damals verkehrsreichsten Platzes Europas und zwitscherten aus voller Kehle. Lebenslust pur!