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Der Papst und der Genozid

Papst

Papst Franziskus ist gerade in Armenien und hat den Völkermord angeprangert, der von den Türken am armenischen Volk begangen worden sein soll.
http://web.de/magazine/politik/papst-franziskus-legt-erdogan-31644924
Er bewegt sich also auf derselben Linie wie der Deutsche Bundestag. Allerdings gilt das auch in anderer Hinsicht: Genauso wie der Deutsche Bundestag die Verbrechen, die Deutschland gegenüber den Hereros begangen hat, nicht erwähnt hat, schweigt auch der Papst über Völkermorde, die der Kirche zuzuschreiben sind.
„Jeder kehre vor seiner eigenen Tür!“ ist ein Spruch, der in der Bibel stehen könnte. Aber dort ist es anders ausgedrückt: Da ist vom Splitter im Auge eines anderen die Rede, den man sieht im Gegensatz zum Balken im eigenen Auge.
Was der Papst also in erster Linie sehen sollte, wären Völkermorde durch die Kirche wie der an den Katharern.
Im übrigen sollte der Papst daran denken: „Wer von euch ohne Fehl ist, werfe den ersten Stein.“

Sind wir Deutschen Krämerseelen?

Merkel
Erdogan hat es der Kanzlerin ins Gebetbuch schreiben müssen: Wir sollten uns doch erst einmal um unsere eigenen Untaten kümmern, bevor wir der Türkei einen Genozid vorwerfen. Recht hat er, denn Deutschland hat sich eines Genozids an den Hereros schuldig gemacht. Bundestagspräsident Lammert hat dies auch klar anerkannt und bedauert, dass sich der Bundestag bisher nicht dazu bekannt hat.
Woher kommt die unterschiedliche Behandlung der beiden Genozide? Eigentlich müsste die Ermordung der Hereros doch zuerst behandelt werden, denn sie ist älter und wir sind allein dafür verantwortlich.
Hat der Bundestag mit seinem Genozidvorwurf gegen die Türkei verhindern wollen, dass die Türkei in die EU kommt? Wohl kaum, denn wir mit unserem Holocaust sind ja auch dabei. Der Grund für die unterschiedliche Behandlung der beiden Genozide ist offensichtlich ein anderer: Der Genozidvorwurf gegenüber der Türkei macht uns nicht schadensersatzpflichtig auch wenn wir eine Mitschuld einräumen, die sich aber doch wohl mit ein wenig Entwicklungshilfe abfinden lässt. Aber der Genozid an den Hereros würde richtig Geld kosten. Deshalb hatte Deutschland dafür bisher nur ein paar schöne Worte übrig gehabt. Aber nun zwingt uns ausgerechnet Erdogan, tief in die Tasche zu greifen, was wir bei der Frage der Reparationsleistungen an Griechenland ja mit geschickten juristischen Manövern vermieden haben.

Erdogans Drohung

türkei
Es klingt beunruhigend, was man aus der Türkei hört: Dort macht man Deutschland für einen der Terroranschläge verantwortlich und droht mit Maßnahmen, wobei Erdogan darauf hinweist, dass bei uns über 3 Millionen Türken wohnen. Will er die mobilisieren? Bei denen ist er unheimlich beliebt. In Köln findet er 99 % Zustimmung.

http://www.huffingtonpost.de/2014/05/22/erdogan-deutschland_n_5369901.html

Und wenn er redet, füllt er ganze Stadien. Welcher deutsche Politiker bringt das fertig?
Man fragt sich, was passiert, wenn er in deutschen Stadien predigt, dass wir sein stolzes Volk diffamieren, um von unseren eigenen Taten abzulenken: vom Holocaust und Herero-Genozid? Wird sich dann nicht vielleicht das, was wir als Integration ansehen, als ganz dünne Tünche erweisen, mit der bestehende Gegensätze nur ein wenig überstrichen wurden?

Erdogan hat recht…

türkei…mindestens in einer Hinsicht,
Was ich an der Genozid-Resolution nicht verstehe ist dies: An sich ist der Bundestag ja kein Gericht. Wenn er aber schon meint, nach über 100 Jahren darüber Gericht zu halten, was damals im fernen Armenien geschehen ist, dann frage ich mich, wie es dazu gekommen ist. Hätte sich der Bundestag nicht in erster Linie einmal mit dem Genozid an den Hereros befassen müssen? Das ist eine Angelegenheit, an der nur Deutschland beteiligt war und wo es also eigentlich dringlicher gewesen wäre, sich mit der Wahrheit zu befassen. Insoweit hat Erdogan völlig recht. Und damit er nicht recht behält, sollte sich der Bundestag ganz schnell auch einmal mit den Hereros beschäftigen.
Deutschland ist plötzlich von einer Welle der Moral ergriffen: In den Städten sieht man „Stolpersteine“. Dokumentationszentren über Gräueltaten der Nazis entstehen… Ein bisschen einseitig ist das Ganze schon: In Bad Reichenhall wurden beispielsweise Gräber und Kreuze beseitigt, die an die Erschießung von Soldaten durch die Amerikaner erinnerten und auch von den Gräueltaten anlässlich der Vertreibung Deutscher wagt man nicht öffentlich zu reden.
Nicht einmal die Kirche verhält sich wie wir: Hat man je Stolpersteine in Kirchen für verbrannte Hexen gesehen? Oder hat sich die Kirche je zu einem Genozid bekannt, beispielsweise zu dem an den Katharern? Oder gibt es vielleicht im Vatikan ein Dokumentationszentrum für die Gräueltaten der Kirche?

