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Unsere unermessliche Gier

Als älterer Mensch erinnert man sich noch an die Ölkrisen. Damals hatten wir noch einen vernünftigen Bundeskanzler (Schmidt), der für die Zukunft vorsorgen wollte. Er plante, riesige Ölspeicher für Krisenzeiten in alten Salzstöcken anzulegen. Ich weiß nicht, ob daraus etwas geworden ist.
Heute dagegen leben wir nach einen ganz anderen Motto: „Heute ist heut‘. Wer weiß, was morgen ist.“ Wir machen Schulden auf „Teufel komm‘ raus“ und wir beuten die Erde aus, so dass unsere Enkel einmal schauen müssen, von was sie leben können. Wir trösten uns unbewusst mir dem Sprichwort: „Gibt Gott Häschen, so gibt er auch Gräschen.“ Und die mahnenden Worte des Papstes in der Enzyklika „Laudato si“ werden deshalb wohl nicht viel nützen.
Wir könnten ja unsere Ölvorkommen in Nord- und Ostsee ruhen lassen, um sie einmal später in Krisenzeiten zu nutzen. Aber das ist bei unserer Politik, die vom Gewinnstreben beherrscht ist, völlig unmöglich. Nun wird sogar noch das Fracking bei uns Einzug halten. Es gibt dafür schon einen Gesetzentwurf, der aber ganz klar verfassungswidrig ist:
http://www.suedost-news.de/home_artikel,-Fracking-Gesetz-verfassungswidrig-Gutachten-uebt-scharfe-Kritik-_arid,21045
Uns wird da Sand in die Augen gestreut, wenn es heißt, es werde ja nur eine Erprobung des Frackings zugelassen. Bei dem Gesetzentwurf, der nun vorliegt, ist doch ganz offensichtlich, wie die Erprobungsphase ausgehen wird: Fracking wird auch bei uns möglich sein. Wozu sollte man sonst etwas mit Millionenaufwand erproben, was man später verbieten will?
Natürlich wird es beim Fracking ein paar kleine Erbeben geben, aber die Risse in den Häusern kann man ja wieder zu gipsen. Und wenn dann Chemikalien ins Grundwasser gelangen sollten, ja, dann holen wir halt unser Trinkwasser anderswo. Ist da so schlimm? So fragen uns die verbohrten Erdbohrer. Wo viel Geld im Spiel ist, hat der Bürger nichts zu sagen. Da nützen auch solche Initiativen nichts:
http://www.gegen-gasbohren.de/initiativen/breitbrunn/

Gefährliche Ölpolitik der USA

Wir haben in einem Blog weiter unten unsere falsche Ölpolitik kritisiert. Die USA sind vielleicht noch schlimmer. Früher haben sie Öl importieren müssen. Nun fördern sie durch Fracking so viel Öl, dass sie es exportieren können. Früher war der Ölexport aus den USA verboten, weil man das eigene Öl im Lande halten wollte. Aber das war gestern. Heute sind die USA nach Saudi-Arabien und Russland der drittgrößte Ölexporteur geworden.
700 verschiedene Stoffe, die von der Industrie geheim gehalten werden, werden beim Fracking eingesetzt wie beispielsweise Methan, Radium, Arsen und mehrere Stoffe, die das Hormonsystem stören. In Pennsylvania, Utah und Wyoming soll Fracking das Grundwasser verschmutzt haben. Die Ozonwerte sollen dort gewaltig gestiegen sein und bei Anwohnern zu Kopfschmerzen, Atemnot und Halsschmerzen geführt haben. Und auch Neugeborene sollen im Gebiet der Fracking-Industrie mehr gesundheitliche Schäden aufweisen als anderswo: angeborene Herzfehler oder offene Rücken. Schließlich ist nicht sicher, inwieweit Fracking Erdbeben auslösen kann. Schäden an Häusern sind zu erwarten. Schon die Bohrungen für bloße Erdsondenheizungen haben Gebäudeschäden durch Beben ausgelöst:

