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Wenn Frauen erbeben

Ich habe mir gerade einen eBook-Reader gekauft und so fülle ich meine Bildungslücken mit Büchern, die ich mir umsonst beim Gutenberg-Projekt herunter lade. Ich bin alphabetisch vorgegangen und habe Bücher von Balzac, Flaubert, Fontane usw. gelesen. In allen Büchern ging es um die Liebe und dabei fiel mir etwas auf. Alle Schriftsteller schreiben, dass die Frauen „erbebten“, wenn sie einen Mann, in den sie sich verliebt hatten, auch nur von Ferne sahen . Die Frauen von heute werden so etwas sicherlich lächerlich finden. Ich bin da anderer Meinung: Das geschilderte Erbeben zeigt, wie viel Feingefühl im Rahmen der Erotik inzwischen durch die Zeiterscheinungen abgebaut wurde.
Man braucht aber gar nicht bis in die Zeiten der erwähnten Schriftsteller zurück gehen. Auch wenn man wie ich auf ein langes Leben zurück blickt, sieht man einen totalen Wandel.
Während früher sogar das Zusammenleben von Verlobten strafbar war und sogar Eltern, die ein junges Paar unbeaufsichtigt ließen, wegen Kuppelei bestraft wurden, ist heute völlige Freizügigkeit normal.
Ein Schlager von früher hatte den Text:
„Ich hab‘ dein Knie geseh’n,
Das durfte nie gescheh’n…“
Und heute sieht man bauchfreie Kleidung mit knappsten Höschen, und das lässt die Männer offensichtlich ziemlich cool.
Die erotisch knisternde Spannung zwischen den Geschlechtern ist abgebaut. Wer redet schon noch von Erotik? Sex ist angesagt.

Deadening: Was ist das denn?

So werden Sie fragen. Also, weil alles, was bemerkt werden soll, einen englischen Namen haben muss, habe ich für das schlichte Wort Abstumpfung das englische „Deadening“ gewählt.
Am besten erkläre ich das mit einem Beispiel:
Von einem der letzten Krimis, die ich gesehen habe, ist mir weder der Titel noch die Handlung in Erinnerung geblieben. Nur ein Satz hat sich in mein Gedächtnis eingeprägt. Der Gerichtsarzt, der als erster am Tatort war und die Leiche angeschaut hatte, sagte zu der später hinzu kommenden Mordkommission: „Tun Sie sich das nicht an! Das ist zu grausam. Schauen Sie sich das nicht an!“ Aber typisch fürs heutige Fernsehen war dann, dass die Kamera den Fernsehzuschauern alle Details des Mordes zeigte. Wie sind die Menschen doch pervers geworden, dass sie so etwas sehen wollen.
Und wie schön waren doch die alten Krimis, in denen die Leiche noch Nebensache war in einem Puzzle-Spiel, das den Zuschauer zum Mitdenken inspirierte. Und heute beginnen die meisten Krimis mit einer Leiche, die in allen grausamen Details genaustens gezeigt wird, beispielsweise mit „Bemadung“. Dann werden die einzelnen Verdächtigen durchgehechelt, aber der Zuschauer weiß: „Der Mörder ist immer der Gärtner.“ So heißt es in einem Spruch, der zum Ausdruck bringen soll, dass immer der Unverdächtigste schließlich entlarvt wird. Fazit: Grausam und langweilig.
Warum rücken bei den heutigen Krimis die Grausamkeiten so in den Vordergrund? Weil die Menschen so abgestumpft sind, dass sie so etwas brauchen.
Typisch scheint mir in diesem Zusammenhang zu sein, dass – wie ich es sehe – das Wort „Empathie“ im Zuge der Emanzipationsbewegung auf einmal populär wurde. Die Frauen stellten als ihren Vorteil heraus, dass sie empathischer, also gefühlvoller, seien, was wohl nicht stimmt, wie die höhere Selbstmordrate der Männer zeigt. Dass das Wort „Empathie“ überhaupt in den Vordergrund gerückt ist, liegt an der allgemeinen Abstumpfung, für die der Engländer ein treffenderes Wort hat, das mit Tod zusammen hängt: Deadening.
Wenn ich an die Zeit zurück denke, in der mein Interesse für das andere Geschlecht erwachte, und sie mit der heutigen vergleiche, dann kann ich nur feststellen: totale Abstumpfung. Ich hätte nicht lernen können, wenn es damals schon die Koedukation gegeben hätte, schon gar nicht, wenn die Mädchen so leicht gekleidet in die Schule gekommen wären wie heute.
Wie viel mehr die Menschen früher erotisch ansprechbar waren, kann man mit vielen Beispielen belegen: Die Schaufensterpuppen wurden beim Umkleiden zugehängt, eine Mitschülerin meiner Frau wurde von der Lehrerin nach Hause geschickt, weil sie ausgeschnitten in die Mädchenschule(!) kam, in einer Reichsgerichtsentscheidung wurde ein Bild als unzüchtig angesehen, weil rauchende Frauen mit geschminkten Lippen und lackierten Fingernägeln dargestellt waren…
Heute würde man sagen, die Menschen seien damals eben sehr prüde gewesen. Das mag sein, aber die Prüderie hatte ihren Grund nämlich den, dass die Menschen erotisch viel empfindsamer waren. Jemand hat es einmal so ausgedrückt: „Wenn die Loren einen Knopf ihrer Bluse aufgemacht hat, dann steckte da mehr Erotik drin als heute in einem ganzen Porno.“
Oft muss ich an Schillers Vers denken: „Oh, dass sie ewig grünen bliebe, Die schöne Zeit der jungen Liebe!“ Diese Form der jungen Liebe ist offenbar dem „Deadening“ zum Opfer gefallen.

