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Auf dem Weg zum Einheitsfraß

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Durch meine Lebensumstände bin ich gezwungen, viel im Gasthaus zu essen. Und da muss ich leider feststellen, dass mindestens die Hälfte der Lokale feste Speisekarten hat, also solche, die sich nie ändern. Aber auch dort, wo die Speisen wechseln, wird kaum nach der Saison gekocht. Auberginen, Artischocken, Schwarzwurzeln und andere seltenere Gemüsearten gibt es überhaupt nicht mehr. Aber auch normales Gemüse wie Fenchel, Kohlrabi oder Grünkohl findet man höchst selten. Wir sind auf dem Weg zum Einheitsessen.
Was noch schlimmer ist, ist die Tatsache, dass immer mehr Großküchen das Essen liefern, auch in renommierte Lokale. Da fällt dann dem Koch die Rolle eines Fastfooddekorateurs zu. „Wie soll das auch anders gehen bei 1000 Essen pro Tag?“ fragte eine Bedienung.
Als ich mal in Bad Endorf aß, schmeckte das Essen mir nicht mehr so wie früher. Es stammte plötzlich aus dem 100 km entfernten München.
Ich las einmal, dass Krankenhäuser, die noch selbst kochen im Schnitt eine um 2 Tage kürzere Verweildauer ihrer Patienten zu verzeichnen haben. Es sollte sich also für sie lohnen, eine eigene Küche zu haben. Umgekehrt verliert Essen, das herum gefahren und aufgewärmt wird, viel an seinen gesunden
Bestandteilen. So hat man bei Analysen des Essens in einem Altenheim festgestellt, dass es überhaupt kein Vitamin D enthielt, das gerade für die alten Menschen so wichtig ist.
Auch über das Schulessen hören wir ähnliche Berichte: billig und ungesund. In anderen Ländern wird das Schulessen kontrolliert, bei uns nicht.
Beim Lebensmitteleinkauf stellt man fest, dass bestimmte Waren für immer verschwinden. Anscheinend verfahren die Geschäfte nach dem Prinzip: Was wenig gekauft wird, verschwindet aus den Regalen. Zum Beispiel habe ich den Weißlackerkäse immer gern gegessen. Den gibt es anscheinend nirgendwo mehr. Früher habe ich mir von den Almen Käse mitgebracht. Auch das gehört der Vergangenheit an, weil die Großkäsereien die kleinen kaputt gemacht haben, indem auf ihr Betreiben die hygienischen Anforderungen so verschärft wurden, dass die Almbauern nicht mithalten konnten. Ich habe noch nie gehört, dass jemand von einem Almkäse Listerien bekommen hat. Wohl aber liest man immer wieder, dass es Tote durch verseuchten Käse aus Großkäsereien gegeben hat.