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Schwieriger Einkommensvergleich: heute und vor 10 Jahren

In einem Blog weiter unten haben wir uns mit der statistischen Feststellung befasst, dass das Einkommen der Arbeitnehmer heute dieselbe Kaufkraft haben soll wie vor 10 Jahren. Wir haben diese Feststellung widerlegt und geschrieben, dass die Kaufkraft gesunken ist, weil verschiedene Faktoren wie die gestiegenen Gesundheitskosten und dergleichen nicht berücksichtigt wurden. Überall sind ein paar Zusatzkosten versteckt, die den Arbeitnehmer von heute schlechter stellen und die bei den Statistiken nicht eingerechnet wurden.
Da wäre auch noch zu ergänzen, dass immer mehr Arbeitnehmer fast ihre ganze Arbeit zu Hause am PC erledigen und nicht im Büro. Sie brauchen daher keinen Arbeitsplatz in der Firma, sondern haben nun ihr Büro daheim und natürlich benutzen sie zu Hause ihren eigenen PC. All dies sind Kosten, die ihre Firma eigentlich erstatten müsste, denn das Unternehmen spart insoweit viel Geld. Und wenn man das heutige Nettoeinkommen dieser Leute berechnen würde, müsste man genau genommen sagen: der Einsatz des PC für die Firma und die anteilige Miete für die Bürofläche zu Hause kostet so und so viel und das muss vom Nettoeinkommen abgezogen werden. Wenn diese Arbeitnehmer also kaufkraftmäßig gesehen heute dasselbe verdienen wie vor 10 Jahren, müssten eigentlich rund 100 Euro für die Kosten des häuslichen Arbeitens abgezogen werden.

Zur Freude der Politiker: Das Volk rechnet nicht.

Jahr für Jahr lesen wir in den Medien Berechnungen darüber, ob wir ein Plus beim Einkommen erzielt haben oder ein Minus. Und wie wird da gerechnet? Man nimmt das Nettoeinkommen vom laufenden Jahr, zieht die Inflationsrate ab und vergleicht das Ergebnis mit dem Vorjahr. Und dann jubelt man, wenn sich ein Plus ergibt, wie zur Zeit, nachdem wir 10 Jahre lang eine Abwärtsbewegung hatten.
Aber rechnen wir überhaupt richtig? Die Politiker haben es verstanden, alles so zu vernebeln, dass die tatsächliche Entwicklung nicht erkennbar wird. Und wenn die Hausfrauen stöhnen, dass sie immer mehr ausgeben müssen und immer weniger zur Verfügung haben, dann hören sie von den Politikern, das sei eben nur die „gefühlte Inflation“, die mit der realen nichts zu tun habe.
Aber das Gefühl täuscht doch auf die Dauer nicht. Wie sähe denn eine richtige Rechnung aus? Schon bei der Inflationsrate wird gemogelt, wie wir in früheren Blogs erklärt haben. Steigt also der Ölpreis und regulieren die Leute deshalb die Heizung herunter, dann geben sie nur wenig mehr für die Wärme aus. Der Warenkorb, der für die Berechnung der Inflation maßgebend ist, zeigt also bei dem Heizölpreis nicht den Ausschlag nach oben, der angebracht wäre.
Und viele Faktoren fließen gar nicht in die Berechnung der unterschiedlichen Einkommen ein. So wurde beispielsweise der Arbeitgeberanteil bei den Sozialabgaben eingefroren. Das bedeutet, dass die Arbeitnehmer insoweit Jahr für Jahr weniger haben, als ihnen im Vergleich zur Vorjahressituation zustehen würde. Nur wird beim Einkommensvergleich ein solches Minus wie viele andere auch gar nicht berücksichtigt: Sie alle merken es bei der Krankenkasse: Sie müssen immer mehr zuzahlen und erhalten immer weniger ersetzt. Und was die Pflegeversicherung angeht: Früher einmal galten altersbedingt Leiden als Krankheit und wurden von der Kasse bezahlt.
Oder anderes Beispiel: Vor über 20 Jahren konnte man ab 60 Jahren mit seinem Personalausweis eine um 50 % ermäßigte Fahrkarte bei der Bundesbahn kaufen, heute braucht man eine Bahncard. So sind die Verschlechterungen überall verstreut und kaum einer hat noch den Überblick.
Es sollte sich einmal jemand der Mühe unterziehen, eine echte Vergleichsrechnung anzustellen. Die Zeitungen tun dies nicht, weil sie hierfür Experten bräuchten, die sich viel Arbeit machen müssten. Das kostet Geld und das hat man nicht. Also druckt man lieber die amtlichen Mitteilungen über den Einkommensindex unter der Überschrift ab: „Hurra! Schon wieder mehr Geld in der Lohntüte!“

