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Katholische Kirche einst und jetzt

Ich habe gerade darüber geschrieben, wie sich die Gläubigen mehr und mehr von Ihrer Kirche emanzipiert haben:
https://autorenseite.wordpress.com/2021/07/11/gedanken-zum-sonntag-eine-religion-ist-nur-ertraeglich/

So war es einmal: Die Kirche übte eine gewaltige Macht auch über das Seelenleben der Gläubigen aus und hielt sie durch ständige Sündenangst bei der Stange:

Als mein Vater als Katholik meine protestantische Mutter heiratete, brauchte er dafür eine bischöfliche Dispens und die war nicht einfach zu bekommen. Da musste man sich schon erkundigen, wo so etwas geht. Heute traut jeder Pfarrer konfessionsverschiedene Brautleute, allerdings müssen die Kinder katholisch erzogen werden, doch ist auch diese Forderung schon ziemlich durchlöchert.

Als ich zur Schule ging, gab es einen Index, der Bücher enthielt, die man nicht lesen durfte. Ich benötigte eine bischöfliche Dispens, um C.F.Meyer lesen zu dürfen und als ich seine Schriften gelesen hatte, habe ich nicht verstanden, was die Katholische Kirche gegen ihn einzuwenden hatte. Heute gibt es den Index nicht mehr, denn der Überblick über das, was veröffentlicht wird, ist verloren gegangen.

Und wenn ich früher ins Kino oder Theater ging, wurde ich in einem Aushang an meiner Kirche darüber belehrt, was man ansehen darf und was nicht. Da hatte man beispielsweise auch Einwendungen gegen das Ballett „Schwanensee“, weil sich die „Männlichkeit des Solotänzers zu sehr durch die Strumpfhose abzeichnete!

Überall mischte sich die Kirche ein, selbst da, wo es sie überhaupt nichts anging.
Das Zusammenleben ohne Trauschein war, als ich heiratete, Sünde (und konnte sogar in Bayern bestraft werden). Heute würde sich wohl kein Pfarrer trauen, gegen das ehelose Zusammenleben zu wettern.

Oder nehmen wir die Fast- und Abstinenzgebote. Was ist aus ihnen geworden? In meiner Jugend musste man nüchtern zur Kommunion gehen und wir befassten uns im Religionsunterricht mit dem Problem, ob man noch nüchtern ist, wenn man beim Zähne-Putzen versehentlich etwas Wasser geschluckt hatte.

Und wie steht es um das Sonntagsgebot? Die Zahl der katholischen Kirchgänger hat sich in den letzten zwei Jahrzehnten von sechs auf 3,4 Millionen verringert, wobei insbesondere die Jugend fehlt, was schlecht für die Zukunft ist: Bei den 16 bis zu 29-jährigen gehen nur 6% und bei den 30 bis zu 49-jährigen 8 % regelmäßig in den Sonntagsgottesdienst. Der Blick in eine Sonntagsmesse gleicht oft demjenigen in ein Altersheim.

Das Verbot der Pille hat die Kirche um ihre moralische Autorität gebracht. Die Frauen wollen sich einfach nicht mehr von alten Männern vorschreiben lassen, wie sie zu verhüten hätten. Nur noch wenige Katholiken hören auf den Papst und haben sich ihre eigene Sexualmoral nach ihrem Gewissen zurecht gelegt. Der Papst ist gegen Präservativ und Pille, weil dies unnatürlich sei. Dann müsste er konsequenterweise auch gegen Medikamente sein. Und was ist unnatürlicher als der Zölibat?

Wenn jemand keine Ahnung von Religion hätte und gefragt würde, wer unter den Religionsführern denn der Nachfolger Jesu sei, würde dieser Ahnungslose mit Sicherheit auf den Dalai Lama tippen, nicht aber auf den Papst, der mit seinem Leben im Vatikan eher ein komplettes Gegenteil des einstigen Vorbilds ist. Man stelle sich einmal vor seinem geistigen Auge den Papst und Jesus nebeneinander vor! Wie so etwas ablaufen würde, lesen Sie in „Verbotene Zone„:
Verbotene Zone

Nicht nur insoweit hat sich die Kirche von ihrem Stifter entfernt, sondern auch bei ihren Lehren. Jesus sagte: „Wo immer zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, bin ich mitten unter ihnen.“ Die Kirche aber behauptet, dass hierzu ein Priester nötig ist. Es muss dazu noch einer von der richtigen Religion sein. Warum ist das so? Es geht ums Geld. Wie sagte schon Papst Leo X: „Alle Welt weiß doch, wie viel uns die Fabel von Jesus Christus eingebracht hat!“ (Wie viel es tatsächlich ist, sollten Sie unbedingt unter „Kirchensteuer“ nachlesen.)

Wo wir hinschauen, entfernt sich die katholische Kirche von der Bibel: Obwohl Gott im ersten Gebot fordert, dass man sich kein Bild von ihm machen soll, befolgt dies nur der Islam. Obwohl Gott sagt: „Seid fruchtbar und mehret euch!“ nimmt die Kirche die Priester von diesem Gottesgebot aus.

Und wenn man die Lehren der Kirche selbst betrachtet, ergibt sich ein seltsames Bild: Einerseits wird so getan, als ob man die Wahrheit und Moral für ewig gepachtet habe, andererseits wirft die Kirche nach Belieben das, was als unumstößlich galt, über Bord:

Was haben Eltern nicht früher alles auf sich genommen, um todkranke Kinder vor deren Hinscheiden noch schnell taufen zu lassen, damit diese nicht in der Vorhölle landen. Heute hat der Papst den sogenannten Limbus (Vorhölle) einfach abgeschafft. So ein Unsinn lässt sich dem aufgeklärten Volk von heute eben nicht mehr verkaufen.

Es gab Zeiten, in denen das Lesen in der Bibel nur Theologen erlaubt war. In Spanien wurden Laien erwürgt, wenn sie einen Blick in die Bibel gewagt hatten. Heute wäre man froh, wenn die Leute in der Bibel lesen würden.

Früher konnte man an den Wänden sehr vieler Kirchen lesen, welchen Ablass man gewinnen konnte, wenn man bestimmte Gebete verrichten würde. Heute ist so etwas fast immer übermalt, denn es klingt ja auch ein wenig lächerlich, wenn jemand für „ein inbrünstig gebetetes Vaterunser einen Ablass von 275 Tagen“ erhält. (Wer bestimmt das denn auch?)

Es gab Zeiten, in denen die Kirche die Abtreibung bis zu einer bestimmten Schwangerschaftswoche erlaubte. Heute setzt sie diese mit Mord gleich.

Wie sehr hat die Kirche einst die Schöpfungsgeschichte in ihrem genauen Wortlaut verteidigt, besonders gegenüber den Darwinisten. Erst nachdem die Wahrheit unausweichlich geworden war, lehrte die Kirche, das sei alles nur bildhaft gemeint. Was haben aber bis dahin Menschen leiden müssen, die nichts anderes wollten, als die Wahrheit durchzusetzen! Erinnert sei hier an Galilei, der auch nicht sagen durfte, was er wusste, denn die Kirche kannte sich angeblich besser aus in der Wissenschaft.

Einst hatte das Führungspersonal der Kirche Vorbildfunktion. Und heute? Bischof Mixa wurde am Flugplatz mit 200.000 Euro erwischt, ohne das dies je aufgeklärt wurde. Bischof Schraml zog in seine Alterswohnung, die für eine halbe Million renoviert wurde, und… Der Papst sammelt den Peterspfennig für die Armen, investiert aber das Geld in Immobilien, ohne dass sich jemand aufregt außer mir:
https://autorenseite.wordpress.com/2019/11/29/muss-der-papst-in-den-knast/
So könnte man seitenweise fortfahren.

