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Wenn Jesus heute gekommen wäre …

Stellen wir uns einmal vor, wie es wohl gewesen wäre, wenn Jesus nicht vor gut zwei Jahrtausenden auf einem Esel in Jerusalem eingeritten wäre, sondern heute in einem Trabi nach Berlin gekommen wäre.

Die Bibel schildert den Einzug Jesu als einen historisch bedeutenden Moment, den Tausende miterleben wollten. Der Zöllner Zachäus musste sogar auf einen Baum steigen, um einen Blick auf Jesus werfen zu können. Woher wussten so viele Menschen von der Ankunft Jesu? Das Ereignis muss sich wohl durch Mundpropaganda herum gesprochen haben.

Nun, heute gibt es Rundfunk und Fernsehen. Aber über was wird dort schon berichtet? Sicherlich würde man nichts über eine unbekannte Sekte erfahren, die sich „Essener“ nennt. Und erst recht würde nichts über den Einzug des Oberhaupts dieser Sekte in Berlin berichtet – – höchstens als Kuriosum etwa so:

„dpd: – Eine Sekte, die sich Essener nennt, erwartet heute ihr Oberhaupt, einen 25-jährigen Mann, der sich den Beinamen Messias gegeben hat und sich als Gottes Sohn bezeichnet. Der feierliche Einzug findet um 14.00 Uhr Unter den Linden‘ statt.“

Wer würde da wohl kommen? Ich nicht und Sie wahrscheinlich auch nicht. So wären also Jesus und seine wenigen Anhänger ganz unter sich. Vielleicht kämen noch ein paar Neugierige, um jemanden anzuschauen, der sich als Sohn Gottes ausgibt, und sicher wären einige dabei, die geplant hätten, sich über ihn zu amüsieren oder gar ihn zu verspotten.

Und wenn er dann seine Wunder gewirkt hätte, hätte er vielleicht den Bekanntheitsgrad von Davis Copperfield erreicht. Bei der Verwandlung von Wasser zu Wein hätte man die Frage aufgeworfen, welcher Trick wohl dahinter steckt. Und die Auferweckung eines Toten hätte man vielleicht damit abgetan, dass der angeblich Verblichene wahrscheinlich nur scheintot gewesen sei. Alles in allem hätte das sensationsgeile Volk wohl die Wunder als wenig spektakulär empfunden und hätte gesagt: „David Copperfield ist interessanter.“

Die einzige echte Sensation wäre gewesen, wenn Jesus zu Fuß über den Wannsee gegangen wäre. Aber dazu wäre es wohl nicht gekommen, denn der Bericht in der Bibel darüber, dass Jesus über den See Genezareth gewandelt sei, macht doch eher den Eindruck einer Vision als den eines Tatsachenberichts. Sonst wären die Juden ja sicherlich als erste gläubige Christen geworden.

Stellen Sie sich das doch einmal vor: Jesus wäre wirklich seinerzeit über das Wasser gewandelt. Seine Jünger hätten doch wohl schon lange vorher für dieses Ereignis Reklame gemacht, und so wären am Ufer Tausende gestanden, um zuzuschauen. Und wenn sich dann wirklich die große Sensation ereignet hätte: welcher Jude hätte da noch Zweifel gehabt, dass Jesus der Sohn Gottes ist?

Wenn Jesus heutzutage gekommen wäre, hätte der Herrgott ein großes Problem gehabt: Er hätte seinen Sohn nicht auf so spektakuläre Weise opfern können wie damals durch die Kreuzigung. Es gibt ja nicht einmal mehr die Todesstrafe. Also bliebe nur ein Attentat als Aufsehen erregendes Lebensende für Jesus übrig.

Die Kirche kann sich also freuen, dass Jesus vor rund 2000 Jahren gelebt hat. Wenn er erst heute erschienen wäre, hätte er es wohl kaum zum Begründer einer Weltreligion gebracht. Denn das Merkwürdige am Menschen ist, dass er eher das glaubt, was in alten Büchern steht, als das, was er selbst sieht.

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Denken Sie manchmal auch über Gott und die Welt nach? Dann schauen Sie doch mal in die „Verbotene Zone„.