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Mein Antisemitismus

Verboten neu

Ich bin ein Antisemit. Nicht wirklich, aber ich wurde so von Frau Knobloch beschimpft, als seinerzeit darüber diskutiert wurde, wie ein Denkmal für die ermordeten Juden in der Hauptstadt gestaltet werden sollte. Ich hatte mich damals gegen den jetzigen Bau ausgesprochen und gemeint, die Fläche solle für das Leben in der Stadt genutzt werden. Daher möge man eine andere Form des Gedenkens wählen, beispielsweise ein Denkmal in Form eines Obelisken. Mein Meinungsbeitrag war für Frau Knobloch Anlass, mich als Antisemiten zu beschimpfen, was natürlich völliger Unsinn war. Solche unsachlichen Äußerungen tragen nicht gerade zu einer Normalisierung der Verhältnisse bei. Im Übrigen wird das Denkmal, wie ich bei meinem letzten Besuch in Berlin feststellen konnte, nun doch für das Leben genutzt: Auf den warmen schwarzen Steinen sonnten sich die Mädchen im Bikini.

Dass ich aber alles andere als ein Antisemit bin, können sie in meinem Buch „Verbotene Zone“ entnehmen, von der ich eine interessante Geschichte ich meine Leseecke eingestellt habe. Dort erfahren Sie etwas über die wahren Wurzeln des Antisemitismus.

Was sind wir doch für ein trauriges Volk geworden

Die FDP fordert einen Gedenktag für die Opfer des NSU.
Ja, wir Deutschen verstehen es, zu trauern: Der Totensonntag und der Volkstrauertag stehen uns bevor und reichen uns nicht: Aus Allerheiligen haben wir einen Tag gemacht, an dem man sich an den Gräbern versammelt.
Manche meinen sogar, wir zelebrieren unser Schuldbewusstsein. Berlin ist voll davon und in vielen Städten breiten sich Stolpersteine aus. Das ist einer der Keime des Rechtsextremismus, denn deren Vertreter fragen: Wo bleiben die Mahnmale für die Verbrechen der anderen?
Kein anderes Volk verfügt über so viele beflissene Gutmenschen, die uns ständig im Büßergewand halten wollen. Für sie gäbe es noch ein weites Betätigungsfeld: Wo bleiben die Gedenksteine für die Hexenverbrennungen? Wo bleiben die Bodenplatten in den Kirchen an Stellen, wo Missbräuche stattgefunden haben?
Das Gebirge füllt sich mit Marterln. An der Kampenwand im „Kaisersaal“ hat man eher das Gefühl. in einer Gedenkstätte zu sein als in den bayerischen Bergen: So viele Tafeln für abgestürzte Bergsteiger sind dort angebracht.
Und wenn ich dort hinauf gehe, steige ich über eine Steinplatte, die daran erinnert, dass dort vor ca. 100 Jahren ein Kollege abgestürzt ist und dann frage ich mich, ob der vielleicht während seiner Dienstzeit dort herum gestiegen ist.
Der Alpenverein und der Naturschutz sollten sich einmal mit den Marterln befassen und fordern, dass nur Gedenktafeln aus Holz in den Bergen angebracht werden dürfen, und wenn die verfault sind, lebt sowieso keiner mehr, der dort an den Tod eines Verunglückten erinnert werden soll.

Was für ein Tag ist denn eigentlich heute?

Wenn Sie diese Frage im Internet stellen, erfahren Sie, dass heute der Tag der Bierdose sein soll. Wenn Sie aber weiter forschen, werden Sie überrascht sein, welche Gedenken heute viel wichtiger wären:

Heute ist zunächst einmal der UNESCO-Tag der Bildung. So einen Tag brauchen wir, weil die Bildung immer mehr durch Ausbildung ersetzt wird. Das heutige Wirtschaftsleben braucht keine nachdenklichen Menschen, sondern gut funktionierende Arbeiter, die möglichst schnell durch die Schule und Uni geschleust werden.

Dann wäre heute noch de Tag des herzhaften Lachens. Deshalb bemühe ich mich hier jeden Tag, meinen Lesern jedenfalls mit dem Witz zum Tag ein Lächeln zu entlocken.

Und schließlich ist heute auch noch der Tag der Komplimente: Also an die Arbeit! Sie glauben gar nicht, wie einfach sich wie viel Freude bereiten lässt!

