Schlagwort-Archive: Einfluss

Bayrischer Rundfunk = CSU-Funk?

Jetzt glaubt man gerade, einen neuen Skandal entdeckt zu haben. Eine Sprecherin aus dem Ministerium Söders soll verhindert haben, dass ein Beitrag wiederholt wurde. So lautet der Vorwurf. Aber der BR macht rein journalistische Gründe dafür verantwortlich.
Ich finde an sich, dass Mitglieder von Parteien wie normale Bürger auch das Recht haben sollten, sich zu beklagen, wenn etwas nicht stimmt, was da gesendet wird. Aber alles hat seine Grenzen. Es kommt darauf an, was aus welchem Anlass gesagt wurde.
Was die Objektivität des Bayrischen Rundfunks angeht, habe ich ein etwas zwiespältiges Verhältnis zu diesem Sender:
Positiv ist anzumerken, dass er im Hauptabendprogramm die kabarettistisch-kritische Sendung „Quer“ bringt, während das ZDF vergleichbare Sendungen zur Nachtzeit ausstrahlt. Der BR ist also insofern liberaler als andere Sender und das kann daher nicht hoch genug veranschlagt werden. Und das in einem CSU-Land!
Negativ ist mir manchmal beim BR aufgefallen, dass er Meldungen, die für die Regierung ungünstig sind, in aller Frühe bringt, sie aber später nicht wiederholt. So kann man immer sagen, man habe ja diese Meldung nicht unterschlagen.
Und in noch einem Punkt ist der BR nicht neutral: Er sendet morgens vor 6 Uhr eine Morgenbetrachtung, die meist christlich ist. Warum nicht? Der Sender könnte von mir aus auch jeden Morgen eine Morgenandacht ausstrahlen. Aber ich meine, dass die Neutralität eines Senders erfordert, dass auch die andere Seite gebührend zu Wort kommt, also die atheistische. Die Menschen sollen sich frei entscheiden können, ob sie glauben wollen oder nicht. Diese Freiheit haben sie nur, wenn sie aufgeklärt sind und wenn nicht die eine (christliche) Seite so hingestellt wird, als sei sie die einzig richtige. Die Zeiten, in denen Bayern, besonders Oberbayern praktisch rein christlich war, sind laut Statistik vorbei, und dem sollte auch das Programm entsprechen.

Wenn ein Politiker jemanden mit "Arschloch" beschimpft, …

…dann nimmt er hinterher nichts zurück, sondern sagt, er könne nicht vorstellen, so etwas gesagt zu haben. Jedenfalls habe es ihm fern gelegen, den Betroffenen zu beleidigen. Falls dieser es jedoch anders aufgefasst habe, bedaure er dies. Dieser drastische Fall ist zwar wohl so noch nicht passiert, aber so etwas Ähnliches haben wir schon öfter erlebt.
Genauso ist es auch, wenn Politiker Einfluss auf die Medien nehmen wollen. Hinterher behaupten sie das Gegenteil und stellen das Ganze als Missverständnis hin. Bekanntes Beispiel ist der Wutanruf Wulffs bei einem Redakteur der Bildzeitung. Nun erleben wir etwas ähnliches aus Kreisen der CSU. Wir wissen noch nichts Genaues nur so viel:
CSU-Generalsekretär Dobrindt erklärte, der Pressesprecher der Partei Strepp habe auch in einem Schreiben an den stellvertretenden Chefredakteur des ZDF, Elmar Thevßen, „ausgeführt und klargestellt“, dass es keinen Versuch einer Beeinflussung der Berichterstattung gegeben habe. „Er hat in diesem Schreiben zudem eine Entschuldigung gegenüber dem ZDF ausgesprochen für den Fall, dass ein anders gearteter Eindruck entstanden sein sollte.“
Offenbar brennt es nun in der CSU, weil Seehofer nicht zur Zusammenkunft der Ministerpräsidenten fährt, sondern in den Landtag geht.