Die Menschen sehen diese widersprüchliche Verhaltensweise der Kirche und sind längst dazu übergegangen, sich ihre eigene Religion zusammen zu zimmern. Dies ist die eigentliche Ursache für die vielen Kirchenaustritte.
https://autorenseite.wordpress.com/2015/01/24/islamisierung-nur-eine-frage-der-zeit/
http://web.de/magazine/geld-karriere/deutlich-kirchenaustritte-steuerregelung-30393524

Die Leute lassen sich von so einer Kirche keine Angst mehr um ihr Seelenheil machen. In ihrer Religion kommt die Hölle nicht mehr vor, höchstens noch im Witz:

Ein Sünder kommt in die Hölle. Zur Begrüßung wird ihm ein Aperitif gereicht. Dann führt ihn Satan persönlich durch die Hölle: Luxus, wohin man schaut. Alles auf 5-Sterne-Niveau. Nur hinter einem Fenster erblickt der Neuankömmling ein schreckliches Szenario, wie er es von alten Gemälden kennt: Da brennt das Höllenfeuer und Menschen werden von Teufelchen übel gequält.
„Was ist denn das?“ fragt der Neuankömmling.
„Ach, das ist unsere Katholiken-Abteilung. Die wollen es so.“

Inzwischen hat es die Katholische Kirche fertig gebracht, dass sie, die einst eine der Säulen des Abendlandes war, sich auf dem Weg zu einer Sekte befindet:
Dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ zufolge hält auch von den befragten Katholiken weniger als die Hälfte ihre Kirche für ehrlich und lebensnah. Von den rund 1 000 Befragten insgesamt antworteten 29,9 Prozent, die katholische Kirche sei lebensnah – und nur 32,8 Prozent, sie sei glaubwürdig. Die katastrophalen Ergebnisse sind nicht nur der aktuellen Situation zuzuschreiben, sondern Ausdruck eines langfristigen und schlimmen Vertrauensverlustes, zitierte das Blatt Christian Weisner, Mitinitiator der Basis-Bewegung „Wir sind Kirche“.

Und wer glaubt schon an die Dogmen. Fragen Sie sich einmal:
Halten Sie unseren Papst für unfehlbar?
Glauben Sie an die Jungfrauengeburt Mariens, die etliche Vorbilder in älteren Religionen hat?
Glauben Sie an die leibliche Himmelfahrt Mariens, wenn ja, wo wäre die Gottesmutter dann geblieben?
So ließe sich die Liste der Fragen noch lange fortsetzen. Das Ergebnis wäre: Es gibt praktisch kaum noch echte Katholiken.

Weshalb ich das hier schreibe? Weil ich finde, dass sich gerade die Katholische Kirche auf einem Irrweg festgefahren hat. Zwang und Dogmen kennzeichnen besonders die römische Kirche. Warum kann man nicht ehrlich der Realität ins Auge schauen und sagen:

Das hier ist der Glaube und die Moral, die wir uns als Ideal vorstellen, aber wenn du dem nicht folgen kannst, bleibst du trotzdem einer von uns. Und so könnte man auch die Protestanten ohne Probleme wieder in den Schoß der Mutterkirche zurückholen. Die Sturheit, mit der sich die großen christlichen Religionen einer Wiedervereinigung verweigern, bedeutet für sie einen gewaltigen Verlust an Glaubwürdigkeit.

Die Kirche verliert weiter dadurch an Einfluss, dass sie sich nicht mehr bemüht, künftige Führungskräfte im Glauben zu erziehen. Ein typisches Beispiel ist das Kloster Frauenchiemsee. Dort betrieb die Kirche einmal ein Mädchengymnasium. Dann wurde daraus eine Hauswirtschaftsschule und nun ist es ein Tagungszentrum, d.h.: Es steht meistens leer wie viele andere Klöster. Die Katholische Kirche ist ja unermesslich reich. Sie hat in Deutschland einen Grundbesitz mit einer Fläche so groß wie die kleinsten 4 Bundesländer. Allein das Erzbistum Köln besitzt 17.000 Wohnungen. Da hätte man also durchaus auch mal ein Gymnasium weiter betreiben können. Aber wie sagte schon der Hl. Hieronymus: „Wir brennen wahrlich vor Geldgier.“

Die Kirche mischt sich zu wenig in die Politik ein. Man will es mit den Mächtigen nicht verderben. Das war im Dritten Reich so und ist auch heute wieder dasselbe. Natürlich hat die Kirche manches Kritische zu den heutigen Verhältnissen gesagt. Aber wann hat sie je eine richtige Kapuzinerpredigt auf die Mächtigen hernieder gelassen, dass ihnen Hören und Sehen vergangen ist?
Es gibt ja Katholikentage. Die haben aber meist einen eher frommen Anstrich. Natürlich wird dort auch politisch diskutiert. Aber es wird nicht Fraktur geredet, doch nur das wird von den Politikern verstanden. Eine Predigt wie beispielsweise die des Kardinals Frings, die das Wort „fringsen“ hoffähig machte, fehlt seither.

Was der große Fehler der Kirche ist (und was sie in der Zukunft zur Sekte werden lässt) ist ihre Weltfremdheit: Sie scheut die moralischen Auseinandersetzungen, die notwendig sind, um als moralische Autorität anerkannt zu werden.
Wo blieb denn ihre Stimme, als der Milliardär Schlecker normale Arbeitskräfte durch Leiharbeiter ersetzte und er Ein-Euro-Jobber zum Regaleinräumen ausbeutete?
Oder warum unternimmt die Kirche nichts dagegen, dass die Modehäuser ihre Waren unter menschenunwürdigen Bedingungen in Entwicklungsländern herstellen lassen? Sie könnte ja ihre Gläubigen auffordern, die betreffenden Kaufhäuser zu boykottieren, bis die einen angemessenen Lohn zahlen.

Und müsste nicht im Beichtspiegel auch die Frage nach dieser Sünde gestellt werden: Hast du CDU gewählt? Die CDU ist die Partei, die sich gegen den Mindestlohn gestemmt hat und erst vom Verfassungsgericht gezwungen werden musste, den Familien das Existenzminimum zu gewähren? Sie verweigerte also vielen Bürgern ein menschenwürdiges Dasein, das darin besteht, dass sie von ihrer Arbeit leben können. Der Mensch ist unter ihrer Regierung zum Humankapital verkommen und die Blutsauger haben sich den Staat zu eigen gemacht.
Wo bleibt die Stimme eines Kardinals, der gegen all diese Zustände wettert, dass es nicht nur von den Wänden seines Domes widerhallt, sondern auch im letzten Winkel der Republik gehört wird? Die Kirche beruft sich in Diskussionen in der Regel darauf, dass sie ihren Standpunkt ja schon irgendwann einmal in irgendeiner Enzyklika zum Ausdruck gebracht hat. Natürlich soll sich die Kirche nicht in die Niederungen der Tagespolitik begeben, aber sie muss sich als moralische Instanz insoweit einmischen, als in der Tagespolitik untragbare Tendenzen zum Ausdruck kommen, denen entgegen getreten werden muss.
Unsere flügellahme Kirche sollte sich ein Beispiel an den Bischöfen in Südamerika nehmen. Sie waren immer in vorderster Front dabei, wenn es darum ging, Missstände anzuprangern. Und nun beim Bau eines großen Staudammes in Brasilien war Bischof Kräutler einer der prominentesten Protestler. Was auch hier fehlt, ist ein moderner Beichtspiegel mit der Frage: Habe ich einer Unzahl von Menschen ihre Heimat genommen, nur damit andere den Luxus von mehr Strom-Energie haben, die doch nur wieder verschwendet wird?
Und auch die Kirche selbst bräuchte auch für ihr Tun einen Beichtspiegel, in dem gefragt wird, was sie denn mit ihrem Reichtum Gutes tut. Und sie müsste sich fragen lassen, was Jesus an ihrer Stelle getan hätte.

