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Dresden: Viel Lärm um (fast) nichts

 

Das Volk ist wie ein Hund, dem man einen Knochen hinwirft. An dem beißt er sich fest und merkt nicht, was sonst noch um ihn herum geschieht.
H. Pöll, Aphoristiker und Buchautor

Pegida hat in Dresden demonstriert. Als ein ZDF-Team die Demonstration gefilmt hat, hat ein Mann dagegen protestiert. Diesen Protest hat das Filmteam aufgenommen. Und die Polizei hat sich des Vorfalls angenommen. Dieser schlichte Vorfall wird nun zu einem Drama hochstilisiert, als wenn die Demokratie in Gefahr wäre. Sogar die Kanzlerin hat sich aus Tiflis eingeschaltet und die gar nicht zuständige Bundesjustizministerin hat Aufklärung gefordert und zwar eine lückenlose. Die Sachsen sind offenbar in den Augen der beiden Damen nicht in der Lage, den Fall vernünftig zu bearbeiten – daher ihre Mahnungen.
Schrauben wir den Vorfall mal auf ein vernünftiges Maß herunter, dann standen die nicht beneidenswerten jungen Beamten vor der Frage, was zu tun war. Zunächst einmal hatten sie aufzuklären, was überhaupt geschehen war. Und dann standen sie vor der schwierigen Rechtsfrage, ob ein Demonstrant nicht nur als Demonstrationsteilnehmer, sondern auch als Einzelperson aufgenommen werden durfte – ganz offensichtlich zum Zwecke der Verbreitung durch eine Fernsehsendung. Ob solche Aufnahmen zulässig sind, hängt von den Umständen ab, die zunächst zu ermitteln waren und dann einer durchaus schwierigen rechtlichen Würdigung zuzuführen waren. So etwas dauert natürlich eine gewisse Zeit.
Auch wenn nun bei der polizeilichen Arbeit Fehler unterlaufen sein sollten, ist es doch völlig unangebracht, deswegen die Pressefreiheit oder gar die Demokratie gefährdet zu sehen. Das Theater, das um den Vorfall veranstaltet wird, dient offensichtlich zum einen dem Wahlkampf nach dem Motto: „Seht her, wir kümmern uns um alles.“ Zum anderen soll mit dem Aufbauschen der Angelegenheit davon abgelenkt werden, dass es wichtigere Probleme gab, die zu lösen gewesen waren: Was geschieht mit den Flüchtlingen, die im Hafen von Catania festgehalten werden? Wäre es nicht Aufgabe der EU, sich dieser armen Menschen anzunehmen? Und hätte nicht die Kanzlerin längst in der EU auf eine Lösung dringen sollen, anstatt sich in Sachsen einzumischen? Aber das traut sie sich nicht, weil sie zu viele Fehler in ihrer Flüchtlingspolitik gemacht hat und sie daher lieber nichts über die bedauernswerten Menschen an Bord eines Schiffs der Küstenwache sagt. Sie hat ja gesehen, welchen Ärger es dem Bürgermeister von Bielefeld eingebracht hat, als es sich dieser Menschen annehmen wollte.

Wenn ich diese Bilder sehe…

Wenn ich die Bilder von Ost-Ghouta sehe, denke ich an meine Jugend und an die Bombenangriffe, die ich überlebt habe. Ich wohnte damals in Kiel. Die Stadt war der „Reichskriegshafen“ und wurde daher besonders stark bombardiert. Die Häuser wurden zu 88% zerstört und das sah noch schlimmer aus als heute Aleppo und Ost-Ghouta, denn die Bauten waren nicht aus Beton. Wenn die Alliierten wieder einen „Bombenteppich“ gelegt hatten, stand dort überhaupt nichts mehr und man hatte Schwierigkeiten, sich überhaupt noch orientieren zu können, denn die Straßen lagen unter dem Schutt. Nach Kriegsende wurde dann der ganze Schutt einfach in die Ostsee gekippt. Und weil es an der See immer windig ist, hatte man das Problem, dass Staubstürme über die leeren Trümmerfelder wehten. Also pflanzte man Bäume an, die nach dem Oberbürgermeister liebevoll „Gayk-Wäldchen“ genannt wurden. Statt einer Innenstadt hatten wir einen Wald – das muss man sich heute einmal vorstellen, wenn man nun durch Kiel geht.
Der Wiederaufbau Aleppos und Ost-Ghoutas wird insofern schwieriger sein, als die Betonruinen nicht so einfach zu einem Schuttberg abtransportiert werden können, wie es in München geschehen ist. Aber die Einwohner werden sicherlich Unterstützung von der UNO bekommen, die uns damals fehlte.
Wenn nun beim Thema Ost-Ghouta von Kriegsverbrechen gesprochen wird, weil viele Zivilisten als Opfer zu beklagen sind, so sind diese Verbrechen aber doch nur halb so schlimm wie diejenigen, die im zweiten Weltkrieg geschehen sind. Assads Angriffe richten sich jedenfalls gegen seine Gegner und nicht gegen die Zivilisten, die allerdings nicht geschont werden. Im zweiten Weltkrieg dagegen wurden gezielt Zivilisten getötet – am schlimmsten in Dresden.
Eine Weisheit besagt: „Im Krieg stirbt die Wahrheit zuerst.“ Der Spruch sollte ergänzt werden wie folgt: „Danach stirbt das Völkerrecht.“