Schlagwort-Archive: Evitarismus

Schon wieder eine neue Philosophie?

Philosophie ist eine schwierige Wissenschaft, von der die meisten nichts wissen wollen, obwohl sie Grundlage unserer Existenz sein sollte. Eigentlich sollte ja jeder Mensch auch ein wenig Philosoph sein. Und so habe ich es hier mal ein bisschen versucht:
Das Problem, dem sich dieser Beitrag widmet, sei an einem einfachen Beispiel verdeutlicht: Wenn jemand todkrank ist, muss er entscheiden: Will er mit Medikamenten sein Leben und Leiden verlängern oder nicht.
Vor ähnlichen Problemen steht die Welt: Soll man die Klimakatastrophe, die unweigerlich früher oder später kommen wird, durch Herumdoktern an den Problemen aufzuhalten versuchen?
Oder: soll man dem Kapitalismus Zügel anlegen, was so ähnlich wäre, wie einen Löwen zum Haustier zu machen?
So kann man viele Probleme aufzählen, von denen die Politik vorgibt, sie im Griff zu haben, was jedoch tatsächlich eine Illusion ist. Deshalb gibt es eine Denkrichtung des Akzelerationismus, die, wenn ich es recht sehe, propagiert, den Dingen ihren Lauf zu lassen. Wir sollen uns also ins Unvermeidliche fügen, denn man kann ja sowieso nichts dagegen tun.
Darauf setzt sich nun eine neue Strömung, die wir hier als „Evitarismus“ bezeichnen wollen (vom lateinischen „evitare“ = vermeiden). Sie breitet sich dort aus, wo das Denken zu unangenehmen Ergebnissen führt. Wo die Vertreter des Akzelerationismus etwas Unangenehmes kommen sehen und darüber reden, wollen die Evitaristen es auch gar nicht mehr sehen und erst recht nicht mehr darüber sprechen. Da wird sogar das Denken eben einfach verboten. Das lässt sich am besten an einem historischen Beispiel demonstrieren: Weil Galilei etwas herausgefunden hatte, was der Kirche nicht ins Konzept passte, wurde er verurteilt. Heute ist es auch noch so: Als Sarrazin uns mit unangenehmen Statistiken konfrontierte, wurde er diffamiert.
Oder ein anderes Beispiel aus der Psychologie: Als den Frauen im Zuge der Emanzipation plötzlich „die Decke auf den Kopf fiel“ und sie sich einreden ließen, unbedingt Karriere machen zu müssen, waren die Psychologen zur Stelle und fanden, dass 5 Minuten Intensivkontakt für ein Kind völlig ausreichten. Und wehe, wenn einer wie ich die Frage aufwirft, ob nicht vielleicht ein Zusammenhang zwischen der zunehmenden Gewalt von Kindern und der Berufstätigkeit von Frauen besteht, dann fallen die Evitaristen über ihn her.
Ähnlich ist es, wenn man die schlichte Frage stellt, ob und inwieweit Homosexualität auch erziehungsbedingt sein kann. Solche Fragen müssten ja eigentlich ausführlich diskutiert werden, wenn über das Adoptionsrecht von schwulen Paaren entschieden wird. Aber was hören wir beispielsweise von der Kanzlerin zu diesen Problemen? Sie tue sich schwer damit, sagt sie, was ja weder ein klares Ja oder Nein ist. Aber schon mit dieser unklaren Äußerung löste sie eine Welle der Empörung aus, wie es im Spiegel heißt. Aber was sie gesagt hat, ist aus ihrer Sicht genial: Sie hat die Konservativen ihrer Partei nicht vor den Kopf gestoßen, ohne die Tür gegenüber den anders Denkenden zuzuschlagen. – Evitarismus eben!