Schlagwort-Archive: Kabinett

Politik: Wann hört das endlich auf?

Das Kabinett der Ampel steht fest und schon geht das Gemecker an: Beispielsweise kritisiert die CSU, dass kein Minister aus Bayern stammt. Und andere Erbsenzähler stimmen mit ihren ähnlichen Kritiken ein.
Grundsatz sollte doch sein, dass die fähigsten Leute Führungsaufgaben übernehmen, ohne dass darauf geschaut wird, ob Mann oder Frau, ob katholisch oder protestantisch, ob West oder Ost…
Aber leider ist es ja so, dass die Minister häufig nicht – wie es sein sollte – neutral sind, sondern ihr Heimatland bevorzugen. Ich erinnere mich da an die Wahlkampfreden bayerischer Minister, in denen sie sich brüsteten, was sie alles für Bayern heraus geholt haben. So etwas dürfte es nicht geben. Aber weil es halt doch so ist, geht das Erbsenzählen an.

Söders Eigentor

Söder teilte uns in der Fußballersprache mit, das die Regierung in der zweiten Halbzeit mit einer verjüngten Mannschaft antreten sollte. Er hat damit, um in seiner Sprache zu bleiben, ein klassisches Eigentor geschossen. RTL führte eine Umfrage durch, welche Minister nach Auffassung der Leute gehen müssten. Und da wurden an erster Stelle zwei CSU-Minister genannt: Scheuer wegen der Mautpleite und Seehofer aus Altersgründen.
Das Volk schaut also durchaus zutreffend erst auf die Fähigkeiten und erst dann aufs Alter.
Völlig unbegreiflich ist für mich, dass sowohl die Kanzlerin wie auch Söder dem Minister Scheuer gute Arbeit bescheinigen und dass sich erst noch ein Untersuchungsausschuss mit ihm befassen muss. Der Mann hätte längst entlassen werden müssen. Warum das nicht geschehen ist, ist mir ein Rätsel.
Vielleicht hatte eine Frau Recht, die mutmaßte, er werde deshalb nicht entlassen, weil er zu viel weiß.
Interessant war auch, dass 14 % fanden, AKK sollte entlassen werden. Wer so da steht, hat nicht das Zeug für eine Kanzlerkandidatur.

Manchmal denke ich…

Manchmal denke ich, viele Politiker haben die falschen Berater. Sonst hätte Söder nicht so einen Unsinn reden können wie die Forderung nach einer Verjüngung des Kabinetts:
https://autorenseite.wordpress.com/2020/01/06/nee-herr-soeder-so-nicht/
Ich habe ihm ja in diesem Beitrag prognostiziert, dass er Proteste der älteren Generation hervorrufen würde. Und genau so ist es auch gekommen.
Er war ja doch bisher auf einem guten Weg, so klammheimlich den Weg ins Kanzleramt zu schaffen, auch wenn er Bescheidenheit demonstriert hat. Aber nun scheint er AKK zu folgen, die ja auch so gern in Fettnäpfchen getreten ist.
Söder hat mit seiner Äußerung den Spaltungen, die unser Land belasten, eine weitere hinzu gefügt: Alt gegen Jung.
Es gab einmal eine Zeit, in der der Rat der Alten etwas galt. Aber heute blicken viele Junge auf die Alten herab und finden: Was soll ich mir denn anhören, was jemand sagt, der nicht mal mit einem PC richtig umgehen kann? Vielleicht kommt der ja bloß wieder mit der alten Leier: „Früher war alles besser„. Und womöglich redet der gar von so einem Blödsinn wie Verzicht, wo wir doch ständig einen Aufschwung brauchen. Die Alten, die nur eine Rentenlast darstellen, sollen uns nicht mit ihren längst überholten Ansichten belästigen. Wir brauchen neue Ideen!
Und wenn manche Junge so daher reden, denken Ältere oft: Ich komme mir jünger, nämlich geistig beweglicher vor als viele von euch, die so einrissig sind, dass sie nicht einmal anhören wollen, was Anderdenkende zu sagen haben (z.B.: De Maizière in der Uni).

Nee, Herr Söder, so nicht!


Söder fordert eine Verjüngung des Kabinetts. Da kann man nur fragen: Wieso? Denken wir nur mal zurück an die Anfänge der Bundesrepublik: Der „Alte von Rhöndorf“ (Adenauer) war doch unbestrittenermaßen einer der besten Kanzler, die wir je hatten.
In unserer leicht zu erregenden Gesellschaft müssten nun eigentlich die Alten – Entschuldigung: Senioren auf die Straße gehen und gegen ihre Verunglimpfung protestieren, wie gerade eben wegen der Umweltsau.
Man kann eine Verbesserung der Regierungsarbeit nicht einfach durch eine Verjüngung des Kabinetts erreichen, sondern nur durch Berufung der fähigsten Leute – gleichgültig, ob sie nun älter oder jünger sind. Und da hapert es bei uns. Man kann in diesem Lande Minister(in) werden, wenn man noch nie in dem Bereich Erfahrungen gesammelt hat, den man leiten soll. Warum werden nur selten Menschen Minister(in), die ihre Sporen im Berufsleben verdient haben?
Seltsam ist, dass Söder bei der Gelegenheit einen der jüngeren Minister lobt: Scheuer habe gute Arbeit geleistet. Der Mann, der offensichtlich durch voreilige Vertragsabschlüsse einen Schaden von mehreren hundert Millionen Euro verursacht hat, müsste längst seinen Hut nehmen, ohne dass es eines Untersuchungsausschusses bedarf.
Söder hat ein Eigentor geschossen, um bei seiner Fußballsprache zu bleiben („zweite Halbzeit“). Er betreibt das Geschäft der Opposition, wenn er öffentlich eine Verjüngung des Kabinetts fordert, anstatt erst einmal in seiner Partei anzufangen: Sie stellt ja wohl den ältesten Minister (Seehofer). Ist das, was Söder nun an die große Glocke hängt, vielleicht auch wieder eine Spitze gegen seinen alten Intimfeind?
Man kann nicht Alt gegen Jung ausspielen – genau so wenig wie fortschrittlich gegen konservativ oder Frauen gegen Männer, sondern die Mischung macht‘s.