Bundestagsresolution zu Armenien

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Der Bundestag hat sich unklugerweise in eine ausweglose Situation gebracht: Er muss sich mit der Frage befassen, ob in Armenien ein Genozid geschehen ist. Warum konnte man nicht einfach auf das verweisen, was der Bundespräsident dazu gesagt hat? Das war doch klar und deutlich.
Nun also muss sich der Bundestag mit den Ereignissen befassen, die vor mehr als 100 Jahren in einem fernen Land geschehen sind. Brandmarkt er das Geschehen als Genozid, gefährdet er das Verhältnis zur Türkei, auf die man bei der Flüchtlingspolitik angewiesen ist. Lehnt der Bundestag ab, von einem Genozid zu sprechen, wird man ihm Kuschen vor Erdogan vorwerfen.
Fürwahr eine unangenehme Situation, in die man sich unnötigerweise gebracht hat! Eigentlich ist ja der Bundestag ein Gesetzgebungsorgan, das für Proklamationen wohl nicht unbedingt gedacht ist. Siehe auch:

https://autorenseite.wordpress.com/2016/05/30/bundestagsresolution-gegen-genozid-in-den-usa/

Bundestagsresolution gegen Genozid in den USA?

Bundespräsident Joachim Gauck / Offizielles Porträt 2012
Joachim Gauck, Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland.

Ich verstehe nicht, warum der Bundestag eine Resolution darüber fassen muss, ob vor mehr als 100 Jahren in Armenien ein Genozid verübt wurde oder ob es sich nur um das im Krieg übliche Morden gehandelt hat. Der Bundespräsident hat sich hierzu bereits klar geäußert. Genügt das nicht?
Aber wenn man sich schon mit Ereignissen befasst, die in einem fernen Land vor mehr als 100 Jahren geschehen sind, dann hätte man noch viel anderes aufzuarbeiten.
Wie wäre es denn mit den USA? Ist es nicht auch ein Genozid gewesen, der an den Indianern verübt wurde? Wenn Sie meinen, das ginge uns nichts an, dann überlegen Sie mal, woher denn die Leute kamen, die Amerika besiedelten. Da waren doch auch viele Deutsche dabei.

Genozid durch die Juden

Wir Moralapostel sollten jetzt endlich mal aufräumen in der Geschichte und alle Genozide auflisten, damit wir mit unseren Untaten nicht so alleine dastehen:
Hier seien nur wenige Beispiele aufgeführt, denn eine vollständige Darstellung würde ein Buch füllen.
Den ältesten Genozid habe ich in der Bibel gefunden. Er wurde von den Juden begangen:
„Und wenn sie der HERR, dein Gott, dir in die Hand gibt, so sollst du alles, was männlich darin ist, mit der Schärfe des Schwerts erschlagen. Nur die Frauen, die Kinder und das Vieh und alles, was in der Stadt ist, und alle Beute sollst du unter dir austeilen… Aber in den Städten dieser Völker hier sollst du nichts leben lassen, was Odem hat.“
(5. Mose 20, 2-4.13-14.16)
Oder:
„So tötet nun alles, was männlich ist unter den Kindern, und alle Frauen, die nicht mehr Jungfrauen sind; aber alle Mädchen, die unberührt sind, die lasst für euch leben.“
(4. Mose 31, 17-18)
Greifen wir von den vielen Genoziden hier nur einen einzigen von den Christen begangenen heraus: die Abschlachtung der Katharer, damit der Papst nicht nur auf Armenien zeigen muss, sondern sich an die eigene Brust klopfen sollte.
http://www.katharer.de/
Aber da gäbe es auch noch eine Reihe weiterer ähnlicher Kreuzzüge.
Schließlich noch ein Beispiel jüngeren Datums: Die Auslöschung der Indianer in den USA. Wie wäre es denn, Herr Gauck, wenn wir unsere amerikanischen Freunde mal daran erinnern? Ich würde Ihnen gerne eine Rede dazu entwerfen, aber die würden Sie ja doch nie halten.