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Medienhit: Gräberverlosung


In Berchtesgaden werden Gräber, die im alten Friedhof frei geworden sind, verlost. Diese Verlosung ist zu einem Medienhit im Sommerloch geworden:
https://www.suedost-news.de/startseite_artikel,-berchtesgaden-grabverlosung-wird-bundesweiter-medienhit-per-los-in-die-letzte-ruhe-_arid,424658.html
Ganz anders sieht es anderswo in vielen Friedhöfen aus. Die alte Friedhofskultur geht verloren. Immer mehr Gräber werden aufgegeben, weil die Erben aus Kostenersparnisgründen ein Urnengrab, einen Waldfriedhof oder eine Seebestattung vorziehen. Viele Familien sterben auch aus, so dass problematische Lücken auf den Friedhöfen entstehen, die ja doch irgendwie gepflegt werden müssen.
So wird man in Zukunft mehr über den Erholungs- und Freizeitwert eines Friedhofs nachdenken. Vorläufig wahrt man dabei die Würde des Ortes, aber es wird nicht lange dauern, bis Frauen sich im Bikini auf einem Handtuch dort sonnen und dann die unschuldige Frage stellen, inwiefern dies Würde des Ortes schadet.
Wie so etwas aussieht, erlebte ich bei meinem letzten Besuch in Berlin. Dort lagen spärlich bekleidete Damen auf den warmen schwarzen Steinen des Denkmals für den Holocaust und genossen die Sonne. Ich wunderte mich, dass kein Ordner erschien, um sie zu vertreiben.

Die gnadenlosen „Gutmenschen“

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Auf der Fraueninsel liegt an der berühmten Kirche ein idyllischer Friedhof, in dem sich auch auch das Familiengrab des Nazi-Generals Alfred Jodl befindet. Er selbst ist dort zwar nicht beerdigt, denn seine Asche wurde nach Vollstreckung der Todesstrafe aus den Nürnberger Prozessen verstreut. Nun hat sich der Münchner „Künstler“ Wolfram P. Kastner erneut das Steinkreuz auf der Fraueninsel vorgenommen und aus bleiernen Buchstaben der Inschrift das „J“ entfernt. Somit ist auf dem Grab unweit des Friedhof-Eingangs nur noch „ALFRED ODL“ zu lesen. Wolfram Kastner hat außerdem Strafanzeige gegen den Bürgermeister der Chiemsee-Insel gestellt – wegen „Billigung nationalsozialistischer Gewaltherrschaft und Störung des öffentlichen Friedens“.
70 Jahre herrschte auf dem malerischen Friedhof Ruhe, bis Herr Kastner kam und glaubte, mal wieder eine Aktion starten zu müssen. Er ist ja schon mal wegen einer vergleichbaren Tat bestraft worden, aber anscheinend hat das nichts genützt. Was er getan hat, ist Sachbeschädigung und Störung der Totenruhe. Deswegen wurde eine einstweilige Verfügung erlassen, über die demnächst in 2. Instanz verhandelt wird. https://www.rosenheim24.de/rosenheim/chiemgau/chiemsee-ort28526/wegen-interventionen-jodl-grab-fraueninsel-aktionskuenstler-gericht-7305423.html
In dem Zeitungsartikel sehen Sie ein Bild von dem Grab im jetzigen Zustand. Und auch ein Bild Kastners in einer Art Papstgewand (!) ist dort abgedruckt. Ich erspare mir einen Kommentar zu einem solchen Auftritt. Hoffentlich wird Kastner wegen seiner Schmierereien nochmals bestraft.
Jodl hat für seine Taten gebüßt. Da braucht sich nun nicht auch noch so ein „Gschaftlhuber“ wie Kastner nach Jahrzehnten zum „Nachrichter“ aufspielen, sondern er sollte die Totenruhe respektieren. Nicht umsonst nennen wir einen Ort, an dem die Toten begraben werden Friedhof, weil er ein Ort des Friedens sein sollte. Nur Leute wie Kastner respektieren das nicht und benutzen diesen sakralen Ort, um wieder einmal in die Zeitung zu kommen. Und das gelingt ihm bedauerlicherweise ja auch immer wieder.