Ein ganz schlimmes Kapitel der Kirche ist ihr Verhalten gegenüber der Sexualität:
„An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen!“ hat Jesus gesagt. Leider gehört zur Katholischen Kirche ein Missbrauchsskandal von unglaublichem Ausmaß. Traurig ist auch dass die Kirche kein sichtbares Zeichen der Reue gezeigt hat. Das hat die Kirche viel von ihrem Ansehen und ihrer Autorität gekostet. Die Kirche sagt nicht, woher das das Geld für die Entschädigung der Missbrauchsopfer stammt. Sie sagt nur: nicht aus Spenden und Projekten. Man will ja wieder Geld bekommen, und da macht es sich nicht gut, wenn die Spender sich sagen, dass sie für die Missbrauchsfälle opfern sollen. Die Kirche ist auch insoweit unfähig zu einem Neuaufbruch: Wie anders sähe sie aus, wenn beispielsweise der Jesuitenorden für die Missbrauchsfälle sichtbar Buße tun würde? Wenn alle Jesuiten in ihrer Freizeit so lange Straßenkehrerdienste leisten würden, bis die Entschädigungen erarbeitet sind, dann würden die Menschen sagen: Respekt!

Die vielen Missbrauchsfälle in aller Welt haben unter anderem eine wichtige Ursache: die Unbarmherzigkeit der Katholischen Kirche. Wie es viele Sekten tun, bindet auch die Katholische Kirche junge Leute an sich und lässt sie nicht wieder los. Da geben junge Menschen in ihrer jugendlichen Begeisterung ein Keuschheitsgelübde ab, weil ihnen eingeredet wird, das sei ein gottgefälliges Opfer. Oder sie binden sich an einen Orden, weil sie Gott dienen wollen.
Aber plötzlich ist die Begeisterung der Jugendzeit weg oder es rühren sich gar Glaubenszweifel. Und was die Keuschheit angeht, melden sich vielleicht einmal die Hormone stärker, als sie es bei Ablegung des Gelübdes getan haben. Viele Kirchenmänner wollen auf einmal heiraten oder sie gehen heimlich ein Verhältnis ein. Als ich einmal in einem Kloster einen Mönch sprechen wollte, war nur die Putzfrau da und sagte: „Die sind alle bei ihren Freundinnen.“ Schein und Sein klaffen viel zu oft auseinander.
Was die Katholische Kirche tun müsste, wäre dies: Sie müsste den Leuten, die mit den Ordensregeln oder dem Zölibat nicht mehr zurecht kommen, den Ausstieg ermöglichen.
Im Rechtsleben gibt es zwei althergebrachte Grundsätze, die schon vom römischen Recht her überliefert sind und an die sich auch die Kirche halten sollte:
Regel 1 ist die sogenannte Clausula rebus sic stantibus, d.h. jeder Vertrag wird unter gewissen Verhältnissen abgeschlossen und muss geändert werden, wenn sich die Ausgangslage gewandelt hat. Wer also nicht mehr glauben kann oder mit seiner Sexualität nicht mehr zurecht kommt oder heiraten will, hat Anspruch darauf, dass die Oberhirten (schreckliches Wort!) mit ihm eine menschliche Lösung suchen.
Regel 2 lautet: „Nemo ultra posse obligatur.“ Zu deutsch: Jeder kann nur insoweit verpflichtet werden, als sein Leistungsvermögen reicht. Wenn also einer ehrlich zu seinem Oberhirten sagt, dass er nicht weiter keusch leben kann, dann soll man ihn von seinem Versprechen entbinden, bevor er sonst vielleicht Unheil anrichtet.
Man sieht also, dass eine menschliche Kirche manches Unheil hätte verhindern können wie beispielsweise dieses:

Vor einiger Zeit suchten Archäologen im Untergrund des Palasts von Herodes nach Beweisen für den Kindermord von Bethlehem. An diesem bestanden ja an sich schon Zweifel, weil Herodes schon vor Christi Geburt gestorben war. Aber dann kam die sensationelle Meldung: Jüdische Wissenschaftler fanden beim Palast des Herodes eine ganze Menge Überbleibsel von Babyleichen. Der Beweis für den Kindermord zu Bethlehem schien also erbracht, bis man das Alter der Gebeine und die Umgebung des Fundorts genauer nachprüfte: Die Babyleichen stammten aus einem frühchristlichen Nonnenkloster! Zu vermuten ist, dass man dort entgegen der Keuschheitsregel recht lustig gelebt hat.
An sich haben die Klöster sich immer bemüht, ihren Mönchen solche Flausen auszutreiben. Daher gab es Klöster, in denen es verboten war, Schafe zu halten, denn Schafe sind die Tiere, die sich am ehesten für sodomitische Handlungen eignen.
All dies zeigt, dass in den Klöstern ein sexueller Notstand herrscht, der die Menschen entwürdigt, weil er sie in irgendeiner Form immer an ihrem Naturtrieb scheitern lässt, denn schließlich hat nicht jeder das zweifelhafte Glück wie Thomas von Aquin, der „von einem Engel gegürtet“ wurde, wie immer man sich das vorstellen mag.

Der unheilige Zölibat, den Papst Benedikt heilig nennt, hat im wesentlichen zwei Gründe: Zum einen will die Kirche, die so sehr aufs Geld aus ist, auf diese Weise erhebliche Unterhaltszahlungen an Witwen und Waisen der Priester sparen und sie will erben. Zum anderen ist der Zölibat ein Instrument der Machtausübung. Die Katholische Kirche verhält sich genauso wie viele Sekten: Sie unterjocht die Menschen, indem sie sich in die intimsten Winkel des Privatlebens einmischt und sie so in ständiger Sündenangst und Abhängigkeit hält. Man nimmt den Leuten die Würde und redet ihnen ein, dass dies ein heiliges Opfer sei. Man fragt sich als Außenstehender: Wenn es schon um das Erbringen eines Opfers geht – warum verlangt man dann von den Priestern nicht, dass sie umsonst arbeiten sollen?
Wir hören immer wieder, der Zölibat solle sicherstellen, dass ein Priester ohne Bindung an eine Familie ganz für seine Gemeinde da sein soll. Ich kenne viele Pfarreien und habe so ein wenig Einblick darüber gewonnen, wie es sich mit der Arbeitsbelastung der Priester verhält. Ich kenne zwar zwei Pfarrer, die sich für ihren Beruf fast aufarbeiten, aber die anderen führen ein Leben, um das sie von vielen beneidet werden, wenn nicht da der Zölibat wäre. Das Bild des katholischen Priesters, der in einem herrlichen Pfarrhaus lebt und von einer Haushälterin verwöhnt wird, das man vor Augen hat, ist nicht gerade das eines Schwerarbeiters.
Der amerikanische Psychologe Sipe hat 25 Jahre lang beobachtet, was der Zölibat anzurichten vermag, und dabei festgestellt, dass er pädophile Neigungen hervorrufen kann. Nach Sipes Schätzung haben 20 Prozent der Priester eine sexuelle Beziehung zu einer Frau, und er sagt auch zur Homosexualität, dass viele gut unterrichtete Priester Zahlen nennen würden, die „näher bei 50 Prozent homosexuell Orientierten“ lägen. Sipe, der ja als Pastoralpsychologe der Kirche wohlwollend gegenüber steht, gibt sicherlich keine zu hohen Zahlen an.
Der Soziologe, Psychoanalytiker und Theologe Alfred Kirchmayr sagt:
Wenn die gesunde Entwicklung aufgrund der Verteufelung der Sexualität gefährdet wird, entstehen infantile Fixierungen und der ganze Bereich, in dem dann Missbrauch, immer verbunden mit Macht, blühen kann.
Dies weiß auch die Kirche aus den vielen Vorfällen, die sie wohlweislich lange verheimlicht hat. Wenn man trotzdem Menschen mit möglicherweise bestehenden tiefgreifenden psychischen Störungen in der Erziehung von Kindern einsetzt, so ist das ein Vorgang, der die Frage aufwirft, ob die Katholische Kirche überhaupt geeignet ist, Kinder zu erziehen. Wenn die Klosterschulen Gaststätten eines Hotelkonzerns wären und dort schwerwiegende Vergehen gegen das Lebensmittelrecht festgestellt würden, würden diese Lokale geschlossen. Warum ist der Staat nachsichtiger, wenn es um Kinder geht?

