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Das letzte Tabu

Wenn ich an meine Jugend zurück denke und die Zeit von damals mit der heutigen vergleiche, dann fällt mir vor allem auf, dass viele Tabus gebrochen wurden. Die Mädchen wären damals verhaftet worden, wenn sie so in die Schule gegangen wären wie im letzten Sommer: Tief ausgeschnitten, bauchfrei und mit Hotpants. Bücher wie „Fifty Shades of Grey“ wären beschlagnahmt worden. Pornosender wären stillgelegt worden. Und Schwule wären eingesperrt worden.
Da fragt man sich heutzutage doch, was bleibt denn nun noch an Tabus übrig?
Mir fällt dazu ein: die Nacktheit in der Öffentlichkeit, denn die Provokation ist ja zu einer Art Volkssport geworden. Sie ist insbesondere ein Muss für alle diejenigen, die durch so etwas voran kommen wollen. Gerade fiel eine Schauspielerin dadurch auf, dass sie ihre Brüste her zeigte und den Rock hob, unter dem sie nichts trug. Sie kam deshalb vor Gericht und löste damit einen Medienrummel aus. Den nutzte sie dazu aus, einen neuen Song unters Volk zu bringen. Darin fordert sie mehr Nacktheit: „Zeigt her eure Brüste, zeigt her eure Mu und lächelt den fleißigen Kommissaren zu.“ Es gibt wohl kein Medium, in dem darüber nicht berichtet wurde, denn so etwas erregt mehr Interesse als die langweilige Politik.
Wenn dieses Thema „aufgearbeitet“ worden ist, fragt sich: „Was nun?“ Da bleibt
dann doch noch eines: Sex in der Öffentlichkeit. Es gibt ja schon Paare, die das ausprobiert haben, aber die waren halt unbekannt und stießen daher nicht auf ein besonderes Interesse. Anders wäre es aber schon, wenn Promis sich einen solchen Auftritt leisten würden, angeblich um eine Diskussion über unsere „Verklemmtheit“ auszulösen. Ach, was gäbe es da wieder Stoff zum Diskutieren! Man würde auf unschuldige Naturvölker verweisen, wo der öffentliche Vollzug einer Ehe zum üblichen Ritual einer Hochzeitsfeier gehörte. Und gab es nicht auch Bischöfe, die den Vollzug einer Ehe in Königshäusern überwachten? Sie sehen, darüber muss man reden, und zwar bald, denn das ist wichtiger als AKK. 🙂