 

 

Wie man Rechtsextremismus fördert

Kürzlich wurde in unserer Stadt ein Gedenkstein aufgestellt, der nun nach fast 8 Jahrzehnten an die Vertreibung einer jüdischen Familie erinnert. Und wenn ich dann auf der Autobahn in die Berge fahre, weist mich ein riesiges Schild auf eine Dokumentationszentrum hin, das die Gräueltaten der deutschen Wehrmacht zeigen soll. Und auch in vielen Städten mehren sich die „Stolpersteine“. Man könnte fast von einer „Mode“ des Bekennens sprechen, wenn ein solches Wort dem Thema angemessen wäre. Jedenfalls überbietet man sich nun geradezu  – seltsamerweise nach so langer Zeit – mit solchen Bekenntnissen von Scham und Schuld. Kein anderes Volk konfrontiert sich ständig so mit mit den dunklen Seiten seiner Vergangenheit wie wir Deutschen. Sieht man etwa in den USA Gedenktafeln für die Vernichtung der Indianer oder für den Sklavenhandel? Oder gedenkt etwa die Kirche mit einem Mahnmal auf dem Petersplatz der Hexenverbrennungen? Nein, das waren ja in den Augen der Kirche Verfehlungen einzelner.
Bei uns hingegen scheut man nicht einmal davor zurück, die Geschichte zu fälschen, um die Deutschen in Sippenhaft zu nehmen, indem man ihnen eine Kollektivschuld vorwirft. So wird in einem offiziellen Statistik-Buch behauptet, die Deutschen hätten gewusst, dass die Juden vergast würden. Das wird mit einer Umfrage begründet, bei der die jüngeren Leute dies tatsächlich bejaht hatten. Und dann wurde hinzugefügt, die Alten hätten wohl ihre Schuld verdrängt, wenn sie behaupteten, sie hätten keine Ahnung gehabt. Ich bin 84 Jahre alt, also zu jung, um an der Vergasung schuld zu sein, aber alt genug, um mitbekommen zu haben, wie es damals war: Bis auf die Eingeweihten hat kein Mensch gewusst, was in den KZs geschah. Der normale Deutsche glaubte, die Juden würden genauso interniert wie auch die Angehörigen anderer Fremdstaaten und wie natürlich ebenso die Deutschen im feindlichen Ausland.
Wann endlich traut sich einmal ein Politiker, die Frage zu stellen, ob nicht auch das deutsche Volk ein Opfer der Nazis geworden ist? Das Volk hat einmal in einer Zeit hoher Arbeitslosigkeit und wirtschaftlicher Not die Nazis gewählt, weil es gemeint hat, es würde dann aufwärts gehen. Und den braven Deutschen wäre nie eingefallen, dass sie von ihrer Regierung belogen würden: Sie haben geglaubt, dass Deutschland  den 2. Weltkrieg nicht begonnen, sondern nur „zurück geschossen“ hat, also sich in einem Verteidigungskrieg befunden hat, in dem übrigens die Kirche die Kanonen geweiht hat. Die Deutschen sind also Opfer eines Betruges geworden. Opfer sind sie auch insoweit, als etwa 6,3 Millionen Deutsche ihr Leben in diesem Krieg verloren haben.
Man stelle sich nun einmal vor, es gäbe Leute, die nun für jedes zivile Opfer der Bombenangriffe auf deutsche Städte, die nach dem Völkerrecht Kriegsverbrechen waren,  ebenfalls Stolpersteine setzen würden. Was wäre dann wohl los? Deutschland wäre gespalten und würde zum Friedhof.
Jedenfalls ist es jetzt schon so, dass wir eine gefährliche Spaltung der Gesellschaft haben: Auf der einen Seite sind die „braven“ Deutschen, die sich teilweise auch selbst schuldig fühlen. Und auf der anderen Seite stehen die Rechtsextremen, die stolz auf ihr „Vaterland“ (neudeutsch: „Heimat“) sind und die finden Krieg ist Krieg, und da haben auch die anderen… Das dürfe man nicht unter den Teppich kehren.
Ich meine daher, man sollte die Vergangenheit ruhen lassen, was nicht heißt, dass man sie vergessen soll. Aber man sollte nicht ständig mit ihren dunklen Seiten konfrontiert werden. Kein Mensch tut dies, kein Volk, nur wir Deutschen. Und alles, was dabei heraus kommt, ist, dass der braune Sumpf immer größer wird.

 

 

Zitat zum Thema Frauen

Hier kommt wie jeden Tag ein Zitat aus dem Buch: Nebenbei bemerkt – Aphorismen über Gott und die Welt:

Eine kluge Frau lässt dem Mann die Illusion, Herr im Hause zu sein.