Das geht Sie alle an, ob Rentner oder Arbeitnehmer: die Rentenlüge!

Wir hören immer das gleiche Gejammer: Die Alterspyramide sei zu einem Wasserkopf geworden. Mit anderen Worten: Immer mehr jüngere Arbeitnehmer müssen für immer mehr Rentner bezahlen. Weil man die Wahrheit nicht aufkommen lassen will, erzeugt man Spannungen zwischen den Generationen. Das übelste Machwerk dieser Art war ein Film der Moderatorin Ursula Heller im sonst so sachlichen Bayrischen Fernsehen. Sie zeigte die Rentnergeneration, die es sich auf Kosten der Jungen so richtig gut gehen ließ bei SPA, Spaß, Spiel und Fernreisen. Und daneben sah man die Jungen, die für diesen Luxus darben mussten. Frau Heller hat keine Ahnung und man wundert sich, wie sie jemand, der so unsachlich ist, Moderatorin beim BR sein kann.
Es stimmt schon, dass wir jetzigen Rentner früher einmal nur zur Hälfte für die Rente eines damaligen Ruheständlers aufkommen mussten. Aber bald wird es so sein, dass ein Junger für die Rente von zwei Alten aufkommen muss. Auf den ersten Blick erscheint das als völlig unzumutbar. Auf den zweiten ist es aber durchaus in Ordnung. Die Arbeitsproduktivität hat sich nämlich vervielfacht, wie die folgende Statistik beweist:
Jährliche Wachstumsrate der Arbeitsproduktivität (%) Zeitraum Deutschland
1960–1973: 3,98
1974–1982: 2,28
1983–1991: 2,07
1992–2001: 2,10
Im folgenden Jahrzehnt stieg die Produktivität je Arbeitsstunde sogar um 34,8 Prozent.

Arbeitsproduktivität hat sich also mindestens vervierfacht. Man sieht es überall: Während früher ganze Arbeitskolonnen an den Fertigungsbändern der Autoindustrie werkelten, läuft dieser Prozess heute weitgehend automatisch.
Oder um ein anderes Beispiel zu bringen: Die alte Generation hat Deutschland nach einem Krieg, den sie nicht verschuldet hat, wieder aufgebaut. Man hat mühselig aus den Trümmern der zerbombten Häuser die brauchbaren Steine geborgen, vom Mörtel befreit („Steineklopfen“) und sie dann dort hin getragen, wo sie gebraucht wurden, denn Kräne gab es fast nicht mehr. Und heute wird vieles von dem, was damals erbaut wurde, verkauft: Bahnhöfe, Postämter, Kasernen… Das Ganze ist also in etwa so, als hätten die Alten durch ihre Leistungen in eine riesige Sparkasse einbezahlt, die nun geplündert wird. Demnach dürfte es in Wirklichkeit so sein, dass die ältere Generation eine wesentlich schwerere Rentenlast zu tragen hatte als die heutige.
Obwohl ich eine gut bezahlte Arbeit hatte, konnte ich mir statt Butter jedenfalls nur Margarine leisten, um es einmal mit diesem Beispiel zu zeigen.
Sofern Sie alt sind: Haben Sie kein schlechtes Gewissen, wenn Sie es sich gut gehen lassen: Sie haben es verdient.
Und wenn Sie jung sind, sorgen Sie dafür, dass sich die Verhältnisse ändern. Es ist doch ein unwürdiger Zustand, dass nicht jeder selbst für sein Alter sorgen darf, sondern die vorige Generation versorgen muss. Die derzeitige Situation ist ja auf den verlorenen Krieg zurückzuführen: Die meisten Menschen hatten bei der Kapitulation nichts. Daher mussten die Alten von den Jungen ernährt werden. Aber dieses System hätte längst ganz sanft in ein anderes umgewandelt werden müssen, in dem jeder selbst für sein Alter vorsorgt mit einer Mindestabgabe für seine eigene Grundrente und einem freiwilligen Zuschlag oder eine Kapitalanlage.