Man muss schon so alt sein wie ich, um sich diese Frage zu stellen: Was steht denn nun wirklich in der Bibel?
Als ich jung war, gab es eine Stelle im Evangelium, bei der ich mich als Kind fragte, ob Jesus denn tatsächlich so etwas gesagt haben könnte. Und die Pfarrer griffen bei der Predigt dann dieses Wort Jesu auf, um es abzumildern, allerdings mit mäßigem Erfolg.
Ich meine die Stelle im Evangelium, die von Jesus im Tempel berichtet. Da erscheint seine Mutter, die ihn besorgt gesucht hatte. Nach der Lesart, die mir aus meiner Kindheit in Erinnerung ist, sagt Jesus barsch zu ihr: „“Weib, was habe ich mit dir zu schaffen? Wusstest du nicht, dass ich in dem bin, was meines Vaters ist?“ Heute ist diese Textstelle gesoftet worden und die Pfarrer stehen insoweit auch nicht mehr vor Problemen.
Interessanter aber ist, welche Rolle die Bibelübersetzer der Frau zugedacht haben. In einer alten Bibel steht zu lesen, dass Gott Eva erschaffen hat, damit Adam eine „Gespielin“ hat (Das waren noch Zeiten!). In einer späteren Ausgabe heißt es statt Gespielin: „Gehülfin“ (Auch das hörte sich für Männerohren noch brauchbar an!). Doch so etwas kann man den Frauen von heute nicht verkaufen, also wurde Eva ganz einfach zur „Frau“.
Leider bin ich des Hebräischen nicht mächtig, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass es in dieser Sprache nur ein Wort für das weibliche Geschlecht gegeben hat, das man so oder so interpretieren kann. Gerade die alten Zeiten waren sehr sinnenfroh; man lese nur die Berichte der Bibel über Salomon. In der damaligen Zeit gab es also auch mit Sicherheit verschiedene Worte für die unterschiedlichen Rollen der Frau. Und so frage ich mich, ob das, was uns heute als Gottes Wort in den Kirchen verkündet wird, überhaupt das ist, was in der Bibel steht.
Wenn ich recht orientiert bin, gab es einmal 250.000 Texte, aus denen die heutige Bibel herausdestilliert wurde. Der Heilige Hieronymus hat diese Arbeit erledigt und bekannte immer wieder, dass er überfordert war und nicht wusste, was er übernehmen sollte. Vielleicht hätte er in der heutigen Zeit manches anders gesehen: Adam als Geschiedener – das ging über das Vorstellungsvermögen des Heiligen. Tatsächlich aber gibt es in den apokryphen Schriften (solche, die nicht in die Bibel aufgenommen wurden) einen Text, nach dem Adam zunächst mit Lilith zusammen war. Diese Ehe scheiterte aber, weil sich die beiden nicht einigen konnten, wer beim Sex oben liegen durfte. Näheres hier:
Verbotene Zone

Erst dann hat Gott dem Adam die Eva geschaffen, und zwar aus seiner Rippe. Man könnte also sagen, dass Gott mit seinem Gleichberechtigungsmodell gescheitert ist und dieses durch ein anderes ersetzt hat, in dem die Frau unterwürfig zu sein hat. Dieses wurde dann auch die Kirche Jahrhunderte lang gelehrt – ergänzt durch die These, die Frauen hätten keine Seele, eine Erkenntnis also, der allenfalls mancher geschiedene Mann zustimmen dürfte. Eines der echten Wunder der Kirche ist, dass sich die Frauen nicht beleidigt vom Papst abgewandt haben.
Als meine Enkel nach meinem Dafürhalten etwas zu fromm zu werden drohten, dachte ich, ich könnte mit einem Wort aus der Bibel etwas gegensteuern: „Seid nicht allzu fromm…“ heißt es in Prediger 7,16. Gewissenhaft, wie ich mir einbilde, zu sein, habe ich dieses Bibelzitat noch einmal im Internet überprüft, um auch wirklich die richtige oder aktuelle Fassung zu besitzen, und siehe da: Die Stelle wird ganz verschieden übersetzt: Einmal heißt es: „Seid nicht allzu gerecht…“, was immerhin noch auf derselben Linie liegt, wie das erste Zitat. Dann aber finde ich auch diese Interpretation (So muss man schon statt „Übersetzung“ sagen): „Seid nicht allzu gottlos…“
Man fragt sich also: Was ist nun die Wahrheit?
Es gibt auch vieles in den heiligen Schriften, von dem jedenfalls die Katholische Kirche nicht abrückt, anstatt ganz einfach zu sagen: „Das war Ausdruck des damaligen Zeitgeists.“ Das beste Beispiel ist der Heilige Paulus. Was hat der alles über die Frauen gesagt. Das mildeste davon ist: „„Die Frau schweige in der Gemeinde!““ Die Kirche sitzt das Problem aus, indem sie über die ganzen frauenfeindlichen Stellen nicht redet und schon gar nicht über die Gewalt in der Bibel.
Gerade die Katholische Kirche hat Angst, die Bibel auf ihren Wahrheitsgehalt hin zu überprüfen: Für sie ist alles wahr, was darin steht, auch wenn es historisch falsch ist, wie beispielsweise der Kindermord von Bethlehem.

Wie abgehoben die Führungskräfte der Kirche sind, zeigt sich allein schon in ihren Titeln: Mit „Eminenz“ lassen sich diese Menschen anreden, die doch nur – wie es auch immer so schön heißt – „“Arbeiter im Weinberg des Herrn“ sind. Auch als Hirten bezeichnen sie sich, wenn auch nicht als schlichte, sondern als „Oberhirten“.

Weil die Kirche nicht weiß, wohin mit dem vielen Geld, verunziert sie alte Klostergärten und Gotteshäuser mit modernen Kunstwerken (Vgl. Bayern kaputt). Jahrhunderte lang ließ man ehrfürchtig alles so, wie es war, und erst in unserer Zeit kommt man auf die Idee, auch noch den letzten Freiraum voll zu stellen.
Während irgendwo auf der Welt alle Sekunde ein Mensch verhungert, treibt die Kirche Missbrauch mit unserem Geld. Ich denke nicht allein so, sondern wenn alte Leute beieinander sitzen und über die Kirche reden, ist der Tenor immer der Gleiche: Kein Geld für die Kirche! Und in den Klingelbeutel gerade nur soviel, dass es scheppert! Ich habe sogar von einem Pfarrer gehört, dass etliche der reichsten Gemeindemitglieder aus der Kirche ausgetreten sind, weil sie nicht mit ansehen können, was die Kirche mit dem Geld treibt. Sie überreichen dem Pfarrer aber jedes Jahr genau den Betrag, den sie bisher als Kirchensteuer bezahlt haben und der baut davon ein Krankenhaus in einem Entwicklungsland.
Den jungen Leuten möchte ich den Rat geben: Warten Sie mit Ihren Spenden, bis Sie alt werden, damit sie später nichts zu bereuen haben. Die Kirche hat genug Geld und ist auf ihr Scherflein jetzt gar nicht angewiesen.

Man sollte einmal untersuchen, wie viel vom Kircheneigentum auf Betrug zurück geht. Die Kirche hat lange Zeit den Leuten eingeredet, man könne sich den Himmel erkaufen:
„Wenn das Geld im Kasten klingt,
Die Seele in den Himmel springt.“
Ich glaube nicht, dass die Kirche heute noch die Ansicht vertritt, man könne mit Geld in den Himmel kommen. Daher wird man sagen müssen, dass es Betrug war, wenn man früher den Gläubigen gegenüber so getan hat, als wäre es so.
Manchmal stelle ich mir vor, wie es wohl kommt, dass ein ganz erheblicher Teil unserer Kleinstadt (manche sagen: die Hälfte) der Kirche gehört. Hat es die Kirche verstanden, bei der letzten Ölung ängstliche Sterbende zu überreden, ihr Hab und Gut der Kirche zu vermachen? Stellen Sie sich nur einmal vor, wie viele Generationen seit 2000 Jahren gelebt haben. Da erscheint doch die Annahme gerechtfertigt, dass in diesen Ketten von Generationen immer mal einer dabei war, der sein ganzes Vermögen oder einen großen Teil davon der Kirche vermacht hat.
Mir sind übrigens zwei Fälle von abtrünnigen Geistlichen bekannt, die es während der Ausübung ihres Amts als Priester verstanden haben, Sterbenden ein Millionenvermögen abzuluchsen. Das scheint nicht schwer zu sein, wenn die Gläubigen merken, dass sie ihr Geld sowieso nicht mit ins Grab nehmen können.

