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Sind wir Deutschen zu langweilig?

Belgien hat seit gestern einen Staatstrauertag für die Opfer der Flutkatastrophe hinter sich:
https://www.stern.de/news/staatstrauertag-in-belgien-zum-gedenken-an-opfer-der-ueberschwemmungen-30623958.html
Warum haben wir keinen solchen Staatstrauertag, obwohl wir viel mehr Opfer zu beklagen haben? Sind wir so langweilig, dass die Trauer erst später kommt? Oder ist die Trauer vielleicht nur Ländersache? Das dürfte doch nicht sein: Eine solche Katastrophe sollte doch ganz Deutschland trauern lassen als Symbol dafür, dass man im Volk zusammen steht – nicht nur beim Trauern, sondern auch beim Helfen.

Scholz oder unsere gefährdete Demokratie


Es ist schon komisch: Wenn man so alt wird wie ich, fällt einem zu allem, was man sieht oder erlebt, irgendetwas aus dem früheren Leben ein:
Wenn ich so manche Politschreihälse höre, fällt mir dazu immer die Sportpalastrede von Göbbels ein. Als er ausrief: „Wollt ihr den totalen Krieg?“, schallte ihm ein tausendfaches „Ja“ entgegen. So leicht verführbar ist das Volk und die Populisten nutzen das aus.
Das absolute Antimodell dazu ist der Kanzlerkandidat der SPD: ein Mann der leisen Töne. Die täten unserer aufgeregten Zeit besonders gut. Aber leider ist das Echo auf die Wahl von Scholz ziemlich negativ: Er wird als „bräsig“ und „langweilig“ hingestellt oder als kühler Hanseat, der keinen vom Hocker reißt. Insoweit hat sich ein negativer Mainstream gebildet, der unserer Demokratie schadet: Äußerlichkeiten werden in den Vordergrund gestellt, anstatt dass man mehr auf das eingeht, was Scholz sagt.
Kein Medium sagt das, was unsere Demokratie bräuchte: Kehrt endlich zurück zur unaufgeregten Sachlichkeit!
Aber so ist das nun mal in unserer Zeit der Mainstreams: Da macht es sich nicht gut, wenn man anders denkt oder schreibt als die Masse. Und je mehr sich Mainstreams durchsetzen, um so gefährdeter ist die Demokratie. die ja von der Vielfalt der Meinungen lebt.

 

„Scheißwahlkampf!“


Gerade hörte ich im Radio wieder dasselbe, was man auch in den Medien lesen kann: Der Wahlkampf sei langweilig, frustrierend, wenig erhellend; die Diskussionen wirkten wie abgesprochen, kurzum: Es ist ein“Scheißwahlkampf“, wie ich im Gasthaus von einem Tischnachbarn hörte.
Das liegt zunächst einmal an den Moderatoren. Ihre Berufsbezeichnung kommt vom Lateinischen „moderare“ und das bedeutet: „kontrollieren · besänftigen · verlangsamen“. Nein so einen moderierten Meinungsbrei wollen wir nicht. Warum lässt man die Wahlkampfmatadoren nicht einfach so aufeinander los? So viel Kultur müssten sie doch mitbringen, dass jeder den anderen reden lässt, und wenn nicht, dann sammelt er bei den Zuschauern eben Minuspunkte, denn die Leute mögen so was nicht.
Wenn ich Fernsehen machen würde, würde ich Merkel und Wagenknecht miteinander diskutieren lassen oder Seehofer und Weidel. Das wäre doch interessant. Aber die Mainstream-Medien würden so etwas nie zulassen, denn das würde ja Wagenknecht und Weidel eine Bedeutung zukommen lassen, die sie nicht haben dürfen, und was noch schlimmer wäre: Es könnte passieren, dass mancher Zuschauer die Außenseiterinnen gar nicht so schlecht findet! Um Gottes Willen! So etwas darf doch beim „staatserhaltenden Fernsehen“ niemals passieren.