Wie wir immer ärmer werden und auch noch belogen werden

Wir lesen in den Medien:
„Sind die Löhne in den letzten zehn Jahren nicht gewachsen? Die DIW-Forscher haben über alle Branchen und alle Berufe hinweg die durchschnittlichen Bruttomonatsverdienste ermittelt und mit der Inflationsrate verglichen. Das Ergebnis dieser Rechnung kann man in der Tat nur als mager bezeichnen: Danach sind die durchschnittlichen Monatseinkommen in Deutschland real um 93 Euro gesunken.“
Diese Art von Rechnung ist völlig falsch.
Zunächst einmal ist das Bruttoeinkommen ein schlechter Bemessungsmaßstab, weil es dem Bürger darauf ankommt, wie viel Geld er in der Tasche hat. Da wir eine Steuerprogression haben, die Steuer also mit dem Einkommen progressiv steigt, kann es durchaus passieren, dass jemand mehr Lohn bekommt, aber weniger ausbezahlt erhält.
Der zweite Fehler liegt darin, dass die Arbeitnehmer insoweit kein Einkommen haben, als sie Aufwendungen machen müssen, um an den Arbeitsplatz zu kommen. Während Geschäftsleute solche Fahrten von der Steuer absetzen können, bekommt der Arbeitnehmer nur eine kümmerliche Fahrtkostenerstattung vom Finanzamt zugebilligt. Weil aber nun die Benzinpreise überproportional gestiegen sind, arbeiten manche Arbeitnehmer oft einen ganzen Tag pro Woche für die Fahrt zur Arbeit. Man darf also bei der Einkommensentwicklung nicht die allgemeine Inflationsrate berücksichtigen, sondern muss den Spritpreisen das Gewicht beimessen, das sie für den Arbeitnehmer haben. Im übrigen wird bei der Berechnung der Inflationsrate ohnehin gewaltig gemogelt, wie wir hier in einem früheren Blog dargelegt haben und wie die Bürger ja auch am eigenen Portemonnaie merken.
Der dritte Fehler ist dieser. Man vergleicht immer entweder die Netto- oder die Bruttoeinkommen miteinander, lässt aber völlig außer Betracht, dass die Arbeitnehmer ständig immer mehr auf andere Weise geschröpft werden, ohne dass jemand sich die Mühe macht, dies alles mit einzubeziehen: Richtigerweise müsste man die Einführung der Praxisgebühr, die steigenden Zuzahlungen bei Medikamenten oder besonderen Behandlungen usw. berücksichtigen. Und wer denkt schon daran, dass das klamm heimlich gestrichene Sterbegeld für einen Alten einen monatlichen Verlust von 100 Euro bedeuten kann? So gäbe es vieles, was bei der Einkommensentwicklung maßgebend wäre. Aber keiner macht sich die Mühe, das einmal exakt durchzurechnen. So bekommen wir Zahlen vorgesetzt, die von interessierter Seite schön gerechnet wurden, und die Arbeitnehmer merken nicht, dass sie immer mehr ausgebeutet werden.
Für junge Akademiker wäre so etwas ein Superthema für eine Doktorarbeit, die tatsächlich einmal sinnvoll wäre, Aufsehen erregen würde und sogar als Bestseller verkauft werden könnte.