Viele Leute zahlen ja die Kirchensteuer gern und meinen, sie zahlen diese für die herrlichen alten Kirchen, die Kindergärten, Krankenhäuser und Altenheime der Caritas usw. Sie haben den Eindruck, mit ihren Steuern etwas Gutes zu tun. Allerdings ist es so, dass der Denkmalschutz für die wertvollen alten Kirchen aufkommt und der Staat auch die Kindergärten, Krankenhäuser, Drogenberatung und Altenheime der Caritas weitgehend bezahlt. Dass dies nicht in aller Deutlichkeit heraus gestellt wird, hat zur Folge, dass die meisten Menschen sich in einem Irrtum über wirklichen Verhältnisse befinden. Sie werden dadurch praktisch betrogen. Eigentlich sollte sich ja die Kirche nach dem Evangelium richten. Im Bericht über die Heilung von 10 Aussätzigen beklagt Jesus die Tatsache, dass sich nur einer bedankt hat. Und wo bleibt der Dank der Kirche für all die Wohltaten, die der Staat (also wir alle) ihr aus den allgemeinen Steuermitteln (nicht aus der Kirchensteuer!) erweist? In den meisten bekannten Kirchen stehen oder hängen im Eingangsbereich Tafeln, auf denen die Geschichte und Bedeutung der Kirche erklärt wird. Wäre es wirklich zu viel verlangt, wenn man fordert, dass die Kirche am Schluss etwas über den heutigen Status des Gebäudes anfügt, beispielsweise: Dieser Dom wurde 1803 säkularisiert und gehört seitdem dem Staat, der ihn unterhält und der Katholischen Kirche kostenlos zur Verfügung stellt. Dafür sei ihm an dieser Stelle herzlich gedankt.

Aber wenden wir uns lieber einem schlimmeren Betrug der Kirche zu, der leider nicht genauso wie die Missbrauchsfälle ans Licht der Öffentlichkeit kommt: Die Kirchensteuer gründet sich darauf, dass der Staat im Jahr 1803 Kircheneigentum säkularisiert hat. Die Kirchensteuer stellt eine Entschädigungsleistung für diese Enteignung dar. (M.E. wäre eine solche Säkularisation auch heute wieder nötig, denn der Grundbesitz der Kirche ist so groß wie die vier kleinsten Bundesländer; eine solche Machtanhäufung innerhalb eines Staates kann nicht hingenommen werden; die Kirche müsste zu Verkauf gezwungen werden und dabei dürfte sie nicht von der Steuer befreit sein.)
Was nun das vom Staat im Wege der Säkularisation kassierte Grundvermögen anbetrifft, so ist ein großer Teil davon betrügerisch erworben worden. Die Kirche war ja auch schon früher öfter als große Betrügerin aufgefallen. Berühmtestes Beispiel ist die Konstantin`sche Schenkung. Mit Mitteln der heutigen kriminalistischen Methoden wurde beispielsweise herausgefunden, dass die großen Schenkungen Karls des Großen an die Kirche gefälscht sind. Und man kann sich wohl ausdenken, was sonst noch so alles passiert ist in einer Zeit, in der fast nur die Mönche das Schreiben beherrschten.
Wenn die Kirche also eine Rechnung aufmacht und dem Staat vorwirft, was er ihr alles „gestohlen“ habe, so müsste man dies alles einmal genau durchleuchten. Und dann käme wohl heraus, dass wir über die Kirchensteuer schon mehr als genug bezahlt haben. Aber leider hat niemand ein Interesse daran, das Ganze aufzuklären. Solange das Volk dies alles schluckt, sehen die Parteien keinen Handlungsbedarf. Und wenn doch einer mal den Mund aufmacht, setzt er sich in die Nesseln.
Wie sang Reinhard Mey so so schön: „Der Minister nimmt flüsternd den Bischof beim Arm: Halt du sie dumm, ich halt sie arm!“

Jedes Jahr wenn die Sternsinger im Fernsehen gezeigt werden, denke ich mir: Das hat die Kirche schon perfekt inszeniert. Erst werden die Kinder vom Bischof ausgeschickt und schließlich werden sie von der Kanzlerin empfangen. Ein paar Tage lang erscheinen sie allabendlich in den Nachrichten:– eine unbezahlbare Reklame. Und irgendwann kommen sie auch zum abgelegensten Haus, so auch zu mir, wo sich sonst kein Vertreter oder Bettler hin bemüht.
Und wenn sie dann ihr Lied singen mit Feuereifer und ganz erfüllt von ihrer Mission, dann bringe ich es nicht übers Herz, nein zu sagen.
Eigentlich sollte ich es tun und die Kinder darüber aufklären, dass die Kirche unermesslich reich ist und dass sie viel zu wenig davon hergibt, sondern immer noch reicher wird. Aber dann finde ich es doch besser, den Kindern ihren Kinderglauben zu lassen.

Es gibt noch eine weitere Form der Perversion in der Katholischen Kirche, die auch im Zusammenhang mit den Missbrauchsfällen erörtert werden muss: die Beichte von Frauen. Warum haben die Frauen, die sich im Zeichen der Emanzipation überall zu Wort melden, dieses Thema noch nicht aufgegriffen?
Ich bin ja „nur ein Mann“ und schon alt und weiß daher nicht, was die jungen Frauen heutzutage beichten. Es ist anzunehmen, dass sie sich eine andere Moral zurecht gelegt haben, als die Kirche offiziell propagiert: Sie schlucken die Pille, sehen Sex Unverheirateter oder Masturbation nicht als Sünde an usw.
Wie anders war es früher: Da schlichen Frauen mit dem Gefühl, schwer gesündigt zu haben, schamrot in den Beichtstuhl und trafen dort, wenn sie Pech hatten, auf einen Beichtvater, der sich die „Sünde“ in allen Einzelheiten schildern ließ, angeblich um deren Gewicht ermessen zu können. Das Beichtgespräch begann oft mit der noch unverfänglichen Frage: „Wie oft, meine Tochter?“ Aber dann ging es zur Sache.
Das, was einem da aus den Beichtgesprächen zu Ohren gekommen ist, legt den Verdacht nahe, dass mancher Beicht-„Vater“ hier perverse Neigungen ausgelebt hat, so ähnlich, wie es Leute gibt, die am Telefonsex Freude haben. In meiner Jugend gab es darüber ein Spottlied, von dem mir nur noch der Refrain in Erinnerung ist: „Das ist’s, warum die Mädchen so gern beichten geh’n: Beim Pater Augustin, da ist’s besonders schön!“
Und ich kann mir vorstellen, dass manches junge Mädchen bei einem solchen Beichtgespräch einen Schaden fürs Leben erlitten hat.