Mehr über den Autor auf der Homepage oder in der Leseecke.
Mehr über Frauen: https://autorenseite.wordpress.com/frauen/

Für Führer, Volk und Vaterland

Heute bin ich schon um 4.00 Uhr aufgestanden und war bei Sonnenaufgang auf dem Hochfelln, dem schönsten Aussichtsberg Bayerns.
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Unten liegt der herrliche Chiemsee.
Jedes Mal komme ich an dieser Gedenktafel vorbei, auf der einmal stand: „Für Führer, Volk und Vaterland.“
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Den Führer hat man allerdings heraus gemeißelt. Inzwischen ist die Tafel kaum noch zu lesen und wird wohl bald ganz verwittern.
Was waren das doch damals für andere Zeiten. Man stelle sich vor, für einen in Afghanistan gefallenen Soldaten hätte man eine Tafel angebracht mit der Aufschrift: „Für Merkel, Volk und Vaterland.“ Wahrscheinlich wird dort etwas über Frieden und Freiheit stehen. Man versucht halt in beiden Fällen dem Tod einen Sinn zu geben. Nur fällt das wohl nicht nur mir schwer.

Entwürdigende Geste zum 17. Juni

Da sind sie wieder: die Schleifenzupfer:
Was sind denn das für verlogene Bilder, die uns zum zum heutigen Gedenktag im Fernsehen präsentiert werden. Wir hören in den Nachrichten über etliche Politiker, dass sie aus diesem Anlass Kränze niedergelegt haben. Aber was sehen wir? Die Politiker schreiten offenbar auf Kommando des Fernsehteams im Gleichschritt voran und zupfen bei den schon abgelegten Kränzen kurz an den Schleifen herum. Wäre es denn zu viel verlangt, wenn sie, wie es früher einmal üblich war, tatsächlich mit einem Kranz am Arm erschienen wären und diesen dann auch tatsächlich nieder gelegt hätten?
So aber gewinnen wir Zuschauer den Eindruck, dass wir selbst bei einer so kleinen Szene wieder einmal belogen werden.

Juden und Hexen

Vor ein paar Jahren war ich in Salzburg im Literaturhaus. Dort wurde ein Abend veranstaltet, an dem jeder etwas vorlesen konnte. Eine Frau trug ein Gedicht vor, das mich sehr beeindruckt hat und das mir noch heute in Erinnerung geblieben ist. Sie schilderte, dass sie ihre einstige Heimat im heutigen Tschechien besuchte. In der Kleinstadt, in der sie damals gewohnt hatte, fand gerade ein Jahrmarkt statt mit vielen Menschen und lautem Trubel. Die Frau aber sah diesen Marktplatz mit anderen Augen: Damals nach Kriegsende mussten die Deutschen alle dort antreten. Die Männer wurden erschossen. Die Frauen und Kinder mussten das Pflaster auf den Knien reinigen von Blut und Gehirn. Sie war eines dieser Kinder und all das kam ihr wieder in den Sinn auf diesem Platz, auf dem sich nun die Menschen vergnügten und der immer noch dasselbe Pflaster hatte wie damals. Irgendeine Tafel oder einen Gedenkstein für die Opfer von damals gab es nicht.
Anders ist es bei uns und in Österreich: In Salzburg gibt es Steine des Anstoßes, die an getöteten Juden erinnern. Und auch in Deutschland ist es so, dass, je weiter das schlimme Geschehen zurück liegt, umso mehr Gedenksteine oder -stätten eingerichtet werden. Am Obersalzberg ist ein Dokumentationszentrum gebaut worden, das an die Verbrechen der Wehrmacht erinnern soll und auch in meiner Kleinstadt wurde kürzlich ein Stein aufgestellt zum Gedenken an eine jüdische Familie, die dort gelebt hat.
Auch ich erinnere mich manchmal an etwas, an das wohl kaum ein anderer denkt: Wenn ich bei uns auf dem Stadtplatz stehe, frage ich mich schon einmal, was dort im Laufe der Geschichte alles passiert ist: wie viele Hexen dort vielleicht verbrannt wurden, ohne dass ihrer gedacht wird.
Sind wir mit unserer Art zu gedenken nicht sehr einseitig? In Bad Reichenhall, wo SS-Angehörige nach Kriegsende von Amerikanern erschossen wurden, standen einmal kleine Kreuze zur Erinnerung. Sie wurden beseitigt, um den ehemaligen SS-Angehörigen keinen Platz zu bieten, wo sie sich am Jahrestag dieses Kriegsverbrechens zum Gedenken versammeln können.
Frage: Sollten wir uns nicht vielleicht doch irgendwann einmal ein Beispiel an der Katholischen Kirche nehmen, die einen Strich unter ihre schlimme Vergangenheit gezogen hat. Und wenn dann doch jemand eine „Kriminalgeschichte des Christentums“ schreibt, dann heißt es von offizieller Seite: „Wie sehr muss er die Kirche hassen, wenn er so etwas tut?“ Auf den Staat übertragen, würde das bedeuten: „Wie sehr muss jemand sein Vaterland (darf man das heute noch sagen?) hassen, wenn er überall Denkmäler für Verbrechen aufstellt, die in seinem Namen verübt wurden.“