Wie bei der Inflationsrate gelogen wird

Lesen Sie zur Einstimmung erst einmal den vorigen Artikel über Wahrheit und Lüge. Wir sind es gewohnt, ständig von allen Seiten belogen zu werden. Heute wollen wir uns einem Thema widmen, bei dem Sie vielleicht bisher geglaubt haben, da könne man nicht mogeln. Die Rede ist von der Inflationsrate.
Es ist ja ganz merkwürdig, wenn man die Leute so über die Inflation reden hört. Das klingt so ähnlich, wie wenn übers Wetter gesprochen wird: Da unterscheidet man zwischen der wirklichen und der gefühlten Temperatur.
Auch bei der Inflation haben die Leute das Gefühl, dass bei den amtlichen Zahlen etwas nicht stimmt. Dieses Gefühl trügt nicht. So sind bei Einführung des Euro viele Preise im Verhältnis 1:1 umgerechnet worden. Trotzdem hält sich die amtlich festgestellte Inflationsrate in einem minimalen Bereich. Wie kann es so etwas geben?
Zunächst einmal wird der Warenkorb, der für die Berechnung der Inflation maßgebend ist, ständig verändert. In der amtlichen Diktion heißt es, er würde den tatsächlichen Verhältnissen angepasst. Wenn die Leute sparen und sich billigere Ware kaufen, so senkt das die Inflationsquote, auch wenn alles teurer wird. Wenn sich die Menschen wegen der steigenden Preise weniger Heizöl leisten können und die Zimmertemperaturen reduzieren oder sich statt des Öls Holz beim Forstamt kaufen, das sie selbst hacken, so kommt die „Geometrische Gewichtung“ zum Zuge. Das Öl hat im Warenkorb weniger Gewicht als der Leberkäse. Also wird die Beheizung billiger.
Auch bei hochwertigen Gütern wird manipuliert: Wenn es beispielsweise zum neueren technischen Standard gehört, dass Autos mit viel Elektronik und elektrischen Fensterhebern ausgerüstet sind, so sagen die Volkswirtschaftler, dieser technische Fortschritt erhöhe den Wert des Autos. Bleibt also der Preis unverändert, so verbilligt sich aus volkswirtschaftlicher Sicht das Auto, weil man für sein Geld einen höheren Wert bekommt. Sie werden sagen, Sie hätten nichts von diesem Fortschritt und würden lieber ein billigeres Auto mit Fenstern zum Kurbeln und ohne die anfällige Elektronik haben. Das gibt es leider nicht. Auch wenn Kinder durch die elektrisch betriebenen Fenster zu Tode gekommen sind und die Autoelektronik die häufigste Ursache für das Liegenbleiben von Autos ist: Sie können kein billigeres Auto mit dem alten technischen Standard kaufen.
Nach dem Prinzip des Hedonismus wird bei der Berechnung der Inflationsrate festgestellt, dass Autos mit dem neuesten Stand der Technik wegen der zusätzlichen Extras eben billiger geworden sind, wobei der die finanziellen Bewertung des technischen Fortschritts natürlich großzügig geschätzt wird.
So werden Sie laufend immer ärmer: Wenn Sie beim Lohn oder bei der Rente eine Nullrunde hinter sich haben, sagen Ihnen die Politiker und Wirtschaftsbosse, dass sei doch nicht so schlimm bei der geringen Inflationsquote.
Den Politikern kommt es darauf an, die wirklichen Verhältnisse zu verschleiern, denn sie bestehlen über die Inflation das Volk. Anders können sie den Schuldenberg, den sie aufgehäuft haben, gar nicht abtragen.
Vertrauen Sie also bei der Inflation eher Ihrem Gefühl als der Statistik.