Stellen Sie sich vor, sie würden in einem Fürstentum leben, beispielsweise in Monaco. Und stellen Sie sich weiter vor, der Fürst dürfte in seinem Land über alles allein entscheiden, auch über die Religion seiner Untertanen. Und er würde diese Entscheidung nicht nach seinem Gewissen fällen, sondern danach, wo finanziell am meisten für ihn herausspringt. Vielleicht würde er sogar die Religion im Staat ändern, wenn ihm anderswo auf einmal mehr geboten würde. Was würden Sie da wohl sagen? Sie würden so etwas sicherlich für völlig indiskutabel halten und nicht da mit machen. Wirklich?
Ist die Art, wie Sie zu Ihrer Religion gekommen sind, nicht vielleicht noch schlimmer? Ich meine damit nicht, dass Ihre Eltern Sie einmal taufen ließen; das haben sie von ihren Vorfahren so übernommen. Und so ging es generationenlang. Aber irgendwann ist einmal die Grundentscheidung gefallen, zu welcher Religion Ihre Familie gehört. Und das dürfte nach dem Augsburger Religionsfrieden gewesen sein, als festgelegt wurde: „Cuius regio, eius religio.“ (Wessen Region, dessen Religion.) Der Landesfürst bestimmte also damals, welche Religion Sie heute haben, obwohl Sie sich nie gefallen lassen würden, dass heute jemand oder gar die Regierung für Sie eine solche Entscheidung treffen würde. Ist das nicht widersinnig?
Meinen Sie daher nicht vielleicht doch, dass Sie die Entscheidung über Ihre Religion, die andere für Sie getroffen haben, einmal überdenken sollten? Werden Sie erwachsen, denn das bedeutet, dass man nicht fremdbestimmt handelt, sondern sein Leben in jeder Beziehung selbst in die Hand nimmt. Dazu gehört auch, dass Sie und nicht ihre Eltern bestimmen, was Sie zu glauben haben.
Übrigens ist auch die Einführung des Christentums seinerzeit ähnlich gewesen: Kaiser Konstantin hat diese Religion vor vielen Hundert Jahren in seinem Reich eingeführt, und so ist Europa christlich geworden. Dieselben Leute, die hier brave Katholiken sind, wären mit demselben Eifer Moslems, wenn sie in Kairo geboren worden wären, denn was den Glauben anbetrifft, bleiben die meisten Menschen in den Kinderschuhen stecken, d.h. sie behalten die Religion, die ihre Eltern und deren Vorfahren einmal angenommen haben.

Was ist der Unterschied zwischen früher und heute?

Wenn man so alt wird wie ich, staunt man über die Veränderungen, die es im Laufe der Zeit gegeben hat. Und ich habe mich öfter gefragt: Wie haben wir damals so leben können?
Darüber habe ich etliche Beiträge geschrieben.

Zwei der bedeutendsten Unterschiede zwischen gestern und heute will ich hier einmal heraus greifen:
Der eine ist die um sich greifende erschreckende Geldgier, die gerade wieder ausgerechnet bei den „christlichen“ Parteien in den Maskenaffären zu Tage getreten ist. Aber nicht nur in krimineller Hinsicht wirkt sich die Geldgier aus, sondern auch in der ganz normalen Politik:
Beispielsweise war es einmal üblich, dass die Leitung des Roten Kreuzes ein Ehrenamt war, das man selbstverständlich umsonst übernahm, denn der Mensch soll ja auch mal etwas Gutes tun. Heute ist dieses Amt zum hoch dotierten Austragsposten für alte Politiker geworden, die sowieso schon hohe Altersbezüge kassieren. Und man findet es selbstverständlich, dass die Menschen, die bei der Wasserwacht und Bergwacht die Arbeit für das Rote Kreuz leisten, dies im wahrsten Sinne des Ehrenamts kostenlos tun, aber das ist kein Anstoß für andere, ihnen nach zu eifern.
Die Geldgier führt dazu, dass die Schere zwischen arm und reich immer weiter auseinander klafft und ebenso die Einkommen. Ich frage mich oft: Was machen die Menschen nur mit den vielen Millionen? Nur wenige besinnen sich darauf, dass sie damit viel Elend mindern könnten. Aber haben Sie schon gehört, dass ein Fußballer eine Tafel finanzieren würde?
Die Geldgier hat inzwischen ein solches Ausmaß angenommen, dass der Staat schon die nächste Generation ausplündert. Die Schulden, die jetzt im Rahmen der Pandemie gemacht werden, sollen bis zum Jahr 2058 zurück bezahlt werden. Diejenigen, die belastet werden, sind also größtenteils noch gar nicht geboren. Das Schlimme ist, dass es insoweit kein Entkommen gibt – außer der Auswanderung. Im Privatrecht kann man andere nicht gegen ihren Willen belasten: Es gibt keinen Vertrag zu Lasten Dritter und einen überschuldeten Nachlass kann man ausschlagen. Aber der Staat kann insoweit bedenkenlos zugreifen ohne Vorsorge dafür getroffen zu haben, dass es einmal schlimmer kommen könnte. Jeder normale Mensch spart für solche Fälle, aber in Deutschland hat dies nur der Finanzminister Schäffer getan, indem er den „Juliusturm“ anlegte. Heute geraten wir immer tiefer in den Schuldenstrudel.

Das hat es also einmal gegeben: Früher hat man Vorsorge für Notfälle getroffen: Zum Beispiel war es Adenauer wichtig, dass Deutschland im Ernstfall unabhängig leben kann. Deshalb wurden der Bergbau wegen der Energieversorgung und die Landwirtschaft wegen der Ernährung gefördert. Ich weiß nicht, wie es aussehen würde,  wenn wegen einer schlimmeren Pandemie alle Länder ihre Grenzen schließen würden. Hätten wir dann genug zu essen? Oder was passiert, wenn ein Cyberangriff sämtliche Computer lahm legen würde? Hat sich die Regierung einmal – wie seinerzeit Adenauer – Gedanken darüber gemacht?
Wie wenig wir vorbereitet sind, hat sich bei der Pandemie gezeigt. Man hätte doch annehmen können, dass für solche Fälle Notfallpläne existiert hätten. Aber nicht einmal für das medizinische Personal waren genügend Schutzvorrichtungen vorhanden mit der Folge, dass viele Ärzte und Pfleger ihre Arbeit mit dem Leben bezahlen mussten.

Es gibt ja Menschen, die für sich selbst Vorsorge treffen. Sie schauen im Gegensatz zur Regierung in die Zukunft  Und sie wollen gesichert sein für den Fall, dass „hier einmal alles den Bach runter geht“.  Erst war es ein Arzt und eine Lehrerin, die sich in einem kleinen Dorf in Griechenland angesiedelt haben, aber inzwischen sind etliche ihrem Beispiel gefolgt. So lebt dort ein fröhliches Völkchen begeistert von der eigenen Landwirtschaft. Gerade habe ich von einem ein Fläschchen selbst produziertes Olivenöl bekommen: Unglaublich, was das für ein Unterschied zu dem Zeug ist, was es hier zu kaufen gibt.

Wie anders die Einstellung der Menschen zur Zukunft geworden ist, zeigt mein eigenes Leben: Mein Vater wollte unbedingt, dass ich neben dem Studium ein Handwerk lerne – für den Notfall, denn auch die Söhne des Kaisers hätten eine solche Lehre gemacht. So bin ich halt auch Schreiner geworden, denn nur so bezahlte mir mein Vater mein Studium. Sonst hätte ich halt etwas anderes arbeiten müssen, um mir mein Studium selbst zu finanzieren.

 

Nüßlein und Löbel – nur die Spitze des Eisbergs

„Früher war alles besser.“ So hört man es oft von der älteren Generation:
https://autorenseite.wordpress.com/2018/08/22/wie-haben-wir-damals-so-leben-koennen-3/
Ein Beispiel bietet die Maskenaffäre. So etwas hätte es früher nicht gegeben. Aber wir leben heute im Zeitalter der hemmungslosen Geldgier. Andere nennen das Raubtierkapitalismus.
Ich habe das in diesem Blog als „Merkelismus“ beschrieben, beispielsweise hier:
https://autorenseite.wordpress.com/2020/11/14/was-ist-der-merkelismus-i-2/
Wie das kapitalistische Denken um sich greift, zeigt sich beim Roten Kreuz:
Mein Großvater war Chef des Roten Kreuzes. Er wäre nie auf die Idee gekommen, dafür Geld zu verlangen. Das war halt ein Ehrenamt, für das man kein Geld bekam. Heute ist dieser Job ein einträglicher Austragsposten für Politiker im Ruhestand geworden. Die finden es selbstverständlich, dass Bergwachtmänner, wie ich einer war, Wochenende für Wochenende ohne Bezahlung ins Gebirge fahren, um Verletzte zu umsorgen und auch Tote zu bergen.
Warum kann nicht mal ein einziger aus dem Kreis der Abgeordneten aufstehen und sagen: „Nach meinem Ausscheiden aus dem Bundestag mache ich das umsonst.“?
Solche Menschen brauchen wir und wir finden sie in vielen Ehrenämtern, aber doch nicht im Bundestag. Wenn jemand von den Abgeordneten ein solches Ehrenamt übernimmt, dann geschieht dies höchstens aus wahltaktischen Gründen, aber zur Mitarbeit haben solche Leute dann keine Zeit.
Nun sind bei uns schon die Jüngsten von kapitalistischen Ideen angefressen, wie der Fall Amthor gezeigt hat. Ehrlicherweise sollten sie gleich so annoncieren:

Was ist der Merkelismus (I)?


