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Unerträgliche „staatstragende“ Sommerinterviews in ARD und ZDF

Unter diesem Titel habe ich schon zweimal die mangelnde Neutralität der Fernsehinterviews beklagt:
https://autorenseite.wordpress.com/2020/07/27/staatstragende-sommerinterviews-in-ard-und-zdf-2/
Auch das Sommerinterview mit dem bayerischen Ministerpräsidenten verlief so, wie man es erwarten konnte. Kröhl gab Söder so richtig Gelegenheit zu glänzen.
Ein bisschen Kritik sollte dabei schon auch vorkommen: So fragte Kröhl Söder natürlich nach dem Mautdebakel und dem Verkehrsminister. Da konnte sich aber Söder elegant aus der Affäre ziehen, indem er sagte, Scheuer habe die Mautangelegenheit ja geerbt und die sei von der gesamten Regierung getragen worden. Und die missglückte Neufassung der Straßenverkehrsordnung konnte Söder als ärgerlichen Fehler abtun – also auch nicht so schlimm.
Was Kröhl aber stattdessen hätte ansprechen müssen, wäre die Tatsache gewesen, dass Scheuer Aufträge in Höhe von mehreren Hundert Millionen Euro bezüglich der Maut vergeben hat, obwohl der Prozess über deren Zulässigkeit noch nicht entschieden war, und dass er dabei die Vergabe-Richtlinien nicht eingehalten hat. Deshalb sind nicht nur hier auf dieser Blog-Seite Rücktrittsforderungen laut geworden. All das hat Kröhl in seinem wohlwollenden Interview unter den Tisch fallen lassen. Dadurch war das ganze Interview stinklangweilig, weil man schon vorher wusste, was gesagt würde.
Eine Auseinandersetzung mit der Kritik an der Corona-Politik fehlte in dem Interview völlig, obwohl Corona das Hauptthema war :
https://autorenseite.wordpress.com/2020/08/02/corona-demo-in-berlin-folge-einer-fehlerhaften-politik/
https://autorenseite.wordpress.com/2020/05/18/corona-merkels-fehler/
https://autorenseite.wordpress.com/2020/07/28/corona-politik-eine-kritik/

Vergleicht man dieses Interview mit denen, die Kröhl mit Meuthen und Riexinger geführt hat, so fällt ein eklatanter Unterschied auf. Während es bei Meuthen und Riexinger vor allem um Kritik ging, fiel diese bei Söder praktisch unter den Tisch und der Mann konnte sich als der kompetente Macher darstellen. So etwas stärkt nach Meinung der öffentlich-rechtlichen Sender die Demokratie. In Wahrheit treibt es die Menschen auf die Straße und der Ruf „Lügenpresse“ wird dabei laut. Wohlgemerkt: Ich distanziere mich von dem Wort „Lügenpresse“ und ersetze es durch Parteilichkeit. Und die schadet der Demokratie ebenso wie die Lüge, wie die Berliner Demonstration gezeigt hat.
Das war jedenfalls das letzte Sommerinterview, das ich mir angesehen habe. Und für so etwas muss ich noch Gebühren bezahlen.
Schade: Ich hätte gerne von Söder erfahren, wie es denn bei einer zweiten Corona-Welle weiter gehen soll, wo wir doch unser finanzielles Pulver schon bei der ersten Welle völlig verschossen haben: Wir haben beispielsweise die Lufthansa, die vielleicht demnächst kaum noch fliegt, mit Milliarden unterstützt, während andere zukunftsträchtigere Branchen mit mehr Arbeitsplätzen leer ausgingen. Eine Ungerechtigkeit, die durchaus auch hätte angesprochen werden sollen.

„Staatstragende“ Sommerinterviews in ARD und ZDF

Unter diesem Titel habe ich schon einmal die mangelnde Neutralität der Fernsehinterviews beklagt:
https://autorenseite.wordpress.com/2020/07/20/staatstragende-sommerinterviews-in-ard-und-zdf/
Auch bei dem Interview mit dem Linken-Chef Riexinger ging es nicht fair zu. Wie bei der AfD griff Kröhl bei der Linken extreme Äußerungen von Mitgliedern auf um der gesamten Partei Hass gegen die Reichen vorzuwerfen; Dabei war doch wohl der Spruch vom Erschießen der Reichen sarkastisch gemeint. Verfährt man nach dieser Methode Kröhl, so könnte man in Deutschland rechtsextreme Vorfälle und Sprüche aufgreifen und behaupten, Deutschland sei ein Nazi-Land.
Das eigentliche Anliegen der Linken wurde abgewürgt:
Sie wollen die Reichen stärker besteuern und für mehr Gerechtigkeit sorgen.
Dabei lässt K
röhl unter den Tisch fallen, dass viele Reiche nun auch wieder wie bei der Finanzkrise selbst eine stärkere Besteuerung fordern:
https://kontrast.at/muessen-millionaere-steuern-zahlen-corona/
Stattdessen lässt er kurz einen Professor zu Wort kommen,
um von ihm die Pläne der Linken als Unsinn bezeichnen lassen. Dabei wäre ein differenzierte Betrachtung angebracht gewesen:
Natürlich hat der Professor recht, wenn er sagt, dass die von der Corona-Krise gebeutelten Unternehme
n nun nicht neue Lasten aufgebürdet bekommen dürfen. Aber wer auf Währungen spekuliert, am Goldpreis verdient oder im Ausland investiert…: Warum sollen solche Leute nicht etwas mehr von ihrem Einkommen abgeben?
Wir hatten nach dem Krieg einmal ein Lastenausgleichsgesetz.
Wäre es nicht an der Zeit. Nun jedenfalls die Schere zwischen arm und reich jedenfalls ein wenig in die andere Richtung zu bewegen, sie also ein bisschen zuzuklappen und wenn es nur bezüglich der Kinderarmut wäre?

Schließlich noch zwei Aphorismen zum Thema:

Hast du schon mal probiert, wie glücklich es machen kann, andere glücklich zu machen?“

Wenn schon der Staat versagt: Wie schön wäre es doch, wenn ein Fußballer von seinem Millionengehalt ein Programm finanzieren würde, das jedem Kind einen PC verschafft.

„Von einer gewissen Höhe an ist ein Spitzeneinkommen Diebstahl an den Beschäftigten.“

Das heißt: Dieser Diebstahl muss durch höhere Steuern oder einen Vermögensausgleich ausgebremst werden. Wussten Sie, dass sich das Einkommen der Manager im Verhältnis zu ihren Mitarbeitern von 1:16 auf bis zu 1:432 gesteigert hat?
https://autorenseite.wordpress.com/2019/10/05/wie-das-wir-in-deutschland-kaputt-gemacht-wurde/
Und muss man ein Linker sein, um so etwas zu bekämpfen?
Um abschließend auf Hern Kröhl zurück zu kommen: So wie er bei der AfD deren Flüchtlingspolitik unter den Tisch fallen ließ, genau so hat er bei der Linken deren Hauptanliegen kaum angerissen. Der Mann ist prädestiniert dafür, Führungsaufgaben bei den Öffentlich rechtlichen zu übernehmen.