Was kommt nach „50 Shades auf Grey“?

„50 Shades auf Grey“ ist der Endpunkt einer Entwicklung, die von strengster Prüderie bis zur Perversion verlaufen ist. Als ich zur Schule ging, lernten wir im Religionsunterricht, was Sünde ist und unser Religionslehrer wetterte gegen die sittliche Verwahrlosung: „Kann denn Liebe Sünde sein?“, das Lied von Zarah Leander, war ihm ein Dorn im Auge. Und unerträglich war ihm die Operettenarie: „Wer uns getraut…“
Es war nicht nur unser Religionslehrer, der so strenge Ansichten hatte, nein auch die Polizei achtete auf die Moral. Da durfte man nicht einmal einen harmlosen Witz machen:
https://autorenseite.wordpress.com/2012/12/21/frueher-sex-witz-15344180/
In meiner Jugend mussten Schaufensterpuppen während des Dekorationswechsels mit Papier verhüllt werden. Und ein typischer Schlager lautete: „Ich hab dein Knie geseh’n, das durfte nie scheh’n…“ Aufklärende Schriften, in denen etwas über Cunilingus oder Felatio stand, wurden als unzüchtig beschlagnahmt.
Dann begann ganz leise eine sexuelle Revolution mit Oswald Kolle und Bravo. Und nun überschlug sich die Entwicklung. Die Erotik wurde immer freizügiger und auch gegen Pornos wurde nicht mehr eingeschritten.
Das Publikum muss wie Süchtige behandelt werden und musste nun gerade mit Perversion gefüttert worden: „50 Shades of Grey“.
Was kommt dann? Das Foto des Jahres 2014 zeigt, wohin die Reise geht: ein „schwules Paar in einem intimen Augenblick“. Wer jetzt noch mit einem Buch oder Film Geld verdienen will, muss dem Trend folgen, den das Foto des Jahres vorgegeben hat: Schwule bei der Liebe!
Meine Bücher sind jedoch völlig anders. Schauen Sie doch mal rein!

Sexersatz durch Gastroerotik?

Ich finde es schrecklich, dass sich im Fernsehen die Kochshows immer mehr ausbreiten und glaube, dass man damit auf billige Weise das Programm füllen will. Aber vielleicht sehe ich das ja falsch. Womöglich gibt es ja viele, die gern beim Kochen zuschauen und sich dadurch Anregungen holen.
À propos „Anregungen“: Ich las kürzlich, dass viele Paare das gemeinsame Kochen als erotisch empfinden und häufig beschränkt sich ihr Sexualleben darauf.
Dies bestätigt das, was ich unter „Sex kaputt“ geschrieben habe.
https://autorenseite.wordpress.com/2014/08/19/sex-kaputt-19191869/
Vielleicht ist es jetzt ja auch für die Jüngeren bald so, wie man es über die Alten zu sagen pflegt: „Essen ist der Sex des Alters.“
Inzwischen Steht der Mann vor der völligen Entmannung:
https://autorenseite.wordpress.com/2016/08/06/die-vernichtung-des-mannes/https://autorenseite.wordpress.com/2016/08/06/die-vernichtung-des-mannes/
Sonderbarerweise stößt man, wenn man nach „Gastroerotik“ googelt, auf das Messopfer der Kirche.