Die Kanzlerschaft von Angela Merkel nähert sich dem Ende und eines Tages werden Historiker auf diese Zeit zurück blicken. Was werden sie sagen?
Ich bin kein Historiker, möchte aber doch hier meine Sicht auf den

Merkelismus

kurz beschreiben. Mein Resümee fällt nicht gut aus, obwohl ich feststellen muss, dass die Kanzlerin unter allen Politikern die höchsten Beliebtheitswerte erreicht. Wie kann es so etwas geben?
Da wuchern natürlich Verschwörungstheorien, die besagen, dass die Bevölkerung über Chemtrails, abgelassenes Kerosin oder chemische Nahrungszusätze dumm und gefügig gemacht werde. So blöde viele diese Theorien manchen erscheinen mögen: Können Sie aber vielleicht erklären, warum die Menschen immer dümmer werden? Neuerdings sogar exponentiell?
http://web.de/magazine/wissen/mystery/chemtrails-menschheit-manipuliert-31159220
Es könnte also eine Art von Herdentrieb sein, der die Menschen veranlasst, der „Leithammelin“ nach zu laufen. Da haben wir ja schon ganz andere Führer mit hohen Beliebtheitswerten gehabt, die wir lieber hier nicht erwähnen wollen und mit denen ich Merkel natürlich nicht vergleichen möchte.
Merkel verdankt ihre Beliebtheit weitgehend auch ihrer von mir so genannten „Diversisionsstrategie“ (Vernebelung, Ablenkung und Schönfärberei), mit der die wirkliche Lage vernebelt wird. Die funktioniert so:
> So ähnlich wie man einem Hund einen Knochen vorwerfen kann, um ihn von etwas anderem abzulenken, macht man es in der Politik: Man spielt über die Medien Randthemen in den Vordergrund, um von wichtigen Problemen abzulenken: Was wurde nicht alles über das Thema „Gender“ verbreitet, obwohl doch eigentlich die sexuelle Ausrichtung eines Menschen seine Privatsache bleiben sollte und es doch wirklich kein Problem ist, ob man nun „Leser*innen“ schreiben muss oder nicht.
> Man redet von Äpfeln, wenn es um Birnen geht, wie es in Interviews bei bohrenden Fragen üblich wird.
> Man betreibt eine Salamitaktik, indem man den Menschen ganz langsam immer mehr weg nimmt, z. B. über die Nullzinspolitik mit Inflation, die die EZB mit Billigung Merkels betreibt. Manchmal erkennen die Menschen dabei gar nicht die Zusammenhänge: Wenn nun die Krankenkassenbeiträge bis zu 17% steigen, wissen die Leute nicht, dass das mit der Nullzinspolitik zusammenhängt, denn die Kassen bekommen für ihre Altersrücklagen keine Zinsen.
> Man verschleiert die Probleme, indem man sie in die Zukunft verlagert, z.B. die Rente.
> Man beseitigt die Probleme verbal, indem man sie schönfärberisch vertuscht, z.B.: „Aufschwung“, obwohl wir in Wirklichkeit einen Abschwung haben. Das, was man „Aufschwung“ nennt, wird doch teuer erkauft mit gewaltigen Subventionen an die Industrie durch Kaufprämien für Autos, durch Bezahlung von Forschungsarbeiten, die eigentlich die Industrie mit ihren Gewinnen finanzieren müsste… Unsere Industrie bietet fast das Bild eines schwer Kranken, der am Tropf hängt.
Zum Thema „Aufschwung“ behaupte ich ja immer, dass wir früher besser leben konnten. Darüber habe ich hier schon öfter geschrieben, z.B. hier:
https://autorenseite.wordpress.com/2018/10/09/wie-haben-wir-damals-nur-so-leben-koennen/
Um es noch einmal zusammen zu fassen:
> Unsere Umweltbilanz war früher ausgeglichen, während wir heute 1 1/2 Erden bräuchten, um so weiter leben zu können. Ein Ende ist also abzusehen:
https://autorenseite.wordpress.com/2020/08/22/heute-ist-der-welterschoepfungstag/
> Früher konnte es sich eine Familie leisten, vom Einkommen des Mannes in der Innenstadt zu leben. Heute müssen wegen der hohen Mieten beide Eheleute arbeiten und können sich meist nur eine Wohnung am Rande der Stadt oder außerhalb leisten mit stressigen Fahrten zum Arbeitsplatz, die Jahr für Jahr mehr Zeit in Anspruch nehmen. Wie sehr unsere Wohn- und Siedlungspolitik im Argen liegt, sieht man bei einem Vergleich mit Österreich, wo es sogar in der Hauptstadt Wien moderate Mieten gibt.
https://autorenseite.wordpress.com/2018/11/04/sind-die-oesterreicher-gescheiter-als-die-deutschen/
Bei uns wurden viele Sozialwohnungen verkauft und sind der Geldgier zum Opfer gefallen.
> Adenauer hatte die Devise ausgegeben: Jedem Deutschen sein Häuschen, denn Hausbesitzer sind CDU-Wähler. Und heute können sich viele kaum noch die Miete leisten.
Vergleicht man die Vorteile unseres früheren Lebensstils mit denen der heutigen Zeit, so mag jeder für sich entscheiden, ob es besser ist, wenn man heute stattdessen überall hin fliegen kann, Shoppen gehen kann, auch wenn man nichts braucht…
Nur sollten die Leute, die einen Aufschwung sehen, auch im Auge behalten, wie teuer wir ihn erkaufen: mit der Staatsverschuldung, mit der Zubetonierung der Landschaft, mit der Verseuchung des Grundwassers, mit der Belastung der Luft, mit tierquälerischer Massentierhaltung, mit der ständig wachsenden Konzentration des Vermögens auf wenige Reiche, während die Tafelgäste immer mehr werden, mit einer Globalisierung, die uns ein Pandemie beschert… Kann man da wirklich von einem Plus reden?
                                                          (Wird fortgesetzt)

Zitat zum Tag

 

Hier kommt wie jeden Tag ein Zitat aus dem Buch Mit spitzer Feder“. In diesem Buch finden Sie ungewöhnliche Aphorismen. Es wäre nett, wenn Sie daraus einmal etwas zitieren würden.

Geldgier ist eine Sucht und sollte therapiert werden wie andere Suchtkrankheiten auch. Nur leider sieht man diese Krankheit als Normalität an.

Mehr über den Autor auf der Homepage oder in der Sonderseite für Frauen–Nichtversteher: https://autorenseite.wordpress.com/frauen/

 

Was die Mainstream-Medien verschweigen

                                                     Warum es hier nicht so lebenswert ist:

Wien ist laut der jährlich erscheinenden Rangliste der Economist Intelligence Unit wiederum die lebenswerteste Stadt der Welt. Das war schon im vorigen Jahr so, und warum das so ist, habe ich ja schon beschrieben:
https://autorenseite.wordpress.com/2018/11/04/sind-die-oesterreicher-gescheiter-als-die-deutschen/
Bei uns verblendet hemmungslose Geldgier die Gehirne, so dass unsere Städte zu Spekulationsobjekten geworden sind. Viele Sozialwohnungen wurden verkauft, was die braven Bayern aber nicht gehindert hat, überwiegend „christlich“ zu wählen, auch wenn viele sich nun das Wohnen in München nicht mehr leisten können.
Mich hätte ja nun interessiert, wo denn die deutschen Städte im internationalen Ranking liegen. Aber seltsamerweise habe ich in den Mainstream-Medien nichts darüber gefunden. Anscheinend sind wir weit abgeschlagen und man hat beschlossen, dies zu verschweigen, denn da könnten ja unangenehme Fragen gestellt werden, beispielsweise diese: Wenn wir schon dümmer als die Österreicher sind: warum kopieren wir denn nicht deren Modell? Ach ja, das geht ja nicht wegen der Geldgier derer, in deren Fängen unsere Politiker ihr Dasein fristen.
Wann endlich hört der verschlafene deutsche Michel den Ruf: „Deutschland erwache!„?