Klicke, um auf 091004_FTD_Erdsonden_sind_die_Altlasten_von_Morgen_.pdf zuzugreifen

Jedenfalls erleiden die Hausbesitzer in Frackinggebieten einen gewaltigen Wertverlust:
http://www.fr-online.de/wirtschaft/usa-fracking-wird-zum-alptraum,1472780,26193634.html
All das nehmen die USA nun in Kauf, um den Ölpreis so weit zu drücken, dass Putin seine Haupteinnahmequelle, den Export von Energie, nicht mehr nutzen kann, weil die Förderungskosten den Verkaufswert nun übersteigen. Die USA bringen aber auch andere Staaten, die vom Ölexport leben, in Schwierigkeiten. Womöglich lösen sie sogar eine Weltwirtschaftskrise aus.

Fracking ist unabwendbar

Ihnen missfällt das Fracking? Dann fehlt Ihnen der Durchblick. Was glauben Sie denn, wie viele neue Arbeitsplätze entstehen, wenn wir diese neue Technik einsetzen? Können wir es uns leisten, darauf zu verzichten?
Nun ja, es kommt beim Fracking ein bisschen Gift in den Boden, aber macht das was aus, wo wir doch auch andere Gifte im Boden haben wie die Schwermetalle? Sie protestieren? Wie sieht es denn bei Ihnen aus, wenn Sie Einkaufen gehen? Lesen Sie auf der Rückseite der Packungen, was da für Gifte drin stecken? Ich habe im Supermarkt noch nie jemanden gesehen, der das Zeug auf der Rückseite der Waren liest. Und beim Fracking wollen Sie nun plötzlich so heikel werden? Das wird kaum etwas nützen.
„Wo viel Geld dahinter steckt – das wird gemacht!“ sagte ein Wissenschaftler, als man früher einmal diskutierte, wie man Venedig retten könnte. Von allen Methoden wählte man die teuerste, die nicht einmal in der Lage ist, Überschwemmungen zu verhindern. Und der Wissenschaftler prophezeite damals schon, dass gerade diese verwirklicht würde, weil am meisten Geld dahinter stecke.
Und beim Fracking ist es nun genau so: Öttinger will nun schon mal ein bisschen zur Probe bohren und die Politiker werden sagen: „Probieren kann ja nicht schaden!“ So ist man jedenfalls für den Ernstfall vorbereitet, und dann wird es irgendwann los gehen, wenn die Ölknappheit sich verschärft und die Leute Auto fahren und heizen wollen.
Fracking ist eine ideale Technik – vom Standpunkt der Wirtschaft aus betrachtet. Man muss einen gewaltigen Aufwand betreiben, damit ein bisschen was heraus kommt. Und dieser Aufwand muss bezahlt werden, bringt also einen Haufen Geld. Die Umweltbilanz wird allerdings nicht so gut aussehen wie die Gewinnbilanz der Unternehmen: Ich schätze mal, dass ein Energiegewinn von 10 % heraus springen wird. Bei den Tiefseebohrungen nach Öl ist die Energieausbeute ja auch nur verhältnismäßig gering. Die Energieunternehmen werden uns zwar für das Fracking eine gute Energiebilanz errechnen, aber wir wissen aus Erfahrung (Stuttgart21, BER, Elbphilharmonie), dass die Wirtschaft und die Politik anders rechnen, als der Normalmensch: Das Negative (Kosten, Umweltschäden) wird klein gerechnet, aber das Positive (Gewinn und Arbeitsplätze) wird verdoppelt.
Und wenn dann irgendwann einmal die Energieausbeute gegen Null tendiert, sollten wir uns fragen, ob wir nicht einen schnelleren und radikaleren Wandel in der Energiepolitik bräuchten.

Fracking: Technik des Grauens!

Demnächst sieht die Zukunft finster aus:
Umwelt- und Wirtschaftsminister sind sich einig: Die risikoreiche Fördermethode Fracking soll in Deutschland zugelassen werden – natürlich unter strenger Prüfung der Umweltverträglichkeit. Bei dieser neuen Fördertechnik wird mit hohem Druck unter Einsatz von Wasser, Sand und Chemikalien das Gestein so aufgebrochen, dass das im Boden vorhandene Gas entweichen kann. Angeblich sollen dadurch die Energiepreise sinken. Wer’s glaubt wird selig.
Und noch etwas anderes sollen wir glauben, nämlich dass die strenge Prüfung der Umweltverträglichkeit Sicherheit bietet.
Beim Fracking können wir ein Phänomen beobachten, das immer mehr um sich greift nämlich dass wir immer mehr Energie einsetzen müssen, um dann immer weniger zu gewinnen. Beim Fracking werden es schätzungsweise nur 20 % der eingesetzten Energie, die wir dann herausholen. Lohnt sich dieser Aufwand überhaupt bei dem erheblichen Risiko, das man dabei eingeht? Interessanterweise hat Frankreich das Fracking verboten.
Und wir sollten uns vor Augen halten, dass schon ein bloßes Loch im Boden zu Problemen führen kann: In Staufen hat man ein Rathaus gebaut, das mit einer Erdwärmeheizung ausgerüstet wurde. Dafür musste man nur ein schlichtes Loch in die Erde bohren. Das klingt doch ganz harmlos, aber seitdem hebt sich die Altstadt monatlich um einen Zentimeter, weil das aufsteigende Wasser in eine Gipsschicht eingedrungen ist, die sich durch die Feuchtigkeit aufbläht. Das Volumen dieser Schicht nimmt um 60 % zu mit der Folge, dass Gebäudeschäden von mehr als 40 Mio. Euro entstanden sind.
Oder denken wir an das Atomlager Asse. Was hat man uns nicht alles über dessen Sicherheit erzählt! Vielleicht dieselben Gutachter werden uns dann die Harmlosigkeit von Fracking bescheinigen.
Die armen Leute, die das ausbaden müssen. Wir wären hier in Bergen beinahe auch Opfer einer wissenschaftlichen Fehlkalkulation geworden. Es wurde nämlich beschlossen, dass auch die schönsten Teile des Landes nicht immer vor den Belastungen der Zivilisation verschont bleiben dürfen. Daher sollten wir eine Mülldeponie bekommen. Die Naturschützer waren dagegen, weil sie den Chiemsee gefährdet sahen. Sie wurden als Spinner hingestellt, denn die erholten Gutachten ergaben „eindeutig“, dass zum einen das Grundwasser gar nicht beeinträchtigt werden könne und dass das Grundwasser unter der Deponie keine Verbindung zum Chiemsee habe. Die Deponie wurde also als doppelt sicher hingestellt. Dann, bei den ersten Mülltransporten in die neue Grube geschah glücklicherweise etwas, was den Chiemsee rettete: Auf dem Weg von der Deponie zum Chiemsee liegt nämlich eine Fischzucht, und eines Tages waren die Fische tot. Es stellte sich heraus, dass die Gutachten gleich zwei Fehler hatten: Die Schadstoffe aus der Deponie gingen sehr wohl ins Grundwasser und dieses Grundwasser floss in Richtung Chiemsee.
Nun hat man die Deponie still gelegt. Sie sieht jetzt ganz harmlos aus: ein Wiesenhügel, aus dem ein paar Rohre herausragen. Aus denen soll angeblich völlig unschädliches Sumpfgas aus der Deponie abgeleitet werden. Das wird automatisch angezündet. „Absolut umweltverträglich!“ heißt es, und die Leute glauben das wohl auch wieder, wie sie an die Sicherheit der Deponie geglaubt haben. Früher sagte man: „Aus Erfahrung wird man klug“. In unserer schnelllebigen Zeit müsste man sagen: „Erfahrungen vergisst man.“