Kunst und Geschmacksverirrungen

 

 

Dieser „Gender-Mozart“ soll auch die weibliche Seite des Komponisten heraus stellen. Er steht vor einer alt-ehrwürdigen Kirche, wo er nun wirklich nicht hin gehört.

Über Geschmack lässt sich bekanntlich nicht streiten. Aber es gibt doch vielleicht ein paar Grundregeln, die außer Streit stehen sollten. So war es jedenfalls bisher. Doch die Zeiten ändern sich.
Wie sollen die Menschen von heute noch Geschmack haben, wenn sie von Kindheit an mit dem scheußlichsten Zeug ausgestattet werden? Schauen Sie sich doch nur einmal die Schulranzen an, mit denen die Kinder unterwegs sind: grellbunte Farben, die überhaupt nicht zusammen passen. Es scheint fast so, als ob sie sich in Buntheit übertreffen wollten. Und überall sind die Menschen denselben Geschmacksverirrungen ausgesetzt.
Und so kommt es, dass man den Respekt vor alten Kunstwerken immer mehr verliert. Wo man hinschaut, vergreift man sich an alt-ehrwürdigen Bauten, Plätzen und Parks:
Neben einem herrlichen gotischen Altar in einer bedeutenden bayrischen Kirche ist eine grellgelbe Tafel aufgestellt, auf der die Kommunionkinder ihre Patschhände in schwarzer Farbe abgedruckt haben. So ähnlich sieht es in vielen Kirchen aus, denen man in einer Zeit der Kirchenaustritte Leben einhauchen will.
Und die Geldgier tut ein Übriges, um immer mehr Altes zu zerstören: In den über Jahrhunderte ehrfurchtsvoll erhaltenen Stadtbildern, beispielsweise von Passau oder Vilshofen, werden übergroße, grässliche Fußgänger positioniert. Die ältesten Klostergärten, die man durch die Jahrhunderte bis in die Neuzeit gerettet hat, werden mit scheußlichen, überhaupt nicht passenden modernen Kunstwerken „verschönt“.
Der Denkmalschutz versagt total. Der Sparkassenchef bestimmt, was Kunst ist, denn die Sparkassen, die eigentlich bei der Pleite der Landesbank dabei waren, haben trotzdem noch zu viel Geld in ihren Stiftungen und das muss unters Volk, der Reklame wegen: Seht her, wir tun was!?
Es wird erst Ruhe einkehren, wenn der letzte Park oder Klostergarten voll gestellt ist wie eine Rumpelkammer der Moderne.
Und eines Tages wird eine Generation heranwachsen, die zwangsläufig unsere gesamte Art zu leben als großen Irrweg erkennen wird und sie wird auch mit eisernem Besen all das Zeug hinwegfegen, was uns die Ehrfurchtslosigkeit und Geldgier an Geschmacklosigkeit und Pseudokunst beschert hat.
Schauen Sie doch auch mal auf die Seite „Bayern kaputt„!

Macht Geld krank?

Unsere Familie besaß einmal ein riesiges Vermögen. Wie groß es wirklich war, kann ich nicht mehr rekonstruieren, aber es muss enorm gewesen sein, wie sich aus den Briefen meines Großvaters ergibt. So bezeichnete er Krupp als den armen Kanonengießer, der ihn dauernd anbetteln musste. Und auch die Münchner Brauereibesitzer waren für ihn nur Bräuknechte, die nicht in der Lage waren, im ersten Weltkrieg einen nennenswerten Betrag für die Soldaten zu spenden.
Und wo ist das Vermögen unserer Familie geblieben? Mein Großvater hat alles dem Staat gestiftet, und das kam so: Er hatte 6 Kinder, der Älteste war ein Sohn, mit dem er nicht recht fertig wurde. Er schickte ihn daher, wie es in solchen Fällen üblich war, in die Kadettenschule. So wurde der Sohn Soldat und brachte es schließlich zum Offizier. Er ist dann vor Verdun gefallen.
Mein Großvater fühlte sich während des 1. Weltkrieges verpflichtet, alles zu tun, um seinen Sohn an der Front zu unterstützen. Deshalb stiftete er alles, was er hatte, dem Staat und sagte dazu: „Wer später einmal meinen Namen trägt, muss in der Lage sein, sein Leben selbst in die Hand zu nehmen, und darf nicht darauf angewiesen sein, vom Vermögen zu leben.“
Das Merkwürdige an dem Verlust des Vermögens ist dies: Es hat uns nicht geschadet: Mein Vater, mein Sohn und ich haben ein Leben genau nach unseren Vorstellungen gestalten können und sind so glücklich geworden. Mehr Geld auf der Bank hätte uns auch nicht mehr gebracht.
Mit Interesse habe ich gelesen, dass Warren Buffet, einer der reichsten Männer der Welt auch sein Vermögen im wesentlichen gestiftet hat. Auch er findet anscheinend das Prinzip richtig, dass jeder sich seinen Platz im Leben selbst erobern soll.
Interessant ist es ja zu sehen, was aus den Familien geworden ist, die – wie mein Großvater abfällig bemerkte – „auf ihren Geldsäcken sitzen geblieben sind“. Einer der Erben wurde so erzogen, dass er ja nicht selbst arbeiten sollte, sondern lernen sollte, das Geld für sich arbeiten zu lassen. Und dann ist auch herausgekommen, was zu erwarten war: ein verfetteter junger Mann, der seine Langeweile mit Reisen bekämpft. Ein anderes Firmenimperium haben die zerstrittenen Erben verkauft, und nun bringen sie ihr Geld durch mit allem drum und dran: mit Alkoholexzessen, Drogen, Weibern und was es sonst noch so gibt.
Manchmal denke ich: Geld macht krank. Leute, die eigentlich Vorbilder für die Jugend sein sollten, geben sich nicht mit ihrem immensen Einkommen zufrieden, sondern hinterziehen Steuern: Beckenbauer, Hoeneß, Rumenigge… Und auch die Sauberfrau Alice Schwarzer strauchelte.
Auch die Kirche ist krank durch ihren Reichtum: Was für ein Zeichen christlicher Nächstenliebe könnte sie setzen, wenn sie nur einen Teil ihrer viel zu großen Goldreserven einsetzen würde, um  aus den erbärmlichen Flüchtlingslagern Stätten der Menschlichkeit zu machen. Aber wenn sie etwas hergibt, ist es meist nur das, was sie vorher gesammelt hat. Es ist leider so, wie der Hl. Hieronymus gesagt hat: „Wir brennen wahrlich vor Geldgier.“ Wenn das kein Zeichen von Krankheit ist…
Und wenn Sie mit dem Gedanken spielen, auch ihr Geld herzugeben, haben Sie ein Problem: Wem geben Sie es? Doch nicht unserem korrupten Staat! Und bevor Sie an die Kirche denken, lesen Sie erst einmal das hier, aber setzen Sie sich vorsichtshalber vorher hin!

Sozialklimbim

                                                                   Mit Geld zugeschüttet?

„Wir schütten die Leute mit Geld zu, und sie werden trotzdem nicht zufriedener. Wir leisten uns zu viel Sozialklimbim in einem Rundum-Versorgungsstaat“, sagte der wirtschaftspolitische Sprecher der CDU Pfeiffer.
Also, Leute: Jetzt wisst Ihr, wohin die Reise geht. Und man sieht, wie abgehoben manche Abgeordnete sind.
Herrn Pfeiffer empfehle ich mal einen Gang zu einer Tafel, damit er sieht. wie weit es die Wirtschaftspolitik seiner Partei gebracht hat.
Und dann sollte er sich mal ein wenig kundig machen, um den Überblick nicht zu verlieren: Nicht der Sozialklimbim macht uns zu schaffen, sondern die hemmungslose Geldgier derer, die die Wirtschaftspolitik beeinflussen: Mannopoly zeigt es auf.